„S-Bahnen“ zwischen Bodensee und Zürichsee – Fortsetzung (Reiseberichte)
An der Haltestelle Heiden Post warten schon die Postautos in die unterschiedlichen Richtungen, wir fahren nun weiter nach Trogen.
Landschaftlich nicht minder schön, aber halt hinter einer Busfensterscheibe, geht es durch den Kanton Appenzell Ausserrhoden bis zur Endhaltestelle Trogen Bahnhof.
Trogen ist der Endbahnhof der Trogenerbahn (TB). Die meterspurige Eisenbahn gehört heute ebenso wie die Rorschach-Heiden-Bergbahn zu den Appenzeller Bahnen (AB).
Das Unternehmen Straßenbahn St. Gallen-Speicher-Trogen wurde im Jahr 1900 in Trogen gegründet und nahm 1903 den Verkehr auf. Es gab auch eine Konzession für eine Verlängerung der Strecke nach Heiden, diese wurde aber nie gebaut. Mit einer Steigung von bis zu 76 Promille ist die Trogenerbahn die steilste schmalspurige Adhäsionsbahn der Schweiz.
So, nun aber genug Bilder vom Bahnhof Trogen, in der anderen Blickrichtung kommt gerade die Bahn aus St. Gallen.
Die Trogenerbahn bringt uns nun als S 21 nach St. Gallen. Auch diese Strecke führt landschaftlich reizvoll durch das Appenzellerland und bietet auch einen Fernblick über den Bodensee.
Schließlich geht es hinab nach St. Gallen und vergleichbar einer Straßenbahn durch das Stadtgebiet zum Bahnhof.
Nach 25 Minuten und knapp 10 Kilometern endet die Fahrt im Nebenbahnhof von St. Gallen, wo die schmalspurigen Züge der Appenzeller Bahnen verkehren.
Wir halten uns aber nicht lange am Bahnhof von St. Gallen auf, sondern besteigen gleich den Voralpen-Express zur Weiterfahrt nach Rapperswil. Bilder dieser Strecke habe ich keine gemacht, denn zu meiner Enttäuschung ist das Wetter auf der weiteren Fahrt längst nicht mehr so strahlend wie am Bodensee und am Zürichsee dominiert das Grau. Zudem habe ich die Strecke schon in anderen Reiseberichten, etwa hier beschrieben.
Aber im „Bistro“ des Voralpen-Express waren wir noch nicht, und so gibt es nun einen Kaffee aus dem Automaten. Während der Voralpen-Express im SBB-Fahrplan als eigene Zuggattung VAE geführt wird, ist er bei der DB ein „Schnellzug“ mit der Gattung „E“.
Mit einem Flirt der Schweizerischen Südostbahn (SOB) geht es von Rapperswil als S 40 auf dem Seedamm über den Zürichsee...
...und dann um etwa 400 Höhenmeter mit Blick über den Zürichsee hinauf nach Biberbrugg. In Biberbrugg verlassen wir die Strecke des Voralpen-Express und zweigen ab auf die rund 5 Kilometer lange Stichstrecke nach Einsiedeln, die früher von der Wädenswil–Einsiedeln-Bahn betrieben wurde.
So, und nun sind wir in Einsiedeln angekommen. Hier ist nun eine Stunde Pause eingeplant. Der Ort im Kanton Schwyz ist insbesondere bekannt durch sein Kloster.
Das Kloster Einsiedeln gilt als bedeutendster Barockbau der Schweiz, wegen einer Baustelle allerdings gerade nicht so gut zu fotografieren.
Und hier der Blick vom Portal über den Klosterplatz mit dem Liebfrauenbrunnen aus dem Jahre 1747 mit vergoldeter Marienfigur.
Auch der Bahnhof von Einsiedeln ist gerade eine Baustelle. Der Kopfbahnhof wurde 1877 eröffnet, prominentester Gast war 1981 Papst Johannes Paul II, der mit einem Sonderzug anreiste und von hier zum Kloster pilgerte.
Und hier steht er nun, der „Gipfeli-Express“ - laut Fahrplan eigentlich ebenfalls eine banale S-Bahn. Die lokbespannten Pendlerzüge verkehren werktags und nur noch bis zum 13. Juni zwischen Einsiedeln und Zürich Altstetten. Der inoffizielle Name ist ein Relikt des früher mitgeführten Büffetwagens (mir ist der Begriff Gipfel durchaus kulinarisch vertraut, aber für die Nordlichter: Gipfeli = Croissant).
Der Zug besteht aus drei Wagen, was bei der Abfahrt in Einsiedeln etwa der Anzahl der Fahrgäste entspricht. Aber klar, am Nachmittag gehen die Pendlerströme eher in die Gegenrichtung.
Die Strecke am Zürichsee bin ich schon oft gefahren – aber am offenen Fenster ist das eine Premiere. Der „Gipfeli-Express“ fährt den Hauptbahnhof Zürich nicht an, ich fahre mit bis zum Endbahnhof Zürich Altstetten, wo wir um 16.40 Uhr ankommen. Um die Tagestour jetzt schon zu beenden, ist es noch etwas früh, deshalb will ich die Chance nutzen, noch eine Vorortbahn von Zürich zu besuchen.
Von Altstätten geht es deshalb mit der nächsten S-Bahn nach Zürich Stadelhofen zur Forchbahn.
Die meterspurige Forchbahn beginnt am Bahnhof Zürich Stadelhofen und führt zunächst auf den Gleisen der Straßenbahn Zürich nach Rehalp. Hier wartet gerade ein Fahrzeug der älteren Generation Be 8/8 aus dem Jahr 1986 zur Fahrt nach Esslingen, dann steigen wir gleich mal ein.
Die Strecke führt über den Höhenzug Forch in die Region Pfannenstiel. Die Streckenlänge beträgt mit dem Straßenbahnabschnitt rund 16 Kilometer, bei der Eröffnung im Jahre 1912 lag die Fahrtdauer bei 67 Minuten, heute sind es regulär 38 Minuten, wobei wir gerade in der Hauptverkehrszeit mit einem Eilzug unterwegs sind, der einige Halte auslässt und für die Strecke nur 33 Minuten benötigt.
Die Endstation Esslingen ist ein kleiner Ort mit 1.700 Einwohnern. So besonders aufregend ist es hier nicht, dennoch verbringe ich hier 20 Minuten...
...um auf die nächste Bahn zu warten. Und ich habe Glück, für die Rückfahrt kann ich mit dem Be 4/6 noch ein Fahrzeug der jüngsten Generation „erfahren“.
Und mit einem Blick aus dem Zugfenster der Forchbahn über die Pfannenstiel-Region beenden wir den kleinen Reisebericht. Für uns geht es anschließend mit einer S-Bahn von Stadelhofen zum Hauptbahnhof Zürich und von dort mit dem direkten InterRegio zurück nach Konstanz.
Ich hoffe, dieser kleine Tour zu sehr außergewöhnlichen „S-Bahnen“ zwischen Bodensee und Zürichsee hat Euch gefallen. Und ein paar wenige Tage bleiben ja noch, um die Tour nachzumachen...
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Tobias
PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.
Und klickt auch mal hier - ich bin gespannt wie Euch das neue Design gefällt und freue mich über weitere Mitautoren!
--
"Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/
gesamter Thread:
- „S-Bahnen“ zwischen Bodensee und Zürichsee – mit 70 Bildern -
TD,
31.05.2014, 11:59
- „S-Bahnen“ zwischen Bodensee und Zürichsee – Fortsetzung - TD, 31.05.2014, 12:07
- Schön bequeme-Bahn -
ES89,
31.05.2014, 19:17
- Dankeschön! - ktmb, 31.05.2014, 19:28
- Aber den Sitzabstand... - Tob, 31.05.2014, 19:40
- DANKE!
-
GUM,
02.06.2014, 10:21
- Fähre Konstanz? -
Sören Heise,
31.05.2014, 20:36
- Fähre Konstanz? -
TD,
31.05.2014, 22:24
- Linienbus auf Fähre -
Sören Heise,
01.06.2014, 09:14
- Linienbus auf Fähre -
JeDi,
01.06.2014, 10:40
- Linienbus auf Fähre - geklärt, danke! - Sören Heise, 01.06.2014, 11:04
- Linienbus auf Fähre -
JeDi,
01.06.2014, 10:40
- Linienbus auf Fähre -
Sören Heise,
01.06.2014, 09:14
- Fähre Konstanz? -
TD,
31.05.2014, 22:24
- „S-Bahnen“ zwischen Bodensee und Zürichsee -
Twindexx,
31.05.2014, 21:52
- Besonderheit Fähre Euregia sowohl CH als auch D -
RhBDirk,
31.05.2014, 22:28
- Besonderheit Fähre Euregia sowohl CH als auch D - Twindexx, 31.05.2014, 23:25
- „S-Bahnen“ zwischen Bodensee und Zürichsee - TD, 31.05.2014, 22:47
- „S-Bahnen“ zwischen Bodensee und Zürichsee -
guru61,
02.06.2014, 09:43
- „S-Bahnen“ zwischen Bodensee und Zürichsee - Twindexx, 04.06.2014, 02:46
- Besonderheit Fähre Euregia sowohl CH als auch D -
RhBDirk,
31.05.2014, 22:28
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