BE/NL: Bahn jagt Fluggäste auf die Straße. (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 23.09.2013, 09:27 (vor 4580 Tagen)

Hallo ICE-Fans,


bekanntlich ist eine gute Bahnanbindung am nationalen Flughafen wichtig, und erst recht in einem kleinen Land wie das unsere oder Belgien.
Leider gehen, trotz aller Bemühungen und guter Vorhaben, die Entwicklungen in BE/NL eher in die andere Richtung = Fluggäste, die zuvor noch Bahn fuhren, nehmen das Auto.

In Belgien wurde zwecks Flughafenanbindung eine neue Strecke gebaut, "Diabolo" genannt. Wer diese Strecke benutzt, muss ein Zuschlag von 4,44 Euro bezahlen. Der Zuschlag gilt für alle Züge die dort fahren, egal ob S-Bahn oder IC. Weil Ermässigungen nicht gelten, muss ein Reisender von Bruxelles-Midi zum Flughafen also fast das dreifache bezahlen vom Preis aus der Prä-Diabolo-Ära. Der Grund des Zuschlags ist eine strikt geheime Vereinbarung zwischen Infrabel und einem Projektentwickler. Vermutlich hat der PE Infrabel den Aufpreis erzwungen, damit die Strecke überhaupt gebaut werden konnte...

Oh Ironie: zeitgleich wurde der Autobahnring Brüssels ausgebaut, ohne dass es den Autofahrer etwas extra kostet. Das Ergebnis lässt sich raten: 53% aller Fluggäste kommt mit dem Auto, das zweithöchste Anteil Europas, Tendenz steigend.

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Bei uns sieht es nicht besser aus. Theoretisch wäre nichts los: Schiphol ist aus vielen Gegenden unseres Landes halbstündlich erreichbar, ohne Aufpreis. Lediglich für die Fyra-Surrogate bezahlt man einen (moderaten) Zuschlag.
Nein, das Problem bei uns ist die Verfügbarkeit der Infra.

Im Artikel werden Baustellen als Limitfaktor genannt, aber was mir vor allem beigeblieben ist, sind die zahlreichen ungeplanten Störungen. Bahnhof Schiphol Airport liegt in einem Tunnel, und dieser Tunnel war recht oft von Strom-, Signal- und Weichenstörungen geprägt. Auch hatte Staubentwicklung mal zu Brandalarme geführt (worauf der Bahnbetrieb auch eingestellt wird).

Auch die Zulaufstrecke aus Utrecht war recht oft dicht: 67 mal in 7 Monaten hat es Störungen gegeben. In solchem Fall werden die "IC"s Utrecht-Schiphol via Hilversum umgeleitet. Diese Strecke kann aber keine 4 extra "IC"s pro Stunde verkraften, also werden zwei Züge gestrichen, meistens die Leistungen Heerlen-Schiphol. Reisende für Schiphol müssen dann in Amsterdam umsteigen.

Das Ergebnis lässt sich auch hier raten: der Marktanteil Bahn sank von 38% auf 35%. Ein Freund von mir bestempelt der Flughafen schon als "Schiphol (-c, p=t, +e)" und mietet sich vor Ort ein Auto. Staus akzeptiert er gelassen.

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Und wie sieht es in Deutschland aus? In Frankfurt hat man den Vorteil eines doppelten Bahnhofs. Wenn Fern nicht geht, hat man Regio noch, und umgekehrt.
Ich gehe mal davon aus, dass in der bahntechnisch perfekten Schweiz die übergroße Mehrheit per Bahn zum Flughafen anreist.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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