Harzer Doppel (40 Bilder), Teil 1 (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 21.02.2015, 17:59 (vor 4106 Tagen)

Moin,

wir könnten im Mitteldevon anfangen. Damals war unser heutiges Ziel eine Mischung aus untermeerischen Vulkanen und untermeerischen Korallenriffen. Daraus wurde - vereinfacht ausgedrückt - der Elbingeröder Komplex, eine geologische Formation im Harz, die mit ihren Erzen und Kalken die Grundlage war für den Bergbau in Elbingerode und Rübeland und auch für die Rübeländer Höhlen. Somit könnte man sagen, daß im Mitteldevon auch die Grundlage für den Bau der Rübelandbahn liegt, die unser heutiges Ziel ist. Ich stütze mich bei der Darstellung der Geschichte überwiegend auf Werner Steinkes Buch 125 Jahre Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn (Gernrode 2000).


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Die Stammstrecke der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn (H.B.E.) wurde am 31. März 1873 feierlich eröffnet. Gut zwölf Jahre später wurde die heute als Rübelandbahn bekannte Fortsetzung hoch in den Harz in Betrieb genommen. Ihre Errichtung stellte die Ingenieure vor Probleme. Eine Spitzkehre in Michaelstein und die teilweise Ausrüstung mit einer Zahnstange (die erste Strecke nach dem System Abt) ermöglichten dann doch den Bau, so daß am 1. November 1885 der erste Abschnitt bis Rübeland eröffnet werden konnte, gefolgt von der Teilstrecke nach Elbingerode am 1. Mai 1886, einen Monat später nach Rothehütte (der Bahnhof hieß später Königshütte) und am 15. Oktober 1886 vom Restabschnitt nach Tanne. Somit war die Rübeländer Kalkindustrie ihre Transportprobleme los (die sollte bald die H.B.E. haben) und sie expandierte. Besagte Kalkindustrie ist heute ein Teil der Fels-Werke. Sie sind mittlerweile der einzige Kunde der Rübelandbahn und mittlerweile auch Betreiber der Infrastruktur.

Erst am 1. Mai 1886 wurde der Personenverkehr aufgenommen, zunächst nur bis Rübeland, während er auf den Teilstrecken nach Königshütte und Tanne von Anbeginn an bestand. Am 1. Mai 1907 wurde eine kurze Seitenlinie von Elbingerode nach Drei Annen Hohne (an der Harzquerbahn) eröffnet, hier endete zum Winterfahrplan 1964 der Verkehr.

25 Jahre nach ihrer Eröffnung erreichte die Rübelandbahn allmählich die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, wobei die Zahnstange das Haupthindernis war (niedrige Geschwindigkeiten, hoher Unterhaltsaufwand). Daher begannen, verknüpft mit Planungen einer Verlängerung nach Herzberg, Überlegungen zur Modernisierung und Abschaffung der Zahnstange. Als ein erster Schritt wurden durch die H.B.E. bei Borsig vier Dampfloks für reinen Reibungsbetrieb bestellt, 1920/1921 wurde die "Tierklasse" geliefert (die Loks hießen Mammut, Wiesent, Büffel und Elch). Nach der Lieferung weiterer Loks konnte Ende der 1920er die Zahnstange abgebaut werden.

Ende Oktober 1929 berichtete die H.B.E. im Blankenburger Kreistag über ihr Vorhaben, die Teilstrecke von Blankenburg nach Rübeland neu zu errichten, nur so konnte der Verkehr wirtschaftlicher gestaltet werden. Priorität hatte der Abschnitt Hüttenrode - Rübeland, hier fuhr am 12. Februar 1931 der Eröffnungs-Sonderzug. Die Neutrassierung verringerte die in Lastrichtung zu befahrende Steigung von 60 auf 28,2 ‰. In Rübeland kam der alte Bahnhof abseits der neuen Strecke zu liegen. Es war genau dieser Bahnhof, für den im Kursbuch 1927 die Bezeichnung Rübeland Hbf nachgewiesen ist. Im Ort entstand ein neuer Bahnhof, Rübeland-Tropfsteinhöhlen, mit einem wuchtigen Empfangsgebäude. Der angedachte Neubau der Teilstrecke Blankenburg - Hüttenrode erfolgte nie.

Nach dem Krieg übernahm am 1. April 1949 die Reichsbahn die Betriebsführung. Der Verkehr wuchs, auf der Streilstrecke waren die Güterzüge teilweise mit drei Lokomotiven unterwegs. So begann eine neue Epoche in der Geschichte der Strecke: Im Dezember 1965 wurde der elektrische Betrieb aufgenommen. Man hatte sich für 25 kV/50 Hz entschieden, da die Strecke ein Inselbetrieb fernab der nächsten elektrischen Strecke war (und ist). Die Strecke Königshütte - Tanne wurde nicht elektrifiziert, seit September 1965 endeten die Reisezüge in Königshütte, zum Jahresende 1968 erfolgte die Stillegung dieser Teilstrecke. Von 1957 bis 1965 fuhren allerdings viele, teilweise sogar alle, Reisezüge der Rübelandbahn im Schienenersatzverkehr, der Güterverkehr lastete die Strecke komplett aus. Bis zum 30. Juli 1967 fuhren trotz der Elektrifizierung nur diesellokbespannte Reisezüge. Die Ursache lag darin, daß der elektrische Betrieb stundenweise eingestellt war, bis eine Erzgrube neue Zünder beschafft hatte, denn die alten reagierten auf die Streuströme der Oberleitung. Für den elektrischen Betrieb war in Hennigsdorf die Baureihe E 251 (später 251, zuletzt 171) beschafft worden. Die 15 Loks hatten eine hohe Zugkraft, Güterzüge hatten aufgrund des Steilstreckenbetriebes an jedem Zugende eine Lok. Bei Reisezügen erfolgte in Michaelstein ein Lokumlauf. Der einstige Elbingeröder Hauptbahnhof östlich des Ortes wurde im Zusammenhang mit der Elektrifizierung zu einer Ladestelle für den Güterverkehr degradiert, der Westbahnhof zum neuen Personenbahnhof.

Mit der Wende kam nicht das Ende der Rübelandbahn, aber sie ist eine andere als noch vor 20 Jahren. Der Personenverkehr wurde zunächst vertaktet, die Fahrgastzahlen waren aber recht gering. So wurde am 30. Mai 1999 der Abschnitt Elbingerode - Königshütte eingestellt (zwischen dem Kalkwerk Hornberg und Königshütte ist die Strecke mittlerweile stillgelegt). Die Züge aus Lok und einem Wagen verkehrten nur noch zwischen Blankenburg und Elbingerode, mit zehnminütigem Aufenthalt in Michaelstein mitten im Wald. Irgendwann um den Jahreswechsel 2000/2001 wurden die 171er im Reiseverkehr durch Wendezüge mit der Baureihe 218 ersetzt. Diese ermöglichten einerseits durchgehende Züge ab Halberstadt in den Harz und andererseits eine Verkürzung des Aufenthaltes in Michaelstein, das aber interssierte die potentiellen Fahrgäste wenig. So zog dis Nasa als Besteller die Notbremse und am 10. Dezember 2005 fuhr der letzte Reisezug von Blankenburg nach Elbingerode.

Der Güterverkehr wurde im Sommer 2004 auf die Baureihen 185 und 189 umgestellt, die 185 bewährte sich. Zum 1. April 2005 übergaben die Fels-Werke jedoch einen Großteil des Güterverkehrs an die Osthavelländische Eisenbahn (heute hvle), die Dieselloks einsetzte. Mitte 2005 wurde daher die Fahrleitung abgeschaltet, auch die wenigen DB-Züge wurden verdieselt. Damit nicht genug, DB Netz wollte sich nun von der Rübelandbahn trennen. Das gelang ihr, am 1. Mai 2006 übernahmen die Fels-Werke die Strecke (pachtweise, mit Kaufoption). Im Januar 2009 wurde der elektrische Betrieb wieder aufgenommen. Die Strecke wird heute im Zugleitbetrieb befahren, es wird vom Bahnhof Rübeland aus gesteuert. An einigen Tagen im Jahr verkehren Dampfzüge mit der 95 027, die "Mammut" als letzter überlebender Vertreter der Tierklasse steht nicht betriebsfäig im Lokschuppen im alten Bahnhof von Rübeland.

Aufgrund des Busfahrplans mußte der Besuch an einem Wochentag erfolgen (da besteht Stundentakt von Wernigerode). Meine Wahl fiel auf Freitag, den 13. Februar 2015. Das war vermutlich die Ursache dafür, daß der Güterzug ausgerechnet dann kam, als ich eine kleine Pause beim Bäcker in Rübeland eingelegt hatte. Geplan war, je Hauptbahnhof zehn Aufnahmen anzufertigen. In Elbingerode hat es im Prinzip geklappt. [image] Dort legen wir los, biegen aber am Markt zum Westbahnhof ab.


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Die Bilder folgen im zweiten Teil.


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