Gedanken dazu... (Allgemeines Forum)

Blaschke, Dienstag, 10.03.2009, 15:44 (vor 6269 Tagen) @ Ozzwald

Hallöchen allerseits,

das kommt davon, wenn man die Zubs dressiert zu Aufsagemaschinen und ihnen Sprechtexte vorgibt.

Zugpersonal muss heutzutage vieles sein: Alleinunterhalter, Entertainer, Dompteur, Seelenklempner, Notfallspezialist, Menschenkenner und Bahnfachmann. Reine Fahrkartenknipser braucht man nicht mehr. Nur müßte man bei Bahnens die Leute dann auch mal entsprechend schulen und ihnen natürlich eine entsprechende Schulung zukommen lassen! Das kostet dann aber natürlich Geld - und weil das nicht geht, dressiert man die Damen und Herren lieber zu Maschinen, die stur das zu tun haben, was die Plüschetage wünscht. 40er statt Kulanz, Sprechtext statt freies Reden usw. Wie weit etliche - leider! - von eigenem Denken entfernt (worden) sind, sieht man ja an den Ansagen im Verspätungsfall! Da geht oft gar nichts mehr - vorgegebenes Sprachgeblubber für den Normalfall wird mit vorgegebenem Sprachgeblubber für den Verspätungsfall zu einem Eintopf vermischt, der nur noch weh tut in den Ohren. Und wenn es dann um "Improvisationen" geht - z.B. mal eben flüssig die Ansagen für Anschlüsse etc. im Verspätungsfalle runterzulesen -, dann bricht oftmals alles zusammen. Um es deutlich zu sagen: Die Schuld daran gebe ich nicht primär dem Zugpersonal! Sondern den verantwortlichen Ausbildern und Vorgesetzten, die einfach viele Dinge, die heute notwendig sind, nicht in ausreichendem Maße schulen! Und die vor allem ab(!)trainieren, dass Zubs selbst über gewisse Dinge zu entscheiden haben. Ist ja auch klar, welcher Chef wünscht schon mitdenkendes und arg selbstbewußtes Personal? ist nicht jederchefs Sache... :-)

So zumindest meine Einschätzung der Lage!

Ich als Fahrgast erwarte von einem Zugbegleiter, dass er

- die freie Rede beherrscht,
- eigenständig unterschiedliche Ansagen in angemessener Form vornehmen kann
- auf unterschiedliche Situationen und Menschen jeweils INDIVIDUELL und angemessen reagieren kann
- die Kundschaft auch im Störungsfalle möglichst bei Laune halten kann
- auf dem Tarif- und Fahrplangebiet ein absoluter Profi ist (warum bspw. soll Münchener Zugpersonal, was ins Ruhrgebiet verschlagen wird, nicht auch mal was vom VRR wissen? Oder der Berliner den ÖPNV in Frankfurt in seinen Grundzügen kennen?)

Das sind sehr hohe Erwartungen, ja, zugegeben. Aber wie geschrieben: Solche Mitarbeiter müßte die Bahn entsprechend schulen, auswählen, fördern! Und entsprechend entlöhnen! Wieviele Zugchefs gibt es überhaupt in Deutschland? Diese vermutlich relativ kleine Gruppe müßte wieder das sein und werden, was sie früher mal waren: Vorbilder, Respektpersonen und - aus Fahrgastsicht! - eine Art "Elitepersonal" der Bahn. Schließlich sehe ich als Fahrgast vom ganzen Bahnpersonal während der Fahrt meist nur den Zub - mit ihm steht und fällt also zu einem Großteil, wie ich die Bahnfahrt anschließend bewerte. Leider scheint diese exponierte Stellung des Zubs in der Vergangenheit arg aus dem Blickwelt geraten zu sein, es mußte ja nur billig, billig, billig, billig, billig sein. Zum Glück findet nach meinen Beobachtungen langsam wieder ein Umdenken statt. Allerdings leider noch viel zu zaghaft!!!!!

Schöne Grüße aus der Friedensstadt Osnabrück vom

blaschke


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