Eine Reise nach Gdansk - Hin- und Rückfahrt (mit Bildern) (Reiseberichte)
Die Hinreise
Der gesamte Ausflug stand wegen ständig drohender GDL-Streiks nicht unter dem besten Vorzeichen: Flüge waren diesmal zu teuer, der Mietwagen angesichts fehlender Autobahnen auf meiner Stammstrecke polnischerseits (Szczeczin - Gdansk) keine wirkliche Alternative, sodass nur der Zug blieb. Von Berlin aus führt in die ehemalige Hansestadt allerdings nur eine Direktverbindung täglich in einer Fahrplanlage, die zur Ankunft nach 20 Uhr führt. Das ist wenig, gemessen am Angebot vor einiger Zeit allerdings wieder etwas mehr. So weit ich weiß, gab es früher sogar Nachtzugverbindungen nach Gdansk - das dürfte aber schon ein paar Jahre her sein.
Wer nun also von Berlin aus mit der Bahn nach Gdansk fahren möchte, dem tun sich neben der täglichen Direktverbindungen eigentlich nur zwei ernsthafte Varianten auf: Entweder die Anreise mit einem der Berlin-Warszawa-Express-EC bis Poznan und von dort aus weiter mit einer innerpolnischen Direktverbindung nach Gdansk oder die Anreise im Regionalverkehr bis Szczecin und die Weiterfahrt mit einem innerpolnischen Zug bis Gdansk. Da letztere Variante in Hinblick auf die frühe Reisemöglichkeit und den Preis für uns günstiger war, entschieden wir uns für diese Kombination.
Der RE 5800 brachte uns - wegen verspäteter Bereitstellung mit eine Verspätung von fünf Minuten - zum Bahnhof Szczeczin Glowny. Diese Fahrt mit der BR 628 verlief - wie für mich sonst auch - recht unspektakulär, sodass es hiervon nicht viel zu berichten gibt.
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1 Blick weg vom Bahnhof Berlin Gesundbrunnen.
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2 RE 5800 im Bahnhof Szczecin Glowny; kurz danach wurden die Zugteile getrennt.
Weiter ging es um 10.05 Uhr mit dem Zug TLK 81104 in Richtung Gdansk Glowny - der Zug wartete wie bestellt bereits auf dem Nachbargleis des einfahrenden RE 5800 - noch dazu so perfekt positioniert, dass Wagen 14, in dem wir reserviert hatten, unmittelbar gegenüber ohne langes Suchen zu erreichen war.
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3 Zuglaufschild von TLK 81104.
Gebucht hatten wir am Vorabend zwei Online-Tickets zum Preis von 196,00 PLN in der 1. Klasse, was grob gerechnet etwa 49 EUR sind. Bei der auf dem Ticket angegebenen Streckenlänge von 371 km ergibt das einen Kilometerpreis pro Person von ca. 6,6 (EUR-)Cent. Für diese Strecke benötigt der Zug planmäßig dann allerdings auch 5 Stunden und 13 Minuten. Gebucht haben wir einen Zug der Gattung TLK - was so viel heißen soll wie „Twoje Linie Kolejowe“, oder ins Deutsche übersetzt: Deine Bahnlinien. Diese Züge sind in Polen etwa das, was dort früher Eilzüge waren; im Fernverkehr von PKP Intercity verkehren sie auf sehr vielen Strecken und sind preislich (oft deutlich) günstiger als die Zuggattung Express-InterCity, aber gelegentlich teurer als Züge der Przewozy Regionalne, welche heute rechtlich unabhängig von der polnischen Staatsbahn PKP den Regionalzugverkehr in Polen besorgt.
In einem anderen Faden in diesem Forum hatte ich bereits auf die Probleme hingewiesen, die insbesondere PKP Intercity in Polen hat: Sehr viele Fahrgäste nutzen Züge der PR, nicht aber der PKP; viele Fahrgäste, die Züge von PKP Intercity nutzten, vertrauen inzwischen auf den Fernbus, der (u.a.) im an die polnische Flagge erinnerten rot und unter dem Namen „PolskiBus“ zu günstigsten Preisen durch das Land fährt. Beide Mitbewerber wissen mit gewissen Merkmalen zu bestechen: Die PR fahren nicht selten mit moderneren Zügen durchs Land; Polskibus fährt mit äußerst modernen Bussen durchs Land, die mit WLAN ausgestattet sind und noch dazu mit Preisen ab 1 PLN (ca. 0,25 EUR) unschlagbar günstig sind. Dass die Busse fürchterlich unbequem sind, werden wir aber nachher noch sehen.
In vielen Zügen von PKP Intercity hingegen findet sich häufig noch altes Wagenmaterial, dass nicht besonders einlädt. Nicht selten sind 8er-Abteile in der 2. Klasse, in denen es kuschelig werden kann. Wägen sind häufig schlecht isoliert, damit laut und kalt. Hierzu ein paar Eindrücke aus unserem Zug:
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4 Blick aus unserem Abteil auf den Bahnsteig in Szceczin Glowny
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5 Der Gang in Wagen 14. Gut sichtbar ist die alte Holzvertäfelung.
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6 Vorrichtung für Reservierungszettel. Die blieben im gesamten Zug ungenutzt.
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7 Ein erster Blick ins 1. Klasse-Abteil. Wesentliche Vorteile zur 2. Klasse: 6 statt 8 Plätze; sitze lassen sich (bis in Schlafstellung) verstellen.
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8 Sogar eine kleine Ablagefläche (Tisch) gibt es.
Pünktlich um 10:05 fährt der Zug also ab - während beim Blick aus dem Fenster noch geöffnete Türen sichtbar sind. Hier kommt es - gemessen an dem, was man so aus Deutschland kennt - zur ersten Überraschung: Im Zug ist es auch bei geschlossenen Fenstern fürchterlich laut, der Wagen ist nicht wirklich lärmisoliert. So rumpeln wir über in niedriger Geschwindigkeit über verschiedene Weichen und nähern uns langsam dem Bahnhof Szcecin Dabie, fahren dort weiter, warten auf freier Strecke eine ganze Zeit lang auf einen überholenden Zug und setzen uns dann so richtig in Bewegung. Wenn der Zug für 371 km mehr als fünf Stunden braucht, dürfte klar sein, dass er nicht besonders schnell durchs Land fährt - so ist es dann auch. An zahlreichen Stellen und sehr häufig müssen wir auf niedrige Geschwindigkeiten abbremsen.Die PKP-Strecke 202, die der Zug befährt, ist zudem weitgehend nur eingleisig, dafür aber elektrifiziert. Auch ein wenig anders: Zwischenhalte werden generell nicht angesagt; vor allem an kleinen Stationen verläuft der Fahrgastwechsel so schnell, dass Reisende rennen, um noch einsteigen zu können.
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9 Einer der Zwischenhalte.
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10 Halt in Słupsk - in etwa: 100 km vor Ankunft in Gdansk. Hier verkehrt schon die SKM.
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11 Auf der Reise begegnet uns ein Zug der SKM - das ist die S-Bahn der Dreistadt (Gdansk, Gdynia, Sopot), die teilweise bis nach Słupsk verkehrt. Wir werden später noch gehaltvollere Bilder hiervon zu sehen bekommen.
Zum Ende der Reise hin suche ich nach der laut vagonweb mitlaufenden Bar - die heute leider fehlt. Generell wirkt der Zug recht zufällig zusammengestellt, wie dieses und folgende Fotos zeigen. Die 1. Klasse befindete sich in der Mitte des Zuges, getrennt durch einen Wagen der 2. Klasse.
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12 Ein anderer Wagen der 1. Klasse, ebenfalls wie unser Wagen 14 der Bauart A9ou.
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13 So kann es in der zweiten Klasse aussehen…
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14 …aber auch so.
Mit etwa 15 Minuten Verspätung erreichen wir dann den Bahnhof Gdansk Glowny - und werfen noch Mal einen Blick auf unseren sowie auf den Nebenwagen:
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15 Wagen 14
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16 Nebenwagen in der aktuellen PKP-Intercity-Farbgebung
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17 Blick direkt auf den Bahnhof.
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18 Blick auf den Bahnhof, weiter entfernt.
Die Rückreise
Für die Rückreise bot sich uns die Möglichkeit, bis nach Szczecin mitgenommen zu werden, sodass mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur noch der Weg bis Berlin zurückzulegen war. Angesichts der Probierlust und einer besser in den Plan passenden Abfahrtszeit entschieden für uns für die Fahrt mit PolskiBus, die relativ neu eine Linie zwischen Berlin ZOB und Szczecin Glowny eingerichtet haben. Dieser Bus benötigt für die Strecke laut Fahrplan 2,5 Stunden, staubeengt kamen wir am Berliner ZOB mit etwa 10 Minuten Verspätung an. Weil es sehr voll war und ich heftig erkältet, habe ich nur wenige Fotos von dieser Fahrt gemacht. Pro Person zahlten wir für die einfache Fahrt 12 PLN (ca. 3 EUR) - wobei es Einstiegsangebote schon ab 3 PLN gibt (also deutlich unter 1 EUR). Das ist auch für polnische Verhältnisse günstig. Auf der Strecke verkehrte ein Bus von Van Hool, Modell: Altano. Soweit ich weiß, nutzt ADAC Postbus ebenfalls dieses Modell. Die Busse sind sehr eng (enger als die Busse deutsche Fernbusanbieter, die ich bisher kennenlernte), haben keine Klapptische und sind mit ihren knallroten Ledersitzen fürs Auge gewöhnungsbedürftig. Besonders auf innerpolnischen Hauptlinien wird fährend der Fahrt kostenloses Essen gereicht, dies war auf unserer Reise nicht der Fall. Die WLAN-Verbindung funktionierte bis zum Grenzübergang äußerst stabil und sogar recht schnell. Für eine längere Fahrt ist dieser Bus allerdings kaum zu empfehlen - mag sein, dass es in den PKP-Zügen wesentlich weniger modern zugeht, mehr Platz und Sitzkomfort sind allerdings beinahe garantiert.
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19 Beim Einstieg in den Bus.
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20 Blick auf den Sitzabstand
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21 Bei Dunkelheit wird es am Boden sehr hell.
Im nächsten Teil folgen dann ein paar Bilder von Gdansk und Sopot.
gesamter Thread:
- Eine Reise nach Gdansk -
Destear,
20.10.2014, 21:19
- Eine Reise nach Gdansk - Hin- und Rückfahrt (mit Bildern) -
Destear,
20.10.2014, 21:25
- Eine Reise nach Gdansk - Gdansk und Sopot (mit Bildern) -
Destear,
20.10.2014, 21:29
- Metropolitaner Verkehrsbund der Danziger Bucht - Zg_2, 21.10.2014, 14:17
- Rechtstadt und Altstadt - Zg_2, 21.10.2014, 14:57
- Eine Reise nach Gdansk - Gdansk und Sopot (mit Bildern) -
Destear,
20.10.2014, 21:29
- Besten Dank! Gefällt mir außerordentlich!!!!!!! - Blaschke, 20.10.2014, 21:40
- Eine Reise nach Gdansk - Bahnfahren in Polen -
RhBDirk,
20.10.2014, 21:53
- Eine Reise nach Gdansk - Bahnfahren in Polen -
Destear,
20.10.2014, 22:24
- TLK = IR? - michael_seelze, 20.10.2014, 22:39
- Eine Reise nach Gdansk - Bahnfahren in Polen -
Zauberpilz,
21.10.2014, 17:54
- Eine Reise nach Gdansk - Bahnfahren in Polen - Destear, 24.10.2014, 15:12
- Eine Reise nach Gdansk - Bahnfahren in Polen -
Destear,
20.10.2014, 22:24
- Eine Reise nach Gdansk - Hin- und Rückfahrt (mit Bildern) -
Destear,
20.10.2014, 21:25