Von EC Wawel, Zackenbahn und Premiumfernverkehr [2/5] 41 B. (Reiseberichte)

TD, Montag, 07.07.2014, 18:04 (vor 4319 Tagen)

Hallo zusammen,
willkommen zu Teil 2 des Reiseberichts. Teil 1 mit der Übersichtskarte gibt es hier. Diesmal gibt es etwas mehr Bilder und etwas weniger Text, so dass wir knapp unter der 10.000-Zeichen-Grenze bleiben.

Tag 3: Breslau - Zackenbahn - Liberec - Prag

Heute soll die Reise von Breslau nach Prag gehen. Die Fahrplanauskunft bietet hier verschiedene Varianten an, mitunter sogar ganz „außen herum“ über Dresden oder Ostrava. Wir fahren aber mittendurch über die Zackenbahn und verbinden das mit einem Besuch von Liberec.

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Mit einem TLK fahren wir zunächst von Breslau nach Szklarska Poręba Górna. Der Zug ist am Vorabend in Lublin im Osten Polens gestartet und führt auch Schlaf- und Liegewagen. In Breslau hat der Zug knapp eine Stunde Aufenthalt und steht somit längst am Bahnsteig, als wir gegen 6:30 Uhr am Bahnhof sind.

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Der Zug trägt den Namen Karkonosze, das ist die polnische Bezeichnung für das Riesengebirge.

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Wir beziehen nun ein Abteil und holen bei der Fahrt durch Niederschlesien das Frühstück nach. Anfangs ist die Landschaft noch unspektakulär und auch das Wetter ist durchwachsen.

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In einer langgezogenen Kurve können wir einen Blick auf den Zug werfen. Die meisten Wagen verkehren nur bis Jelenia Góra, lediglich drei Sitzwagen aus der Zugmitte fahren bis Szklarska Poręba Górna.

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Nachdem in Jelenia Góra kräftig rangiert wurde, rücken die Ausläufer des Riesengebirges näher und die Fahrt über die landschaftlich reizvolle Zackenbahn beginnt. Die Bahnstrecke durch das Isergebirge hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die Strecke ging im Jahr 1902 in Betrieb und war einst eine der ersten elektrifizierten Eisenbahnstrecken Deutschlands, zum Ende des Zweiten Weltkriegs kam der durchgehende Verkehr zum Erliegen und die elektrische Fahrleitung wurde als Reparationsleistung demontiert, schließlich wurde der grenzüberschreitende Abschnitt unbefahrbar. Seit 1987 besteht auf dem polnischen Abschnitt wieder ein elektrischer Zugbetrieb. Im Jahr 2010 wurde der planmäßige grenzüberschreitende Verkehr wieder aufgenommen.

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Die Strecke folgt dem namensgebenden Fluss Kamienna (deutsch Zacken) und gewinnt dann deutlich an Höhe. Entlang der Hänge des Isergebirges geht es kurvenreich, durch Einschnitte und über Dämme nach oben.

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Der Ort Szklarska Poręba (deutsch Schreiberhau) liegt eingebettet zwischen Riesengebirge und Isergebirge und hat eine große Ausdehnung mit mehreren Haltepunkten. So hält der Zug in Szklarska Poręba Dolna (Nieder-Schreiberhau), Szklarska Poręba Średnia (Mittel-Schreiberhau) und erreicht schließlich den Endbahnhof Szklarska Poręba Górna (Ober-Schreiberhau).

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Die Züge aus Polen enden in Szklarska Poręba Górna und zusammen mit ein paar wenigen Reisenden verlassen wir den TLK. Der Bahnhof von Szklarska Poręba Górna liegt auf gut 700 Höhenmetern. Wir hätten auch erst eine halbe Stunde später in Breslau abfahren und mit einem Regionalzug nach Szklarska Poręba Górna fahren können, aber ich bevorzuge zwischendurch einen kleinen Aufenthalt.

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Und so können wir eine kleine Runde durch den Ort drehen und auch das Bahnhofsgebäude anschauen. Szklarska Poręba ist ein Tourismuszentrum für Wanderer und Wintersportler.

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Als wir an den Bahnhof zurückkommen, steht schon ein Triebwagen der Baureihe 810 („Brotbüchse“) der tschechischen Bahngesellschaft GW Train Regio zur Weiterfahrt bereit. Kurz darauf kommt auch der Regionalzug aus Breslau an und bringt weitere Umsteiger, so auch eine ganze Schulklasse, worauf der Triebwagen gerammelt voll wird.

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Die Strecke führt nun weiter bergauf bis zum Scheitelpunkt auf 886 Höhenmetern bei Szklarska Poręba-Jakuszyce (Jakobsthal), dem höchstgelegensten Bahnhof in Polen. Dann passieren wir die Grenze nach Tschechien und es geht durch die Wälder des Isergebirges bergab.

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In Harrachov endet die Fahrt mit dem gelben Triebwagen von GW Train Regio. Auf dem gleichen Gleis wartet schon ein steilstreckentaugliches Regio-Shuttle der ČD zur Fahrt nach Liberec, die planmäßige Umsteigezeit beträgt 2 Minuten.

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Namensgeber des Isergebirges ist der Fluss Iser, den die Strecke zwischen Harrachov und Kořenov auf einem Viadukt quert. In Kořenov endet die historische Zackenbahn, landschaftlich nicht minder schön geht es weiter bergab. Ursprünglich wurde dieser Streckenabschnitt im Zahnradbetrieb befahren.

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Die Strecke führt durch mehrere Tunnel und über Viadukte, hier ein Blick vom Viadukt von Smržovka auf die Hügellandschaft des Isergebirges.

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Eine kleine Mittagspause legen wir in Liberec ein, hier die Altstadt...

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...mit dem Rathaus. Geplant von einem Wiener Architekten erinnert der Bau an das Rathaus in Wien.

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Von Liberec geht es nun mit einem Schnellzug weiter nach Turnov, für knapp 40 Minuten nehmen wir in einem Dieseltriebwagen der Baureihe 843 Platz.

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Wir fahren nun auf einem Abschnitt der einstmaligen k.k. priv. Süd-Norddeutschen Verbindungsbahn, die als Teil einer Magistrale zwischen Wien und Berlin geplant war, diese Bedeutung aber nie erlangt hat.

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Die ursprüngliche Reiseplanung sah einen Umstieg in Turnov auf den Schnellzug nach Prag vor. Als ich am Tag vor dem Reisebeginn die Fahrpläne nochmals geprüft hatte, wurde jedoch eine Unterbrechung der Strecke und SEV gemeldet. Na gut, so geht es jetzt eben mit dem Bus von Turnov über die Autobahn nach Mladá Boleslav, wo der Zug nach Prag wartet.

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Mittlerweile ist es wieder sommerlich warm – perfekt für eine Fahrt am offenen Fenster.

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Unterwegs queren wir die Elbe, die hier in Tschechien den Namen Labe trägt.

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Einfahrt in den Hauptbahnhof von Prag.

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Der Dieseltriebwagen der Baureihe 854, der uns nach Prag gebracht hat, fährt nun noch weiter nach Prag-Holešovice.

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Den Nachmittag verbringen wir mit dem üblichen Touristen-Programm vom Altstädter Rathaus...

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...mit Blick über die Altstadt...

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...und die Teynkirche...

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...bis zur Karlsbrücke...

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...und einem Blick vom Burgberg über die Dächer der Stadt. Damit sind wir am Ende des dritten Reisetags angelangt.

Fortsetzung folgt in den nächsten Tagen...


Viele Grüße

Tobias

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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