Mit besonderen Zügen zur Oberweißbacher Bergbahn 3/4 m 43 B. (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zu Teil 3 unserer Deutschland-Rundreise mit besonderen Zügen. In Teil 2 waren wir in Hamburg Altona angekommen.
Tag 4: Hamburg – Rennsteig – Cursdorf
Ursprünglich hatte ich ab Hamburg keine weiteren Pläne und hätte um ein Haar eine völlig banale Rückfahrt nach Konstanz mit ICE und Schwarzwaldbahn ausgesucht. Aber dann habe ich doch noch einige besondere Reiseziele durchgespielt und mich für einen Abstecher nach Thüringen entschieden.
Am Sonntagmorgen um 5.31 Uhr loszufahren kostet schon etwas Disziplin, aber anders lässt sich der Plan mit Wandern am Rennsteig und die Fahrt mit der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn nach Cursdorf nicht vernünftig umsetzen. Mit dem ICE 71 soll es zunächst nach Kassel gehen.
Da wir das Hotel ohne Frühstück verlassen haben, steuere ich gleich das Bordrestaurant an. Mein Bruder möchte eigentlich erst später frühstücken – aber er kennt halt die Bahnfahrerweisheit noch nicht, dass man Serviceeinrichtungen so früh als möglich nutzen sollte, egal ob Speisewagen, APS oder Toiletten, denn man weiß nie, wie lange diese auf der Fahrt noch zur Verfügung stehen.
Aber heute scheint die Sorge unbegründet gewesen zu sein, das Bordrestaurant funktioniert und ist bestückt, so dass einem Frühstück auf Schienen nichts entgegensteht.
Nach dem Frühstück suchen wir uns einen eigenen Wagen. Eine herrliche Fahrt, ich lese gemütlich die Sonntagszeitung und es herrscht absolute Ruhe. Bahnreisen am frühen Sonntagmorgen haben doch ihren Reiz.
Schließlich wird der nächste Halt in Hannover angekündigt, gefolgt von dem Hinweis, dass sich die Weiterfahrt wegen einer technischen Untersuchung an einem Wagen um einige Minuten verzögern wird.
Ich kürze jetzt etwas ab: als wir eine Viertelstunde später auf dem Bahnsteig stehen, weil der ICE wegen eines Schadens an einem Rad nicht mehr weiterfährt, ist mein Bruder um eine Bahnfahrerweisheit reicher.
Wir setzen die Reise nach Erfurt schließlich mit dem nächsten ICE fort, allerdings nicht wie geplant über Kassel direkt, sondern über Fulda.
In Erfurt haben wir unfreiwillig einen längeren Aufenthalt als eigentlich geplant, den wir für einen Stadtbummel nutzen, hier am Domplatz.
Und unsere Pechsträhne hält an, denn jetzt ist auch noch das bekannte Fotomotiv mit Erfurter Dom und Severikirche zugeparkt ;)
Zwei Stunden später als geplant steigen wir schließlich in das Regioshuttle der Süd-Thüringen-Bahn (STB) zur Fahrt zum Bahnhof Rennsteig. Vier Zugpaare sind am Wochenende bis zum Bahnhof Rennsteig durchgebunden.
Ein Blick in den Innenraum des Regioshuttles. Aber halt, wir dürfen ja in der ersten Klasse Platz nehmen...
Bis Neudietendorf fahren wir nun ein Stück auf der Thüringer Bahn zurück, dann geht die Fahrt durch das Thüringer Becken nach Süden. In der Ferne thront die Veste Wachsenburg über dem Tal.
Dann geht es durch das Tal der Zahmen Gera nach Angelroda, wo der Fluss auf einem 100 Meter langen Viadukt überquert wird. Hier der Blick vom Viadukt auf den 400-Einwohner-Ort. Mittlerweile machen sich auch die Ausläufer des Thüringer Walds bemerkbar.
Nun führt die Strecke durch das Reichenbachtal – hier der Blick auf Martinroda – und das Geratal ins Ilmtal nach Ilmenau. Ilmenau ist Endpunkt der regulären Züge; auf dem weiteren Abschnitt bis zum Bahnhof Rennsteig gab es seit dem Jahr 2009 nur noch einen Museumsverkehr. Im Juni 2014 nahmen Erfurter Bahn und Süd-Thüringen-Bahn mit dem Rennsteig-Shuttle wieder einen regelmäßigen Verkehr zum Bahnhof Rennsteig auf.
Ein wenig an die Zeit um das Jahr 1904 erinnert das Bahnhofsgebäude von Manebach, denn zu dieser Zeit erreichte die Eisenbahn den Ort im Ilmtal.
Durch das Biosphärenreservat Vessertal-Thüringer Wald geht die Fahrt nun hinauf zum Bahnhof Rennsteig. Nach Stützerbach beginnt der Steilstreckenabschnitt mit bis zu 60 Promille Neigung. Beworben wird die Strecke von der STB mit dem Slogan „Klettertour auf 747,7 m“. Bis zum Jahr 1927 wurde die Strecke im Zahnstangenbetrieb befahren, heute gehört sie zu den steilsten im Reibungsbetreib befahrenen Eisenbahnstrecken Deutschlands.
Der Bahnhof Rennsteig ist ein Kopfbahnhof am Scheitelpunkt der Rennsteigbahn. Die Strecke führt von hier weiter nach Themar an der Werrabahn Eisenach–Lichtenfels, hier finden aber nur Nostalgiefahrten statt.
Das schmucke Bahnhofsgebäude stammt aus dem Jahr 1906. Der Bahnhof ist Ausgangspunkt für Wanderungen auf einem der ältesten Höhenwanderwege in Deutschland.
Es geht gleich weiter...
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Mit besonderen Zügen zur Oberweißbacher Bergbahn 3/4 Forts.
Allerdings rächt sich nun wieder die ICE-Panne auf der Hinfahrt. Wären wir zwei Stunden früher auf dem Rennsteig angekommen, hätte es zumindest für einen kleinen Spaziergang noch gereicht. Doch nun machen sich ein Donnergrollen und dunkle Wolken bemerkbar, so dass wir auf einen längeren Aufenthalt verzichten und mit dem gleichen Zug wieder zurückfahren.
Bis Arnstadt geht es nun auf gleichem Wege zurück, hier wieder der Blick vom Angelrodaer Eisenbahnviadukt, diesmal aber in die andere Blickrichtung.
Weiter geht die Fahrt durch das Thüringer Becken. In Arnstadt steigen wir um auf ein Regioshuttle der Erfurter Bahn der Linie EBx 47 in Richtung Saalfeld.
Viel mehr Bilder als dieses Innenbild mit der farblich abgesetzten ersten Klasse habe ich allerdings nicht, denn nun holt uns das Gewitter ein und weitere Streckenbilder der Fahrt durch das Hügelland der Saale-Ilm-Platte sind somit nicht möglich. Aber immerhin weiß ich nun, warum der Bahnhof Singen aus Teil 1 des Reiseberichts den Zusatz „(Hohentwiel)“ trägt, denn nun fahren wir durch den Ort „Singen(Thür)“.
In Rottenbach steht schon der nächste Umstieg an. Hier beginnt die Schwarzatalbahn. Da im Fahrplan eine Regionalbahn ausgewiesen ist, erwarte ich einen Triebwagen der Baureihe 641 (Wal), stattdessen fährt auch hier ein Regioshuttle der Erfurter Bahn, diesmal jedoch ein jüngeres Exemplar mit modernen Sitzen. Das Gewitter tobt noch kräftig und im Sauseschritt verlassen wir in Ostfelderschmiede den Zug und suchen das schützende Dach der Talstation der Oberweißbacher Bergbahn.
Die Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn passt sicherlich sehr gut zum Motto der Reise „Besondere Züge“, denn die Strecken, Fahrzeuge und Bahnhöfe gehören wohl zu den ungewöhnlichsten der Deutschen Bahn. Unter der DB RegioNetz Verkehrs GmbH, Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn sind die Schwarzatalbahn, die Standseilbahn von der Talstation Obstfelderschmiede nach Lichtenhain und die „Flachstrecke“ von Lichtenhain nach Cursdorf zusammengefasst. Widmen wir uns nun zunächst der Standseilbahn.
Um die Bergdörfer auf dem Schiefergebirge an die Schwarzatalbahn anzubinden, fiel im Jahr 1919 die Entscheidung zum Bau einer Standseilbahn. Die Strecke ist über Drehscheiben in Tal- und Bergstation mit der Schwarzatalbahn und der Flachstrecke verbunden. Mit Hilfe einer Güterbühne können so normalspurige Fahrzeuge und Wagen über die Standseilbahn transportiert werden.
Für unsere Bergfahrt wartet der aufgearbeitete stufenförmige Personenwagen aus dem Jahr 1923.
Im Moment ist die Bergbahn aber eine „Schönwetterbahn“. Denn heute steht oben in der Bergstation der offene Cabrio-Wagen. Solange noch das Gewitter tobt ist die Fahrt im offenen Wagen zu gefährlich, und so müssen auch wir in der Talstation warten. Nach Abklingen des Gewitters geht die Fahrt dann eine halbe Stunde später los.
Ein Blick zurück zur Talstation: links die Drehscheibe als Verbindung zur Schwarzatalbahn.
Wir nähern uns nun der Ausweiche und der „Gegenzug“ fährt ins Bild. Dieser besteht aus der Gütebühne mit dem offenen Aufsatzwagen. Der Cabriowagen entstand aus einem Bahndienstwagen, er ist erst seit dem Jahr 2008 auf der Strecke unterwegs.
Die Steilstrecke hat eine Spurweite von 1.800 mm, mit einer Steigung von ca. 25 % geht es erst durch den Wald, für den letzten Abschnitt dann durch offene Landschaft.
Die große Spurbreite macht sich auch durch einen geräumigen Innenraum bemerkbar. Nach einer Fahrzeit von 18 Minuten sind wir in der Bergstation Lichtenhain angekommen.
In Lichtenhein beginnt die Flachstrecke nach Cursdorf, auch hier besteht eine Anbindung durch eine Drehscheibe.
Ihr kanntet die Baureihe ET 479 noch nicht? Nun, hier kommen 2 Vertreter der Elektro-Triebwagen angefahren. Ganze 3 Fahrzeuge dieser Baureihe gibt es, sie werden mit 600 Volt Gleichstrom betrieben und haben eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern.
Nun geht es auf die gut 2,5 Kilometer lange Strecke über Oberweißbach nach Cursdorf. Der Lokführer ist hier nicht nur für Fahrkartenverkauf und –kontrolle zuständig, sondern bewirtschaftet auch die Bordgastronomie. Das Angebot ist allerdings überschaubar und besteht nur aus hochprozentigen „Bergbahn-Früchtchen“ und „Bergbahn-Kräutern“. Während bei anderen Bahnen ein Alkoholverbot gilt, fragt hier der Lokführer vor der Abfahrt, ob noch jemand einen Likör kaufen möchte.
Bei der Fahrt auf dem Bergsattel über dem Schwarzatal zeigt sich der Himmel über dem Thüringer Wald noch sehr wolkenverhangen. Ursprünglich wurden Güterwagen, die auf der Güterbühne über die Standseilbahn transportiert wurden von den Triebwagen auf der Flachstrecke weiterbefördert. 1966 wurde der Güterverkehr eingestellt.
Nach acht Minuten ist das Ziel erreicht und wir rollen an den Bahnsteig von Cursdorf. Cursdorf ist mit 678 Höhenmetern der höchste Punkt im Netz der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn.
Ganze 625 Einwohner zählt Cursdorf. Neben Eisenbahninteressierten ist man hier insbesondere auf Wandertouristen eingestellt. Geprägt ist die Region durch Dach- und Fassadenschiefer, wodurch der Ort doch recht grau wirkt.
Langsam hört es nun auf zu regnen und ein Regenbogen stimmt versöhnlich. Da die Wanderung am Rennsteig heute ja ausfallen musste, gibt es nun einen Abendspaziergang ins benachbarte Oberweißbach.
Auch hier begegnen uns die schiefergetäfelten Fassaden. Wer Ruhe sucht, ist hier richtig.
Und es gibt sogar einen Superlativ: den „Dom von Südthüringen“. Mit 2.000 Sitzplätzen ist die Hoffnungskirche die größte Dorfkirche Thüringens – und hat damit mehr Sitzplätze als der Ort heute Einwohner.
Entlang der Gleise fangen wir die letzten Sonnenstrahlen des Tages ein und beenden damit Teil 3 des Reiseberichts. Im letzten Teil geht es dann von Cursdorf zurück an den Bodensee.
Viele Grüße
Tobias
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Besondere Züge
Moin Tobias,
besten Dank. Endlich mal eine Gegend, die ich kenne.
Da empfand ich sitzplatzmäßig die 2. Klasse angenehmer als die 1.
Es fährt am Wochenende ein Ausflugszugpaar von Erfurt nach Katzhütte, Du hast da vielleicht die Vorleistung erwischt oder der Zug übernahm zwischendurch aus Plankurse. Da weiß jemand von vor Ort vielleicht mehr.
Hast Du da zufällig den genauen Standort? Das sieht interessant aus und falls ich mal wieder vorbeikomme da...
Und aus dem Vorteil.
Fleischer?
Rennsteig wollte ich dieses Jahr auch hin, hat aber nicht geklappt. @Markus u.a.: Vielleicht klappt es nächste Saison.
Viele Grüße
Sören
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![[image]](https://up.picr.de/48317654tz.jpg)
Verstehen Sie Bahnhof!
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Besondere Züge
Hast Du da zufällig den genauen Standort? Das sieht interessant aus und falls ich mal wieder vorbeikomme da...
Hallo Sören,
das ist in Cursdorf, ein paar Meter wenn man vom Endhaltepunkt Richtung Ort läuft.
Fleischer?
Ja, das sollte das Fleischer-Bus-Treffen gewesen sein.
Viele Grüße
Tobias
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Mit besonderen Zügen zur Oberweißbacher Bergbahn 3/4 m 43 B.
Danke für den Bericht! Von Erfurt zur Bergbahn bin ich mal während eines Thüringen-Urlaubs mit meinem Vater gefahren. Da war das Wetter ähnlich wie auf deinen Fotos, allerdings den ganzen Tag. Trotzdem war es eine nette Tour. In einem Zug der BR 479 hat mein Vater beim Ausstieg in Oberweißbach seine Kameratasche samt Kamera liegen lassen. Nicht verzagen, Jan fragen: wir haben einfach die paar Minuten gewartet, bis der Zug wieder zurück aus Cursdorf kam und haben die unversehrte Tasche herausgeholt :-).
Mit besonderen Zügen zur Oberweißbacher Bergbahn 3/4 Forts.
Hallo Tobias,
danke für den dritten Teil deiner Reise.
Ab Erfurt war es für mich Neuland, in diesem Teil von Thüringen war ich bisher noch nicht. Werde es aber wohl bald mal nachholen, da es landschaftlich sehr reizvoll aussieht.
Gruß
ICE1223
Besondere Züge
Es fährt am Wochenende ein Ausflugszugpaar von Erfurt nach Katzhütte, Du hast da vielleicht die Vorleistung erwischt oder der Zug übernahm zwischendurch aus Plankurse. Da weiß jemand von vor Ort vielleicht mehr.
Erfurt? Ich kenne einen EB-Zug Leipzig - Gera - Saalfeld, der nach Katzhütte verlängert wird - aber Erfurt wäre mir neu...
Mit besonderen Zügen zur Oberweißbacher Bergbahn 3/4 m 43 B.
Bni ich eigentlich der einzige, der bei City-Frühstück immer das Gefühl hat, es ist zu wenig "aufs Brot" dabei für die Menge an Brot, Brötchen und Croissants, die man bekommt? Irgendwas futtert man letzten Endes immer trocken...
Das trotzdem als meinen Favoriten bezeichnende Grüße
der Colaholiker
Besonderere Züge
Guten Morgen Tobias,
besten Dank. Ich bin bei meinem Besuch an der Strecke zurückgelaufen. ;-)
Nicht so ganz zufrieden bin ich übrigens wenn Du schreibst: Ganze 3 Fahrzeuge dieser Baureihe [479] gibt es, sie werden mit 600 Volt Gleichstrom betrieben und haben eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern.
Wenn Du Dich auf die Baureihe 479.2 beschränkst, stimmt das. Es gibt aber noch die einstmals so bezeichnete Baureihe 479.6.
![[image]](http://jernbane.net/upload_07/1407601283_klein.jpg)
Falls Du mal ein Sommerwochenende in Berlin bist, wäre die Buckower Kleinbahn vielleicht ein Ziel?
Guten Morgen Splittergattung,
Dein Einwand ist völlig berechtigt. Ich muß mich bei Leipzigs Hauptbahnhof in aller Form entschuldigen, daß ich ihn mir Erfurts verwechselt habe.
Viele Grüße
Sören
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