Mit Migros durch die Schweiz: Zum Matterhorn (2/2) o.B. (Reiseberichte)
Villeneuve – St Gingolph (Suisse) – Corbier - Aigle
Am Quai haben sich außer Enten, Schwänen und den typischen Genferseemöwen auch einige weitere Leute eingefunden, in der Erwartung des fast einzigen Schiffskurses auf dem Genfer See in der Wintersaison, bei dem ein Schiff immer die Runde Vevey – Montreux – Villeneuve – St Gingolph – Vevey dreht. Wie in der Schweiz nicht anders zu erwarten, ist auch dieses Verkehrsmittel absolut pünktlich und alle Mann können an Bord des bestens besetzten Schiffes gehen. Auch hier will mal wieder niemand mein Billet sehen, überhaupt gab es nur fünf Kontrollen insgesamt. Die Schiffsfahrt auf dem Lac Léman verläuft zumeist in Ufernähe, an der Einmündung der Rhône vorbei bis zu den einzigen beiden Anlegestellen am anderen Seeufer nach St. Gingolph (Suisse). Hier steige ich als einziger Reisender vom Schiff ab und wundere mich über die Angabe des Kursbuches, dass der Übergang Schiff – Zug innert einer Minute zu schaffen sein soll. Luftlinie mag das stimmen, aber es sind einige Höhenmeter dazwischen. Da ich sowieso noch Zeit habe, unternehme ich ein paar Grenzerfahrungen und schaue mir den geteilten Ort genauer an. Auf der Hauptstraße ist derweil Stau durch die Grenzabfertigung, mich behelligt jedoch niemand. An einem Brunnen kann ich bestes Trinkwasser nachfassen, bevor ich mich in meinen exklusiven Regio nach Sion setze – exklusiv deshalb, weil er von St. Gingolph bis zum nächsten Halt mir allein gehört. In Bouveretes steigen einige Leute mehr zu, dort findet auch die Zugskreuzung statt – man müsste den Fahrplan etwas umstellen, so lohnen die eingesetzten Zugsgarnituren bis St. Gingolph kaum. Überhaupt ist diese Strecke für Schweizer Verhältnisse eine Besonderheit: Es gibt keinen durchgehenden Stundentakt, der Wochenendfahrplan ist stark ausgedünnt und außerhalb der Hauptverkehrszeit fährt das Car Postale. Für mich ist die Reise nach einer Viertelstunde schon vorbei, ich muss am unscheinbaren Haltepunkt Collombey aussteigen. Hier gibt es nichts, nur eine Fußgängerunterführung. Diese muss ich nach der Fahrplanauskunft der SBB auch benützen, um zu Fuß zum nächsten Bahnhof zu gelangen. Nach der Querung eines Firmenparkplatzes und einer Straßenkreuzung stehe ich dann am Bahnhöfchen von Corbier, einer einfachen Ausweiche mit niedrigen Bahnsteigen. Die SBB gaben mir für den Weg fünf Minuten, tatsächlich waren es nur drei – was aber auch daran gelegen haben kann, dass ich den Weg vorher bereits recherchiert hatte. Nach zwei Minuten des Wartens kommt über die Brücke, unter der die eben benützte Eisenbahn liegt, ein Zug der TPC an, eine typische Lokalbahneinheit mit Trieb- und Steuerwagen. In gemütlicher, aber dennoch schneller Fahrt strebt der Zug, der bereits aus Champéry kommt, dem Endbahnhof Aigle entgegen. Hier waren ursprünglich mal eine Stunde Aufenthalt vorgesehen, aber mir fiel dann doch noch auf, dass man die gar nicht bräuchte und sie zum anderen auch gar nicht nutzen könnte, denn irgendwie gibt es in der Romandie gewisse Probleme mit Taktknoten und Anschlüssen. In Aigle treffen sich drei Meterspurstrecken, von denen zwei zunächst wie eine Straßenbahn den gesamten Ort durchqueren – und tatsächlich handelt es sich bei einer der Strecken um eine ehemalige Trambahn für die Hoteliers der Stadt. Und obwohl alle Bahnen zur TPC gehören, gibt es nicht weniger als vier Lackschemata. Ansonsten gilt auch hier: Nichts los.
Aigle – Sitten – Visp – Staldenried, Zur Tanne
Nach 20 Minuten Aufenthalt rollt zunächst ein EC von Genf nach Mailand durch den Bahnhof, danach trifft mein Interregio ein, der wiederum sehr leer ist und den Bahnhof nicht verlässt. Wir schleichen einige Minuten, bis wir ganz stehen und die Schaffnerin vermeldet, dass es Tiere auf den Geleisen hat. Ich weiß nicht, wie und ob das Problem gelöst wurde, jedenfalls geht es bald darauf weiter durch das Rhônetal mit den Orten Sitten und Siders. In Siders beginnt die längste Standseilbahn der Welt, leider aber passt sie nicht ganz in das Taktgefüge, so dass ein Besuch verschoben werden muss. Außerdem war ja bereits eine Funi im Programm. Die acht Minuten Verspätung behält der Zug zunächst bei, bevor dann das große Rasen beginnt und ich verblüfft feststelle, dass wir pünktlichst in Visp eintreffen. Hier stehen bereits zahllose Reisende und warten auf die im dichten Takt verkehrenden Intercityzüge in Richtung Lausanne, Basel und Bern. Auffallend viele Wintersportler sind dabei. Ich muss den Bahnsteig wechseln und sehe am Bahnsteig 3 schon meinen Zug der MGB in Richtung Zermatt. Ganz gut besetzt ist er ebenso, aber es ist ja nicht für dauernd. Die Kontrolleurin fragt mich, bis wohin ich zu reisen wünschte. Nach der Überwindung eines Zahnradabschnittes erreicht der Zug dann Stalden – Saas, wo ich aussteigen muss. Hier gibt es nun eigentlich keinen Anschluss, aber man kann ja mal schauen, was passiert. Zugsankunft ist plan 16:20 Uhr, die Abfahrt der Luftseilbahn nach Staldenried ebenfalls um 16:20 Uhr. Nur in der Woche fährt die Seilbahn 16:25 Uhr. Aber da ich nicht alleine bin mit meinem Fahrtwunsch, gibt es eben eine Extrafahrt. Vorher werfe ich noch einen Blick auf die Fahrpreistabelle der Seilbahn, die außer einer zeitaufwendiger Straßenverbindung die einzige Verbindung von Staldenried und Gspon zur Außenwelt ist. Die beiden Kabinen fassen nur 10 Personen, deshalb gibt es auch extra Tarife für das Befördern von Kehricht, Zement, Plasterohren (nach Metern!), Schafen (8 sFr), Lämmern (5 sFr) und Velos. Für mich am reizvollsten ist diese Seilbahn jedoch, weil sie eine Zwischenstation aufweist. Das tun zwar einige Seilbahnen, diese hier aber ist besonders: Von einer Plattform mit einem kleinen Durchlass aus führt eine leiterartige Treppe auf eine Art Steg, der über der Straße „Zur Kirche“ verläuft und zum Berghang führt. Am Ende des Stegs gibt es zwei Fußwege auf das Trottoir, die fast eben verlaufen. Dazu kommt, dass diese Haltestelle nur auf Verlangen bedient wird, was im Falle eines Zustiegs per Kamera festgestellt wird und im Falle eines Ausstiegs vom Tale her mittels Telefon dem Maschinisten in einer mir nicht zugänglichen Sprache mitgeteilt wird. Kommt man von oben, sagt man dem Maschinisten einfach Bescheid.
Staldenried, Zur Tanne – Zermatt
Ganz oben angekommen findet ausgerechnet hier eine Billettkontrolle statt, die ich zuerst gar nicht bemerke, dann aber mit den Worten „‘s Billet hät ischo scho ger noch gsähe“ auch für den Auswärtigen offenbar wird. Nun stehe ich in Staldenried und beobachte, wie einige Waren für die nächste Seilbahn nach Gspon verladen werden, darunter sind eine Dartscheibe, ein Plastiksack mit allerlei Kram und ein Fernsehgerät. Sicher sind die Winter da oben lang und einsam. Übrigens: in Gspon befindet sich Europas höchstgelegener Fußballplatz – wenn das nicht eine Reise wert ist. Nun dämmert es auch, es wird kühler und das Tal mit dem Ort Stalden liegt in einem wunderbaren Licht. Um 17:00 Uhr findet die nächste Planabfahrt der Seilbahn statt, vorher schaue ich mir noch einige Aushänge der Gemeinde an, die unter anderem festlegt, welches Kind wann mit der Seilbahn zur Schule fahren muss und dass Lehrer, die den Unterricht soweit überziehen, dass ein Schüler die Seilbahn nicht erreicht, eine schriftliche Begründung an die Gemeinde und die Seilbahndirekton abzugeben haben! Auf der Talfahrt habe ich die Seilbahn für mich alleine, auch die Kabine bergwärts ist leer. In Stalden – Saas warte ich auf meinen Zug, aus dem Gegenzug stiegen schon wieder ein paar neue Fahrgäste für die Seilbahn aus. Der jetzt folgende Abschnitt nach Zermatt ist bei Tageslicht sicherlich reizvoll und nett anzusehen, nun in der Dunkelheit aber einfach nur noch quälend langsam. Spannend ist erst wieder der Bahnhof in Täsch (mit langem ä!), wo sich das Terminal Matterhorn Zermatt befindet. Zermatt ist ja autofrei und wer den Fehler macht, bis Täsch zu fahren, bezahlt dafür. Man könnte von Raubrittertum sprechen, wenn nicht jeder selber wüsste, was ihn in Zermatt erwartet und außerdem: Wenn Autofahrer zahlen sollen, immer! Ein Tag Autoparkieren kostet hier 10,- sFr, dazu kommen die Fahrten mit dem Zug nach Zermatt, das sind pro Person hin und zurück noch einmal knapp 8,- sFr. Die Pendelzüge nach Zermatt fahren alle 20 Minuten, wofür ein Teil der folgenden Strecke auch zweigleisig ausgebaut ist. Pünktlich – um 18:13 Uhr – trifft der Zug mit mir darin in Zermatt ein. Gerne hätte ich auch noch den Zermatter E-Bus mit in die Reise einbezogen, aber der macht beim öV nicht mit und so laufe ich die 15 Minuten zur Jugendherberge zu Fuß. Eine Kreuzfahrt durch das Spektrum des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz nimmt also hier ihr Ende und ich verabschiede mich mit einem Salut!
SC Pendolino
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- Mit Migros durch die Schweiz: Auf nach Moudon (1/2) o.B. -
SC Pendolino,
08.12.2012, 07:52
- Mit Migros durch die Schweiz: Zum Matterhorn (2/2) o.B. -
SC Pendolino,
08.12.2012, 07:59
- Merci! - Sören Heise, 08.12.2012, 21:21
- Mit Migros durch die Schweiz: Zum Matterhorn (2/2) o.B. -
SC Pendolino,
08.12.2012, 07:59