Hauptbahnhof, gerade trocken (30 Bilder), Teil 1 (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 08.11.2014, 14:04 (vor 4200 Tagen)

Grüß Gott,

sieben Hauptbahnhöfe stehen dieses Jahr noch auf dem Fahrplan. Sechs davon liegen in Bayern. Dort bewegen wir uns zunächst von der Donau an den Rhein (der in Bayern Bodensee heißt).


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Die erste Bahnstrecke in Regensburg war die Ostbahnstrecke zwischen Nürnberg und München. Am 3. November 1858 wurde als Anfang München - Landshut eröffnet, am 12. Dezember 1859 die Fortsetzung nach Regensburg. So weit, so falsch. Denn man nutzte weder den heutigen Bahnhof in Landshut noch auf ganzer Länge die heutige Bahnstrecke. Stattdessen bog man aus heutiger Sicht in Neufahrn auf die Nebenbahn nach Fahrraddorf - Straubing ab. Die verließt man in Geiselhöring, um über eine heute stillgelegte Strecke Sünching an der heutigen Strecke nach Istanbul zu erreichen. Am 6. August 1873 wurde die direkte Verbindung zwischen Neufahrn und Obertraubling in Betrieb genommen. Die heutige Strecke wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert zweigleisig ausgebaut und in den 1920ern elektrifiziert: München - Freising am 28. September 1925, am 3. Oktober weiter bis Landshut. Knapp ein Jahr später, am ersten Oktobertag des Folgejahres folgte der Abschnitt bis Neufahrn und am 10. Mai 1927 wurde Regensburg erreicht. Mit Neufahrn meine ich selbstverständlich Neufahrn (Niederbayern), nicht das zweite Neufahrn an der Strecke, das bei Freising.

Ebenfalls am 12. Dezember 1859 ging die Strecke von Regensburg über Schwandorf und Amberg bis Hersbruck in Betrieb, von wo aus schon seit dem 9. Mai 1859 Züge in die Bratwurstlebkuchenstadt fuhren. Der Abschnitt Regensburg - Schwandorf ist zweigleisig und nicht elektrifiziert. Die weitere Geschichte lasse ich hier unberücksichtigt.

Im jungen Kaiserreich folgte die Direktverbindung nach Nürnberg über Neumarkt: 1. Dezember 1871 Nürnberg - Neumarkt, 15. Mai 1873 Neumarkt - Seubersdorf und am 1. Juli 1873 nach Fertigstellung einer Brücke auch der Restabschnitt bis Regensburg. Kurz vor der Jahrhundertwende erfolgte der zweigleisige Ausbau und 1950 die Elektrifizierung.

Der 12. Dezember 1859 wird noch ein drittes Mal erwähnt: Damals wurde nämlich auch die Strecke von Geiselhöring nach Straubing in Betrieb genommen. Züge Regensburg - Straubing wechselten dort die Fahrtrichtung. Seit dem 20. September 1860 geht es von Straubing weiter nach Passau. Erst am 1. Juli 1873 wurde die direkte Strecke von Sünching nach Straubing in Betrieb genommen. Seit dem 30. September 1896 erreicht die Strecke aus Neufahrn die Passauer Strecke in Fahrraddorf; die alten Linienführungen Sünching - Geiselhöring und Perkam - Straubing sind somit schon lange verschwunden. Beide lassen sich im Satellitenbild aber noch mehr oder minder erkennen.
Auch Regensburg - Passau wurde kurz vor 1900 zweigleisig ausgebaut, seit dem 1. Juni 1959 besteht elektrischer Betrieb.

Alt letzte der noch betriebenen Strecken wäre die Donautalbahn zu erwähnen. Sie führt von Regensburg donauaufwärts über Ingolstadt und Donauwörth bis Neuoffingen, dort trifft sie auf die Strecke Augsburg - Ulm. Am 1. Juni 1874 wurde der Abschnitt Regensburg - Ingolstadt eröffnet, am 15. August die Fortsetzung nach Donauwörth und auf den Tag zwei Jahre später der Lückenschluß nach Neuoffingen. Die Donautalbahn ist eingleisig und elektrifiziert.

Dann wären noch einige stillgelegte Strecken zu erwähnen. In Sinzing (sechs Kilometer von Regensburg entfernt) zweigte von der Donautalbahn einst die kurze Lokalbahn nach Alling ab. Sie wurde am 20. Dezember 1875 eröffnet, am 1. März 1867 endete der Reiseverkehr, am Jahresende 1985 auch der Güterverkehr. Seit 1991 darf sie auf www.bahntrassenradeln.de erwähnt werden.

Regensburg-Wutzlhofen liegt siebeneinhalb Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt an der Strecke nach Schwandorf. Hierzweigte die 35,4 Kiloemter lange Lokalbahn nach Falkenstein in der Oberpfalz ab. Am 21. Dezember 1913 fuhren die ersten Züge. Die letzten Züge: Am 1. Juni 1984 endete der planmäßige Reiseverkehr, am 2. Juni 1985 der Güterverkehr auf dem Großteil der Strecke - ab Wenzenbach (km 5,2) - und am 28. September 1986 auch auf den letzten Metern. Auch auf ihr dominiert heute das Zweirad.

Die bekannteste stillgelegte Strecke in Regensburg erreichte nicht den Hauptbahnhof. Es war die schmalspurige Walhallabahn, die nördlich der Donau ostwärts nach Wörth verlief. Am 23. Juni 1889 wurde ein erster Teilabschnitt (Regensburg-Reinhausen - Donaustauf) eröffnet, am 1. Mai 1903 die Verlängerung bis Wörth. Bereits 1933 wurde der erste Kilometer durch die Straßen Regensburgs stillgelegt. Am 1. August 1938 wurde die Lokalbahn AG verstaatlicht und die Strecke ging an die Reichsbahn über. Am 1. Oktober 1960 endete der Reise- und am 31. Dezember 1968 auch der Güterverkehr.


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Dieses war der erste Streich
und der zweite folgt sogleich
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