Mit Migros durch die Schweiz: Auf nach Moudon (1/2) o.B. (Reiseberichte)

SC Pendolino, Samstag, 08.12.2012, 07:52 (vor 4854 Tagen)
bearbeitet von SC Pendolino, Samstag, 08.12.2012, 07:53

Hallo zusammen,

ich möchte heute in Sachen Reisebericht debutieren und hoffe, dass Euch der Reisebericht auch ohne Bilder gefällt.

Bonjour, mesdames et messieurs!

Was macht man, wenn folgende Dinge zusammenfallen: Ein freies Wochenende, beginnender Kursbuchverkauf in der Schweiz, endende Gültigkeit meiner Tageskarte und eine Punkterabattaktion der Deutschen Bahn? Man fährt los!

Reisevorbereitungen… die blaue Bibel wird gewälzt, Berichte werden gelesen, Fragen gestellt und letztlich wieder alles verworfen. Mit der Zeit kristallisieren sich zwei Punkte heraus: eine Schiffsfahrt auf dem Genfer See und ein Besuch in Moudon. Ausgangsort soll Basel sein, weil man dort ohne Probleme auch mit bahn.bonus-Freifahrten hinkommt, Zielort wird der Bahnhof eines autofreien Ortes sein – Stichwort Toblerone. Mit diesen beiden Wegpunkten im Kopf plane ich weiter, eine Route entsteht und nachdem sie fertig ist denke ich mir: Jetzt hast Du alle Verkehrsmittel außer einer Luftseilbahn – wo bekommst Du jetzt eine Luftseilbahn her? Doch wie es das Schicksal so will, kurz vor dem Reiseziel liegt eine zum Tageskartentarif nutzbare Seilbahn und dann auch noch so eine schöne! Doch dazu später mehr.

Basel SBB – Delsberg – Yverdon-les-Bains – Payerne – Croissetes

Beginnen müssen wir wieder einmal recht zeitig, schon um 6:43 Uhr fährt das Tram vom Aeschenplatz in Basel zum Bahnhof SBB, wo es zwei Minuten später eintrifft. Tags zuvor habe ich bereits geschaut, wo der Zug abfährt und am Bahnsteig 14 steht der ICN „Auguste Piccard“ nach Genf Flughafen bereit. Wie üblich setze ich mich genau entgegengesetzt der Fahrtrichtung, was aber nach einer halben Stunde kein Problem mehr gewesen wäre. Der Zug ist sehr leer, das Wetter ist mal wieder zum Vergessen, aber fahren tun wir eben doch! So geht es ab in das Juragebirge, in den Kanton Jura mit seinem Hauptort Delsberg/Delemont und von dort an gestürzt (nicht ich, der Zug!) weiter durch das Gebirge bis nach Moutier. Liebend gerne wäre ich hier nach Solothurn umgestiegen, doch wäre schon dann die gesamte Reisekette nicht mehr durchzuführen gewesen. Also weiter durch neun Kilometer Tunnel nach Grenchen, durch die größte zweisprachige Stadt der Schweiz Biel/Bienne und entlang des Lac Neuchatel nach – Neuchatel. Allerdings standen wir hier nur kurz, bevor es noch weiterging bis in das dem Namen nach Yverdon-les-Bains. Hier wartet am Nachbarbahnsteig bereits ein Regio nach Fribourg. Ganz soweit wollte ich doch nicht, aber erstmal geht es sowieso an der anderen Seeseite zurück und irgendwie sieht die Schweiz hier aus wie Ostpolen – alles bräunlich, sumpfige Einöde ohne Leben. Auch sind nur in der Ferne Hügel und Berge erkennbar und der einzige Höhepunkt dieser Strecke bleibt dann auch der Bahnhof Payerne, in dem sich stündlich vier Regios zum Korrespondenztreffen versammeln. Es ist ja auch immer noch ziemlich früh am Sonntagmorgen, so dass sich nur wenige Menschen auf den Straßen blicken lassen und auf einigen Landstraßen ließe es sich vortrefflich laufen. Der Regio nach Lausanne nimmt schnell Fahrt auf, die Strecke wird etwas interessanter, einige Leute steigen nun auch zu. Eigentlich könnte ich auch im Zug sitzen bleiben, anstatt in Moudon umzusteigen. Moudon? Warum Moudon? Um das zu erklären muss ich mich als Anhänger der „alten Eisenbahn“ zu erkennen geben. So stehe ich also in Moudon auf dem Bahnsteig, während mein Zug auf den Gegenzug wartet. Nach dem dieser auf dem zweiten Geleis eingefahren ist, erhält mein Zug Ausfahrt. Überall sonst in der Schweiz würde nun nach einem Blick der Zug einfach losfahren.
Nicht so hier: Aus dem Stellwerksraum tritt der Fahrdienstleiter in oranger Uniform heraus und hält die Reliquie der letzten in der Schweiz (abgesehen von Museumseisenbahnen) regulär benützten Abfertigungskelle in der Hand. Die Abfertigung ist unspektakulär, die Kelle wird mehrmals von links nach rechts und wieder zurück geschwenkt, das Ganze geht zweimal so, denn auch der zweite Zug muss abgefertigt werden.
Zunächst dachte ich ja noch, ich müsste eine Stunde hier zubringen, aber der Fahrplan belehrte mich, dass es auch noch die Möglichkeit gäbe, mit einem Stadtbus der TL Lausanne von hier zu fahren. Abfahrtszeit direkt nach Zugskreuzung. Dort stand dann tatsächlich ein recht neuer Neoplangelenkautobus bereit (Sonntagmorgen!) und obwohl das Prinzip der Selbstkontrolle gilt, ist der Einstieg nur beim Chauffeur möglich, der mich darauf hinweist, dass er „Votre titre du transport, s’il vous plait“ sehen möchte. Nach der Anerkennung derselben macht sich das Gefährt dann auf die halbstündige Fahrt nach Lausanne, während sich draußen das Wetter weiter verschlechtert. Auch in den kleinen Orten unterwegs ist niemand zu sehen, nur hie und da steigen ein paar Leute ein und meistens am nächsten Dorf mit Kirche wieder aus. Pünktlich erreichen wir die Haltestelle „Croissettes“. Das Wetter ist zum Vergessen, der Genfer See maximal zu erahnen, aber nicht zu sehen. Gut, dass das nächste Verkehrsmittel sowieso nicht oberirdisch unterwegs ist.

Croissetes – Lausanne Gare CFF – Montreux – Glion – Villeneuve

Eine Etage tiefer erwartet mich hier schon die einzige Métro der Schweiz. Ja, nicht Zürich, nicht Bern, nicht Genf oder Basel besitzen eine Métro sondern Lausanne. Nachdem 1991 zunächst eine Stadtbahn eröffnet wurde, die euphorisch gleich M1 hieß, kam 2008 die Linie M2 dazu, eine richtige Métro sur pneus nach Vorbild des französischen VAL (véhicule automatique léger). Die M2 ist also fahrerlos und fährt zudem noch auf Gummireifen. Warum? Einen Rekord muss diese Stadt ja auch haben: Es ist die steilste Adhäsionsmetro der Welt! Auf den achteinhalb Kilometern zwischen beiden Endpunkten werden knapp 500 Höhenmeter überwunden. Die Metro füllt sich recht schnell und umso langsamer fahren wir den Umsteigepunkten Flon und Gare CFF entgegen. Hier sehe ich noch einen der typischen Lausanner Trolleybuszüge, bevor auf dem Bahnsteig 3 schon der Interregio nach Montreux – Sion – Brig angekündigt wird. Dieser Zug ist nun entgegen aller Erwartungen und trotz des halbstündigen Verkehrs mehr als gut besetzt, nicht mal genügend Sitzplätze gibt es, obwohl der Zug schon mit neun einstöckigen Wagen unterwegs ist. Aber die Fahrt dauert nur 20 Minuten, schon ist Montreux erreicht – Inbegriff von Reichtum, Glücksspiel und Filmfestivals. Umsteigen. Der Zug in Richtung Rochers de Naye besteht aus zwei Zahnradtriebwagen und davor warten bereits 150-200 Menschen. Irgendwie werden diese auch verstaut, ich stehe im Führerstand zusammen mit noch sechs Personen, den Rucksack dabei und Mühe, mich nun in der anstehenden Bergfahrt festzuhalten. Die Fahrt verläuft durch mehrere Tunnel, passiert dabei winzige Haltestellen, an denen dennoch immer jemand aussteigt und erreicht nach zwölf Minuten Fahrt für drei Kilometer das Dörfchen Glion. Leider ist mein Anschluss gerade abgefahren, so dass ich doch etwas Zeit habe, um die Aussicht von hier auf den Genfer See zu genießen. Um 12:16 Uhr geht es nun weiter mit der Standseilbahn nach Territet - interessanterweise kreuzt dabei das Trassee der Funi(culaire) die Trasse der Bahn zum Rochers-de-Naye (im Tunnel). Die Fahrt dauert nur rund sechs Minuten, am Fahrkartenautomat geschaut, stelle ich mit Schrecken fest, dass diese paar Minuten öffentlichen Nahverkehrs mich ansonsten bereits 5,- sFr gekostet hätten. Nun muss ich den Platz vor der Station überqueren und mich zur Haltestelle der Linie 201 begeben. Diese verkehrt nach Aushang noch alle 20 Minuten, gleich soll ein Bus vorbeikommen. Er kommt, allerdings mit sieben Minuten Verspätung. Typisch Bus? Wenn es ein normaler Bus wäre vielleicht, aber es handelt sich hier um den einzig verbliebenden Überlandtrolleybusbetrieb der Schweiz von Villeneuve Gare über Montreux nach Vevey zur Funi. Deshalb ist mein Bus auch ein Trolleybus der Marke "van Hool" – in Fachkreisen gerne „Hool“igan genannt. Nur sieben Minuten dauert dann auch die Fahrt bis nach Villeneuve, das nichts mit der Rennfahrerfamilie zu tun hat, sondern schlicht Neustadt heißt. Am Bahnhof gelingt es mir zunächst nicht, ein Bild zu machen, doch nach kurzer Zeit folgt bereits der nächste Kurs und nun gibt es auch ein Bild mit Trolleybus vor dem Genfer See. Ein bisschen Zeit bleibt noch, ist aber auch notwendig, um zur nächsten Station zu gelangen.


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