HSL-Zuid Seifenoper (164): EU-Untersuchung, schnellere Züge? (Allgemeines Forum)

Pantograph, Samstag, 23.11.2013, 15:32 (vor 4562 Tagen) @ Oscar (NL)

Laut italienischer Quellen hat die Finmeccanica inzwischen eine Art Auffanggesellschaft für Ansaldobreda gegründet, mit dem Namen: "INMOVE". Jedoch scheint momentan noch völlig unklar, in welcher Form die Firmen weiter existieren werden. GE soll Interesse haben, Ansaldo STS zu kaufen - aber eben nur STS. Hitachi soll Interesse an Ansaldobreda gehabt haben, aber inzwischen hört man kaum noch etwas davon. Möglicherweise war den Japanern das Spektakel suspekt. Es gibt sehr viel Aufruhr um das Thema, allen voran durch die italienischen Gewerkschaften, die nicht wollen, dass der Transportsektor ausschließlich in ausländische Hände kommt.

Der Verkauf von Ansaldobreda ist nach wie vor unklar, jedoch ist Finmeccanica fest entschlossen, zu verkaufen. Laut Aussage des CEO, Alessandro Pansa, habe Finmeccanica vor allem ein Problem, und dieses Problem habe den Namen: Ansaldobreda. Die Nervosität bei Finmeccanica scheint also zu steigen, zumal das Bilanzergebnis im letzten Quartal wieder ungünstig aussah. Ein großer Teil der Verluste wird Ansaldobreda zugeschrieben. Das ist auch plausibel. Z.B. dürfte das Fiasko rund um die dänischen IC2 und IC4-Züge eine Menge Geld gekostet haben, Ansaldobreda musste den Preis im Endeffekt quasi halbieren und hat zudem diverse Strafzahlungen leisten müssen. Das IC4-Projekt kann für die Italiener kaum kostendeckend gewesen sein, und jetzt geht es mit dem V250-Desaster weiter, wo momentan noch gar nicht klar ist, welche Regressforderungen in welcher Höhe auf Ansaldobreda noch zukommen. Demgegenüber scheint Ansaldobreda für die nächste Zeit nur relativ wenig Aufträge zu haben. Bei dem Zefiro-Projekt ist Ansaldobreda technisch und konstruktiv nicht federführend, obwohl sie das in der Öffentlichkeit gern indirekt so darstellen ("Rollout in Pistoia" etc.). Das Projekt ist in der Hand von Bombardier (der Ferroviara-Teil) und kann wohl notfalls auch ohne Ansaldobreda geführt werden. Unter diesen Umständen ist mir überhaupt nicht klar, wer Ansaldobreda aus welchem Grund überhaupt kaufen sollte.

So, wie die Sache steht, darf sich die NS wohl keine übertriebene Hoffnung auf Schadenersatz machen. Die NS müssen selbst zusehen, was sie mit den Zügen machen. Auf Mithilfe der Italiener können sie jetzt nicht mehr vertrauen. Verkäuflich sind die Dinger unter diesen Umständen sicher nicht, allenfalls fast geschenkt. Wäre vielleicht sogar die beste Option. Ansonsten: entweder verschrotten, oder einige Züge als Ersatzteilspender hernehmen und den Rest ein paar Jahre fahren lassen. Vielleicht als Flughafenzubringer für Schiphol... Fraglich, ob das lohnt. Der Betrieb von Splitterbauarten ist eine teure Sache, erst recht, wenn der Hersteller nicht mehr hilft.

Aber jetzt stehen die Dinger sinnlos in Watergraafsmeer herum. Etwas vergleichbares gab es in der europäischen Eisenbahngeschichte m.W. noch überhaupt nie.

Die Traxx-Züge sind keine adäquate Dauerlösung. Und 160 km/h sind lächerlich, wenn man dafür eine HSL-Strecke gebaut hat für Milliarden Euro. 200 km/h wären für die bestehenden Verhältnisse o.k. und ausreichend. Warum dann aber eine Neubeschaffung mehr als 7 Jahre dauern soll, kapiere ich nicht. Die machen es schon wieder unnötig kompliziert.


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