Reise nach Vilnius - aus praktischer Sicht (Allgemeines Forum)

1040bln, Berlin-Mitte, Montag, 22.04.2013, 22:51 (vor 4735 Tagen) @ 1040bln

Rückfahrt

== Zug 1: Vilnius - Kaunas ==
Der Zug fährt 11.15 Uhr Ortszeit ab, man kann also noch gemütlich im Hotel frühstücken und sich danach Proviant besorgen. Die Lebensmittelläden haben sonntags geöffnet. Es gibt im Bahnhof eine Filiale der Maxima-Kette. Ich habe mich im Maxima-Laden am Markt (5 min. vom Bf.) eingedeckt; es hatten dort auch einige Marktstände geöffnet (was zur Obstzeit interessant sein könnte). Gegenüber gibt es einen kleinen Imbiß zum Sitzen, wo man auch bei Bedarf noch einen Lunch vor der Rückreise einnehmen könnte (local dishes).

Gleicher Zug wie auf der Hinfahrt; pünktlich.

In Kaunas hat man ca. eine halbe Stunde Aufenthalt, also mehr als auf der Hinfahrt. Was aber nutzlos ist, da man sich ja vermutlich in Vilnius bereits mit allem eingedeckt hat.

== Zug 2: Kaunas - Šeštokai ==
Gleicher Zug mit Toilette ohne Abfluß.

In Šeštokai hat man ca. 40 Minuten Aufenthalt und kann den Bahnhof besichtigen und sich schlimmstenfalls sogar noch Proviant besorgen (aus dem Bf. geradeaus bis zur Ortsstraße, dann nach links). Google-Maps zeigt auch einen anderen Laden und ein Café an - das habe ich nicht erforscht. Ist auch unwichtig.

== Zug 3: Šeštokai - Warschau ==
Jetzt sind wir wieder auf der siebenstündigen Fahrt nach Warschau. Bis zum Bahnhof Suwalki ist Gelegenheit den Zug unter die Lupe zu nehmen, denn er ist fast leer. Allerdings sollte man seinen Ausweis dabeihaben, denn ab Grenze steigt polnische Grenzpolizei ein und kontrolliert.

Hier habe ich auch die 1.-Klasse-Wagen inspziert und befunden, daß sich der Aufpreis nicht lohnt, vor allem, wenn man lange Beine hat. Sobald der Gegenübersitzende seinen Sitz etwas nach vorn rückt - oder man selber - gibt es Probleme.

Diesmal saß ich im 2.-Klasse-Abteilwagen, und man sitzt dort wie die Ölsardinen. Ich bin dann später in den Großraumwagen geflüchtet.

Zur Erinnerung: In Suwalki wird es voll, und in Bialystok werden drei oder vier weitere Wagen angehängt.

Ankunft in Warschau fast pünktlich (ca. + 5).

Hier hat man jetzt zwei Stunden Zeit zum Abendessen. Nokia-Maps hat mir gezeigt, daß die Straße mit den Restaurants parallel zur Bahnhofsstraße verläuft, aber nicht so leicht zu finden ist, weil langgestreckte Häuserblocks davorliegen. Geht man links aus dem Bahnhof raus und weiter, findet man erstmal gar nichts.

Wer es mir nachmachen will: Ich habe im Pausa Włoska (Google ist Dein Freund) gegessen. Das war ziemlich gut.

== Zug 4: Schlafwagen Warwschau - Szczeczin ==
Alles wie auf dem Hinweg. Zur Erinnerung: Die restliche Wartezeit bis zur Abfahrt (ca. 23 Uhr) kann man auf dem Bahnhof mit dem kostenlosen Internet gut rumbringen. Der Zug steht aber nicht so früh wie in Szczeczin auf dem Bahnsteig; etwa eine Viertelstunde vor Abfahrt.

In meinem Fall fuhr er ab nur eine Station (von drei Warschauer Stadtbahnhöfen) und stand dann dort ca. eine Stunde. Der Schlafwagenschaffner hat bedeutet, daß wir noch nicht das Abteil zuschließen sollten, weil man noch auf einen Zubringerzug wartete und von dort ein anderer Reisender in unser Abteil käme. Der tauchte allerdings nicht auf.

In Szczeczin kam der Zug mit 1:10 Std. Verspätung an, wodurch ich auch den Anschluß nach Berlin verpaßte. Am Ende war ich dann statt ca. 9.30 erst 10.30 wieder auf dem Bahnhof Potsdamer Platz.

Preise
Zunächst: Von Berlin gibt es keine Direktflüge nach Vilnius. Man muß über Riga oder eine skandinavische Stadt fliegen; man könnte auch mit Ryanair nach Kaunas (z. Z. aber nicht ab Berlin) fliegen, hat aber AFAIR von dort schlecht Anschluß. Ein bezahlbarer Zur wäre also perfekt.

Die Reise bis Warschau ist in genau diesem Sinne optimal, die Preise stehen hier (Polen-Thread).

Für den litauischen Teil kann man keine Online-Tickets vorausbuchen. Es gibt aber ein Warschau-Vilnius Spezial (siehe intercity.pl) für 27,20 Euro. Dort wird eine Ersparnis von ca. 50 bis 60 Prozent angepriesen. Tatsächlich ist dieser Preis aber fast exakt die Summe Einzelpreise (s. oben). Allerdings AFAIK zuzüglich einer Platzreservierung. Außerdem kann man auch dieses Ticket nicht im voraus kaufen, sondern müßte dann in Szczeczin oder in Warschau an den Schalter gehen. Was bei der Pünktlichkeit im Falle meiner Reise kein Problem wäre, bei Verspätung hingegen eins werden könnte.

Es ergibt sich also folgende Summierung (Basis: BC25 und leicht gerundet):

7,50 Euro für Berlin-Szczeczin
34,50 Euro für Szczeczin-Warschau im T3-Bett, Frühbucher (mind. 7 Tage)
27,20 Euro für Warschau-Vilnius Spezial
----------
69,20 Euro (zuzüglich Bankspesen, denn man bezahlt in Zloty und zuzüglich Sitzplatzreservierung).

Pfennigfuchser werden vielleicht die Strecke Warschau bis Grenze auch als Frühbucher-Fahrkarte kaufen. Das Problem mit der Fahrkarte für das erste litauische Stück bleibt aber. Wer im Einzugsgebiet Berlin-Mitte (traditionell)/Berlin-Kreuzberg wohnt, kann sich bei mir ein bis zwei 20-Lit-Scheine ausleihen. Alle anderen natürlich auch, aber der Fahrt- oder Porto-Aufwand wird sich für die geringe Ersparnis kaum lohnen ...

== Kurzes Fazit ==
Die ganze Reise ist leicht wiederholbar, was ich auch demnächst tue. Das beste ich die leichte Buchbarkeit für die polnische Strecke; man kriegt auch eine Woche vorher noch problemlos alle Wagenklassen. Die beiden Hauptprobleme:
- Verspätungen, bei denen der einzig mögliche Anschlußzug verpaßt wird
- Großer Proviant-Bedarf auf der Hinfahrt
- Die endlos lange Fahrt durch Polen. Man muß sich hier mit Musik und Lesestoff eindecken, so gut es geht.

Vilnius als Stadt ist die Reise wert, wer hier Tips braucht, kann sie von mir kriegen.


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