Von EC Wawel, Zackenbahn und Premiumfernverkehr [3/5] 35 B. (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
heute kommt Teil 3 des Reiseberichts. Wer den Anfang verpasst hat, findet hier Teil 1 (mit Übersichtskarte) und Teil 2.
Tag 4: Prag – Ostrava - Prag
Heute fahren wir nach Ostrava, die drittgrößte Stadt Tschechiens liegt im Osten des Landes. Dabei gilt heute besonders „der Weg ist das Ziel“, denn auf der Strecke machen gleich zwei Anbieter der tschechischen Bahn Konkurrenz. Auf der Hinfahrt nutzen wir den RegioJet, für die Rückfahrt ist eine Fahrkarte für den Leo-Express gebucht. Gleich vorweg: landschaftlich ist die Strecke nett aber etwas langweilig, deshalb liegt der Fokus heute mehr im Zug.
Das tschechische Reiseunternehmen Student Agency betreibt mit dem RegioJet seit dem Jahr 2011 einen privaten Bahnverkehr zwischen Prag und Havirov. Für die gelben Züge hat das Unternehmen Wagen der ÖBB gekauft.
Es gibt drei Klassen, nämlich Standard, Relax und Business, wobei diese den österreichischen Wagenklassen 2. Klasse (Abteil), 1. Klasse (Großraum) und Business (Abteil) entsprechen. Wir haben uns für Business entschieden und bei der Onlinebuchung mit grafischer Sitzplatzreservierung Fensterplätze gebucht. Bis auf das Kopfpolster und die Beschriftung wurden keine erkennbaren Veränderungen der ÖBB-Inneneinrichtung vorgenommen.
Anfangs sitzen noch zwei junge Leute mit uns im Viererabteil, die einen Ausweis oder eine Treuekarte vorzeigen müssen. Unsere „Fahrkarte“, die nur aus einer E-Mail mit einer Buchungsnummer besteht, will niemand sehen; offenbar wird nur die Übereinstimmung der belegten Sitzplätze mit der Reservierungsliste abgeglichen. Gleich nach dem Einsteigen gibt es gratis je eine Flasche Wasser und Saft, außerdem Zeitungen und über Gratis-WLAN verfügt der Zug auch. Während draußen das flache böhmische und mährische Land vorbeizieht...
...wenden wir uns der Speisekarte zu. Das beste: alle Heißgetränke sind zdarma – kostenlos! Der Service ist sehr freundlich und aufmerksam, immer wieder wird man nach Wünschen gefragt, Müll und benutztes Geschirr werden gleich wieder mitgenommen.
Jetzt am Vormittag ist mir noch nicht nach Salat, Schnitzel oder Sushi...
...aber bei diesen Kuchenpreisen muss man ja zugreifen!
Der Kaffee kommt zwar im Pappbecher, aber der Zwetschgenkuchen ist auf einem Porzellanteller, und das für nicht mal 40 Cent.
Die Landschaft wird unterdessen etwas lieblicher. Nachdem in Olomouc ein größerer Fahrgastwechsel stattgefunden hat, sind wir mittlerweile allein im Abteil.
Auf den Toiletten setzt sich das Servicekonzept fort, dort gibt es Blümchen und es läuft leise Musik.
Nach einer Fahrzeit von dreieinhalb Stunden erreichen wir schließlich Ostrava – fast schon schade, denn auf diesem Niveau hätte die Fahrt gerne noch etwas weitergehen dürfen.
Wir machen uns auf den Weg in die Innenstadt und besuchen als erste Station das neue Rathaus. In einer Höhe von 73 Metern gibt es dort eine Aussichtsplattform für Besucher.
Ostrava liegt in einer Industrieregion, beim Blick über die Dächer der Stadt sind Schornsteine und Schlote der Schwerindustrie am Horizont zu sehen.
Im Vordergrund die Ostravice, das Grün in der Ferne gehört schon zu Polen.
Dann schauen wir noch am Marktplatz vorbei...
...und an der Kathedrale.
Auf dem Weg zum Bahnhof liegt auch das Bergwerk Jindřich, das an die Kohleförderung in der Region erinnert.
Doch zurück an den Bahnhof. Die Funktion des bisherigen Hauptbahnhofs Ostrava hlavní nádraží soll zukünftig der Bahnhof Ostrava-Svinov übernehmen, dieser liegt allerdings weiter außerhalb des Stadtzentrums.
Seit dem Jahr 2012 ist Leo-Express der dritte Anbieter auf der Strecke zwischen Ostrava und Prag.
Eingesetzt werden fabrikneue Flirt-Triebzüge von Stadler in einer Fernverkehrsvariante mit den drei Klassen Economy, Business und Premium. Auch hier haben wir uns die Premium-Variante gegönnt.
Es ist ja schön für den Leo-Express, dass das Konzept aufgeht und auf der Fahrt alle sechs Plätze in der Premium-Klasse besetzt sind. Nur habe ich dadurch kaum eine Möglichkeit, vorzeigbare Bilder zu machen – ich bitte um Nachsicht.
Anfangs sitzen wir noch in Fahrrichtung rückwärts, im Gegensatz zum RegioJet hält der Leo-Express aber in Přerov, was mit einem Fahrtrichtungswechsel verbunden ist, so dass wir auf dem größeren Streckenabschnitt in Fahrtrichtung sitzen.
Es gibt breite Ledersessel, die sich auf Knopfdruck in verschiedene Sitz- und Liegepositionen verstellen lassen, außerdem Gratis-WLAN und Zeitungen. Auch hier wissen die Zugbegleiter, wer wann auf welchem Platz zu sitzen hat und interessieren sich nicht für die Fahrkarten.
Die Getränke sind ebenfalls kostenfrei und aus einer Karte kann man auch einen freien Imbiss wählen.
Auf den Displays werden nicht nur Uhrzeit und Geschwindigkeit angezeigt, sondern auch geografische Informationen zur Strecke – so auch zur Bahnstrecke, die hier durch Tunnel und über Viadukte führt.
Oder die Information, dass Česká Třebová eigentlich ein Bahnknoten ist, an dem selbst internationale Züge halten - nur der Leo-Express nicht.
Auch der Eisenbahnversuchsring Velim findet Erwähnung oder wie hier das Kraftwerk Chvelatice. Für jemanden wie mich, der gerne aus dem Fenster schaut und sich dafür interessiert, was dort vorbeizieht, eine tolle Sache. Wobei, wenn man wie ich des Tschechischen nicht mächtig ist und erst zu Hause die Texte abtippen und online übersetzten lassen muss, relativiert sich der Nutzen natürlich wieder ;)
Die Fahrt in der Luxusklasse macht Spaß, wobei man mitunter ganz schön durchgeschüttelt wird und man die Getränke auf dem Tisch gut festhalten muss. Aber gut, die weichen Sitze gleichen die mangelnde Laufruhe wieder aus. Nach 3:31 und somit eine Minute mehr als bei der Konkurrenz auf der Hinfahrt erreichen wir Prag.
Wer möchte, kann nun noch auf einen kleinen Abendspaziergang durch die tschechische Hauptstadt mitkommen, damit endet der vierte Reisetag.
Wenn ich den 2-Tages-Rhythmus einhalten kann, kommt Teil 4 am Freitag...
Viele Grüße
Tobias
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TD,
09.07.2014, 17:59
- Bordgastronomie -
Keyboy,
09.07.2014, 18:27
- Bordgastronomie - musty97, 10.07.2014, 00:22
- Danke! - Freifahrtensammler, 09.07.2014, 18:34
- Bordgastronomie -
Keyboy,
09.07.2014, 18:27