Von TGV bis Inselbahn – Reisebericht 1/4 mit 41 B. (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
der Schwarzwald und die Nordseeküste gehören zu den klassischen Urlaubszielen in Deutschland. Wenn man die Frage nach dem Reiseziel aber mit „Schwarzwald UND Nordseeküste“ beantwortet, kann man sich kritischen Blicken gewiss sein – insbesondere dann, wenn die eigentliche Intention der Reise eine Fahrt in eine französische Kleinstadt war. Um zu erklären, wie das alles zusammenhängt, muss ich wohl etwas ausholen.
Teilweise findet man an den Ortseingängen meiner Heimatstadt Konstanz Hinweistafeln auf die vier Partnerstädte
- Fontainebleau (Frankreich)
- Tabor (Tschechien)
- Richmond (Großbritannien)
- Lodi (Italien)
Drei der vier Städte habe ich schon besucht (die Links führen zu den jeweiligen Reiseberichten), so dass jetzt nur noch Fontainebleau südlich von Paris fehlt.
Die Tafel am Ortseingang ist übrigens schon etwas älter, denn im Jahr 2007 kam noch Suzhou (China) hinzu. Es kommt mir allerdings nicht ungelegen, dass Suzhou auf der Tafel fehlt, denn im Gegensatz zu den europäischen Partnerstädten sind meine Ambitionen auf eine Bahnreise nach China eher gering. Falls aber jemandem hier im Forum langweilig sein sollte, kann er ja mal den besten Reiseweg bzw. Fahrplan von Konstanz nach Suzhou recherchieren – im Moment aber nur aus reiner Neugierde und ohne ernsthafte Reiseabsicht meinerseits.
Aber zurück zur Frankreich-Reise. Wir wollen also nach Fontainebleau fahren, das geht am besten über Paris. Das wäre doch mal eine Gelegenheit für die Nutzung des TGV ab Freiburg. Nur müssen wir dafür schon am Vortag nach Freiburg fahren und haben somit einen ganzen Tag Zeit für den überschaubaren Weg durch Südbaden. Und welchen Rückweg wollen wir ab Paris wählen, ICE, TGV oder Thalys? Moment, lässt sich das nicht mit einer Abschiedsfahrt mit dem Mosel-IC verbinden? Und wenn schon eine Abschiedsfahrt, dann richtig, also auf dem gesamten Laufweg bis nach Norddeich? Könnten wir dann nicht gleich den IC „Bodensee“ auch mitnehmen? Und wenn wir ohnehin schon an der Küste sind, wollen wir dann nicht einen Ausflug auf eine Insel einplanen?
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/051-Fontainebleau-Borkum/51-000Karte.jpg)
Und so ergibt sich eine fünftägige Reise: Wir fahren von Konstanz über Basel nach Mulhouse, weiter zur Münstertalbahn und drehen eine Runde um den Kaiserstuhl. Am zweiten Tag geht es von Freiburg über Paris nach Fontainebleau und schließlich nach Luxemburg. Von dort reisen wir mit dem IC „Ostfriesland“ nach Norddeich. Am vierten Tag gibt es einen Ausflug auf Borkum zur dortigen Kleinbahn und zum Abschluss nutzen wir den IC „Bodensee“ auf dem kompletten Laufweg von Emden bis Konstanz. Die erstklassige Tour fand im August u.a. mit dem Deutschland-Pass statt.
Tag 1: Konstanz – Basel – Mulhouse – Münstertal – Staufen – Breisach – Freiburg
Wir beginnen unsere Reise am Haltepunkt Konstanz-Wollmatingen mit dem seehas (SBB Flirt) nach Singen. Der graue Himmel lässt noch keine richtige Urlaubsstimmung aufkommen, aber im Laufe des Tages wird sich das noch ändern.
In Singen wechseln wir auf einen Dieseltriebwagen der Baureihe 611 zur Fahrt nach Basel. Die Hauptzeit des Berufsverkehrs ist schon vorüber und die Auslastung überschaubar.
Via Schaffhausen und entlang des Hochrheins fahren wir dem Endbahnhof Basel Badischer Bahnhof entgegen, während Regentropfen an die Scheibe klopfen – und damit Streckenbilder dieses Abschnitts ausfallen.
Vom Badischen Bahnhof geht es mit dem Tram durch die Stadt und über den Rhein in Richtung des Bahnhofs Basel SBB, wobei unser eigentliches Ziel der Bahnhof Basel SNCF ist.
Der Bahnhof Basel SNCF ist angegliedert an den Bahnhof Basel SBB, besitzt aber eine getrennte Bahnsteighalle mit eigenen Gleisen. Vom Hauptgebäude führt ein Gang zum französischen Bahnhof. Während der deutsch-schweizerische Grenzübergang am Badischen Bahnhof offen und transparent ist, flößt die blickdichte Tür und die hermetische Abriegelung doch etwas Respekt ein, eine Grenzkontrolle findet aber nicht statt. Nach dem Passieren der Tür sind wir auf französischem Zollgebiet.
Auf Wikipedia ist zu lesen, dass die SNCF kein Interesse an einer Weiterführung des eigenen Bahnhofs hat und sich aus dem Betrieb zurückzieht. Auch eine geplante Erneuerung des Bahnhofs kam nicht zustande. Und so fühlt man sich fast etwas in eine andere Welt versetzt, zumal im schweizerischen Teil ein reges Treiben herrschte und der französische Bahnhof - hier der Wartesaal – wie ausgestorben wirkt.
Mit einem TER-200-Wendezug von TER Alsace fahren wir nun nach Mulhouse. Der Zug steht allerdings sehr unfotogen in der Kurve, so dass außer der BB 26000-Lok nicht viel vom Zug selbst zu sehen ist.
Aber egal, dann werfen wir eben zunächst einen Blick in den modernisierten Corail-Wagen der ersten Klasse. Für einen Regionalzug reist es sich hier außerordentlich bequem.
Die Fahrt durch die Rheinebene dauert nur gut 20 Minuten, dann sind wir schon in Mulhouse angekommen. Hier noch ein Blick von außen auf den farbenfrohen Wagen, grün steht für Wald und Weinberge, gelb für die Landwirtschaft, rosé für den Sandstein der Vogesen und braun für die elsässische Erde.
Es bleibt nun Zeit für einen kleinen Spaziergang in die Altstadt von Mulhouse, hier das Rathaus aus dem 16. Jahrhundert an der Place de la Réunion.
Dann treten wir die Weiterfahrt an, mit einem Dieseltriebwagen vom Typ X 73900 wollen wir über den Rhein nach Deutschland fahren. Auch der „Baleine“ (Blauwal) trägt die Farbgebung von TER Alsace.
Im stehenden Zug findet eine Fahrkartenkontrolle durch französisches Personal statt, dieses verlässt den Zug vor der Abfahrt und unbegleitet fahren wir erst über den Rhein-Rhône-Kanal, danach bei Neuenburg über den Rhein und erreichen schließlich Müllheim.
Der 4-Minuten-Übergang in Müllheim ist recht sportlich, wir müssen noch durch die Unterführung und gleichzeitig mit dem RE von Basel nach Offenburg kommen wir an Gleis 1 an. Auf dem Bild sitzen wir schon im Oberdeck des Doppelstockwagens.
Neun Minuten fahren wir nun auf der Rheintalbahn nach Norden, links die oberrheinische Tiefebene, rechts ein Blick auf den wolkenverhangenen Schwarzwald. In Bad Krozingen verlassen wir den Regional-Express...
...und wechseln zur SWEG auf die Münstertalbahn. Die Strecke wurde in den Jahren 2012/2013 elektrifiziert, seither verkehren dort Talent 2-Triebzüge. Beim Anblick des gelben 1.Klasse-Streifens über dem Fenster des Endwagens bin ich etwas irritiert, steht in meinem Fahrplanausdruck doch „nur 2. Klasse“. Komisch, innen gibt es eine großzügige 2+1 Bestuhlung, dennoch ist dieser Bereich als 2. Klasse ausgewiesen.
Beim Aufbereiten des Reiseberichts lese ich dann, dass man quasi aus Versehen das erste Fahrzeug in der Standardausfertigung mit 1. Klasse bestellt und danach bemerkt hat, dass S-Bahnen eigentlich nur mit 2. Klasse verkehren. Daraufhin wurde das Abteil deklassiert. Das zweite Fahrzeug wurde dann gleich ohne 1. Klasse ausgeliefert. Das ganze klingt etwas sonderbar, falls es jemanden interessiert hier ein Bericht der Badischen Zeitung.
Die eingleisige Nebenbahn ist im Eigentum der Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft (SWEG). Die Strecke führt zunächst bis Staufen durch die Rheinebene und dann ins Münstertal. Nach knapp 20 Minuten Fahrzeit und 11 Kilometern ist der Endbahnhof Münstertal erreicht.
Das Bahnhofsgebäude von Münstertal hat keinen direkten Gleisanschluss mehr und präsentiert sich als Baustelle. Das rund 100 Jahre alte Gebäude steht unter Denkmalschutz und soll saniert werden.
Es geht gleich weiter...
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TD,
14.02.2015, 14:26
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