Diskussion: warum rentieren NBS in Deutschland so wenig? (Allgemeines Forum)
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 07.11.2012, 10:17 (vor 4901 Tagen)
Hallo ICE-Fans,
aktuell gibt es in Deutschland für unsere heißgeliebten Schienenraketen einige "Rennbahnen". Diese sollten das Bahnreisen im Fernverkehr beschleunigen, und teilweise tun sie das auch, manchmal sogar sehr ordentlich. Das K-F Motto "die Bahn schenkt Ihnen eine Stunde" erinnern wir uns alle noch.
(...nur schade, dass diese Stunde anderswo wieder zum Teil abgebummelt wird...)
Wenn ich aber so durch die Projekte der letzten Zeit stöbere, entsteht bei mir den Eindruck, dass alles immer mehr Geld kosten muß, und zugleich immer weniger aus den Investitionen rauskommt.
Natürlich, als die ersten Rennbahnen (Hannover-Würzburg, Mannheim-Stuttgart) gebaut wurden, war alles noch neu. Von 200 auf 250 km/h [1] war ja auch ein Riesensprung. Es gab ja auch viel Zeit zu gewinnen.
Aber seit Eröffnung K-F gibt es vor allem kleinere und größere Enttäuschungen:
1. war die Rennpiste Köln-Düren wirklich notwendig für 9 Zugpaare pro Tag?
2. mit Nürnberg-Ingolstadt wurde eine Fahrzeit von 1 Stunde versprochen, aber kaum (niemals?) erreicht (es wurden immer 62-65 Minuten gefahren)
3. warum brauchte man satte 7 Dekaden, bevor die Bestzeit Berlin-Hamburg geknackt wurde?
4. und in dieser Diskussion ist man zwar am Anfang noch euphorisch, aber entsteht zuletzt den Eindruck eines Pyrrhussiegs: man hat zwar Berlin-München beschleunigt aber es hat viele Moneten gekostet und die Flieger sind vom Endergebnis gar nicht ängstig geworden; zudem gibt es bei diesem Projekt vor allem auch viele Verlierer (z.B. Jena).
Dann kommen wir zur Frage: warum rentieren Schiennneubauten in Deutschland offenbar so wenig?
Die schweizer Untergemeinschaft hier postet ständig Projekte, woraus nicht nur klar wird, dass dort pro Einwohner viel mehr in die Bahn investiert wird, sondern auch viel mehr Leute in viel großerem Maß von den Investitionen profitieren.
An der Währung liegt's nicht: sowohl 1 CHF als 1 EUR kann man nur einmal ausgeben.
Gedanken, die ich dazu habe:
1. Fehlt eine Gesamtvision? In CH gibt es Bahn2000 und Bahn2030 mit klaren Vorgaben. Bei uns gibt es PHS 2020 wobei bis zu 10-Minutentakt nachgestrebt wird. Und Deutschland?
2. Ist eine Gesamtvision in Deutschland gar nicht möglich? Versucht man es allen Recht zu tun, obwohl das gar nicht geht?
3. Ist die Topographie derart, dass gute Rendite nicht möglich sind?
a. in CH profitierte von NBS Bern-Olten und dem "Stundendreieck" Basel-Bern-Zürich das halbe Land, sogar die Hälfte, die für etwa 80-90% (?) aller Bahnkilometer in CH verantwortlich ist.
b. in IT profitierten von der "Felsenrennbahn" Bologna-Florenz die Relationen Turin/Mailand/Bozen/Venedig/Trieste - Livorno/Rom/Neapel = etwa 70-80% des ganzen Fernverkehrs.
c. Frankreich hat den Vorteil, dass die 4 größten Ballungsräumen auf einer Geradelinie liegen (Lille-Paris-Lyon-Marseille) und man also mit einer Schienenautobahn verbinden kann.
Deutschland vermisst diesen Luxus und muß deswegen mit Kompromissen leben. Manche Relationen profitieren mehr oder weniger, manche nicht.
Auch bei uns hatte die HSL-Zuid NL relativ wenig gebracht. Nur der Inner-Randstadverkehr wurde beschleunigt, und das auch noch gegen einen gesalzenen Preis. Der Ost-West-Verkehr hat nur sehr geringfügig profitiert.
Bei der Hanzelijn kann man sich auch Fragen stellen, zumal die für 2013 geplanten Fahrzeiten Amsterdam-Zwolle Anfang 70er schon Alltag waren (und das mit Halt in Harderwijk) [2].
4. Ist die Geographie derart, dass gute Rendite nicht möglich sind?
Auf Flachland kann man hervorragend RE160-Strecken bauen, siehe Niederlande.
In einer hochalpinen Landschaft sind Investitionen in Tunnel und Viadukte politisch gesehen leichter verteidigbar, siehe Schweiz. Irgendwann hat die ganze Alpenregion quasi ein halbes Alphabet an BTs (Lötschberg, Gotthard, Ceneri, Zimmerberg, Brenner, Koralm, ab 2050 wohl auch Arlberg, Tauern, Karwendel).
Deutschland ist vor allem Mittelgebirge. Bei Mittelgebirge spürt man kaum, dass man teilweise starke Steigungen bewältigen muß. Von der Landschaft her würde man kaum erwarten, dass die Rennbahn K-F etwa 17 Tunnel benötigt, zumal die parallele Autobahn keinen einzigen Tunnel hat.
5. Werden Ziele/Erwartungen nicht "SMART" gestellt? Versagt man, Erwartungen zu erfüllen?
Aber vielleicht liegt das "Problem" irgendwo anders:
1. Sind wir ICE-Fans einfach zu kritisch?
2. Ist vieles, was wir ICE-Fans im Gedanken haben, mehr oder weniger irrationelles Wunschdenken?
3. Wissen wir ICE-Fans nur halbwegs, was sonstwo abgeht? Sind die Franzosen (Spanier) mit ihren TGVs (AVEs) wirklich zufrieden oder bedauern die auch die mangelnde Qualität ihres Altnetzes?
4. Versuchen wir ICE-Fans verkrampft Erfolgsmodelle anderer Bahnen auf Deutschland zu übertragen, während das gar nicht geht?
5. Betrachten wir die Problematik zuviel aus der Perspektive eines ICE-Fans und zu wenig aus der von Otto Normalbahnfahrer?
Fragen über Fragen. Was meint Ihr?
gruß,
Oscar (NL).
[1] die kurzzeitige 280 km/h Schienenraserei durfte verhältnismäßig wenig beigetragen haben.
[2] dass man in den 70ern noch weit von der aktuellen durchschnittlichen Streckenbelegung entfernt war, ist ein anderes Thema.
--
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Diskussion: warum rentieren NBS in Deutschland so wenig?
ICE11, Aachen, Mittwoch, 07.11.2012, 10:58 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
1. war die Rennpiste Köln-Düren wirklich notwendig für 9 Zugpaare pro Tag?
Jain. Der Ausbau Köln-Düren erfolgte ja aus mehreren Gründen, die NBS ist in diesem Zusammenhang für mich nur eines von zwei "Produkten" neben der S-Bahn.
Diskussion: warum rentieren NBS in Deutschland so wenig?
Hustensaft, Mittwoch, 07.11.2012, 11:12 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
Ich denke, das Kernproblem liegt eher an anderen Punkten:
a) Politische Einflussnahme - jede Milchkanne will einen ICE-Halt, wozu das am Ende führt, macht ja gerade die KRM deutlich (und was gab es für Diskussionen mit Koblenz).
b) Prestigedenken - SFS müssen prestigeträchtig sein, eben genau mit Zahlen wie K-F oder N-IN in einer Stunde. Rein planerisch ist die KRM eine grandiose Katastrophe. Nicht nur, dass die Strecke ausschließlich für Personenverkehr geeignet ist, was die Rentabilität nachhaltig beeinflusst, nein, noch schlimmer, sie ist genau für einen Zugtyp geeignet, nicht einmal ein "normaler" ICE kann dort fahren.
c) Bürgerinteressen und politische Sturheit/planerisch-kommunikative Inkompetenz - gegen jedes, aber auch wirklich jedes Projekt gibt es Widerstände. Teilweise sind diese zweifelsfrei nachvollziehbar und ein Ergebnis planerischer/politischer/... Willkür/Gedankenlosigkeit/Sturheit/..., teilweise erinnert das aber auch an Fundamentalopposition, begleitet wird es ganz oft aber auch seitens der Planer von "das muss genau so gemacht werden" und "das ist nicht mehr verhandelbar". Was geht, wenn alle Beteiligten sich vorher zusammensetzen und man vernünftig miteinander umgeht, zeigen die wenigen Beispiele, in denen das passiert ist - zuvor sicher ein nicht zu unterschätzender Aufwand, per summa aber wahrscheinlich weniger Aufwand als jahrelange Proteste und Prozesse. Ein Beispiel war die Bundesstraße 43a im Bereich Hanau-Wolfgang: Die Straße war fertig, der Lärmschutz nicht. Rein rechtlich hätte die Strecke nicht freigegeben werden dürfen, aber mit Zustimmung der Anwohner wurde die Strecke im fraglichen Bereich verengt (von 2 auf 1 Spur je Richtung) und mit einem Tempolimit von 50 km/h versehen -> Strecke wurde so freigegeben und die Geschwindigkeitsbegrenzung sogar weit überdurchschnittlich gut beachtet.
KRM als "grandiose Katastrophe"
Reisender, München, Mittwoch, 07.11.2012, 11:32 (vor 4901 Tagen) @ Hustensaft
Rein planerisch ist die KRM eine grandiose Katastrophe. Nicht nur, dass die Strecke ausschließlich für Personenverkehr geeignet ist, was die Rentabilität nachhaltig beeinflusst, nein, noch schlimmer, sie ist genau für einen Zugtyp geeignet, nicht einmal ein "normaler" ICE kann dort fahren.
Genau. Es ist für mich ebenfalls unbegreiflich wie man so etwas planen kann. Hier scheint ein Fehler im System verantwortlich zu sein, wie er in dem legendären ZEIT-Artikel „Die Wahn AG“ beschrieben ist. Offenbar gibt es im System jede Menge Anreize zu wirtschaftlich unsinnigen Planungen.
KRM als "grandiose Katastrophe"
ICE-TD, Mittwoch, 07.11.2012, 12:05 (vor 4901 Tagen) @ Reisender
Das hat mit der bösen Deutschen Bahn nichts zu tun, die Planung wurde so bereits Mitte der 80-er Jahre von Politik und Bundesbahn erstellt.
KRM als bestes Beispiel hoher Rentabilität
Henrik, Mittwoch, 07.11.2012, 12:25 (vor 4901 Tagen) @ Reisender
Rein planerisch ist die KRM eine grandiose Katastrophe. Nicht nur, dass die Strecke ausschließlich für Personenverkehr geeignet ist, was die Rentabilität nachhaltig beeinflusst, nein, noch schlimmer, sie ist genau für einen Zugtyp geeignet, nicht einmal ein "normaler" ICE kann dort fahren.
Genau. Es ist für mich ebenfalls unbegreiflich wie man so etwas planen kann. Hier scheint ein Fehler im System verantwortlich zu sein, wie er in dem legendären ZEIT-Artikel „Die Wahn AG“ beschrieben ist. Offenbar gibt es im System jede Menge Anreize zu wirtschaftlich unsinnigen Planungen.
Da hast Du was falsch verstanden.
Die NBS Köln-Rhein/Main ist nicht Beispiel für wirtschaftlich unsinniger Planungen,
sondern dieses Cremestück des deutschen Fernverkehrsnetzes ist bestes Beispiel hoher "Rentabilität".
Und die Ursachen derlei Planungen sind u.a. Nachzulesen im Bundesschienenwegeausbaugesetz.
Ohne positiver Rentabilität werden derlei Projekte nicht finanziell gefördert vom Bund.
Das mit den Zügen ist natürlich genau entgegengesetzt,
nicht die Strecke ist für Zugtypen geeignet,
sondern Züge werden dahingehend konzipiert, dass sie auf dieser Strecke fahren können.
Das waren die alten ICE 1 und ICE 2 natürlich nicht, sie hatten & haben ein ganz anderes Einsatzgebiet, weswegen sich dieser Zusammenhang ja eh gar nicht erst stellt.
Ein jeder "normaler" ICE 3 kann dort fahren.
Das schließt eine noch rentablere Alternative nicht aus!
Reisender, München, Mittwoch, 07.11.2012, 13:11 (vor 4901 Tagen) @ Henrik
Da hast Du was falsch verstanden.
Soll die Aussage von Hustensaft "Rein planerisch ist die KRM eine grandiose Katastrophe" also etwa ironisch gemeint gewesen sein?
Die NBS Köln-Rhein/Main ist nicht Beispiel für wirtschaftlich unsinniger Planungen, sondern dieses Cremestück des deutschen Fernverkehrsnetzes ist bestes Beispiel hoher "Rentabilität".
Dass eine schnellere Verbindung von Rhein/Main und Rhein/Ruhr als über die alte Rheinstrecke richtig und sinnvoll war, steht außer Frage. Zweifelhaft ist aber, ob dieses Ziel nicht auch noch besser und vorallem noch günstiger hätte erreicht werden können.
In dem von mir bereits erwähnten ZEIT-Artikel heißt es hierzu:
„Auch damals gab es einen Alternativentwurf, der weniger aufwendig gewesen wäre – und der, weil er weniger Steigungen enthielt, auch für den Güterverkehr getaugt hätte. Und es war wieder der Münchner Verkehrsplaner Karlheinz Rössler, der diese Alternative ausarbeitete. Sein Vorschlag, erinnert er sich, »verlief etwas weiter nordöstlich, dort ist der Westerwald flacher und nicht so zerklüftet«. Der Bau wäre nicht nur günstiger gewesen: Nachts, wenn keine ICEs fahren, hätte die Bahn ihre Güterzüge aus dem Rheintal auf die neue Trasse schicken können. Die Anwohner im Rheinland hätten ihre Freude daran gehabt.“
Das mit den Zügen ist natürlich genau entgegengesetzt, nicht die Strecke ist für Zugtypen geeignet, sondern Züge werden dahingehend konzipiert, dass sie auf dieser Strecke fahren können.
Wenn das stimmt, wieso wurden dann keine speziellen Güter- und Nahverkehrszüge für die KRM konstruiert?
Das schließt eine noch rentablere Alternative nicht aus!
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 07.11.2012, 13:37 (vor 4901 Tagen) @ Reisender
Wenn das stimmt, wieso wurden dann keine speziellen Güter- und Nahverkehrszüge für die KRM konstruiert?
a. Die Strecke stellt sehr hohe Anforderungen an die Fahrzeuge.
b. Diese hohen Anforderungen können nur auf relativ kurzen Streckenabschnitten verwendet werden.
c. Die Stückzahlen wären relativ niedrig, was die Sache auch erheblich verteuert.
Nicht umsonst hat DB mit dem ICx eine Art Einheitstriebwagen für den Fernverkehr ausgedacht. Dreistellige Stückzahlen -> Massenproduktion -> relativ niedrige Kosten pro Triebwagen.
Für K-F & Co hat man dann den ICE 3 und ggf. BR 407 als "Spezialfahrzeuge".
gruß,
Oscar (NL).
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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
Das schließt eine noch rentablere Alternative nicht aus!
Henrik, Mittwoch, 07.11.2012, 14:52 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
c. Die Stückzahlen wären relativ niedrig, was die Sache auch erheblich verteuert.
Nicht umsonst hat DB mit dem ICx eine Art Einheitstriebwagen für den Fernverkehr ausgedacht. Dreistellige Stückzahlen -> Massenproduktion -> relativ niedrige Kosten pro Triebwagen.
Für K-F & Co hat man dann den ICE 3 und ggf. BR 407 als "Spezialfahrzeuge".
..nur sind es keine "Spezialfahrzeuge" und die Bahn nennt sie so auch nicht selbst,
bei immerhin 82 Zügen erschiene das auch ein wenig merkwürdig, erheblich mehr waren einst vorgesehen.
Und es sind "immerhin" quasi Standard Hochgeschwindigkeitszüge der Klasse I.
KRM ist "Fremdkörper" im ICE-Netz
Reisender, München, Mittwoch, 07.11.2012, 15:48 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
a. Die Strecke stellt sehr hohe Anforderungen an die Fahrzeuge.
b. Diese hohen Anforderungen können nur auf relativ kurzen Streckenabschnitten verwendet werden.
c. Die Stückzahlen wären relativ niedrig, was die Sache auch erheblich verteuert.Nicht umsonst hat DB mit dem ICx eine Art Einheitstriebwagen für den Fernverkehr ausgedacht. Dreistellige Stückzahlen -> Massenproduktion -> relativ niedrige Kosten pro Triebwagen.
Schon komisch, dass man dann nicht einmal bei der Konstruktion dieses "Einheitstriebwagens" die speziellen Anforderungen der KRM berücksichtigt hat bzw. nicht berücksichtigen konnte. Dies zeigt, dass die KRM im Prinzip ein "Fremdkörper" im deutschen ICE-Netz ist.
Der flexible Fahrzeugeinsatz wird so unmöglich. Mich ärgert es immer wieder, wenn ich in Frankfurt mit einem Ersatzzug ankomme und dann dort nur deshalb umsteigen muss, weil der Ersatzzug nicht auf die KRM darf. Außerdem schränkt es natürlich auch die Linienplanung ein, wenn Fernverkehrszüge auf allen Strecken bis auf einer fahren können.
eine noch rentablere Alternative gab es nicht.
Henrik, Mittwoch, 07.11.2012, 15:39 (vor 4901 Tagen) @ Reisender
Da hast Du was falsch verstanden.
Soll die Aussage von Hustensaft "Rein planerisch ist die KRM eine grandiose Katastrophe" also etwa ironisch gemeint gewesen sein?
alles andere würde zumindest planungshistorisch keinen Sinn machen.
Die grandiose planerische Katastrophe fing ja erst etwa mit den Ausschreibungen / Baubeginn der Strecke an,
also nach der Finanzierungsvereinbarung und hatte keine Auswirkung auf die Kosten-Nutzen-Betrachtung des Bundes,
da dessen Finanzierungsanteil dadurch nicht betroffen war.
Die NBS Köln-Rhein/Main ist nicht Beispiel für wirtschaftlich unsinniger Planungen, sondern dieses Cremestück des deutschen Fernverkehrsnetzes ist bestes Beispiel hoher "Rentabilität".
Dass eine schnellere Verbindung von Rhein/Main und Rhein/Ruhr als über die alte Rheinstrecke richtig und sinnvoll war, steht außer Frage. Zweifelhaft ist aber, ob dieses Ziel nicht auch noch besser und vorallem noch günstiger hätte erreicht werden können.
Rein fachlich gesehen ist die günstigste und auch beste Variante als durchzuführende Planung ausgewählt worden.
Alle anderen untersuchten Varianten wären erheblich teurer gewesen, mit längeren Strecken & Fahrzeiten.
In dem von mir bereits erwähnten ZEIT-Artikel heißt es hierzu:
„Auch damals gab es einen Alternativentwurf, der weniger aufwendig gewesen wäre – und der, weil er weniger Steigungen enthielt, auch für den Güterverkehr getaugt hätte. Und es war wieder der Münchner Verkehrsplaner Karlheinz Rössler, der diese Alternative ausarbeitete. Sein Vorschlag, erinnert er sich, »verlief etwas weiter nordöstlich, dort ist der Westerwald flacher und nicht so zerklüftet«. Der Bau wäre nicht nur günstiger gewesen: Nachts, wenn keine ICEs fahren, hätte die Bahn ihre Güterzüge aus dem Rheintal auf die neue Trasse schicken können. Die Anwohner im Rheinland hätten ihre Freude daran gehabt.“
"Entwurf" & "Verkehrsplaner" ist doch reichlich euphemistisch..
Der Vorschlag hätte womöglich weniger Tunnelkilometer bedurft, weniger aufwendig wird das ganze dadurch aber noch längst nicht.
Im Gegenteil, bei Realisierung gäbe es heute keine Verbindung unter zwei Stunden, bei deutlicher längerer Streckenführung und erheblich höheren betrieblichen Aufwand.
Der letzte Satz kann ja eh nur als üble Ironie gelesen werden, mit Bezug auf die Anwohner der Rössler-Strecke.
Das mit den Zügen ist natürlich genau entgegengesetzt, nicht die Strecke ist für Zugtypen geeignet, sondern Züge werden dahingehend konzipiert, dass sie auf dieser Strecke fahren können.
Wenn das stimmt, wieso wurden dann keine speziellen Güter- und Nahverkehrszüge für die KRM konstruiert?
..wurden nicht?
Das ist nun keine klassische Nahverkehrsstrecke mit entsprechenden Stationen, insofern machen Nahverkehrszüge keinen Sinn,
dennnoch sei auf ICE-Regio verwiesen (vgl. Kracke 1994).
In der Vorplanung von 1990 waren auf der Neubaustrecke noch im Nachtverkehr Hotelzüge (Talgo) sowie leichte und schnelle Güterzüge, insbesondere für Express- und Kleingutverkehr mit bis zu 160 km/h vorgesehen.
Die Konzeption war durchaus vorhanden, nur ging das mit der Wirtschaftlichkeit dieser Züge in den anschließenden Jahren drastisch bergab (vgl. auch InterCargoExpress), so dass letztendlich die Strecke 1997 für den artreinen Triebzugverkehr konzipiert wurde.
eine noch rentablere Alternative gab es nicht.
Lumi25, Mittwoch, 07.11.2012, 16:16 (vor 4901 Tagen) @ Henrik
Rein fachlich gesehen ist die günstigste und auch beste Variante als durchzuführende Planung ausgewählt worden.
Alle anderen untersuchten Varianten wären erheblich teurer gewesen, mit längeren Strecken & Fahrzeiten.
Meinst Du? Also ich denke schon das man mit Trassenanpassungen und Streckenausbau so wie Ertüchtung auf 200 km/h teilweise die Strecke Hagen - Siegen - Gießen - Frankfurt durchaus konkurrenzfähig machen hätte können. Auch der Güterverkehr so wie SPNV hätten davon profitiert.
Es glaubt doch hier niemand ernsthaft, dass man jetzt noch eine Güter-NBS baut um das Mittelrheintal zu entlasten.
Fakt ist auch bei Störungen wäre man viel flexibler gewesen und die Verspätungen würden nicht direkt bei +60-90 Minuten liegen so wie heute.
Zu welchem Zeitpunkt?
Reisender, München, Mittwoch, 07.11.2012, 16:58 (vor 4901 Tagen) @ Lumi25
Meinst Du? Also ich denke schon das man mit Trassenanpassungen und Streckenausbau so wie Ertüchtung auf 200 km/h teilweise die Strecke Hagen - Siegen - Gießen - Frankfurt durchaus konkurrenzfähig machen hätte können. Auch der Güterverkehr so wie SPNV hätten davon profitiert.
So eine Planung ist ja ein langwieriger Prozess. Dass bei der KRM-Planung mehrere Streckenalternativen in Betracht gezogen und die beste ausgewählt wurde, will ich gar nicht anzweifeln.
Komisch ist, dass Planungsbüros wie Vieregg-Rössler ihre vermeintlich noch besseren Vorschläge erst zu einem derart späten Zeitpunkt unterbreiten, wo die Planungsfeststellung schon ganz oder zumindest in großen Teilen schon abgeschlossen ist. Dass man dann mit dem Verfahren nicht mehr einfach nochmals von vorne anfangen kann, weil dies den Baubeginn erheblich verzögern würde, ist in diesem Fall natürlich klar.
Wenn bei der KRM-Planung auch das Ziel verfolgt wurde Rheinland-Pfalz anzubinden, dann war die Strecke wohl tatsächlich die beste. Denn in dem bereits zitierten ZEIT-Artikel heißt es:
„Aber ein Streckenverlauf nach Rösslers Plan hätte bedeutet: Die Route führt nicht mehr durch Rheinland-Pfalz, sondern durch Hessen. »Die Rheinstrecke von Köln nach Frankfurt war über Jahrzehnte die dichtestbefahrene Personenzugstrecke in Europa«, sagt der damalige Ministerpräsident Bernhard Vogel. »Als die Debatte über die neue Trasse begann, war ganz selbstverständlich, dass wir Rheinland-Pfälzer nicht den Verkehr durch Rheinland-Pfalz verlieren wollten. Wir wären ja bescheuert gewesen!«“
Zu welchem Zeitpunkt?
Lumi25, Donnerstag, 08.11.2012, 22:16 (vor 4900 Tagen) @ Reisender
Das Grundproblem ist, dass die Politiker eher aufs Prestige schauen statt auf den Nutzen. Die NBS ist sicherlich nicht schlecht wurde aber planerisch völlig falsch umgesetzt. Schau die alleine mal die tolle ABS Porz-Steinstr. - Siegburg/Bonn an. Hier orientiert sich der Ausbau so, dass der ICE völlig ungestört fahren kann. Auf die Idee, dass es auch Sinn gemacht hätte IC-Umleiter, RE-Verkehr über diese Trasse zu führen ist man anscheinend nicht gekommen. Es ist schon aberwitzig wenn ein umgeleiteter Rheintal-IC ab Troisdorf auf die vollen Regiogleise oder Gütergleise muss, während auf den Ferngleisen fast nichts fährt.
Den Halt Montabaur finde ich auch gar nicht mal so schlecht aber auch hier wird Potential verschenkt. Warum fährt bis heute noch keine RB Siegen-Altenkirchen-Siershahn-Montabaur mit Anschluss an den ICE? Der ICE-Halt Limburg-Süd ist eine glatte Fehlinvestition. Es wäre besser gewesen die ICE via. vorhandener Trasse nach Limburg (Lahn) zu schicken dort ein Knoten und dann weiter über die NBS zum Flughafen.
Was die Route über Siegen angeht diese ist durchaus nicht so uninteressant wie es scheinen mag. Für Frankfurt-Essen benötigt man heute 2 Stunden. Beim Weg über Siegen mit Ausbauten wäre man ca. 20 Minuten länger unterwegs.
Klar hat man mit der NBS eine weitere Strecke aber sobald etwas zwischen Montabaur und Siegburg ist war es das. Man kann nicht in Limburg abfahren und via. Koblenz fahren. Nein der ICE muss komplett durchs Rheintal mit eben 60-90 Minuten Verspätung. Ob das gut ist weiß ich nicht. Bei den Rheintal-IC beträgt die Verspätung 20-30 Minuten wenn diese umgeleitet werden.
Zu welchem Zeitpunkt?
Holger2, Donnerstag, 08.11.2012, 22:51 (vor 4900 Tagen) @ Lumi25
Hallo Lumi,
Das Grundproblem ist, dass die Politiker eher aufs Prestige schauen statt auf den Nutzen. Die NBS ist sicherlich nicht schlecht wurde aber planerisch völlig falsch umgesetzt.
Das Problem ist eher ein anderes: Es ist ja nicht so, dass bei einer Planung irgendein Beamter halt mal ein paar Striche in die Landschaft zieht. Im Gegenteil werden vor jeder Planung erst einmal verschiedenste Varianten durchgerechnet.
Auch bei der Detailplanung werden dann verschiedenste Varianten durchgespielt.
Leider gibt es aber viele, die meinen, dass sie in 5 - 10 Minuten vermeintlich alles viel besser wüssten, als das ganze Ingenieurteam. Nach dem Motto: Was die 500 Ingenieure in einem Jahr schaffen, das schaffe ich in 10 Minuten auf meinem Bierdeckel.
Schau die alleine mal die tolle ABS Porz-Steinstr. - Siegburg/Bonn an. Hier orientiert sich der Ausbau so, dass der ICE völlig ungestört fahren kann. Auf die Idee, dass es auch Sinn gemacht hätte IC-Umleiter, RE-Verkehr über diese Trasse zu führen ist man anscheinend nicht gekommen. Es ist schon aberwitzig wenn ein umgeleiteter Rheintal-IC ab Troisdorf auf die vollen Regiogleise oder Gütergleise muss, während auf den Ferngleisen fast nichts fährt.
Hast Du durchgerechnet, wieviel eine Weichenstraße inkl. Wartung kostet, wie oft ein solcher IC umgeleitet werden muss, und wieviel Verspätung durch Deine zusätzliche Weichenstraße eingespart wird?
Den Halt Montabaur finde ich auch gar nicht mal so schlecht aber auch hier wird Potential verschenkt. Warum fährt bis heute noch keine RB Siegen-Altenkirchen-Siershahn-Montabaur mit Anschluss an den ICE? Der ICE-Halt Limburg-Süd ist eine glatte Fehlinvestition.
Hast Du das Fahrgastpotenzial dieser Strecke berechet? Wenn Du den Westerwald kennen würdest, wüsstest Du, dass die Gegend dort ziemlich dünn besiedelt ist. Wieviele Einwohner wohnen denn direkt an der STrecke. Wieso sollte ein Siegener über diese Strecke fahren, wenn er über Friedberg oder Hennef viel schneller ist.
Es wäre besser gewesen die ICE via. vorhandener Trasse nach Limburg (Lahn) zu schicken dort ein Knoten und dann weiter über die NBS zum Flughafen.
Klar, das ist etwa eine Stunde langsamer. Für Durchreisende sehr interessant.
Was die Route über Siegen angeht diese ist durchaus nicht so uninteressant wie es scheinen mag. Für Frankfurt-Essen benötigt man heute 2 Stunden. Beim Weg über Siegen mit Ausbauten wäre man ca. 20 Minuten länger unterwegs.
Es geht bei der NBS aber nicht in erster Linie um Essen, sondern um das ganze Rhein - Ruhrgebiet. Und für Duisburg, Düsseldorf und Köln sieht das wieder ganz anders aus.
Klar hat man mit der NBS eine weitere Strecke aber sobald etwas zwischen Montabaur und Siegburg ist war es das. Man kann nicht in Limburg abfahren und via. Koblenz fahren. Nein der ICE muss komplett durchs Rheintal mit eben 60-90 Minuten Verspätung. Ob das gut ist weiß ich nicht. Bei den Rheintal-IC beträgt die Verspätung 20-30 Minuten wenn diese umgeleitet werden.
Und - wie oft passiert das? Wenn Du die NBS über Bonn - Koblenz führst, wie groß ist dann der Fahrzeitverlust gegenüber der jetzigen Strecke im Normalbetrieb und wieviel gewinnst Du im Notbetrieb (Streckensperrung)?
Holger
Zu welchem Zeitpunkt?
Lumi25, Freitag, 09.11.2012, 11:44 (vor 4899 Tagen) @ Holger2
Hast Du durchgerechnet, wieviel eine Weichenstraße inkl. Wartung kostet, wie oft ein solcher IC umgeleitet werden muss, und wieviel Verspätung durch Deine zusätzliche Weichenstraße eingespart wird?
Den Knoten Troisdorf hätte man aus meiner Sicht anders bauen müssen. Gegenfrage wie oft verspäten sich Züge im Knoten Troisdorf durch die höhengleichen Weichenstraßen.
Man hat hier beim Ausbau nur auf den ICE geguckt der Rest war eigentlich egal. Schau dir mal an wie die S13 in Troisdorf wendet, wenn diese nicht in die Wendeanlage fährt.
IC-Umleitungen kommen gar nicht so selten vor. Es gibt Wochen da passieren linksrheinisch in einer Woche 3 PU an 3 von 7 Tagen leider. Gleisbauarbeiten sind auch nicht selten linksrheinisch.
Hast Du das Fahrgastpotenzial dieser Strecke berechet? Wenn Du den Westerwald kennen würdest, wüsstest Du, dass die Gegend dort ziemlich dünn besiedelt ist. Wieviele Einwohner wohnen denn direkt an der STrecke. Wieso sollte ein Siegener über diese Strecke fahren, wenn er über Friedberg oder Hennef viel schneller ist.
Ich glaube das ich den Westerwald besser kenne als Du. Da bin ich mir 100% sicher. Des weiteren wurde das Fahrgastpotential durchaus schon ermittelt und zwar in Gutachten.
Klar, das ist etwa eine Stunde langsamer. Für Durchreisende sehr interessant.
Vectus braucht 40 Minuten. Bei einem kleinen Ausbau würde man ohne Halt wohl auf 28 Minuten kommen. Von Limburg (Lahn) bis Frankfurt Flughafen würde die Fahrzeit wohl um die 25 Minuten betragen. Macht also 55 Minuten Fahrzeit. Beim jetztigen Weg mit Halt in Limburg-Süd sind es 30 Minuten. Die Fahrzeit würde sich also um 25 Minuten verlängern.
Durchreisende nehmen eh die schnellen ICE i.d.R. denn warum soll man den gleichen Fahrpreis für 30 Minuten mehr an Fahrzeit entrichten?
Es geht bei der NBS aber nicht in erster Linie um Essen, sondern um das ganze Rhein - Ruhrgebiet. Und für Duisburg, Düsseldorf und Köln sieht das wieder ganz anders aus.
Mein Vorschlag ist eben ein Bündel von Maßnahmen womit viele Strecken leistungsfähig hätten gemacht werden können.
Und - wie oft passiert das? Wenn Du die NBS über Bonn - Koblenz führst, wie groß ist dann der Fahrzeitverlust gegenüber der jetzigen Strecke im Normalbetrieb und wieviel gewinnst Du im Notbetrieb (Streckensperrung)?
Öfters als du glaubst ich sage nur Masterdenklau und schon ist die NBS dicht. Ich bin eher für Hochleistungsstrecke mit vielen Verbindungen zum Bestandsnetz so das die Verspätungen vielleicht 20 Minuten betragen und nicht gleich 60-90 Minuten. Als Beispiel nehme ich mal den Katzenbergtunnel. Ist dieser gesperrt wird über Altstrecke umgeleitet Fahrzeitverlust 6 Minuten.
Zu welchem Zeitpunkt?
Holger2, Samstag, 10.11.2012, 00:36 (vor 4899 Tagen) @ Lumi25
bearbeitet von Holger2, Samstag, 10.11.2012, 00:38
Den Knoten Troisdorf hätte man aus meiner Sicht anders bauen müssen. Gegenfrage wie oft verspäten sich Züge im Knoten Troisdorf durch die höhengleichen Weichenstraßen.
Es mag leicht sein, alles schlecht zu reden, aber es haben sich sicherlich genug Menschen darüber Gedanken gemacht.
Man hat hier beim Ausbau nur auf den ICE geguckt der Rest war eigentlich egal. Schau dir mal an wie die S13 in Troisdorf wendet, wenn diese nicht in die Wendeanlage fährt.
Sorry, dazu habe ich keine Zeit. Wie wendet sie denn und warum ist das so schlimm?
IC-Umleitungen kommen gar nicht so selten vor. Es gibt Wochen da passieren linksrheinisch in einer Woche 3 PU an 3 von 7 Tagen leider. Gleisbauarbeiten sind auch nicht selten linksrheinisch.
Das ist aber nur eine sehr wage ungenaue Antwort. Ist die linksrheinische Strecke eine Eisenbahnstrecke, die besonders hohen Wartungsintervallen unterworfen ist?
Ich glaube das ich den Westerwald besser kenne als Du. Da bin ich mir 100% sicher. Des weiteren wurde das Fahrgastpotential durchaus schon ermittelt und zwar in Gutachten.
Das mag schon sein und ich glaube Dir auch, dass die Wiederaktivierung der Strecke Au - Dierdorf - Montabaur sinnvoll sein könnte. Trotzdem wird diese Strecke sicher kein bedeutender Feeder für den ICE in Montabaur sein. Weil für die größeren Orte im Siegtal die Verbindung nach Frankfurt über Gießen oder nach Köln über Hennef viel schneller ist. Und selbst wenn die Nahverkehrszüge über diese Strecke (VT628 o.ä.) vollbesetzt sind und immerhin 20% der Fahrgäste umsteigen würden, würde dies nicht einmal einen ICE - Waggon füllen.
Vectus braucht 40 Minuten. Bei einem kleinen Ausbau würde man ohne Halt wohl auf 28 Minuten kommen. Von Limburg (Lahn) bis Frankfurt Flughafen würde die Fahrzeit wohl um die 25 Minuten betragen. Macht also 55 Minuten Fahrzeit. Beim jetztigen Weg mit Halt in Limburg-Süd sind es 30 Minuten. Die Fahrzeit würde sich also um 25 Minuten verlängern.
Auch hier würde ich Dich einfach bitten, die Entscheidungen der Experten zumindest einmal ernstzunehmen und anzuerkennen, sie sind ja sicher auch nicht alle auf der Brennsuppn dahergeschwommen. Ich finde es schon reichlich anmaßend, wie Du die Planungen der NBS in Frage stellst.
Bei Deiner Alternative würdest Du nicht nur die Altstrecke von Montabaur nach Limburg elektrifizieren müssen, sondern vermutlich auch den Unterbau komplett erneuern. Bei der angegebenen Fahrzeit müsstest Du noch zweigleisige Begegnungsabschnitte einbauen und Streckenoptimierungen, was alles einer kompletten zusätzlichen NBS gleichkäme.
Die Fahrzeit würde sich, wie Du sagst, um etwa 25 Minuten verlängern. Dann könnten diese haltenden Züge aber nur noch Fahrgästen nach Limburg oder Montabaur dienen. Für sämtliche durchreisenden Fahrgäste wäre Dein ICE vollkommen unattraktiv. Noch dazu ist es ja überhaupt kein Problem, in diesen 25 zusätzlichen Minuten vom jetzigen Limburger ICE - Bahnhof in die Innenstadt zu laufen.
Mein Vorschlag ist eben ein Bündel von Maßnahmen womit viele Strecken leistungsfähig hätten gemacht werden können.
Dein Vorschlag ist aber leider sehr sehr wage und es ist darum am Ende auch gar nicht klar, was Du eigentlich willst.
Öfters als du glaubst ich sage nur Masterdenklau und schon ist die NBS dicht.
Und das passiert zweimal täglich???
Ich bin eher für Hochleistungsstrecke mit vielen Verbindungen zum Bestandsnetz so das die Verspätungen vielleicht 20 Minuten betragen und nicht gleich 60-90 Minuten. Als Beispiel nehme ich mal den Katzenbergtunnel. Ist dieser gesperrt wird über Altstrecke umgeleitet Fahrzeitverlust 6 Minuten.
Entlang der NBS Köln - Rhein/Main gibt es aber leider keine geeigneten Parallelstrecken. Sonst hätte man das evtl. gemacht. Aber auch die Parallelstrecken müssten dann noch genug Kapazität für zusätzlichen Verkehr haben. Wenn diese Strecken sowieso auch schon voll belegt sind, kannst Du die Umleiterstrecke auch gerade vergessen.
Holger
Zu welchem Zeitpunkt?
Lumi25, Sonntag, 11.11.2012, 14:51 (vor 4897 Tagen) @ Holger2
Es mag leicht sein, alles schlecht zu reden, aber es haben sich sicherlich genug Menschen darüber Gedanken gemacht.
Wenn überhaupt hängt es eher mit dem Budget zusammen. Ich bin halt der Meinung das meine Variante betrieblich gesehen die bessere wäre allerdings natürlich vielleicht auch teurer. Ob so eine Variante geprüft wurde weiß ich nicht. Wenn ich mir allerdings andere ABS in Deutschland anschaue wurde bislang fast immer so ausgebaut, dass der ICE seine eigenen Gleise voll für sich bekommt und der restliche Verkehr sich auf den anderen 2 Gleisen gegenseitig blockiert. Schau dir einfach mal an wie Augsburg-München ausgebaut wurde insgesamt.
Sorry, dazu habe ich keine Zeit. Wie wendet sie denn und warum ist das so schlimm?
Die S13 fährt in Spich los und fährt dann über die Weichen 413, 414 auf das Gegenhauptgleis um danach über die Weiche 419 nach Gleis 5 zu gelangen. Der Klou dabei DB Netz hat eine Weiche gespart. Problem dabei die S13 blockiert alle Fahrstraßen für den Regioverkehr.
Ich bin mal vor längerer Zeit auf dem RE 9 mitgefahren dabei hatten wir auf dem Abzw. in Höhe Porz Steinstr. eine Störung und dadurch +15-20 Minuten. Während dieser Zeit war der Abzw. teilweise blockiert. Es konnte kein ICE 3 mehr auf dem direkten Weg nach Köln Hbf gelangen. Natürlich passierte das ganze auch noch mitten im Berufsverkehr.
Das ist aber nur eine sehr wage ungenaue Antwort. Ist die linksrheinische Strecke eine Eisenbahnstrecke, die besonders hohen Wartungsintervallen unterworfen ist?
Das auf jedenfall. Dies teilt sich aber auch auf beide Rheinstrecken auf. Aktuell ist eher die rechte Rheinstrecke dran.
Das mag schon sein und ich glaube Dir auch, dass die Wiederaktivierung der Strecke Au - Dierdorf - Montabaur sinnvoll sein könnte. Trotzdem wird diese Strecke sicher kein bedeutender Feeder für den ICE in Montabaur sein. Weil für die größeren Orte im Siegtal die Verbindung nach Frankfurt über Gießen oder nach Köln über Hennef viel schneller ist. Und selbst wenn die Nahverkehrszüge über diese Strecke (VT628 o.ä.) vollbesetzt sind und immerhin 20% der Fahrgäste umsteigen würden, würde dies nicht einmal einen ICE - Waggon füllen.
So weit ich dies damals gehört habe wäre die Variante Siegen - Montabaur (Umstieg ICE) 3 Minuten schneller gewesen als der direkte RE über Gießen. Für den Politiker reicht so was schon aus.
Auch hier würde ich Dich einfach bitten, die Entscheidungen der Experten zumindest einmal ernstzunehmen und anzuerkennen, sie sind ja sicher auch nicht alle auf der Brennsuppn dahergeschwommen. Ich finde es schon reichlich anmaßend, wie Du die Planungen der NBS in Frage stellst.
Das finden alle die sich auf den Schlips getreten fühlen. Ich hatte früher auch mal den Vorschlag gemacht den RE 9 Aachen-Gießen (damals noch) zwischen Siegen und Dillenburg überall halten zu lassen (Fahrzeitverlängerung 10 Minuten) und dafür die RB 95 Au (Sieg) - Dillenburg komplett zu streichen. Die Sache war einfach die, dass die RB 95 mit LINT komplett unter Fahrdraht fährt und zwischen Siegen und Dillenburg so gut wie leer fuhr. Hier hätte man also Reg-Mittel sparen können und an anderer Stelle besser verwenden können. Der Mitarbeiter fand den Vorschlag gut der Besteller fühlt sich dagegen auf den Schlips getreten. Dritte dürfen es nicht besser wissen.
Frag dich mal selber warum z.B. um den neuen Fahrplan immer so ein Staatsgeheimnis gemacht wird. Aus der Schweiz dagegen kann man sich ganze ITF-Netzpläne downloaden. Versuch mal von NRW so ein Netzplan zu bekommen. Das wird behütet wie ein Staatsgeheimnis.
Die Fahrzeit würde sich, wie Du sagst, um etwa 25 Minuten verlängern. Dann könnten diese haltenden Züge aber nur noch Fahrgästen nach Limburg oder Montabaur dienen. Für sämtliche durchreisenden Fahrgäste wäre Dein ICE vollkommen unattraktiv. Noch dazu ist es ja überhaupt kein Problem, in diesen 25 zusätzlichen Minuten vom jetzigen Limburger ICE - Bahnhof in die Innenstadt zu laufen.
So hätte man aber auch für Montabaur - Frankfurt eine Umleiterstrecke gehabt was schon ein Vorteil ist.
Limburg orientiert sich klar Richtung Frankfurt. Vergleiche mal die Fahrzeit Limburg (Lahn) - Frankfurt Hbf per ICE und RE. Um den ICE-Bahnhof zu erreichen muss man erst mal Bus fahren. Der Fahrzeitvorteil schrumpft gegenüber dem RE auf vielleicht 5-10 Minuten.
Warum probiert man keine neuen Konzepte aus. Warum z.B. kein Hybridzug der ab Westerburg auf einer ausgebauten Oberwesterwaldbahn (statt 60 km/h heute 80-100 km/h) mit Diesel und dann ab Limburg (Lahn) unter Fahrdraht über die NBS mit 200 km/h nach Frankfurt fährt. Es gibt viele Arbeitnehmer dort die in Frankfurt arbeiten. Ich vermisse solche innovativen Konzepte.
Entlang der NBS Köln - Rhein/Main gibt es aber leider keine geeigneten Parallelstrecken. Sonst hätte man das evtl. gemacht. Aber auch die Parallelstrecken müssten dann noch genug Kapazität für zusätzlichen Verkehr haben. Wenn diese Strecken sowieso auch schon voll belegt sind, kannst Du die Umleiterstrecke auch gerade vergessen.
Zwischen Frankfurt und Limburg gibt es eine Parallelstrecke allerdings ohne Anbindung.
Zu welchem Zeitpunkt?
lokuloi, Freitag, 09.11.2012, 16:27 (vor 4899 Tagen) @ Holger2
Das Problem ist eher ein anderes: Es ist ja nicht so, dass bei einer Planung irgendein Beamter halt mal ein paar Striche in die Landschaft zieht. Im Gegenteil werden vor jeder Planung erst einmal verschiedenste Varianten durchgerechnet.
Auch bei der Detailplanung werden dann verschiedenste Varianten durchgespielt.Leider gibt es aber viele, die meinen, dass sie in 5 - 10 Minuten vermeintlich alles viel besser wüssten, als das ganze Ingenieurteam. Nach dem Motto: Was die 500 Ingenieure in einem Jahr schaffen, das schaffe ich in 10 Minuten auf meinem Bierdeckel.
Dieser Meinung möchte mich auch uneingeschränkt anschließen.
Es ist schade, dass gerade unter Eisenbahnfans immer wieder die Planungen über denen viele Ingenieure viele Stunden geplant haben angezweifelt werden, und gemeint wird in 10 Minuten die noch nie dagewesen Alternative zur Rettung der Welt gefunden zu haben. Es ist unwahrscheinlich, dass irgendeine Variante nicht untersucht wurde.
Genauso ist es schade, dass zwar einerseits immer wieder bedauert wird, dass es „politische“ Planungen gibt, aber auf der anderen Seite gerade den „Gut“achtern geglaubt wird, die sich darauf spezialisiert haben rein politische Alternativen einzubringen, die keine echte Realisierungschance haben. Das Gute für die ist es, dass sie nie beweisen müssen, dass ihre Planungen funktionieren, und somit ungeprüft irgendetwas behaupten können.
Die „echten“ Planungen müssen zum einen Genehmigungsfähig sein, und zum anderen sich auch dann später mit der Realität messen, und das tun auch die deutschen NBSen ganz gut. Jenseits von politischen Interessen, die das teilweise anders darstellen.
Nichtzuletzt beauftragen dann auch (parteiübergreifend) die, die gerade noch gegen die „technokratischen Ingenieurbüros“ oder die „Gutachtermafia“ gewettert haben, genau diese Ingenieurbüros, wenn sie selber eine Maßnahme umsetzen wollen, und nicht nur gegen eine geplante anstänkern wollen. Das sind dann die gerade noch hochgelobten Alternativplaner auf einmal nicht mehr gefragt… Hm.
Ciao,
Uli
eine noch rentablere Alternative gab es nicht.
ICE-TD, Mittwoch, 07.11.2012, 17:57 (vor 4901 Tagen) @ Lumi25
Wem hätte das genützt, höchstens für Direktverbindungen. Der Riesenvorteil der KRM ist, das sie tatsächlich auf vielen Verbindungen 1h Reisezeitgewinn bringt, weil man jetzt in Fra-Flugh. bzw. Mannheim genau Anschluß hat an Züge die einen 1h eher ans Ziel bringen als vor der KRM. Wenn man aus Richtung Ruhrpott/Köln in Richtung Nürnberg-Passau will, kann man jetzt eine Stunde später losfahren und erreicht in Fra-Flugh. den Zug der eine Stunde eher losfuhr am Rhein entlang, ähnlich sieht es doch in Richtung Stuttgart-München aus. Eine andere Streckenführung mit geringeren Geschw. hätte nicht die Reisezeitverkürzung gebracht.
eine noch rentablere Alternative gab es nicht.
Henrik, Mittwoch, 07.11.2012, 21:47 (vor 4901 Tagen) @ Lumi25
Rein fachlich gesehen ist die günstigste und auch beste Variante als durchzuführende Planung ausgewählt worden.
Alle anderen untersuchten Varianten wären erheblich teurer gewesen, mit längeren Strecken & Fahrzeiten.
Meinst Du?
Mir ist keine andere Variante bekannt.
Lese immer wieder sehr gerne in der Literatur zur NBS nach und bin da dankbar für noch mehr Literaturhinweise.
Also ich denke schon, dass man mit Trassenanpassungen und Streckenausbau so wie Ertüchtung auf 200 km/h teilweise die Strecke Hagen - Siegen - Gießen - Frankfurt durchaus konkurrenzfähig machen hätte können. Auch der Güterverkehr so wie SPNV hätten davon profitiert.
ein wenig ausbauen kann man gewiss viel,
aber o.g. Relation liegt doch offensichtlich sehr ab vom Schuss..
Es glaubt doch hier niemand ernsthaft, dass man jetzt noch eine Güter-NBS baut um das Mittelrheintal zu entlasten.
Der Glaube sollte da keine Rolle spielen. Es wird untersucht und wir werden sehen, was dabei herauskommt.
Fakt ist auch bei Störungen wäre man viel flexibler gewesen und die Verspätungen würden nicht direkt bei +60-90 Minuten liegen so wie heute.
Eine neue zusätzliche Strecke trägt erheblich zu mehr Flexibilität bei.
zum Thema Fahrzeugverfügbarkeit
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 07.11.2012, 13:30 (vor 4901 Tagen) @ Henrik
Hustensaft:
sie (K-F) ist genau für einen Zugtyp geeignet, nicht einmal ein "normaler" ICE kann dort fahren.
Reisender:
Genau. Es ist für mich ebenfalls unbegreiflich wie man so etwas planen kann.
Henrik:
Das mit den Zügen ist natürlich genau entgegengesetzt,
nicht die Strecke ist für Zugtypen geeignet,
sondern Züge werden dahingehend konzipiert, dass sie auf dieser Strecke fahren können.
Das waren die alten ICE 1 und ICE 2 natürlich nicht, sie hatten & haben ein ganz anderes Einsatzgebiet, weswegen sich dieser Zusammenhang ja eh gar nicht erst stellt.
Ein jeder "normaler" ICE 3 kann dort fahren.
Wieviele "normale" ICE 3 hat DB? Etwa 60.
Und wieviele Fernzüge (ICE 1/2/3/T(D)/IC) insgesamt? Etwa 60+30+60+65+18+120 = etwa 350 Stück.
Nun dieselbe Fragen für Bern-Olten.
Wieviele Fernzüge hat die SBB? Wohl nicht so viele wie DB.
Und wieviele davon können auf Bern-Olten fahren? Sowieso alle ICN-Triebwagen, und alle EC/EW4/IC2000-Garnituren wenn die mit Re460 bespannt sind (EW3 bin ich mir nicht sicher). Sogar einige Re4/4 II bespannte Garnituren könnten dort notfalls fahren, lediglich langsamer.
gruß,
Oscar (NL).
--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
KRM als bestes Beispiel hoher Rentabilität wirklich ?
TheFons, Mittwoch, 07.11.2012, 17:37 (vor 4901 Tagen) @ Henrik
Hallo,
Da hast Du was falsch verstanden.
Die NBS Köln-Rhein/Main ist nicht Beispiel für wirtschaftlich unsinniger Planungen,
sondern dieses Cremestück des deutschen Fernverkehrsnetzes ist bestes Beispiel hoher "Rentabilität".
Nun, woher kommt den diese "Rentabilität" ? Ein Teil des Verkehrs von der Rheinstrecke wurde auf die KRM verlegt.
Desweiteren wurden mehrere Fernverbindungen in anderen Gebieten kannibalisiert und zerstört (Münster-Siegen-Frankfurt;
zum Teil auch die Mitte-Deutschland-Verbindung). Ich weiß nicht, ob diese Art der "Rentabilität" unterm Strich
und als ganzes betrachtet wirklich so groß und sinnvoll ist.
Und die Ursachen derlei Planungen sind u.a. Nachzulesen im Bundesschienenwegeausbaugesetz.
Ohne positiver Rentabilität werden derlei Projekte nicht finanziell gefördert vom Bund.Das mit den Zügen ist natürlich genau entgegengesetzt,
nicht die Strecke ist für Zugtypen geeignet,
sondern Züge werden dahingehend konzipiert, dass sie auf dieser Strecke fahren können.
Das waren die alten ICE 1 und ICE 2 natürlich nicht, sie hatten & haben ein ganz anderes Einsatzgebiet, weswegen sich dieser Zusammenhang ja eh gar nicht erst stellt.
Ein jeder "normaler" ICE 3 kann dort fahren.
Wierum man die Sache betrachtet, ist gleichgültig. Fest steht : nur eine Zuggattung darf auf die KRM. Schlecht. Fest steht: bei Störungen muss umgeleitet werden inclusive dramtischer Verspätungen. Schlecht. Fest steht : die ICX dürfen wohl nicht auf die KRM. Schlecht. Fest steht : die KRM hat offensichtlich keine wirkliche Entlastung der Rheinstrecken erreicht, wo bereits wieder über Überlastung geklagt wird. Dürften Güterzüge auf die KRM, gäbe es das Problem nicht.
Im Endeffekt weist die KRM eine Reihe von Nachteilen auf und ich kann mir nicht vorstellen, dass man es nicht hätte besser machen können.
Viele Grüße
KRM und NIM
IC.Chiemgau, Mittwoch, 07.11.2012, 16:23 (vor 4901 Tagen) @ Reisender
sind neben der Altbau NBS WÜ-H das Beste was die Bahn jemals zustande gebracht hat und ich hoffe das zukünftige NBS in dieser Tradition mithalten können.
Politik und Prestige
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 07.11.2012, 13:08 (vor 4901 Tagen) @ Hustensaft
Hallo Hustensaft,
a) Politische Einflussnahme - jede Milchkanne will einen ICE-Halt, wozu das am Ende führt, macht ja gerade die KRM deutlich (und was gab es für Diskussionen mit Koblenz).
Der IR ist schon weg. Dann wird der IC also in ICE umbenannt. Dann gibt es "schnelle" und "langsame" ICEs, genauso wie es auf K-F "schnelle" und "langsame" ICEs gibt (die Internationale vs. der "RE300").
Problem gelöst. Nächster bitte! :)
(...zumindest bis die Milchkannen den Halt eines "schnellen ICEs" fordern...)
b) Prestigedenken - SFS müssen prestigeträchtig sein, eben genau mit Zahlen wie K-F oder N-IN in einer Stunde.
Bei Projekten wie den von Dir genannten Rennbahnen muß man wohl ein bißchen "stur" sein.
Hätte man vorgegeben: K-F 90 Minuten, wären die Geldgeber wohl nicht interessiert.
Bei K-F 60 Minuten wird die Sache für einen Geldgeber schon interessanter.
Erinnert mich an Goldfinger vs. seine Kollege-Bösewichten:
"Would you like to have 1 million today, or 10 million tomorrow?"
Ein großer Sturheitsfaktor beim PHS 2020 in NL war "jede 10 Minuten ein Zug" und vor allem "Fahren ohne Fahrplan". Die Grundgedanke war "einfach einchecken, einsteigen und losfahren".
Die italienischen Rennbahnen durften vor allem ein Produkt von Bluffpoker sein.
"Wir investieren 20 Milliarden aber verdienen damit in wenigen Jahren 40 Milliarden zurück!"
Rein planerisch ist die KRM eine grandiose Katastrophe. Nicht nur, dass die Strecke ausschließlich für Personenverkehr geeignet ist, was die Rentabilität nachhaltig beeinflusst, nein, noch schlimmer, sie ist genau für einen Zugtyp geeignet, nicht einmal ein "normaler" ICE kann dort fahren.
Rein planerisch ist unsere Betuweroute eine grandiose Katastrophe. Nicht nur, dass die Strecke ausschließlich für Güterverkehr geeignet ist, was die Rentabilität nachhaltig beeinflusst, nein, noch schlimmer, sie ist genau für einen Zugtyp geeignet, nicht einmal ein "normaler" BR 185 kann dort fahren...:)
Dennoch hat die Betuweroute viele NL-Strecken von Cargos entlastet, und wurde z.B. der 15-Minutentakt Utrecht-Arnhem möglich. Mit all diesen Cargos konnten wir den vorgesehenen 10-Minutentakt IC+S Utrecht-De Haar komplett vergessen.
Bei K-F kann man zwar jammern, dass die Strecke keine Cargos aufnehmen kann, aber dafür gibt es dann die Links- und Rechtsrheinischen.
gruß,
Oscar (NL).
--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
Köln-Frankfurt in 60 Minuten? Wer hat's versprochen?
Reisender, München, Mittwoch, 07.11.2012, 18:05 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
Bei Projekten wie den von Dir genannten Rennbahnen muß man wohl ein bißchen "stur" sein.
Hätte man vorgegeben: K-F 90 Minuten, wären die Geldgeber wohl nicht interessiert.
Bei K-F 60 Minuten wird die Sache für einen Geldgeber schon interessanter.
Von Köln Hbf nach Frankfurt am Main Hbf in 60 Minuten? Wurde das vor dem Bau der KRM versprochen? Ich kenne keinen Zug, der diese Strecke wirklich in 60 Minuten schafft. Selbst die schnellsten ICE International nur mit Zwischenhalt am Frankfurter Flughafen brauchen ein paar Minuten länger.
Köln-Frankfurt in 58 Minuten
Henrik, Mittwoch, 07.11.2012, 23:22 (vor 4901 Tagen) @ Reisender
Bei K-F 60 Minuten wird die Sache für einen Geldgeber schon interessanter.
Von Köln Hbf nach Frankfurt am Main Hbf in 60 Minuten? Wurde das vor dem Bau der KRM versprochen? Ich kenne keinen Zug, der diese Strecke wirklich in 60 Minuten schafft. Selbst die schnellsten ICE International nur mit Zwischenhalt am Frankfurter Flughafen brauchen ein paar Minuten länger.
Reduzierung der Fahrzeit Köln - Frankfurt von 133 Minuten auf 58 Minuten,
ja, das war bzw. ist Stand der Planungen seit etwa Planfeststellungsbeschlüsse
und wurde entsprechend beworben.
Nach Inbetriebnahme waren die Arbeiten in den Knoten Köln und Frankfurt noch nicht abgeschlossen, so dass die Fahrzeiten geringfügig länger waren - es wurde von 1:10 gesprochen.
Köln-Frankfurt in 58 Minuten
ICE-TD, Mittwoch, 07.11.2012, 23:50 (vor 4901 Tagen) @ Henrik
Und heute fährt die Linie 41 die Strecke in 1:04h, 58 min wären ohne Fahrzeitreserven fahrbar.
Köln-Frankfurt in 58 Minuten (München-Nürnberg <1 Stunde)
GUM, Montag, 12.11.2012, 17:08 (vor 4896 Tagen) @ ICE-TD
bearbeitet von GUM, Montag, 12.11.2012, 17:08
Und heute fährt die Linie 41 die Strecke in 1:04h, 58 min wären ohne Fahrzeitreserven fahrbar.
Also so ähnlich wie die ursprüngliche Ansage, München-Nürnberg in einer Stunde fahren zu können. Jetzt sind´s nicht mehr 1:07h, sondern 1:11h oder so...
Köln-Frankfurt in 58 Minuten (München-Nürnberg <1 Stunde)
andy24b, Montag, 12.11.2012, 17:20 (vor 4896 Tagen) @ GUM
Naja, zur Zeit wird aber auch gebaut. Nürnberg - München < 1 h solls ab 2014 geben.
Köln-Frankfurt in 58 Minuten (München-Nürnberg <1 Stunde)
GUM, Montag, 12.11.2012, 17:23 (vor 4896 Tagen) @ andy24b
Naja, zur Zeit wird aber auch gebaut. Nürnberg - München < 1 h solls ab 2014 geben.
Danke für die gute Nachricht! Dachte schon, dass wird dem Energiesparwahn geopfert.....
Köln-Frankfurt in 58 Minuten (München-Nürnberg <1 Stunde)
ICE-TD, Montag, 12.11.2012, 17:51 (vor 4896 Tagen) @ GUM
bearbeitet von ICE-TD, Montag, 12.11.2012, 17:53
Danke für die gute Nachricht! Dachte schon, dass wird dem Energiesparwahn geopfert.....
Fahrzeitreserven sind wohl am wenigsten dem "Energiesparwahn" geschuldet, sondern sind vor allem Knotenzuschläge für enge Zugfolge und Baustellenzuschläge sowie für die Pünktlichkeit bei kleineren Verzögerungen. Bei der Linie 41 ist es z.B. so das die von Frankfurt-Flugh. bis zur Durchfahrtzeit Siegburg nur etwa 1 min Reserve hat, die größte Reserve folgt dann erst im Zulauf auf Köln.
Außerdem muß man so für kleinere Bauarbeiten keine neuen Fahrpläne rausgeben oder Verspätungen in Kauf nehmen, Baustellen auf den SFS führen nämlich häufig auch zu starken Geschwindigkeitseinschränkungen im befahrbaren Gleis zum Schutz der Arbeiter, bei Bauzügen auf der KRM muß z.B. oft die Geschw. auf der gesamten Strecke auf 250 begrenzt werden, an der Baustelle selber auf 160 und langsamer.
Köln-Frankfurt in 60 Minuten? Wer hat's versprochen?
kimba2k, Wuppertal-Frankfurt am Main, Donnerstag, 08.11.2012, 00:00 (vor 4901 Tagen) @ Reisender
bearbeitet von kimba2k, Donnerstag, 08.11.2012, 00:05
Bei K-F 60 Minuten wird die Sache für einen Geldgeber schon interessanter.
Von Köln Hbf nach Frankfurt am Main Hbf in 60 Minuten? Wurde das vor dem Bau der KRM versprochen?
Das hängt doch nicht an der KRM sondern an den Nadelöhren Köln und FFM HBf.
Von Köln-Deutz zu FraFlug braucht man planmäßig 50 Min, wenn der Loki es eilig hat 42 Min. Fakt, jeden Tag aufs neue bei mir. Der Rest geht am HBf Dschungel der Städte verloren, mit oder ohne KRM.
z.B. 527 + 529
Abfahrt Deutz 07/08.44 Ankunft mit Ankunft 08/09.34
Diskussion: warum rentieren NBS in Deutschland so wenig?
kimba2k, Wuppertal-Frankfurt am Main, Mittwoch, 07.11.2012, 23:45 (vor 4901 Tagen) @ Hustensaft
Also Leute,was wollt Ihr denn?
HGV mit wenig Halten? Strecken, welche aber gleichzeitig HG-,Güter- und Nahverkehr aufnehmen können, alles gleichzeitig?
Das geht nicht.
Die KRM ist so, wie sid derzeit befahren wird, mit einigen ICE über Limburg,Montabaur,Köln-Bonn Flughafen oder einem Mix daraus, oder eben Direktfahrten Köln-FraFlug doch gut genutzt und bedient.
Zwingt euch irgendwer die RE300, wenn 20-30 Min später eine Direktverbindung mit früherer Ankunftszeit fährt zu nutzen? Nein.
Also entweder HGV auf eigenen Trassen (andere können das auch oder besser), mit den evtl. notwendigen Zugeständnissen, oder eben gemischter Verkehr mit allen Unanehmlichkeiten. Alles haben geht nunmal nicht.
Alles haben geht schon!
dvor, Donnerstag, 08.11.2012, 07:32 (vor 4900 Tagen) @ kimba2k
Also entweder HGV auf eigenen Trassen (andere können das auch oder besser), mit den evtl. notwendigen Zugeständnissen, oder eben gemischter Verkehr mit allen Unanehmlichkeiten. Alles haben geht nunmal nicht.
Alles haben geht schon! Man muss eine NBS lediglich sechsgleisig anlegen: Zwei Gleise für HGV, zwei für Mischverkehr und zwei Gütergleise.
Wer hat's versprochen?
Reisender, München, Mittwoch, 07.11.2012, 11:17 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
Aber seit Eröffnung K-F gibt es vor allem kleinere und größere Enttäuschungen:
1. war die Rennpiste Köln-Düren wirklich notwendig für 9 Zugpaare pro Tag?
2. mit Nürnberg-Ingolstadt wurde eine Fahrzeit von 1 Stunde versprochen, aber kaum (niemals?) erreicht (es wurden immer 62-65 Minuten gefahren)
Wer soll eine Fahrzeit von einer Stunde für die Strecke Nürnberg-Ingolstadt versprochen haben? Wenn dies das Ziel der NBS gewesen sein soll, dann wäre es krass verfehlt worden. Denn während die Fahrzeit für diese Strecke vor der Inbetriebnahme der NBS bei etwa einer Stunde und ein paar Minuten lag, beläuft sich die Fahrzeit im ICE für Nürnberg-Ingolstadt heute auf etwa eine halbe Stunde.
Ich vermute aber mal, dass du dich dabei selbst versprochen hast und dass du eine Fahrzeit von einer Stunde für Nürnberg-München meinst. Nach Abschluss der derzeit noch laufenden Bauarbeiten zwischen Ingolstadt und München soll für Nürnberg-München jedoch eine Fahrzeit von 59 Minuten kommen. Dieses "Versprechen" wird also eingehalten werden. Ob es indessen 59, 60 oder 62 Minuten sind, ist für den Reisenden letztendlich ohnehin egal, zumal Reisezeitverlängerungen unter 6 Minuten sowieso nicht einmal als Verspätung gelten.
PB DE: "Nürnberg - München in rund einer Stunde"
Henrik, Mittwoch, 07.11.2012, 11:57 (vor 4901 Tagen) @ Reisender
2. mit Nürnberg-Ingolstadt wurde eine Fahrzeit von 1 Stunde versprochen, aber kaum (niemals?) erreicht (es wurden immer 62-65 Minuten gefahren)
Wer soll eine Fahrzeit von einer Stunde für die Strecke Nürnberg-Ingolstadt versprochen haben? Wenn dies das Ziel der NBS gewesen sein soll, dann wäre es krass verfehlt worden. Denn während die Fahrzeit für diese Strecke vor der Inbetriebnahme der NBS bei etwa einer Stunde und ein paar Minuten lag, beläuft sich die Fahrzeit im ICE für Nürnberg-Ingolstadt heute auf etwa eine halbe Stunde.
Ich vermute aber mal, dass du dich dabei selbst versprochen hast und dass du eine Fahrzeit von einer Stunde für Nürnberg-München meinst. Nach Abschluss der derzeit noch laufenden Bauarbeiten zwischen Ingolstadt und München soll für Nürnberg-München jedoch eine Fahrzeit von 59 Minuten kommen. Dieses "Versprechen" wird also eingehalten werden. Ob es indessen 59, 60 oder 62 Minuten sind, ist für den Reisenden letztendlich ohnehin egal, zumal Reisezeitverlängerungen unter 6 Minuten sowieso nicht einmal als Verspätung gelten.
..unter 5 Minuten.
Ja, es wurde eine Fahrzeit von einer Stunde für Nürnberg-München versprochen
und damit war auch eine Stunde gemeint und nicht minutengenaue 60 Minuten,
es war von 64 Minuten die Rede (vgl. Infomappe der PB DE vom Stand 30.01.1999),
eine Fahrzeitverkürzung um 36 Minuten von 1:40 auf 1:04 von Nürnberg nach München.
Ja, ob es letztendlich 59, 60 oder 62 Minuten sind, ist für den Reisenden ohnehin egal.
Die 59 Minuten hätten nochmal eine feine psychologische Komponente, dafür reichen ein paar ICEs ja auch schon aus.
Für die Sprinter hoch nach Berlin sind natürlich dann jede Minute von Vorteil.
Was ist PB DE?
Reisender, München, Mittwoch, 07.11.2012, 12:22 (vor 4901 Tagen) @ Henrik
Ja, es wurde eine Fahrzeit von einer Stunde für Nürnberg-München versprochen
und damit war auch eine Stunde gemeint und nicht minutengenaue 60 Minuten,
es war von 64 Minuten die Rede (vgl. Infomappe der PB DE vom Stand 30.01.1999),
eine Fahrzeitverkürzung um 36 Minuten von 1:40 auf 1:04 von Nürnberg nach München.
Was bedeutet PB DE und wo kann man diese Infomappe einsehen?
PB DE = Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit
Henrik, Mittwoch, 07.11.2012, 12:34 (vor 4901 Tagen) @ Reisender
Ja, es wurde eine Fahrzeit von einer Stunde für Nürnberg-München versprochen
und damit war auch eine Stunde gemeint und nicht minutengenaue 60 Minuten,
es war von 64 Minuten die Rede (vgl. Infomappe der PB DE vom Stand 30.01.1999),
eine Fahrzeitverkürzung um 36 Minuten von 1:40 auf 1:04 von Nürnberg nach München.
Was bedeutet PB DE und wo kann man diese Infomappe einsehen?
Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit
http://de.wikipedia.org/wiki/Planungsgesellschaft_Bahnbau_Deutsche_Einheit´
Mit dem Projektmanagement der Neu- und Ausbaustrecke wurde 1996, mit Wirkung zum Januar 1997, die Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit beauftragt, die dazu ein Projektzentrum in Nürnberg einrichtete.[49][50] Später übernahm diese Funktion die DB ProjektBau.
http://de.wikipedia.org/wiki/Schnellfahrstrecke_Nürnberg-Ingolstadt-München#Planung
Die Infomappe gabs in den Infozentrum an der Strecke, auf Messen, Tagungen etc. und konnte man anfordern.
Als pdf gabs diese 20 Seiten bestimmt auch.
Ich könnts mal einscannen..
Infomappe
Reisender, München, Mittwoch, 07.11.2012, 13:27 (vor 4901 Tagen) @ Henrik
Die Infomappe gabs in den Infozentrum an der Strecke, auf Messen, Tagungen etc. und konnte man anfordern.
Als pdf gabs diese 20 Seiten bestimmt auch.
Ich könnts mal einscannen..
Oh ja, bitte.
Was ist PB DE?
Joachim, Neustadt, Mittwoch, 07.11.2012, 12:40 (vor 4901 Tagen) @ Reisender
bearbeitet von Joachim, Mittwoch, 07.11.2012, 12:42
[ ... ]
Was bedeutet PB DE und wo kann man diese Infomappe einsehen?
1. Frage: PB DE = Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit
2. Frage: kann ich Dir leider nicht beantworten; vielleicht kann ja der Verfasser (Henrik) mehr dazu sagen. (Edit: Er kann, wie ich soeben festellen konnte.)
--
mfG - Joachim
viel Bevölkerung an einer Linie
naseweiß, Mittwoch, 07.11.2012, 11:20 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von naseweiß, Mittwoch, 07.11.2012, 11:21
c. Frankreich hat den Vorteil, dass die 4 größten Ballungsräumen auf einer Geradelinie liegen (Lille-Paris-Lyon-Marseille) und man also mit einer Schienenautobahn verbinden kann.
In Deutschland liegen 4 der 5 größten Metropolregionen auch auf einer Linie:
- Rhein/Ruhr - Rhein-Main - Stuttgart - München
--
![[image]](https://abload.de/img/signature_ice1_rastervujr9.png)
viel Bevölkerung an einer Linie
Mario, Mittwoch, 07.11.2012, 14:58 (vor 4901 Tagen) @ naseweiß
In Deutschland liegen 4 der 5 größten Metropolregionen auch auf einer Linie:
- Rhein/Ruhr - Rhein-Main - Stuttgart - München
Und was ist mit Hamburg, Hannover, Berlin, Nürnberg und Leipzig/Halle? Das sind auch sehr große Metropolregionen bzw. große Städte. Und für Route Frankfurt-München gibt es ja bekanntlich dir Nordroute über Nürnberg und die Südroute über Stuttgart, wo beide Routen wichtig sind.
Nord- und Südroute?
Reisender, München, Mittwoch, 07.11.2012, 16:43 (vor 4901 Tagen) @ Mario
Und was ist mit Hamburg, Hannover, Berlin, Nürnberg und Leipzig/Halle? Das sind auch sehr große Metropolregionen bzw. große Städte. Und für Route Frankfurt-München gibt es ja bekanntlich dir Nordroute über Nürnberg und die Südroute über Stuttgart, wo beide Routen wichtig sind.
Also für mich liegt sowohl Stuttgart als auch Nürnberg nördlicher als München und jeweils südlicher als Frankfurt am Main. Warum die eine dann Nord- und die andere Südroute heißen soll, ist mir schleierhaft.
Fakt ist jedenfalls, dass es diese beiden Routen gibt. Ebenso stimme ich zu, dass beide Routen wichtig sind, weil sie jeweils unterschiedliche Städte und Regionen an Rhein/Main und an die bayerische Landeshauptstadt anbinden.
Insofern war ich überrascht, dass die Bahn im Zusammenhang mit Stuttgart 21 und der Planung der NBS Wendlingen-Ulm die Metropolregionen Nürnberg und Stuttgart gegeneinander ausspielen will, indem sie den Stuttgartern verspricht den Nürnberger nach der Fertigstellung dieser Projekte ICE-Verbindungen wegzunehmen und diese dann den Stuttgartern zu geben.
Auf Wachstum und Angebotsausweitungen ist die DB offenbar überhaupt nicht aus?
Nord- und Südroute?
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 07.11.2012, 17:01 (vor 4901 Tagen) @ Reisender
Mario:
Und für Route Frankfurt-München gibt es ja bekanntlich dir Nordroute über Nürnberg und die Südroute über Stuttgart, wo beide Routen wichtig sind.
Reisender:
Also für mich liegt sowohl Stuttgart als auch Nürnberg nördlicher als München und jeweils südlicher als Frankfurt am Main. Warum die eine dann Nord- und die andere Südroute heißen soll, ist mir schleierhaft.
Nicht für mich.
Man betrachtet eine Geradelinie Frankfurt-München.
Dann liegt F-N-M nördlich und F-S-M südlich davon.
Logisch auch, Nord fängt mit N an und Süd mit S...;)
Insofern war ich überrascht, dass die Bahn im Zusammenhang mit Stuttgart 21 und der Planung der NBS Wendlingen-Ulm die Metropolregionen Nürnberg und Stuttgart gegeneinander ausspielen will, indem sie den Stuttgartern verspricht den Nürnberger nach der Fertigstellung dieser Projekte ICE-Verbindungen wegzunehmen und diese dann den Stuttgartern zu geben.
In der Schweiz passiert das doch auch? Zürich-Lausanne via Bern oder Biel!
Nur mit dem Unterschied, dass hier beide Linien gleich schnell sein müssen, oder zumindest im ITF passen.
gruß,
Oscar (NL).
--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
Nord- und Südroute?
Reisender, München, Mittwoch, 07.11.2012, 17:09 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
Reisender:
Also für mich liegt sowohl Stuttgart als auch Nürnberg nördlicher als München und jeweils südlicher als Frankfurt am Main. Warum die eine dann Nord- und die andere Südroute heißen soll, ist mir schleierhaft.
Nicht für mich.Man betrachtet eine Geradelinie Frankfurt-München.
Dann liegt F-N-M nördlich und F-S-M südlich davon.
Logisch auch, Nord fängt mit N an und Süd mit S...;)
Danke für die Erläuterung. Damit liegt nunmehr eine logische Begriffserklärung vor. Dies ändert aber freilich nichts an der geographischen Lage der genannten Städte. Wenn ich in München nach Frankfurt losfahre, dann geht's bei beiden Routen zunächst einmal nach Norden und nicht etwa in einem Fall nach Süden!
Nord- und Südroute?
Mario, Mittwoch, 07.11.2012, 20:02 (vor 4901 Tagen) @ Reisender
Danke für die Erläuterung. Damit liegt nunmehr eine logische Begriffserklärung vor.
Also komm! Das mit der Nord- und Südroute habe nun wirklich sauber erklärt und jeder andere hier weiß, was damit gemeint ist. Nur weil du es nicht verstehst, musst du mir hier nicht so an den Karren fahren.
Dies ändert aber freilich nichts an der geographischen Lage der genannten Städte. Wenn ich in München nach Frankfurt losfahre, dann geht's bei beiden Routen zunächst einmal nach Norden und nicht etwa in einem Fall nach Süden!
Die eine Route liegt mehr im Norden und die andere mehr im Süden. Ich verstehe wirklich dein Problem nicht.
Die Frage ist längst beantwortet!
Reisender, München, Donnerstag, 08.11.2012, 08:19 (vor 4900 Tagen) @ Mario
Danke für die Erläuterung. Damit liegt nunmehr eine logische Begriffserklärung vor.
Also komm! Das mit der Nord- und Südroute habe nun wirklich sauber erklärt und jeder andere hier weiß, was damit gemeint ist. Nur weil du es nicht verstehst, musst du mir hier nicht so an den Karren fahren.
Falsch! Oscar hat die Begriffe erklärt. Und daraufhin habe ich sofort geantwortet, dass diese Erklärung logisch ist und ich sie dementsprechend verstehe. Was du jetzt noch willst verstehe ich dagegen nicht. Für mich ist dieses Problem jedenfalls nach der Erläuterung von Oscar erledigt.
viel Bevölkerung an einer Linie
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 07.11.2012, 16:08 (vor 4901 Tagen) @ naseweiß
c. Frankreich hat den Vorteil, dass die 4 größten Ballungsräumen auf einer Geradelinie liegen (Lille-Paris-Lyon-Marseille) und man also mit einer einzigen Schienenautobahn verbinden kann.
In Deutschland liegen 4 der 5 größten Metropolregionen auch auf einer Linie:
- Rhein/Ruhr - Rhein-Main - Stuttgart - München
Wenn das stimmt, dann kann man sich die Frage stellen, warum nicht gleich am Anfang diese Rennbahn gebaut wurde, und sofort als Schienenautobahn. Also zuerst Köln-Frankfurt, danach die Verlängerung nach Mannheim, dann Stuttgart, zunächst Ulm, danach Augsburg und zu guter letzt München. Am Ende gäbe es dann K-M 2,5 Stunden nonstop ohne Lafas ("langsame" ICEs 3 Stunden); bei Baubeginn 1980 wäre die Strecke jetzt wohl komplett fertig, Mannheim hätte nicht gemeckert sondern gejubelt, statt Stuttgart 21 gäbe es "Stuttgart ICE".
Gut, unsere Angaben müssen wohl präzisiert werden.
a. in Frankreich ist die 5. Metropolregion m.W. entweder Bordeaux oder Metz/Nancy/Straßburg. Diese durfte aber schon erheblich kleiner sein als die anderen vier.
b. bei Deutschland dachte ich eher an Berlin, Hamburg, Rhein-Ruhr-Sieg, München. Das ist ein Viereck, wobei die von Dir bezeichnete Linie doppelt zählt.
In Deiner Auflistung würde ich Rhein-Neckar nicht vernachlässigen.
Hinzu kommt noch ein starker "Diagonalverkehr" Berlin-NRW und Hamburg-München; diese beiden Querstrecken kreuzen nicht im Nirgendwo, sondern bei Hannover.
In Frankreich sind solche Verkehre (Lyon-Bordeaux, Lyon-Straßburg) eher rar.
gruß,
Oscar (NL).
--
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Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
viel Bevölkerung an einer Linie
naseweiß, Mittwoch, 07.11.2012, 19:08 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von naseweiß, Mittwoch, 07.11.2012, 19:12
c. Frankreich hat den Vorteil, dass die 4 größten Ballungsräumen auf einer Geradelinie liegen (Lille-Paris-Lyon-Marseille) und man also mit einer einzigen Schienenautobahn verbinden kann.
In Deutschland liegen 4 der 5 größten Metropolregionen auch auf einer Linie:
- Rhein/Ruhr - Rhein-Main - Stuttgart - München
Wenn das stimmt, dann kann man sich die Frage stellen, warum nicht gleich am Anfang diese Rennbahn gebaut wurde, und sofort als Schienenautobahn.
Mannheim-Stuttgart als eine der beiden ersten Strecken liegt ja auf der Route. Hannover-Würzburg wurde vor allem zur Entlastung der Nord-Süd-Strecke gebaut. Sie ist auch für Güterzüge geeignet und wird nachts auch so genutzt.
Also zuerst Köln-Frankfurt, danach die Verlängerung nach Mannheim, dann Stuttgart, zunächst Ulm, danach Augsburg und zu guter letzt München. Am Ende gäbe es dann K-M 2,5 Stunden nonstop ohne Lafas ("langsame" ICEs 3 Stunden); bei Baubeginn 1980 wäre die Strecke jetzt wohl komplett fertig, Mannheim hätte nicht gemeckert sondern gejubelt, statt Stuttgart 21 gäbe es "Stuttgart ICE".
Ob Mannheim nur gejubelt hätte, wäre ich mir nicht sicher, genauso wie Ulm, Augsburg, Mainz, Koblenz usw. Vor allem hätten aber natürlich viele andere Städte/Metropolregionen sich beschwert: Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden, Hannover usw. Jedoch könnte die Strecke heute bereits durch Rhein-Ruhr hindurch weiter nach Hannover führen, dort Verzweigung nach Berlin/Hamburg. Damit wären dann schon sehr viele angeschlossen. Selbst München-Hamburg könnte man so heute schneller fahren als auf über die lückenhafte SFS Hannover-Würzburg.
Gut, unsere Angaben müssen wohl präzisiert werden.
a. in Frankreich ist die 5. Metropolregion m.W. entweder Bordeaux oder Metz/Nancy/Straßburg. Diese durfte aber schon erheblich kleiner sein als die anderen vier.
Das stimmt. Es verteilt sich in Deutschland stärker. In Frankreich sind die Entfernungen größer.
b. bei Deutschland dachte ich eher an Berlin, Hamburg, Rhein-Ruhr-Sieg, München. Das ist ein Viereck, wobei die von Dir bezeichnete Linie doppelt zählt.
Hamburg-Berlin ist ja als 230er-ABS dank Topographie und Besiedlung (keine Hügel und kaum Anwohner) die optimale SFS, vermutlich sehr günstig und als Ergebnis der schnellste Schnitt, der im Moment in Deutschland zwischen zwei Metropolen erreicht wird. In der Form hätte man diese Strecke natürlich bauen sollen.
Rhein/Ruhr - Hannover - Hamburg/Berlin wäre das nördliche Gegenstück zu Rhein/Ruhr - Frankfurt - Stuttgart - München. Darüber ließe sich dann fast Alles an Metropolenverkehr abwickeln.
Nur die direkte Strecke München-Berlin führt eben irgendwie durchs Niemandsland, die beiden Endpunkte sowie Leipzig und Nürnberg reichen nicht um eine große Nachfrage für so eine teure Strecke zu generieren. Natürlich sollte man auch auf solchen Routen ICE-Strecke errichten, sie sollten aber nicht Priorität vor der 'großen Banane' über Rhein-Ruhr genießen. Gerade für die Strecken München-Berlin, Frankfurt-Dresden, Frankfurt-Passau usw. ist die Neigetechnik eine sehr günstige Lösung.
In Deiner Auflistung würde ich Rhein-Neckar nicht vernachlässigen.
Das scheint unter den Metropolregionen weiter hinten zu rangieren. Natürlich ist es gut, dass man diese Mitnehmen kann, genauso wie Bielefeld zwischen Rhein/Ruhr und Hannover.
Hinzu kommt noch ein starker "Diagonalverkehr" Berlin-NRW und Hamburg-München; diese beiden Querstrecken kreuzen nicht im Nirgendwo, sondern bei Hannover.
Mit dem nrödlichen Abschnitt Rhein/Ruhr - Hannover - Hamburg/Berlin kann man die wunderbar fahren.
In Frankreich sind solche Verkehre (Lyon-Bordeaux, Lyon-Straßburg) eher rar.
Das stimmt. Strasbourg-Lille, Strasbourg-Bordeaux o.ä. kann gut über Paris gefahren werden, ohne dass es direkte NBS benötigt. Genauso wäre es mit München/Stuttgart/Frankfurt - Hannover/Hamburg über Rhein/Ruhr, ohne direkte NBS. Lediglich bei den Laufwegen aus dem Süden nach Berlin wird der Umwegfaktor zu groß.
Edit: Natürlich benötigt es ergänzend zu der einen großen NBS viele ABS: Hamburg-Berlin, Dreieck Berlin/Leizig/Dresden, Wunstorf-Bremen, Köln-Aachen, Duisburg-Arnhem, Mannheim-Basel, Nürnberg-Augsburg - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
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Diskussion: warum rentieren NBS in Deutschland so wenig?
kllaas, Mittwoch, 07.11.2012, 11:22 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
Hallo Oscar,
meiner Meinung nach hat es in Deutschland in Eisenbahnkreisen in den letzten 30 Jahren eine Änderung im Denken gegeben.
Früher planten mehr technikorientierte Ingenieure und heraus kamen die beiden alten Neubaustrecken HA-WÜ und MA-S. Mit Steigungen die jeder HGV-Zug schafft.
Später wirkten Wirtschafts-Ingenieure bei der Planung mit. Diese sorgten für Kostenoptimierung und optimierten auch die Fahrzeuge für die Strecken, um Kosten im Gegensatz zu den ersten Planungen zu sparen. Und ein ICE1 kann K-F nicht fahren.
Diese Änderung im Denken finde ich in Frankreich in Eisenbahnkreisen wesentlich weniger. Neubaustrecken werden wegen des Planungsrecht leichter umgesetzt als bei uns.
Dazu wurden die Fahrzeuge nicht so stark an die Strecken angepaßt.
Mit der Auswirkung, dass alle Fahrzeuge auf (fast) allen Neubaustrecken fahren können.
Diese Durchlässigkeit bei den Fahrzeugen ist für Franzosen wichtig.
Deswegen sind neuere TGV-Züge weniger kostenoptimiert. Und es werden in Frankreich wesentlich mehr Kosten über RFF durch den französischen Steuerzahler übernommen.
Vielleicht hilft dieser Beitrag eines Mitlesers, der beruflich in DE und FR technische Probleme löst, - aber nicht im Bereich Eisenbahn - zu zeigen, warum der TGV in Frankreich uns mehr Spaß macht.
kllaas
Diskussion: warum rentieren NBS in Deutschland so wenig?
ICE-TD, Mittwoch, 07.11.2012, 12:08 (vor 4901 Tagen) @ kllaas
Hallo Oscar,
meiner Meinung nach hat es in Deutschland in Eisenbahnkreisen in den letzten 30 Jahren eine Änderung im Denken gegeben.
Früher planten mehr technikorientierte Ingenieure und heraus kamen die beiden alten Neubaustrecken HA-WÜ und MA-S. Mit Steigungen die jeder HGV-Zug schafft.
Später wirkten Wirtschafts-Ingenieure bei der Planung mit. Diese sorgten für Kostenoptimierung und optimierten auch die Fahrzeuge für die Strecken, um Kosten im Gegensatz zu den ersten Planungen zu sparen. Und ein ICE1 kann K-F nicht fahren.
Nochmal, dieses wurde so bereits von der Bundesbahn geplant.
Meine Meinung - Teil 1
Mario, Mittwoch, 07.11.2012, 12:45 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
1. war die Rennpiste Köln-Düren wirklich notwendig für 9 Zugpaare pro Tag?
Als Bindeglied für das PBKA-Netz war es auf jeden Fall eine sinnvolle Investition. Nur hat man leider dann aufgehört und der Ausbau bzw. Teilneubau Düren-Aachen steht noch immer in den Sternen, so dass dort viel Zeit verbummelt wird. Da war man einfach nicht konsequent und hat wieder nur - typisch deutsche NBS-Planung - etwas halbfertig gemacht.
2. mit Nürnberg-Ingolstadt wurde eine Fahrzeit von 1 Stunde versprochen, aber kaum (niemals?) erreicht (es wurden immer 62-65 Minuten gefahren)
Durch die jetzt noch laufenden und bald abgeschlossenen Restausbauten auf Ingolstadt-München soll ja dann soweit ich weiß die N-M in einer Stunde gehen.
3. warum brauchte man satte 7 Dekaden, bevor die Bestzeit Berlin-Hamburg geknackt wurde?
Erstmal war der 2. Weltkrieg, wo die Strecke beschädigt wurde und man danach erstmal froh war, dass dort überhaupt Züge fuhren. Dann kam die sowietische Besatzung und danach bis 1990 die DDR, wo bekanntlich die Infrastruktur mehr verfiehl als ausgebaut wurde. Als dann die Wende kam war die Strecke ein einziger sanierungsfall und man baute sie erstmal für 160km/h wieder auf, damit hier schonmal die Züge angemessen zwischen beiden Metropolen fahren konnten. Schließlich gab es ja noch sehr viele andere Verkehrswege, die saniert, ausgebaut oder neugebaut werden mussten; da konnte man halt einfach nicht alles auf einmal abarbeiten. Zudem war der Ausbau nur auf 160km/h auch der Transrapid-Planung in den 90ern geschuldet, der ja Hamburg und Berlin mit bis zu 430km/h in nur 45 Minuten verbinden sollte. Man hatte sich schon auf den Bau eingestellt, doch dann kippte ja 1998 die neue Regierung SPD/Grüne unter Kanzler Schröder völlig überraschend das Projekt (Als Bauernopfer für die Grünen als Koalitionspartner!), so dass erst danach die Planungen und der Ausbau auf 230km/h kam. Somit sind diese 7 Dekaden ein unglückliche Verkettung von einem Krieg, einer herunterwirtschaftenden Besatzung, der Planung für den Transrapid und einem politischen Koalitionsmanöver.
4. und in dieser Diskussion ist man zwar am Anfang noch euphorisch, aber entsteht zuletzt den Eindruck eines Pyrrhussiegs: man hat zwar Berlin-München beschleunigt aber es hat viele Moneten gekostet und die Flieger sind vom Endergebnis gar nicht ängstig geworden; zudem gibt es bei diesem Projekt vor allem auch viele Verlierer (z.B. Jena).
Ich persönlich hätte die ABS/NBS Nürnberg-Leipzig/Halle weder über Erfurt geführt noch hätte ich eine komplett neue NBS am Nürnberg entlang der A9 über Jena gebaut. Ich hätte die Strecke Nürnberg-Lichtenfels auf 230km/h ausgebaut und dann eine NBS von Lichtenfels über Sonneberg, Saalfeld und Jena bis Leipzig/Halle für 250/300km/h gebaut. Dann hätten nämlich auf der NBS auch schnelle RE200 fahren können um die Auslastung zu steigern und die gesamte Strecke hätte nicht den Umweg über Erfurt machen müssen. Aber jetzt wird die Strecke halt so gebaut und man muss das Beste draus machen bzw. seine Lehren draus ziehen.
Dann kommen wir zur Frage: warum rentieren Schiennneubauten in Deutschland offenbar so wenig?
Vor allem weil die NBS nicht richtig ausgelastet sind. Neubaustecken, auf denen nur 2 oder 3 ICEs pro Stunde und Richtung fahren sind Blödsinn. Hier ist entweder die Strecke falsch oder das Betriebsmodell oder beides. Und es liegt auch daran, dass in Deutschland NBS immer von Stadt zu Stadt gebaut werden, also dass man immer an den Enden langsam in die Stadt reinfahren und dann wieder langsam rausfahren muss. Die NBS Würzburg-Hannover ist hier das beste Beispiel, wo man sich unterwegs durch 3 Städte langsam durchquälen muss. Es gibt keine richtigen Umfahrungen für Sprinter-Züge, die ICEs müssen oft sehr langam zu völlig veralteten Bahnhöfen mitten in der Stadt fahren, die Enden der NBS sind oft nicht korrekt und v.a. niveaufrei ans Bestandsnetz angeschlossen (siehe Köln und Frankfurt), usw.. Dies vermindert die Kapazität, erschwert das Fahren von Sprinter-Zügen mit entsprechenden Zeitgewinnen und bedeutet mehr einen NBS-Flickenteppich als ein NBS-Netz. Deutschland hat kein NBS-Netz! Und nur mit einem echten und effektiven NBS-Netz, auf dem auch Sprinter-Züge ungehindert und möglichst schnell durchfahren können und wo man auch mal ganz neue und schnell anfahrbare ICE-Bahnhöfe baut, kann man auch eine hohe Auslastung von mehr als 5 ICEs pro Stunde und Richtung erreichen. Auf der NBS Köln-Frankfurt waren ja mal 7,5 ICEs pro Stunden und Richtung angedacht, doch das hat man bis heute nie erreicht, auch weil die NBS an beiden Enden völlig unzureichend, teils niveaugleich und schnell in die Bahnhöfe angebunden ist.
1. Fehlt eine Gesamtvision? In CH gibt es Bahn2000 und Bahn2030 mit klaren Vorgaben. Bei uns gibt es PHS 2020 wobei bis zu 10-Minutentakt nachgestrebt wird. Und Deutschland?
Genau das ist aus meiner Sicht in Deutschland das große Problem - Es gibt keine Gesamtvision bzw. keinen Masterplan, wo man eigentlich hin will und welche Strecken und welches Rollmaterial man dafür braucht. Es wird hier und da was gebaut und dann hofft man, dass dann alles irgenwie zusammenpasst. Doch so lässt sich einfach kein landeweiters echtes Knotensystem aufbauen, eben weil teils auch die Provinzfürsten viel zu viel zu sagen haben und leider auch dafür sorgen, dass bestimmte Strecken nicht so gebaut oder ausgebaut werden dürfen, dass man Ende alls zusammenpasst (siehe die Streitereien wegen Umfahrungen!). Ja, es fehlt in Deutschland ganz klar eine echte Vision. Was sind die größten Probleme? Wo genau zwickt es? Wie soll mein Betriebsmodell zukünftig aussehen? Welche Fahrzeiten bzw. Kantenzeiten will ich künftig haben? Welche Streckenaus-/neubauten und ggfd. welche Bahnhofsneubauten brauche ich dafür? Welches Rollmaterial brauche ich genau passend dafür? All das fehlt bei uns leider und genau deshalb kommt hier auch kein Ganzes zusammen sondern wie gesagt nur ein Flickenteppich von kurzen Neubaustreckchen und Ausbaustreckchen mitten durch die Städte durch.
Und dies gilt auch für den Güterverkehr, für den ein Land wie Deutschland auch teils Neubaustrecken braucht, damit die Güterzüge auch endlich mal aus den dicht bewohnten Gebieten draus verlagert werden können und die Züge schneller und zahlreicher fahren können. Vielleicht kann man ja dafür auch einen Teil der LKW-Maut hernehmen, was endlich zielgerichtetes Handeln wäre, damit man die LKW-Lawine endlich ein eindämmt.
2. Ist eine Gesamtvision in Deutschland gar nicht möglich? Versucht man es allen Recht zu tun, obwohl das gar nicht geht?
Wie gesagt haben in Deutschland die Provinzfürsten, also die Ministerpräsidenten der einzelnen Bundesländer, die Landräte und Oberbürgermeister einfach zu viel Einfluss und Mitspracherecht, v.a. bei Themen wie Umfahrungen und NBS-Korridoren. Auch sind die Klage- und Einlfussmöglichkeiten von Bürgern, Bürgerinitiativen und Umweltverbänden wie dem Bund Naturschutz heute so ausführlich möglich, dass diese die Umsetung der Projekte immer öfter immer längern aufhält und immer teurer macht. Hier würde ich mir ein Modell wie in Frankreich wünschen, wo der Nationalrat ein Schienen-, Straßen-, Flughafen- oder Kanalprojekt als Projekt von nationaler Bedeutung einstuft, so dass Klage- und Einspruchmöglichkeiten damit eingeschränkt sind. Doch in Deutschland wird ja gegen alles geklagt, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist und die Bürger würden so einen Vorgang sofort als Einschränkung der Demokratie ansehen. Hier fehlt einfach die Bereitchaft, für die Allgemeinheit auch mal Opfer zu bringen bzw. auch mal zu akzeptieren, dass bestimmte Dinge eben doch nicht ganz optimal sind. Zu viele sind nur auf ihren eigenen Vorteil aus und nutzen dafür wie gesagt diese umfangreichen Klage- und Einflussmöglichkeiten. Uns geht es wirklich teilweise viel zu gut.
3. Ist die Topographie derart, dass gute Rendite nicht möglich sind?
Es gibt in bestimmten Teilen Deutschlands durchaus schwierige Topographien, ja. Aber die gibt es auch in anderen demokratisch geführten Ländern, die trotzdem hervorragende NBS gebaut haben und teils auch schon ein NBS-Netz haben. Hier fehlt in Deutschland eher der politische Wille. Und das Thema Rendite sollte und darf bei NBS in als primärer Faktor im Vordergrund stehen, eben weil Mobilität eigentlich ein Grundrecht ist und der Staat deshalb dieses bereitstellen und bestreiten muss, auch wenn es nicht kostendeckend arbeitet. Busbetriebe in Städten sind ja auch nur in den wenigsten Fällen kostendeckend und die Stadt muss ein gewisses Defizit ausgleichen. Und genau wie die Städte ein Interesse daran haben, dass die Leute von PKWs in Busse umsteigen, genauso muss auch der deutsche Staat endlich mehr Interesse dafür zeigen, dass seine Bürger und Güter mehr auf die Bahn umsteigen, damit die Autobahnen und Bundestraßen wirkungsvoll entlastet werden. Denn der Ausbau und Neubau von Autobahnen kostet ja auch viel Geld, was man sich bei entsprechenden Schienenneu-/ausbaustrecken z.B. verstärkt auch für den Güterverkehr plus viel mehr moderne RoLa-Systeme (Modalohr, Cargobeamer) dafür auch teils wieder sparen könnte. Es fehlt einfach eine Gesamtvision.
Meine Meinung - Teil 2
Mario, Mittwoch, 07.11.2012, 12:45 (vor 4901 Tagen) @ Mario
a. in CH profitierte von NBS Bern-Olten und dem "Stundendreieck" Basel-Bern-Zürich das halbe Land, sogar die Hälfte, die für etwa 80-90% (?) aller Bahnkilometer in CH verantwortlich ist.
Ja, die Schweiz bzw. diese vier Städte haben einfach eine sehr glückliche Lage zueinander, so dass hier gut ein Stern mit einer Kantenzeit von 28 Minuten pro Strahl machbar war. Doch in Deutschland gibt es freilich mehr Verkehrkorridore aber auch mehr potenzielle Fahrgäste, die man in die Bahn locken kann.
b. in IT profitierten von der "Felsenrennbahn" Bologna-Florenz die Relationen Turin/Mailand/Bozen/Venedig/Trieste - Livorno/Rom/Neapel = etwa 70-80% des ganzen Fernverkehrs.
Richtig. Italien hat aber auch den geografischen Vorteil, dass man mit dem T-Netz aus Neubeustrecken praktisch 70-80% des ganzen Landes erreichen kann, eben weil es nach Süden so nur einen einzigen NBS-Korridor gibt. In Deutschland hat man von Ost nach West und von Nord nach Süd eben mehrere Korridore bzw. Teilkorridore.
c. Frankreich hat den Vorteil, dass die 4 größten Ballungsräumen auf einer Geradelinie liegen (Lille-Paris-Lyon-Marseille) und man also mit einer Schienenautobahn verbinden kann.
Richtig, das war/ist deren Vorteil. Auch auf der LGV Atlantique hat man ein schönes Y bauen können, so dass damit die Städte der Bretagne und auch der Korridor nach Bordeaux damit beschleunigt werden konnte, wo ja auch bald weitere NBS entstehen.
Aber vielleicht liegt das "Problem" irgendwo anders:
1. Sind wir ICE-Fans einfach zu kritisch?
Das denke ich nicht, denn sie fahren ja auf vielen verwschiedenen Strecken durchs Land und bekommen dadurch sehr gut mit, wo es Probleme gibt bzw. wo man dringend etwas verbessern muss.
2. Ist vieles, was wir ICE-Fans im Gedanken haben, mehr oder weniger irrationelles Wunschdenken?
Hier eher weniger. Es gibt freilich bestimmte Planungen, die mehr Fantasie als Realismus beinhalten. Sowas muss in einem Forum auch ab und zu mal drn sein. Doch hier im Forum lese ich zum weit überwiegenden Teil wirklich brauchbare und praktikable Vorschläge, die im finanziellen Rahmen machbar wären und dem Gesamtverkehr viele Vorteile bringen würden. Da ist hier wirklich ein gutes Knowhow vorhanden.
3. Wissen wir ICE-Fans nur halbwegs, was sonstwo abgeht? Sind die Franzosen (Spanier) mit ihren TGVs (AVEs) wirklich zufrieden oder bedauern die auch die mangelnde Qualität ihres Altnetzes?
Genau das ist ein wichtiger Punkt. Man darf in anderer Ländern nicht nur das Positive sehen, was besser als bei uns gemacht wird, sondern immer auch das Negative, was einem sowas einbringen kann. Hier bin ich froh, dass wir hier auch Leute aus anderen Ländern wie dich haben, der von de Zuständen dort berichten kann.
4. Versuchen wir ICE-Fans verkrampft Erfolgsmodelle anderer Bahnen auf Deutschland zu übertragen, während das gar nicht geht?
Ich würde es anders formulieren. Wir ICE-Fans möchten das Gute aus anderen Ländern auf unser deutsches Verkehrssystem übertragen, so dass es besser wird damit so mehr Menschen und auch Güter davon profitieren. Das sehe ich als sehr positive Eigenschaft an, eben weil uns die Bahn am Herzen liegt und wir sie wirklich besser machen wollen. Das ist doch gut.
5. Betrachten wir die Problematik zuviel aus der Perspektive eines ICE-Fans und zu wenig aus der von Otto Normalbahnfahrer?
Ich denke, dass besonders hier im Forum sehr gut auf die Bedüfnisse des Otto Normalverbrauchers eingegangen wird, eben gerade weil ca. 80% der Verbesserungsvorschläge ja gerade realistisch machbar und eben keine übertriebenen Fantasieplanungen sind. Und letztlich sind ja wir alle hier nur Otto Normalverbraucher, die hier aber ihre Gedanken, Probleme und Vorschläge austauschen können und man so auch sieht, dass es mehreren Leuten so geht und mehrere Leute an bestimmten Stellen dringenden Verbesserungsbedarf sehen.
Demo Recht empfindlich einschränken oder abschaffen....
IC.Chiemgau, Mittwoch, 07.11.2012, 16:52 (vor 4901 Tagen) @ Mario
2. Ist eine Gesamtvision in Deutschland gar nicht möglich? Versucht man es allen Recht zu tun, obwohl das gar nicht geht?
Wie gesagt haben in Deutschland die Provinzfürsten, also die Ministerpräsidenten der einzelnen Bundesländer, die Landräte und Oberbürgermeister einfach zu viel Einfluss und Mitspracherecht, v.a. bei Themen wie Umfahrungen und NBS-Korridoren. Auch sind die Klage- und Einlfussmöglichkeiten von Bürgern, Bürgerinitiativen und Umweltverbänden wie dem Bund Naturschutz heute so ausführlich möglich, dass diese die Umsetung der Projekte immer öfter immer längern aufhält und immer teurer macht. Hier würde ich mir ein Modell wie in Frankreich wünschen, wo der Nationalrat ein Schienen-, Straßen-, Flughafen- oder Kanalprojekt als Projekt von nationaler Bedeutung einstuft, so dass Klage- und Einspruchmöglichkeiten damit eingeschränkt sind. Doch in Deutschland wird ja gegen alles geklagt, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist und die Bürger würden so einen Vorgang sofort als Einschränkung der Demokratie ansehen. Hier fehlt einfach die Bereitchaft, für die Allgemeinheit auch mal Opfer zu bringen bzw. auch mal zu akzeptieren, dass bestimmte Dinge eben doch nicht ganz optimal sind. Zu viele sind nur auf ihren eigenen Vorteil aus und nutzen dafür wie gesagt diese umfangreichen Klage- und Einflussmöglichkeiten. Uns geht es wirklich teilweise viel zu gut.
Diese Gedanken sind so gut, das sie glatt weg aus meinem Kopf stammen könnten. Bevor mir wieder irgendwelche Leute ein mangelndes Demokratieverständnis vorwerfen so sei noch folgendes erwähnt:
Es stört mich in der Tat ganz massiv wenn eine Minderheit Projekte blockiert, von der die Masse in Deutschland grosse bis sehr grosse Vorteile draus zieht. Dabei spielt es für mich keine Rolle ob es um Grosskraftwerke, Stromtrassen, Autobahnen oder um NBS geht. Es ist so oder so immer eine Minderheit, gemessen an der Bevölkerungszahl von ganz Deutschland, die solche Projekte systematisch blockiert und damit die Lösung bestimmter Probleme auf unbestimmte Zeit blockiert oder diese gar unmöglich macht.
Zur Lösung dieses Problems könnte ich mir entweder das französische Modell (siehe oben - das wäre das Modell was ich von vorne herein bevorzuge!!) oder das schweizer Modell mit Volksabstimmungen vorstellen. Doch gerade bei Letzterem fallen mir die S21 Gegner ein, deren Demokratieverständnis mehr als fragwürdig ist. Denn obgleich sich bei S21 doch eine Mehrheit eindeutig FÜR S21 ausgesprochen hat, haben diese Leute ihren Widerstand auch danach nicht aufgegeben. Und ich bin schon sehr gespannt wie diese Leute agieren, wenn es mit dem Bau in Stuttgart wirklich los geht. Ich wäre durchaus bereit das Ergebnis von Volksbefragungen zu akzeptieren, egal wie diese ausfallen. Aber wenn solche suspekte Leute ein Ergebnis nicht akzeptieren und ein Projekt weiterhin blockieren, dann kann man sich Volksbefragungen gleich sparen und verfährt nach der französischen Methode.
Davon mal ganz abgesehen habe ich so meine rege Mühe nachzuvollziehen, warum die Leute sagen das sie abgehängt werden nur weil sie möglicherweise 50 - 100 km zum nächsten ICE Knoten fahren müssten. Warum soll das so ein Problem sein, wenn man die Strecke bis zum nächsten ICE Knoten mit einem 160 km/h schnellen RE oder IC fahren kann? Können die Leute nicht mehr lesen oder sind sie einfach nur zu faul unterwegs den Zug zu wechseln? Umzusteigen war in den letzeten 30-40 Jahre das normalste was ich mir vorstellen kann. Und jeder der heute einen ICE Halt in der Provinz fordert der ist entweder zu faul für einen Umsteigevorgang und/oder ihm geht es schlicht und ergreifend zu gut. Selbst im Flugverkehr ist etwas vollkommen normales unterwegs umzusteigen oder hat schon jemand eine B747 in Kassel Calden landen sehen?
Fakt ist jedenfalls, das solangen irgendwelche Käfer oder oben beschriebene Leute Grossprojekte verzögern, zum Stillstand brigen oder diese Projekte zumindest massiv verteuern (über das diese Leute sich sogar noch beschweren) kann es in Deutschland keine visionäre Projekte mehr geben.
Demo Recht empfindlich einschränken oder abschaffen....
TheFons, Mittwoch, 07.11.2012, 18:02 (vor 4901 Tagen) @ IC.Chiemgau
Hallo,
ich stimme mit Dir und Mario grundsätzlich überein.
2. Ist eine Gesamtvision in Deutschland gar nicht möglich? Versucht man es allen Recht zu tun, obwohl das gar nicht geht?
Wie gesagt haben in Deutschland die Provinzfürsten, also die Ministerpräsidenten der einzelnen Bundesländer, dieEs ist so oder so immer eine Minderheit, gemessen an der Bevölkerungszahl von ganz Deutschland, die solche Projekte systematisch blockiert und damit die Lösung bestimmter Probleme auf unbestimmte Zeit blockiert oder diese gar unmöglich macht.
Das ist leider richtig und wir alle wissen, aus welcher politischen Gesinnungsgeimeinschaft diese Verhinderer kommen.
Das Problem ist aber auch, dass die schweigende Mehrheit hautsächlich eben wirklich eine schweigt und den Arsch nicht
hochkriegt. Andererseits hat die schweigende Mehrheit häufig so viel zu tun, dass sie einfach keine Zeit für das Abhängen auf Demos hat.
Zusätzlich liegt das Problem bei Politikern, die insgeheim mit den Verhinderern sympathiesiren und sich klammheimlich freuen, wenn Projekte, die sie eh nur halbherzig betrieben haben, zu Fall kommen. Wenn Politiker WOLLEN, setzen sie Projekte auch durch, auch gegen die Verhinderer. Und unter Umständen sogar gegen das (Grund)-Gesetz. Wobei ich letzteres natürlich nicht gutheiße.
Davon mal ganz abgesehen habe ich so meine rege Mühe nachzuvollziehen, warum die Leute sagen das sie abgehängt werden nur weil sie möglicherweise 50 - 100 km zum nächsten ICE Knoten fahren müssten. Warum soll das so ein Problem sein, wenn man die Strecke bis zum nächsten ICE Knoten mit einem 160 km/h schnellen RE oder IC fahren kann? Können die Leute nicht mehr lesen oder sind sie einfach nur zu faul unterwegs den Zug zu wechseln? Umzusteigen war in den letzeten 30-40 Jahre das normalste was ich mir vorstellen kann.
Es ist aber unbequem und unkomortabel, vor allem für ältere Menschen, von denen wir in Zukunft viele haben werden.
Etwas langsamere Direktverbindungen sind immer besser als Umsteigeverbindungen, bei denen u.U. die noch die Gefahr des Anschlussverlustes steht. Daher bin ich für soviele umsteigefreie Verbindungen wie möglich.
Viele Grüße
Demo Recht empfindlich einschränken oder abschaffen....
BR407, Mittwoch, 07.11.2012, 18:11 (vor 4901 Tagen) @ IC.Chiemgau
Davon mal ganz abgesehen habe ich so meine rege Mühe nachzuvollziehen, warum die Leute sagen das sie abgehängt werden nur weil sie möglicherweise 50 - 100 km zum nächsten ICE Knoten fahren müssten. Warum soll das so ein Problem sein, wenn man die Strecke bis zum nächsten ICE Knoten mit einem 160 km/h schnellen RE oder IC fahren kann? Können die Leute nicht mehr lesen oder sind sie einfach nur zu faul unterwegs den Zug zu wechseln? Umzusteigen war in den letzeten 30-40 Jahre das normalste was ich mir vorstellen kann. Und jeder der heute einen ICE Halt in der Provinz fordert der ist entweder zu faul für einen Umsteigevorgang und/oder ihm geht es schlicht und ergreifend zu gut. Selbst im Flugverkehr ist etwas vollkommen normales unterwegs umzusteigen oder hat schon jemand eine B747 in Kassel Calden landen sehen?
Nehmen wir mal die Fernverkehrsentwicklung am Beispiel von Darmstadt mit Eröffnung der KRM.
Vorher gab es einen Interregio von Darmstadt über Mainz nch Köln und weiter durchs Ruhrgebiet. Dieser fuhr alle 2h und die Fahrzeit betrug ebenfalls etwa 2h.
Heute müssen die Fahrgäste in FFM Hbf umsteigen und die Fahrzeit beträgt bedingt durch den Umstieg ebenfalls ca. 2h. Allerdings zum doppelten Fahrpreis.
Darüberhinaus hat man uns mit der Umstellung des EC nach Paris auf ICE / TGV in Darmstadt die nächste Direktverbindung nach Mannheim und Paris gestrichen.
Fakt ist jedenfalls, das solangen irgendwelche Käfer oder oben beschriebene Leute Grossprojekte verzögern, zum Stillstand brigen oder diese Projekte zumindest massiv verteuern (über das diese Leute sich sogar noch beschweren) kann es in Deutschland keine visionäre Projekte mehr geben.
Darmstadt ist mit Sicherheit kein Insekt aber eben auch keine Großstadt. Es ist ein ganz normales Mittelzentrum. Und der Bedarf eines solchen Mittelzentrums an umsteigefreien Fernferkehrsverbindungen ins In und Ausland ist vorhanden.
Leider zeigt die Entwicklung der letzten Jahre das Überproportional die Bevölkerung der Großstädte von den Infrastrukturausbauten die schließlich alle bezahlen profitieren. Und dies wiederum soll und darf nicht Sinn der Sache sein.
Darmstadt ist sehr wohl eine Großstadt!
Reisender, München, Mittwoch, 07.11.2012, 18:17 (vor 4901 Tagen) @ BR407
...und ein Oberzentrum, kein Mittelzentrum!
Benjamin.Keller, Mittwoch, 07.11.2012, 18:51 (vor 4901 Tagen) @ Reisender
- kein Text -
Demo Recht empfindlich einschränken oder abschaffen....
IC.Chiemgau, Mittwoch, 07.11.2012, 23:17 (vor 4901 Tagen) @ BR407
was das Problem mit Darmstadt betrifft, so kann ich dies trotz allem durchaus nachvollziehen. Ich selbst habe lange Zeit in Wiesbaden gewohnt und das zu einer Zeit wo Wiesbaden erst einmal vom IC 79´er System komplett eingebunden war, bis zu dem Zeitpunkt wo dann Wiesbaden lange Zeit abgehängt war.
Andererseits war es nun schon immer so, das nicht Jeder und auch nicht jeder Ort bei Grossprojekten ein Gewinner sein kann. Deswegen sage ich auch ganz bewusst, das man zugunsten eines Grossen und Ganzen eben auch mal Opfer bringen muss. Manchmal gewinnt man und manchmal verliert man.
Nur kann und darf es einfach nicht sein, das hier in Deutschland wegen ein paar Protesthansel Grossprojekte, gleich welcher Art auch immer, zum Stillstand kommen nur weil da eine kleine Minderheit der Meinung ist, das dies so und so zu laufen hat. Das geht nicht. Mit so einer Einstellung wäre Deutschland niemals zu dem geworden was es heute ist und von daher ist dieses ewige Gejammere nach ICE Verbindungen auf dem flachen Land ein Jammern auf extrem hohen Niveau. Das gehört sich einfach nicht.
Verhältnismäßigkeit
Mario, Donnerstag, 08.11.2012, 09:47 (vor 4900 Tagen) @ IC.Chiemgau
Andererseits war es nun schon immer so, das nicht Jeder und auch nicht jeder Ort bei Grossprojekten ein Gewinner sein kann. Deswegen sage ich auch ganz bewusst, das man zugunsten eines Grossen und Ganzen eben auch mal Opfer bringen muss. Manchmal gewinnt man und manchmal verliert man.
Das muss man aus zwei Perspektiven sehen. Zum einen bin auch ich der Ansicht, dass das Wohl von Vielen immer vor dem Wohl von Einelnen gehen muss. Freilich bringen bestimmte Planung, die der großen Mehrheit viele Vorteile bringen auch ein paar Leuten mal eher Nachteile, was auch ich bedauere. Allerdings ist es unverhältnismäßig, wenn dann diese Einzelnen das ganze Projekt monatelang aufhalten können, nicht unerheblich teurer machen können oder es soagr ganz kippen können. Ich möchte auch gerne die dringend benötigte Umgehungsstraße für unseren Ort, auch wenn die Hauptanbindung an den Ort dann über eine heute noch eher ruhige Straße am Gewerbegebiet entlang läuft, an der ausgerechnet unser Vereinsheim liegt. Dann machen wir uns halt ne Holzwand oder Gabionen hin und dann würde4 es wieder gehen. Doch wichtig ist, dass endlich der (LKW-)Durchgangsverkehr aus dem Ort und v.a. vor der Schule raus muss. Da geht für mich Allgemeinwohl eindeutig vor Einzelwohl.
Freilich gehört es bei solchen Projekten aber dann auch zur Politik, wie man mit diesen Einzelpersonen spricht und was man ihnen für Kompensationen bietet (z.B. Schallschutzfenster, Lärmschutzwand, Aufwandsentschädigung, etc.). Da wiederum sind die Projektträger in der Pflicht, auch was die entsprechend ausführliche Information und Präsentation des Projekts und der Baustellentätigkeiten angeht. Wir leben in einer sehr informierten Wissensgesellschaft und die Leute wollen heute allgemein bessere und ausführlichere Infos zu sowas haben. Das muss man auch akzeptieren und dies bieten. Denn durch zu wenig Information können auch Fehleschlüsse und Fehlinformationen durch Dritte erfolgen, die auch dank der sozialen Netzwerke schnell unnötig Unruhe schüren können.
Zum Glück entscheidest soetwas nicht du,
ICE-T-Fan, Donnerstag, 08.11.2012, 01:40 (vor 4901 Tagen) @ IC.Chiemgau
bearbeitet von ICE-T-Fan, Donnerstag, 08.11.2012, 01:45
sondern das Bundesverfassungsgericht.
Das Demorecht lässt sich glücklicherweise nicht abschaffen und wer es wagen würde, bekäme die nächsten 25 Jahre meine Stimme nicht mehr. Zudem würde ich mich dann an einer Sammelklage vor unserem obersten Grundgesetzhüter beteiligen.
Wir leben in einer Demokratie also sollten wir auch entsprechend handeln. Wenn du nicht willst, dass jemand deine ach so tollen Vorhaben blockiert, musst du mit den Betroffenen reden, sie von dem Guten an der Sache überzeugen und ihnen die Möglichkeit gewähren selbst Vorschläge einzubringen und ihre Region ins Projekt einzubinden.
Alles andere ist der diktatorische Quatsch einiger Allmachtsfanatiker. Und dann gibt es eben Massenproteste wie in Stuttgart die auch mal Regierungen zu Fall bringen.
Wenn du nicht bereit bist, mit Betroffenen zusammenzuarbeiten, dann lass es bleiben!
Demorecht vs. Klagemöglichkeiten
Mario, Donnerstag, 08.11.2012, 09:57 (vor 4900 Tagen) @ ICE-T-Fan
sondern das Bundesverfassungsgericht.
Das Demorecht lässt sich glücklicherweise nicht abschaffen und wer es wagen würde, bekäme die nächsten 25 Jahre meine Stimme nicht mehr. Zudem würde ich mich dann an einer Sammelklage vor unserem obersten Grundgesetzhüter beteiligen.
Das Demorecht sollte hierbei in keinster Weise abgeschafft oder eingeschränkt werden, was auch beim französischen Modell nicht so gehandhabt wird. Um Gottes Willen! Friedlich (und ich betone FRIEDLICH) zu demontrieren ist ein wichtiges Grundrecht, dessen Einschränkung gewaltige Wellen schlagen würde und in Deutschland auch nicht durchsetzbar wäre.
Jedoch kann eine Einschränkung der Klage- und Einwändungsmöglichkeiten von Bürgern, Initiativen und Trägeren öffentlichen Belangs gegen Projekte, die als von nationalem Interesse eingestuft werden, aus meiner Sicht in der Hinsicht sinnvoll und richtig sein. Es wird immer welche geben, denen sowas nicht schmeckt und manche klagen bekanntlich auch nur rein aus Trotz wegen der Allgemeinwut auf den Staat und der Politikverdrossenheit (siehe S21), aber dafür darf auf keinen Fall die richtige und wichtige Weiterentwicklung der Infrastruktur gefährdet werden, die für nationalen UND internationale Verkehrskorridore sehr wichtig sind. Zu viele Köche verderben eben den Brei.
Demorecht vs. Klagemöglichkeiten
rotfuxx, Donnerstag, 08.11.2012, 10:25 (vor 4900 Tagen) @ Mario
Jedoch kann eine Einschränkung der Klage- und Einwändungsmöglichkeiten von Bürgern, Initiativen und Trägeren öffentlichen Belangs gegen Projekte, die als von nationalem Interesse eingestuft werden, aus meiner Sicht in der Hinsicht sinnvoll und richtig sein. Es wird immer welche geben, denen sowas nicht schmeckt und manche klagen bekanntlich auch nur rein aus Trotz wegen der Allgemeinwut auf den Staat und der Politikverdrossenheit (siehe S21), aber dafür darf auf keinen Fall die richtige und wichtige Weiterentwicklung der Infrastruktur gefährdet werden, die für nationalen UND internationale Verkehrskorridore sehr wichtig sind. Zu viele Köche verderben eben den Brei.
Projekte von "nationalem Interesse", die es ermöglichen kurzerhand ein Grundrecht wie das Eigentumsrecht einzuschränken, sind allerhöchstens bei Naturkatastrophen (sowohl akut wie präventiv) oder anderen Gefahren für die nationale Sicherheit gegeben, aber nicht bei Infrastrukturprojekten.
Der Bund muss sich hierbei um einen Ausgleich mit den betroffenen Ländern, Landkreisen, Kommunen und Bürgern bemühen. Dauert lang, ist aber so. Es gibt keine Rechtfertigung für das vorschnelle Schaffen unabänderlicher Tatsachen. Die Klagemöglichkeit ist sowohl ein Drohpotenzial, um Interessensausgleiche schon im Vornherein zu erzielen, als auch die ultimo ratio. Es ist allerdings bei Weitem kein Joker für Partikularinteressen, die Gerichte entscheiden hier zumeist sehr ausgewogen. Gute Chancen haben die Planer immer dann, wenn das allgemeine Interesse gut belegbar ist, die Eingriffe in Eigentumsrechte minimiert wurden und für die verbliebenen Betroffenen ein Ausgleich angestrebt wurde. Schlechte Chancen rühren zumeist daher, dass sich die staatlichen Stellen aus Kostengründen einen Dreck um die Betroffenen scherten und/oder die Planungen auf veraltete (vielfach optimitische) Nutzungsvorteile aufbauten.
Demo Recht empfindlich einschränken oder abschaffen....
Lumi25, Donnerstag, 08.11.2012, 05:04 (vor 4901 Tagen) @ IC.Chiemgau
Davon mal ganz abgesehen habe ich so meine rege Mühe nachzuvollziehen, warum die Leute sagen das sie abgehängt werden nur weil sie möglicherweise 50 - 100 km zum nächsten ICE Knoten fahren müssten. Warum soll das so ein Problem sein, wenn man die Strecke bis zum nächsten ICE Knoten mit einem 160 km/h schnellen RE oder IC fahren kann? Können die Leute nicht mehr lesen oder sind sie einfach nur zu faul unterwegs den Zug zu wechseln? Umzusteigen war in den letzeten 30-40 Jahre das normalste was ich mir vorstellen kann. Und jeder der heute einen ICE Halt in der Provinz fordert der ist entweder zu faul für einen Umsteigevorgang und/oder ihm geht es schlicht und ergreifend zu gut. Selbst im Flugverkehr ist etwas vollkommen normales unterwegs umzusteigen oder hat schon jemand eine B747 in Kassel Calden landen sehen?
Warum sollte man bitte von Jena erst mal im vollen RE nach Erfurt pendeln? Als Fernverkehrsfahrgast hätte ich gerne eine Reservierungsmöglichkeit, denn ich habe keine Lust mit Gepäck oder Kindern erst mal 30 Minuten stehen zu dürfen.
Des weiteren ist der Umweg via Erfurt auch nicht wesentlich schneller als man direkt fährt ab Jena. Sind die Anschlüsse in Erfurt knapp kann man aufgrund der eingleisigen Strecke auch davon ausgehen, dass der ICE nicht wartet und man eine Stunde in Erfurt Hbf rumsteht.
Zu: Demo Recht empfindlich einschränken oder abschaffen....
rotfuxx, Donnerstag, 08.11.2012, 09:51 (vor 4900 Tagen) @ IC.Chiemgau
bearbeitet von rotfuxx, Donnerstag, 08.11.2012, 09:54
Es stört mich in der Tat ganz massiv wenn eine Minderheit Projekte blockiert, von der die Masse in Deutschland grosse bis sehr grosse Vorteile draus zieht. Dabei spielt es für mich keine Rolle ob es um Grosskraftwerke, Stromtrassen, Autobahnen oder um NBS geht. Es ist so oder so immer eine Minderheit, gemessen an der Bevölkerungszahl von ganz Deutschland, die solche Projekte systematisch blockiert und damit die Lösung bestimmter Probleme auf unbestimmte Zeit blockiert oder diese gar unmöglich macht.
Erst einmal zu Deinem Betreff. Da ich nicht sich bin, ob Du Deutscher (Chiemgau) oder Schweizer (wegen -ss statt -ß) bist, einmal Klartext.
Das Demontrationsrecht ist ein zentrales demokratisches Grundrecht. Wer hier Einschränkung oder Abschaffung einfordert, muss sich leider ein anderes Staatswesen aussuchen, da es zum unveränderlichen Grundrechtekatalog (Art. 1-19 GG) gehört.
Zweitens bedeutete Demokratie nicht Diktatur der Mehrheit über die Minderheit. Die Grundrechte gelten für jeden und können nicht durch die Mehrheit ausgehebelt werden. Zu den zentralen Grundrechten, die in diesem Fall zur Geltung kommen, gehört das Eigentumsrecht. Zwar räumten die Verfassungsväter dem Staat entgeltliche Enteignungsmöglichkeiten ein, aber klar als nachrangige Position in der Güterabwägung. Kein Mensch muss sich Eingriffe in sein Eigentumsrecht von staatlicher Seite unhinterfragt gefallen lassen. Der Staat ist in der Bringschuld zu zeigen, dass 1) ein Projekt wirklich der Allgemeinheit dient und 2) die gewählte Variante die geringsten Eingriffe in Persönlichkeits- und Eigentumsrechte impliziert.
Drittens, halte ich es für sehr vermessen stets von "rebellierenden Minderheiten" und "schweigenden Mehrheiten" zu sprechen. Was die Mehrheit denkt, bekommt man durch Umfragen und Abstimmungen raus. Die "schweigende Mehrheit" einfach en bloc auf die Seite der Pro-Position zu verbuchen, ist unfair. Bei der Atompolitik ist zweifelsohne zu sehen, wie die Positionen der "rebellierenden Minderheit" im Zeitverlauf auch die Mehrheitsmeinung der "schweigenden Mehrheit" wurde. Stuttgart 21 ist wiederum ein gutes Gegenbeispiel.
Es ist nun einmal so, dass wir in einem Staatswesen leben, dass dem Einzelnen starke Rechte einräumt, sich gegen hoheitliche Entscheidungen zur Wehr zu setzen. Das ist auch gut so - erst Recht vor dem Hintergrund unserer Historie.
Es lässt sich eben einfach sagen "Soll mal schön über die Köpfe der Betroffenen durchregiert werden", solange bis man auf einmal selber zu den Betroffenen gehört.
Ich bin zum Beispiel sehr froh, dass unser Land nicht von einem Rudel ICE-Fans regiert werde, die irgendwelche Schienenautobahnen quer durch die Landschaft ziehen, damit ein paar Metropolräume möglichst schnell verbunden werden und viele Leute 100 km zum nächsten Fernverkehrshalt zurücklegen müssen. Solche Technikfantasien decken sich leider kein Stück mit dem deutschen Mobilitätsverhalten.
Versammlungsfreiheit & Demokratie
Reisender, München, Donnerstag, 08.11.2012, 10:28 (vor 4900 Tagen) @ rotfuxx
Das Demontrationsrecht ist ein zentrales demokratisches Grundrecht. Wer hier Einschränkung oder Abschaffung einfordert, muss sich leider ein anderes Staatswesen aussuchen, da es zum unveränderlichen Grundrechtekatalog (Art. 1-19 GG) gehört.
Zur Demokratie gehört neben der Meinungsfreiheit zweifellos auch die Versammlungsfreiheit. Wenn diese Grundrechte nicht gewährleistet sind, dann gibt es auch keine echte Demokratie. Deshalb sind diese Grundrechte durch Artikel 79 Absatz 3 GG auch von der so genannten „Ewigkeitsklausel“ des Grundgesetzes geschützt; sie können demzufolge nicht einmal durch eine Verfassungsänderung gänzlich abgeschafft werden!
Allerdings muss man schon zwischen Abschaffung und Einschränkung unterscheiden. Denn insofern gibt es einen gravierenden Unterschied. Wie Artikel 8 Absatz 2 GG zu entnehmen ist, kann das Recht sich „unter freiem Himmel“ zu versammeln und zu demonstrieren „durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden“. Ein derartiger Grundrechtseingriff kann allerdings nur dann verfassungsrechtlich gerechtfertigt sein, wenn er auch verhältnismäßig ist. Im Übrigen gilt der Grundsatz der „Polizeifestigkeit der Versammlung“.
Ich bin zum Beispiel sehr froh, dass unser Land nicht von einem Rudel ICE-Fans regiert werde, die irgendwelche Schienenautobahnen quer durch die Landschaft ziehen, damit ein paar Metropolräume möglichst schnell verbunden werden und viele Leute 100 km zum nächsten Fernverkehrshalt zurücklegen müssen. Solche Technikfantasien decken sich leider kein Stück mit dem deutschen Mobilitätsverhalten.
Volle Zustimmung!
Versammlungsfreiheit & Demokratie
rotfuxx, Donnerstag, 08.11.2012, 11:06 (vor 4900 Tagen) @ Reisender
Allerdings muss man schon zwischen Abschaffung und Einschränkung unterscheiden. Denn insofern gibt es einen gravierenden Unterschied. Wie Artikel 8 Absatz 2 GG zu entnehmen ist, kann das Recht sich „unter freiem Himmel“ zu versammeln und zu demonstrieren „durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden“. Ein derartiger Grundrechtseingriff kann allerdings nur dann verfassungsrechtlich gerechtfertigt sein, wenn er auch verhältnismäßig ist. Im Übrigen gilt der Grundsatz der „Polizeifestigkeit der Versammlung“.
Klar, das ist für mich auch keine Einschränkung des Demonstrationsrechts. Viele Grundrechte stehen im Widerspruch zueinander (Klassiker: Persönlichkeitsrecht und freie Meinungsäußerung) und bedürfen stetiger Güterabwägungen, wobei jeweils das eine "im Lichte des anderen" gesehen werden muss.
Es ging bei der von mir harsch kritisierten Aussage ja darum, dass friedliche und polizeilich gesicherte Demonstrationen allein aufgrund ihres Themas (Kritik an der Umsetzung von Infrastrukturprojekten) eingeschränkt oder verboten werden sollten.
Falsch rum
Mario, Donnerstag, 08.11.2012, 10:57 (vor 4900 Tagen) @ rotfuxx
Ich bin zum Beispiel sehr froh, dass unser Land nicht von einem Rudel ICE-Fans regiert werde, die irgendwelche Schienenautobahnen quer durch die Landschaft ziehen, damit ein paar Metropolräume möglichst schnell verbunden werden und viele Leute 100 km zum nächsten Fernverkehrshalt zurücklegen müssen. Solche Technikfantasien decken sich leider kein Stück mit dem deutschen Mobilitätsverhalten.
Äh, haben nicht gerade wir ICE-Fans hier genau diese derzeitige Politik von DB und Bund kritisiert??? Schau mal im Thread nach. Und genau weil einige Städte durch die heute falsch geplanten und gebauten NBS ihren Ferverkehrsanschluss verlieren bzw, verloren haben, ist ja auch die Ablehnung dagegen dort groß. Genau deshalb schlagen hier ja ICE-Fans vor, dass man dies künftig mit z.B. Verbindungskurven zum Altnetz, Umfahrungen inkl. Ein-/Ausfahrten für kleinere Städte, einem Produkt zwischen RE und ICE, etc. besser Lösen sollte.
Die ICE-Fans hier erkennen also die Probleme, sind sich dessen bewusst und machen zur Lösung auch gute Vorschläge. Wo dun hier ein "Rudel" oder "Technikfantasien" siehst, ist mir schleierhaft, denn mit deiner Äußerung tust du den ICE-Fans hier wirklich Unrecht und sprichst ihnen die Kompetenz ab, was wirklich nicht ok ist.
Falsch rum
rotfuxx, Donnerstag, 08.11.2012, 11:15 (vor 4900 Tagen) @ Mario
bearbeitet von rotfuxx, Donnerstag, 08.11.2012, 11:17
Die ICE-Fans hier erkennen also die Probleme, sind sich dessen bewusst und machen zur Lösung auch gute Vorschläge. Wo dun hier ein "Rudel" oder "Technikfantasien" siehst, ist mir schleierhaft, denn mit deiner Äußerung tust du den ICE-Fans hier wirklich Unrecht und sprichst ihnen die Kompetenz ab, was wirklich nicht ok ist.
Tut mir Leid, dass ich hier einen Begriff verwendet habe, der zu sehr generalisiert.
Aus dem Kontext sollte eigentlich klar werden, dass ich hierbei eine bestimmte Schlag von privaten Eisenbahnplanern meine, die einseitig auf Schienenautobahnen à la China setzen und dafür auch gerne ähnliche staatliche Durchsetzungsmechanimsen hätten, um "renitente" Bürger in die Schranken zu weisen.
Meine Aussage sollte nicht implizieren, dass sämtliche Freunde des deutschen Hochgeschwindigkeitsverkehrs, zu denen ich mich auch zähle, eine solch eingeschränkte Sicht auf die Dinge haben.
Falsch rum
Mario, Donnerstag, 08.11.2012, 12:05 (vor 4900 Tagen) @ rotfuxx
Ok, dann war das einfach falsch formuliert. Kein Problem.
Aber ich bin ehrlich gesagt über die intensive Diskussion hier sehr glücklich, da sie sehr gut die Probleme aufzeigt und auch, dass sich hier viele dabei einig sind, dass NBS künftig einfach anders gebaut und ins Bestandsnetz eingebunden werden müssen. Denn genau weil diese Einbindung nicht erfolgt, sähen die Planer dadurch auf viel Wind, der immer öfter als Sturm geernet wird. Wenn Städte, die heute nch mit Fernzügen abgeschlossen sind, künftig durch eine NBS vom Fernverkehr abgehängt oder fast angehängt werden, dann schafft dies freilich Ablehnung und Wut, denn keiner gibt gerne seinen Mobilitätskomfort auf. Und genau dafür sehe ich ja die Mischung aus französischer und italienischer Netzstrategie plus zweistufiger Fernverkehrsstrategie als geeignet an, damit diese Städte auch weiterhin - wenn auch etwas weniger oft - am Fernverkehrsnetz angeschlossen bleiben. Auch könnten sie so ggf. nachts noch vom Güterverkehr entlastet werden, was ein gutes Argument für diese Netzstrategie ist und in Summe auch weiterhin ein gutes Gesamtpaket für die Städte ergibt. DAS müsste man erreichen, wenn man wirklich vernünftigen HGV-Fernverkehr in einem dicht besiedelten Flächenland mit mehreren Verkehrskorridoren wie Deutschland haben will, ohne dass dabei bei jedem Projekt praktisch ein Bürgerkrieg ausbricht.
Auch fehlt wie gesagt eine echte Vision, die viel besser als beim Bundesverkehrswegeplan derzeit kommuniziert werden muss. Die Bürger wollen und sollen sehen, dass man wirklich im ganzen Netz was verbessern will und welche Maßnahmen für welches Ziel und zur Lösung welches Problems von Nutzem und nötig sind. Sie wollen heute einfach immer mehr das Gefühl haben, dass man sie "mitnimmt", was nicht zuletzt das Ergebnis der von den großen Parteien selbst verschuldeten Politikverdrossenheit ist. Da fehlt einfach viel Vertrauen, dass "die da oben" schon wissen, was sie tun.
Eine Frage hab' ich noch: wer soll das alles bezahlen?
Reisender, München, Donnerstag, 08.11.2012, 12:09 (vor 4900 Tagen) @ Mario
bearbeitet von Reisender, Donnerstag, 08.11.2012, 12:09
Finanzierung
Mario, Donnerstag, 08.11.2012, 14:04 (vor 4900 Tagen) @ Reisender
Grundsätzlich zahllt NBS und ABS erstmal der Staat, dessen Aufgabe es auch ist. Das war bisher so und wird auch bei künftigen NBS/ABS so grundsätzlich so sein. Ob und wann weitere NBS gebaut werden muss sich zeigen. Das erstmal grundsätzlich.
Für Umfahrungen, Güter-NBS und weiterer Infrastruktur, die hauptsächlich oder auch dem Güterverkehr zu Gute kommen, könnte zukunftsgerichtet ein Teil der Einnahmen der LKW-Maut hergenommen werden. Damit ließen sich schon einige Verbesserungen finanzieren, die weitere Kapazitäten für den Güterverkehr schaffen und diese v.a. nachts aus den dichtbesiedelten Gebieten rausbringen können/sollen.
Langfristig und wenn man es konsequent betreibt, sollte dadurch und durch die Förderung neuer moderner RoLas (Modalohr, Cargobeamer) hoffentlich nicht unweseltich Güterverkehr von der Autobahn auf die Schiene verlegt werden können (Leider wird das Potenzial solcher modernen RoLa-Systeme heute in Deutschland noch immer unterschätzt oder schlechtgeredet, während andere Länder solche Systeme immer weitere ausbauen). Und wenn die Autobahnen (v.a. die mit heute hohem LKW-Anteil) damit wirklich wirkungsvoll von LKW entlastet werden, dann könnten auch einige Autobahnausbauten durch die frei werdende Kapazität doch nicht nötig werden. Somit könnte das dafür eingesparte Geld auch zu einem Teil in den weiteren Ausbau der Schieneninfrastruktur fließen.
Freilich bedingt dies, dass der politische Wille da sein muss, was erfahrungsgemäß nicht immer leicht ist. Doch wenn man sich den derzeitigen Trend ansieht, dann geht es ja zunehmend zu linksgrün hin, was für ein solches Vorhaben vorteilhaft sein könnte. Ich teile zwar nicht oder nur bedingt diese politische Ausrichtung, aber wollte es einfach nur aufzeigen.
Es ist also keine abgehobene Fantasieplanung (was Reisender so ansieht) sondern eine realistisch und finanziell machbare Vision, wenn man wirklich an einem Strang zieht. Und nur mal zum nachdenken: Welche NBS in Deutschland hat sich bitte in ihrer Form jemals wieder refinanziert? Keine!
Dem kann ich nur zustimmen!
Dan_P, St. Ilgen/Sandhausen, Donnerstag, 08.11.2012, 12:16 (vor 4900 Tagen) @ Mario
- kein Text -
--
bye, Dan
![[image]](http://meine.flugstatistik.de/pic/DanP77.gif)
Meine Fotos im Netz - http://www.dans-photos.net/
Für Demokratieeinschränkung besteht kein Handlungsdruck
Benjamin.Keller, Donnerstag, 08.11.2012, 16:47 (vor 4900 Tagen) @ rotfuxx
Es stört mich in der Tat ganz massiv wenn eine Minderheit Projekte blockiert, von der die Masse in Deutschland grosse bis sehr grosse Vorteile draus zieht. Dabei spielt es für mich keine Rolle ob es um Grosskraftwerke, Stromtrassen, Autobahnen oder um NBS geht. Es ist so oder so immer eine Minderheit, gemessen an der Bevölkerungszahl von ganz Deutschland, die solche Projekte systematisch blockiert und damit die Lösung bestimmter Probleme auf unbestimmte Zeit blockiert oder diese gar unmöglich macht.
Erst einmal zu Deinem Betreff. Da ich nicht sich bin, ob Du Deutscher (Chiemgau) oder Schweizer (wegen -ss statt -ß) bist, einmal Klartext.Das Demontrationsrecht ist ein zentrales demokratisches Grundrecht. Wer hier Einschränkung oder Abschaffung einfordert, muss sich leider ein anderes Staatswesen aussuchen, da es zum unveränderlichen Grundrechtekatalog (Art. 1-19 GG) gehört.
Zweitens bedeutete Demokratie nicht Diktatur der Mehrheit über die Minderheit. Die Grundrechte gelten für jeden und können nicht durch die Mehrheit ausgehebelt werden. Zu den zentralen Grundrechten, die in diesem Fall zur Geltung kommen, gehört das Eigentumsrecht. Zwar räumten die Verfassungsväter dem Staat entgeltliche Enteignungsmöglichkeiten ein, aber klar als nachrangige Position in der Güterabwägung. Kein Mensch muss sich Eingriffe in sein Eigentumsrecht von staatlicher Seite unhinterfragt gefallen lassen. Der Staat ist in der Bringschuld zu zeigen, dass 1) ein Projekt wirklich der Allgemeinheit dient und 2) die gewählte Variante die geringsten Eingriffe in Persönlichkeits- und Eigentumsrechte impliziert.
Drittens, halte ich es für sehr vermessen stets von "rebellierenden Minderheiten" und "schweigenden Mehrheiten" zu sprechen. Was die Mehrheit denkt, bekommt man durch Umfragen und Abstimmungen raus. Die "schweigende Mehrheit" einfach en bloc auf die Seite der Pro-Position zu verbuchen, ist unfair. Bei der Atompolitik ist zweifelsohne zu sehen, wie die Positionen der "rebellierenden Minderheit" im Zeitverlauf auch die Mehrheitsmeinung der "schweigenden Mehrheit" wurde. Stuttgart 21 ist wiederum ein gutes Gegenbeispiel.
Es ist nun einmal so, dass wir in einem Staatswesen leben, dass dem Einzelnen starke Rechte einräumt, sich gegen hoheitliche Entscheidungen zur Wehr zu setzen. Das ist auch gut so - erst Recht vor dem Hintergrund unserer Historie.
Es lässt sich eben einfach sagen "Soll mal schön über die Köpfe der Betroffenen durchregiert werden", solange bis man auf einmal selber zu den Betroffenen gehört.
Ich bin zum Beispiel sehr froh, dass unser Land nicht von einem Rudel ICE-Fans regiert werde, die irgendwelche Schienenautobahnen quer durch die Landschaft ziehen, damit ein paar Metropolräume möglichst schnell verbunden werden und viele Leute 100 km zum nächsten Fernverkehrshalt zurücklegen müssen. Solche Technikfantasien decken sich leider kein Stück mit dem deutschen Mobilitätsverhalten.
Einfach mal als Fullquote, weil es so gut ist und meine Gedanken so treffend auf den Punkt bringt Danke dafür! :)
Darüber hinaus gibt es auch keine Berechtigung und kein Handlungsdruck für eine Aushebelung der Demokratie für Infrastrukturprojekte. Aus einer ingenieursmäßigen Sicht mag die Umsetzung von Infrastrukturplanung schleppend langsam verlaufen. Dass Demonstrationen solche Projekte zu Fall bringen, wird die absolute Ausnahme sein. Solche Projekte scheitern viel eher an Finanzierungsvorbehalten, den vertikalen Checks-and-Balances und einer mangelnden Einbindung in mehrheitsfähige Verkehrskonzepte. Wer jeglichen (lokalen) Widerstand gegen Infrastruktur unterbinden möchte entfernt sich auf erschreckende Weise vom Demokratieprinzip.
Meine Meinung - Teil 1
ice-t-411, Donnerstag, 08.11.2012, 00:32 (vor 4901 Tagen) @ Mario
Hi!
Punkten 1. - 3. mal zugestimmt. Ob die Transrapid-Aufgabe jetzt ein Koalitionsgeschenk war lässt sich nicht sagen. Auf jeden Fall ist die Sache gegessen, 1998 bis ca. 2005 war Deutschland in einer sehr tiefen Wirtschaftskrise (> 5 Mio Arbeitslose, kaum Wachstum), da musste man kleinere Brötchen backen. Und der 230 km/h-Ausbau ist Preis/Leistungs-mäßig ziemlich optimal. (800 Mio. vs. unkalkulierbare 3-5 Mrd für den Transrapid).
Dann kommen wir zur Frage: warum rentieren Schiennneubauten in Deutschland offenbar so wenig?
Vor allem weil die NBS nicht richtig ausgelastet sind. Neubaustecken, auf denen nur 2 oder 3 ICEs pro Stunde und Richtung fahren sind Blödsinn. Hier ist entweder die Strecke falsch oder das Betriebsmodell oder beides. Und es liegt auch daran, dass in Deutschland NBS immer von Stadt zu Stadt gebaut werden, also dass man immer an den Enden langsam in die Stadt reinfahren und dann wieder langsam rausfahren muss. Die NBS Würzburg-Hannover ist hier das beste Beispiel, wo man sich unterwegs durch 3 Städte langsam durchquälen muss. Es gibt keine richtigen Umfahrungen für Sprinter-Züge, die ICEs müssen oft sehr langam zu völlig veralteten Bahnhöfen mitten in der Stadt fahren, die Enden der NBS sind oft nicht korrekt und v.a. niveaufrei ans Bestandsnetz angeschlossen (siehe Köln und Frankfurt), usw.. Dies vermindert die Kapazität, erschwert das Fahren von Sprinter-Zügen mit entsprechenden Zeitgewinnen und bedeutet mehr einen NBS-Flickenteppich als ein NBS-Netz. Deutschland hat kein NBS-Netz! Und nur mit einem echten und effektiven NBS-Netz, auf dem auch Sprinter-Züge ungehindert und möglichst schnell durchfahren können und wo man auch mal ganz neue und schnell anfahrbare ICE-Bahnhöfe baut, kann man auch eine hohe Auslastung von mehr als 5 ICEs pro Stunde und Richtung erreichen. Auf der NBS Köln-Frankfurt waren ja mal 7,5 ICEs pro Stunden und Richtung angedacht, doch das hat man bis heute nie erreicht, auch weil die NBS an beiden Enden völlig unzureichend, teils niveaugleich und schnell in die Bahnhöfe angebunden ist.
Für den Fahrgast zählt zu allererst die Haustür/Haustür-Fahrzeit und das Rad/Schiene-System hat den Vorteil, dass hier die Hauptbahnhöfe mit sehr guter Nahverkehrsanbindung (ich verkneife mir den Kommentar für Berlin Hbf...) angefahren werden können. Das Optimiert die Reisezeit obwohl es möglicherweise an einigen Stellen Kompromisse für die Geschwindigkeit bringt.
Hier ist Optimierungspotential und dieses ist auch bekannt. In Nürnberg kommt man schon recht gut durch (Ausbau Nürnberg-Fürth, Einfädelung Neubaustrecke), ebenso in Berlin (Nord-Süd-Tunnel), Hamburg und München sind eher Endpunkte, da ist es nicht so entscheidend. Für Frankfurt und Köln gibt es Konzepte und eigentlich auch noch restliche Einbindungsarbeiten für die SFS, Stuttgart 21 gehört im weitesten Sinne (ob Sinn oder Unsinn...) auch zu so einem Punkt.
Bleibt die Frage nach den Zwischenstationen, aber hier ist Deutschland aus in MeckPom, BRB und Sachsen-Anhalt relativ homogen besiedelt und die durchschnittliche Reiselänge im Fernverkehr dürfte eher im Bereich von 200 km liegen. Aus den Fehlern der Anbindung von Göttingen und Fulda hat man auch gelernt und mach sowas nun geschickter mit Durchfahrtsgleisen, die restlichen Halte scheinen sich wirtschaftlich zu rechtfertigen.
1. Fehlt eine Gesamtvision? In CH gibt es Bahn2000 und Bahn2030 mit klaren Vorgaben. Bei uns gibt es PHS 2020 wobei bis zu 10-Minutentakt nachgestrebt wird. Und Deutschland?
Genau das ist aus meiner Sicht in Deutschland das große Problem - Es gibt keine Gesamtvision bzw. keinen Masterplan, wo man eigentlich hin will und welche Strecken und welches Rollmaterial man dafür braucht. Es wird hier und da was gebaut und dann hofft man, dass dann alles irgenwie zusammenpasst. Doch so lässt sich einfach kein landeweiters echtes Knotensystem aufbauen, eben weil teils auch die Provinzfürsten viel zu viel zu sagen haben und leider auch dafür sorgen, dass bestimmte Strecken nicht so gebaut oder ausgebaut werden dürfen, dass man Ende alls zusammenpasst (siehe die Streitereien wegen Umfahrungen!). Ja, es fehlt in Deutschland ganz klar eine echte Vision. Was sind die größten Probleme? Wo genau zwickt es? Wie soll mein Betriebsmodell zukünftig aussehen? Welche Fahrzeiten bzw. Kantenzeiten will ich künftig haben? Welche Streckenaus-/neubauten und ggfd. welche Bahnhofsneubauten brauche ich dafür? Welches Rollmaterial brauche ich genau passend dafür? All das fehlt bei uns leider und genau deshalb kommt hier auch kein Ganzes zusammen sondern wie gesagt nur ein Flickenteppich von kurzen Neubaustreckchen und Ausbaustreckchen mitten durch die Städte durch.
Und dies gilt auch für den Güterverkehr, für den ein Land wie Deutschland auch teils Neubaustrecken braucht, damit die Güterzüge auch endlich mal aus den dicht bewohnten Gebieten draus verlagert werden können und die Züge schneller und zahlreicher fahren können. Vielleicht kann man ja dafür auch einen Teil der LKW-Maut hernehmen, was endlich zielgerichtetes Handeln wäre, damit man die LKW-Lawine endlich ein eindämmt.
Es gibt einen Bundesvekehrswegeplan, der ist genau das. Aber die Verkehrsströme sind komplex, es gibt viele wichtige Projekte, alle Kosten Geld und das soll dann auch gemäß Verfassung für gleichmäßige Lebensverhältnisse sorgen. Vielleicht ist die Gesamtvision nicht ganz so konkret wie Bahn2000, aber es wird durchaus auch im großen Gedacht.
Gruß
Johannes
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Meine Meinung - Teil 1
Mario, Donnerstag, 08.11.2012, 10:30 (vor 4900 Tagen) @ ice-t-411
Für den Fahrgast zählt zu allererst die Haustür/Haustür-Fahrzeit und das Rad/Schiene-System hat den Vorteil, dass hier die Hauptbahnhöfe mit sehr guter Nahverkehrsanbindung (ich verkneife mir den Kommentar für Berlin Hbf...) angefahren werden können. Das Optimiert die Reisezeit obwohl es möglicherweise an einigen Stellen Kompromisse für die Geschwindigkeit bringt.
Wenn ich von z.B. München nach Hamburg oder Köln möchte, dann verlangt ich auch kurze Haustür/Haustür-Reisezeiten. Und da ist die Bahn mit den vielen Zwischenhalten gegenüber den Flugzeug einfach unterlegen, weshalb man hier dem innerdeutschen Flugverkehr nicht wirklich die Stirn bieten kann. Die vielen Zwischenhalte kosten einfach viel Zeit, während der Flieger direkt nach Hamburg oder Köln fliegt. Auch wollen freilich nicht alle Reisenden immer zu Zielen, die in der Nähe der teuif in den Städten liegenden Hauptbahnhöfen liegen sondern auch häufig zu Zielen etwas am Stadtrand, von wo man vom Flughafen auch gut hinkommt. Doch wenn es endlich deutlich mehr echte Sprinter-Züge geben würde, die z.B. von München nach Hamburg nur in Nürnberg, (evt. Würzburg) und Hannover halten und sonst möglichst unbedingert durchfahren können, dann spart dies nicht unerheblich Zeit ein, die sicher nicht wenige Flugpassagiere auf dieser Route zum Umsteigen auf den ICE bewegen könnten. Und genau dieses Potenzial gilt es aus meiner Sicht abzuschöpfen.
Hier ist Optimierungspotential und dieses ist auch bekannt. In Nürnberg kommt man schon recht gut durch (Ausbau Nürnberg-Fürth, Einfädelung Neubaustrecke), ebenso in Berlin (Nord-Süd-Tunnel), Hamburg und München sind eher Endpunkte, da ist es nicht so entscheidend. Für Frankfurt und Köln gibt es Konzepte und eigentlich auch noch restliche Einbindungsarbeiten für die SFS, Stuttgart 21 gehört im weitesten Sinne (ob Sinn oder Unsinn...) auch zu so einem Punkt.
Ja, es gibt viele Konzepte, aber viel zu wenig werden auch wirklich korrekt und vollständig umgesetzt, so dass eine noch geringere Reisezeit und eine hohe Streckenkapazität gewährleistet ist. In Kökn sehe ich keinerlei Perspektive, wie man das Problem der zeitraubendem ICE-Durchfahrt endlich lösen will. Deutz tief ist keine vollständige und nachhaltige Lösung. Und auch in Frankfurt ist keine echte Lösung in Sicht. Weder werden auf absehbare Zeit die Zufahrten zum Hbf über den Main und das weitere Umfeld wirklich beschleunigt, entflochten und ausgebaut noch ist eine echte zeitgemäßge Lösung wie einem ICE-Tiefbahnhof am Hbf oder dem Ausbau von Fra-Süd zum ICE-Bahnhof in Sicht. Hier muss sich endlich was tun, denn Frankfurt ist DER Knoten im Westen. Ebenso fehlen wie gesagt echte Umfahrungen für z.B. Fulda und Göttingen sowie ggf. echte Durchfahrgleise an Nicht-Systemhalten und v.a. eine Strategie für eine wirkliche Trennung des Güterverkehrs ggf. auch mit teilweise NBS.
Bleibt die Frage nach den Zwischenstationen, aber hier ist Deutschland aus in MeckPom, BRB und Sachsen-Anhalt relativ homogen besiedelt und die durchschnittliche Reiselänge im Fernverkehr dürfte eher im Bereich von 200 km liegen. Aus den Fehlern der Anbindung von Göttingen und Fulda hat man auch gelernt und mach sowas nun geschickter mit Durchfahrtsgleisen, die restlichen Halte scheinen sich wirtschaftlich zu rechtfertigen.
Wo sind denn die Durchfahrtsgleise? Die sehe ich nur in den wenigsten Fällen und dann sind sie auch kaum mit hoher Geschwindigkeit befahrbar, auch weil sich die Züge dann ja auch erstmal durch die Städte durchquälen müssen anstatt richtig wie bei einer Autobahn außen vorbei zu fahren.
Es gibt einen Bundesvekehrswegeplan, der ist genau das. Aber die Verkehrsströme sind komplex, es gibt viele wichtige Projekte, alle Kosten Geld und das soll dann auch gemäß Verfassung für gleichmäßige Lebensverhältnisse sorgen. Vielleicht ist die Gesamtvision nicht ganz so konkret wie Bahn2000, aber es wird durchaus auch im großen Gedacht.
Ja, es gibt einen Bundesverkehrswegeplan. Aber wer in der Bevölkerung kennt ihn wirklich? Wer weiß schon, welche Ziele genau darin sind? Und ist darin auch die Rollmaterialstrategie drin? Der Bundesverkehrswegeplan wird einfach nicht wie Bahn2000 in der Schweiz richtig kommuniziert sondern ist halt irgendwo im Netz abrufbar. Es gibt keinen echten öffentlichen Plan mit den angestrebten Kantenzeiten und welche Knoten zu welchen Minuten es gibt bzw. geben soll, den die auch nicht ferrosexuelle Öffentlichkeit auch begreifen könnte und der für sie auch was aussagt. Dann würden sie viel besser sehen können, wie der aktuelle Stand ist, wo man hin will und mit welchen Maßnahmen man diese Ziele Schritt für Schritt erreichen will. Genau hier fehlt es nämlich an öffentlicher Information und da hat einfach die öffentliche Hand eine gewisse Bringschuld, denn immerhin baut sie diese Projekte mit dem Steuergeld der Bürger, die wie gesagt in der Mediengesellschaft immer mehr und bessere Infos verlangen. Wenn die Leute auf diese Weise besser sehen könnten, wie diese und diese Maßnahme (NBS/ABS/Bahnhofumbau) das Netz in welchen Bereichen verbessern, dann würde auch aus meiner Sicht der Widerstand und die Skepsis geringer sein. Weil man eben dann genau sehen kann, dass diese Baumaßnahme als weiterer Baustein zum Gesamtgefüge immer mehr für immer mehr Bürger bringt. Viele Bürger können sich einfach nicht vorstellen, wie das und das mal zusammenpassen soll und wieso dies oder dies nötig ist, damit am Ende alles viel besser läuft. Also was nützt ein Bundesverkehrswegeplan, wenn er nur irgendwo ganz hinten links zu finden ist und nicht korrekt und anschaulich an die Bevölkerung kommuniziert wird?
Meine Meinung - Teil 1
ice-t-411, Freitag, 09.11.2012, 00:01 (vor 4900 Tagen) @ Mario
Hi!
Wenn ich von z.B. München nach Hamburg oder Köln möchte, dann verlangt ich auch kurze Haustür/Haustür-Reisezeiten. Und da ist die Bahn mit den vielen Zwischenhalten gegenüber den Flugzeug einfach unterlegen, weshalb man hier dem innerdeutschen Flugverkehr nicht wirklich die Stirn bieten kann. Die vielen Zwischenhalte kosten einfach viel Zeit, während der Flieger direkt nach Hamburg oder Köln fliegt. Auch wollen freilich nicht alle Reisenden immer zu Zielen, die in der Nähe der teuif in den Städten liegenden Hauptbahnhöfen liegen sondern auch häufig zu Zielen etwas am Stadtrand, von wo man vom Flughafen auch gut hinkommt. Doch wenn es endlich deutlich mehr echte Sprinter-Züge geben würde, die z.B. von München nach Hamburg nur in Nürnberg, (evt. Würzburg) und Hannover halten und sonst möglichst unbedingert durchfahren können, dann spart dies nicht unerheblich Zeit ein, die sicher nicht wenige Flugpassagiere auf dieser Route zum Umsteigen auf den ICE bewegen könnten. Und genau dieses Potenzial gilt es aus meiner Sicht abzuschöpfen.
Scheinbar bekommt man diese Sprinterzüge aber wirtschaftlich nicht voll. Von München bis Hamburg bist du selbst im besten Fall 4:30h unterwegs. Bei derzeitiger Kostenstruktur zu lang, wenn man auch Fliegen kann. Aber eine Boeing 737 oder ein Airbus A320 machen halt keinen ICE voll, noch nicht mal halb. Das Potential würde ich da schon eher beim Individualverkehr sehen, aber der ist mit Sprintern eher nicht so zu holen.
Ja, es gibt viele Konzepte, aber viel zu wenig werden auch wirklich korrekt und vollständig umgesetzt, so dass eine noch geringere Reisezeit und eine hohe Streckenkapazität gewährleistet ist. In Kökn sehe ich keinerlei Perspektive, wie man das Problem der zeitraubendem ICE-Durchfahrt endlich lösen will. Deutz tief ist keine vollständige und nachhaltige Lösung. Und auch in Frankfurt ist keine echte Lösung in Sicht. Weder werden auf absehbare Zeit die Zufahrten zum Hbf über den Main und das weitere Umfeld wirklich beschleunigt, entflochten und ausgebaut noch ist eine echte zeitgemäßge Lösung wie einem ICE-Tiefbahnhof am Hbf oder dem Ausbau von Fra-Süd zum ICE-Bahnhof in Sicht. Hier muss sich endlich was tun, denn Frankfurt ist DER Knoten im Westen. Ebenso fehlen wie gesagt echte Umfahrungen für z.B. Fulda und Göttingen sowie ggf. echte Durchfahrgleise an Nicht-Systemhalten und v.a. eine Strategie für eine wirkliche Trennung des Güterverkehrs ggf. auch mit teilweise NBS.
Frankfurt Hbf und Köln Hbf will keiner umfahren, ca. 80% der Reisenden wechseln hier den Zug, macht also keinen Sinn. Daher optimiert man die Zufahrt. Tiefbahnhof in Frankfurt wäre unbezahlbar, sprich unwirtschaftlich.
Wo sind denn die Durchfahrtsgleise? Die sehe ich nur in den wenigsten Fällen und dann sind sie auch kaum mit hoher Geschwindigkeit befahrbar, auch weil sich die Züge dann ja auch erstmal durch die Städte durchquälen müssen anstatt richtig wie bei einer Autobahn außen vorbei zu fahren.
Montabaur, Limburg, Siegburg, Allersberg, Abzweig Coburg, Leipzig-Flughafen, um nur einige Beispiele der letzten Jahre zu nennen.
Ja, es gibt einen Bundesverkehrswegeplan. Aber wer in der Bevölkerung kennt ihn wirklich? Wer weiß schon, welche Ziele genau darin sind? Und ist darin auch die Rollmaterialstrategie drin? Der Bundesverkehrswegeplan wird einfach nicht wie Bahn2000 in der Schweiz richtig kommuniziert sondern ist halt irgendwo im Netz abrufbar. Es gibt keinen echten öffentlichen Plan mit den angestrebten Kantenzeiten und welche Knoten zu welchen Minuten es gibt bzw. geben soll, den die auch nicht ferrosexuelle Öffentlichkeit auch begreifen könnte und der für sie auch was aussagt. Dann würden sie viel besser sehen können, wie der aktuelle Stand ist, wo man hin will und mit welchen Maßnahmen man diese Ziele Schritt für Schritt erreichen will. Genau hier fehlt es nämlich an öffentlicher Information und da hat einfach die öffentliche Hand eine gewisse Bringschuld, denn immerhin baut sie diese Projekte mit dem Steuergeld der Bürger, die wie gesagt in der Mediengesellschaft immer mehr und bessere Infos verlangen. Wenn die Leute auf diese Weise besser sehen könnten, wie diese und diese Maßnahme (NBS/ABS/Bahnhofumbau) das Netz in welchen Bereichen verbessern, dann würde auch aus meiner Sicht der Widerstand und die Skepsis geringer sein. Weil man eben dann genau sehen kann, dass diese Baumaßnahme als weiterer Baustein zum Gesamtgefüge immer mehr für immer mehr Bürger bringt. Viele Bürger können sich einfach nicht vorstellen, wie das und das mal zusammenpassen soll und wieso dies oder dies nötig ist, damit am Ende alles viel besser läuft. Also was nützt ein Bundesverkehrswegeplan, wenn er nur irgendwo ganz hinten links zu finden ist und nicht korrekt und anschaulich an die Bevölkerung kommuniziert wird?
Das ist die Diskussion direkte vs. repräsentative Demokratie. Wenn du sowas per Volksentscheid durchwinken willst (oder musst) hat das ein viel größeres Informationsbedürfnis zur Folge als wenn es im Parlament behandelt wird. Der neue BVWP (2015) ist übrigens schon seit Monaten in ganz normales Zeitungen Thema, also nicht gerade hinter verschlossenen Türen behandelt. Abgesehen davon ist das in der Schweiz mit vielleicht fünf großen Knoten auch einfacher darzustellen als in Deutschland mit mindestens 20 Knoten und viel Querverbindungen. Ich fand z.B. die Broschüren zum Pilzkonzept ähnlich umfangreich wie die für Bahn 2000 und die tatsächlichen Auswirkungen sind auch ähnlich. Aber in Deutschland ist das ein Projekt von vielen (betrifft immerhin 6 Hauptstrecken von Berlin nach Hannover, Hamburg, Rostock, Frankfurt/Oder, Leipzig/Halle, Berlin) in der Schweiz hättest du 80% der Landes damit abgedeckt.
Was mit in Deutschland allerdings erst gerade besser lernt ist die Information und Integration von direkten Betroffenen (Anwohner, Gemeinden, etc.). Man hat zu lange gebraucht um Festzustellen, dass es nichts hilft einen noch so ausgefeilten Plan zu erklären, wenn man nicht von vornherein alle Interessengruppen am Tisch hatte.
Gruß
Johannes
--
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Mario, Freitag, 09.11.2012, 16:27 (vor 4899 Tagen) @ ice-t-411
Scheinbar bekommt man diese Sprinterzüge aber wirtschaftlich nicht voll. Von München bis Hamburg bist du selbst im besten Fall 4:30h unterwegs. Bei derzeitiger Kostenstruktur zu lang, wenn man auch Fliegen kann. Aber eine Boeing 737 oder ein Airbus A320 machen halt keinen ICE voll, noch nicht mal halb. Das Potential würde ich da schon eher beim Individualverkehr sehen, aber der ist mit Sprintern eher nicht so zu holen.
Wer kennt denn wirklich in der breiten Bevölkerung die Sprinterzüge? Sie werden weder in hinreichender Zahl (z.B. 2h-Takt) gefahren noch werden sie in der Öffentlichkeit wirklich beworben noch gibt es dafür überall nötige, schnelle Durchfahrtswege. Das genau ist da auch das Problem, weshalb man hier viel Fahrgastpotenzial links liegen lässt.
Frankfurt Hbf und Köln Hbf will keiner umfahren, ca. 80% der Reisenden wechseln hier den Zug, macht also keinen Sinn. Daher optimiert man die Zufahrt. Tiefbahnhof in Frankfurt wäre unbezahlbar, sprich unwirtschaftlich.
Ich will ja auch nicht, dass beide Bahnhöfe voll umfahren werden. Aber in Köln verbrät man einfach mit dem langsamen Rein-/Rausfahren und dem Kopfmachen viel zu viel Zeit. Hier sollte man sich wirklich überlegen, ob man nicht vielleicht doch mal eine Fernverkehrs-Nordausfahrt über Longerich und Chorweiler und dann wieder über den Rhein zur Hauptstrecke hin bauen sollte, damit die ICEs ohne Kopfmachen am Hbf durchfahren können. Die Koexistenz von Hbf und Deutz/Messe ist keine befriedigende Lösung. Und in Frankfurt geht es neben der eh nötigen Verbesserung der Zufahrten ja nur um einen kleinen Tiefbahnhof für die ICEs/ICs mit einem z.B. 4 Gleisen unter der jetzigen Gleishalle, also nicht F21.
Montabaur, Limburg, Siegburg, Allersberg, Abzweig Coburg, Leipzig-Flughafen, um nur einige Beispiele der letzten Jahre zu nennen.
Das sind rein die Rosinen. Doch was ist mir Würzburg, Fulda, Göttingen, Hamm, Bielefeld, Ingolstadt, Essen, etc.? Dort hat man nix dergleichen un denau das ist das Problem.
Was mit in Deutschland allerdings erst gerade besser lernt ist die Information und Integration von direkten Betroffenen (Anwohner, Gemeinden, etc.). Man hat zu lange gebraucht um Festzustellen, dass es nichts hilft einen noch so ausgefeilten Plan zu erklären, wenn man nicht von vornherein alle Interessengruppen am Tisch hatte.
Und als nächster Schritt muss nun noch eine grundsätzliche Änderung der Planungsstrategie kommen, wenn man wirklich was besser machen will. Das heißt für mich wie gesagt NBS nicht mehr mit der Brechstange und fern der noch angeschlossenen Städte zu führen sondern die NBS so zu planen, dass sie bei gleiuchwertiger Fahrzeit auch die Chance auf Bedienung möglichst viele dieser Städte mit Kurven/Verbindungen zum Altnetz und Ein-/Ausfahrten auch weiter anzuschließen. Und die Umfahrungen könnte man damit verkaufen, dass man mit ihnen nachts die Güterzüge aus dem besiedelten Gebieten rausholt. Somit würde es sicher viel mehr Verständnis und Zustimmung geben.
Köln-Düren
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 08.11.2012, 15:30 (vor 4900 Tagen) @ Mario
bearbeitet von Oscar (NL), Donnerstag, 08.11.2012, 15:33
Als Bindeglied für das PBKA-Netz war es auf jeden Fall eine sinnvolle Investition. Nur hat man leider dann aufgehört und der Ausbau bzw. Teilneubau Düren-Aachen steht noch immer in den Sternen, so dass dort viel Zeit verbummelt wird. Da war man einfach nicht konsequent und hat wieder nur - typisch deutsche NBS-Planung - etwas halbfertig gemacht.
Laut ICE11 waren die Ausbauten für die S-Bahn benötigt und entschied man zugleich, die PBKA-Strecke auszubauen.
Für die S-Bahn braucht man Kapazität, Trassen.
Trassen kann man mit Überholgleisen billig haben.
Dafür braucht man keine 250 km/h Ausbaustrecke; die Durchfahrgleise hätte man auch bei 160 km/h belassen können.
Auch Cargos und die beiden stündlichen REs profitieren nicht von 250 km/h.
In Gegenteil: THA/ICE fressen jetzt wertvolle Trassen für RE+Cargo.
Vermutlich ist die heutige Situation Folge von der Tatsache, dass DB keinen Mittelstreckenverkehrsprodukt haben möchte.
Hätte es ein MSVP gegeben (wie der IC bei uns), dann wäre die von Dir erwünschte Rennbahn durchsetzbar gewesen.
Ich stelle es mir so vor:
Stufe 1: Köln-Aachen, Aachen-Lüttich
+ die 9 Zugpaare Thalys und ICE International fahren Köln-Aachen nonstop
+ einige ICEs aus Berlin und Frankfurt fahren ab Köln weiter nach Aachen (mit oder ohne Halt in Düren)
+ stündlich NMBS-IC200 Köln-Oostende, mit Halt in Düren
Option: Ausbau Heerlen-Aachen + Verlängerung der NS-IC von Heerlen nach Köln.
Nur schade, dass die NS-ICs nur 160 km/h schaffen.
Allerdings hätte NS in der Zeit, die für den Streckenbau benötigt ist, 200 km/h Fahrzeugmaterial beschaffen können.
Stufe 2: Umfahrung Aachen + Lüttich + Montzener Spange
+ stündlich Köln-Brüssel nonstop, dann abwechselnd nach Paris oder London. Züge kommen ggf. aus Hamburg, Berlin oder Frankfurt
+ stündlich Köln-Düren-Aachen(-Lüttich-Brüssel-(Aalst)-Gent-Oostende/Brugge) ("langsame" ICE, IC250, NMBS-IC200, ggf. NS-IC200)
+ nachts Cargos die Aachen umfahren = kein Kopfmachen in Aachen West + keine Stadtdurchfahrten
Mit 2 Zügen pro Stunde immerhin noch wenig, aber es wäre ein Anfang.
Andererseits: auf unserer HSL-Zuid sollen ja auch nur 2 Züge pro Stunde über die Grenze fahren.
gruß,
Oscar (NL).
--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
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Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
Köln-Düren
Lumi25, Donnerstag, 08.11.2012, 21:57 (vor 4900 Tagen) @ Oscar (NL)
Laut ICE11 waren die Ausbauten für die S-Bahn benötigt und entschied man zugleich, die PBKA-Strecke auszubauen.
Für die S-Bahn braucht man Kapazität, Trassen.
Trassen kann man mit Überholgleisen billig haben.
Dafür braucht man keine 250 km/h Ausbaustrecke; die Durchfahrgleise hätte man auch bei 160 km/h belassen können.
Auch Cargos und die beiden stündlichen REs profitieren nicht von 250 km/h.
In Gegenteil: THA/ICE fressen jetzt wertvolle Trassen für RE+Cargo.
Köln-Düren ist eine schnurgerade Trasse somit war die Umsetzung für 250 km/h relativ billig zu haben. Im Grunde hat man ja nur 2 Gleise an die bestehende Strecke drangebaut. Die alte Trasse nutzt die S-Bahn. Persönlich hätte ich mir natürlich einen flexiblen Richtungsbetrieb gewünscht so könnte der RE oder auch Güterzüge fliegend überholt werden was nicht so viele Verspätungen verursacht. Außerdem ist man im Störungsfall flexibler.
Köln-Düren
Holger2, Donnerstag, 08.11.2012, 23:16 (vor 4900 Tagen) @ Oscar (NL)
Hallo Oscar,
irgendwie verrennst Du Dich da etwas:
Laut ICE11 waren die Ausbauten für die S-Bahn benötigt und entschied man zugleich, die PBKA-Strecke auszubauen.Für die S-Bahn braucht man Kapazität, Trassen.
Trassen kann man mit Überholgleisen billig haben.
Nur mit Überholgleisen hat man immer 5 Minuten Verspätung, wenn man diese benutzen muss. Und wenn ein Zug zu spät ist, ist der andere auch gleich zu spät.
Dafür braucht man keine 250 km/h Ausbaustrecke; die Durchfahrgleise hätte man auch bei 160 km/h belassen können.
Auch Cargos und die beiden stündlichen REs profitieren nicht von 250 km/h.
In Gegenteil: THA/ICE fressen jetzt wertvolle Trassen für RE+Cargo.
Es handelt sich aber um die wichtige internationale Strecke von Köln nach Brüssel, Paris und London.
Vermutlich ist die heutige Situation Folge von der Tatsache, dass DB keinen Mittelstreckenverkehrsprodukt haben möchte.
Hätte es ein MSVP gegeben (wie der IC bei uns), dann wäre die von Dir erwünschte Rennbahn durchsetzbar gewesen.
Achja, wo gibt es denn bei Euch Rennbahnen, außer die eine...
Ich stelle es mir so vor:
Stufe 1: Köln-Aachen, Aachen-Lüttich
+ die 9 Zugpaare Thalys und ICE International fahren Köln-Aachen nonstop
gibt es schon
+ einige ICEs aus Berlin und Frankfurt fahren ab Köln weiter nach Aachen (mit oder ohne Halt in Düren)
gibt es schon
+ stündlich NMBS-IC200 Köln-Oostende, mit Halt in Düren
schön wärs, kostet aber.
Option: Ausbau Heerlen-Aachen + Verlängerung der NS-IC von Heerlen nach Köln.
Nur schade, dass die NS-ICs nur 160 km/h schaffen.
Allerdings hätte NS in der Zeit, die für den Streckenbau benötigt ist, 200 km/h Fahrzeugmaterial beschaffen können.Stufe 2: Umfahrung Aachen + Lüttich + Montzener Spange
Gerade eben hast Du Dich darüber beschwert, dass für die 9 Züge zu viel Geld ausgegeben wird, jetzt willst Du das Geld nur so zum Fenster hinauswerfen. Weißt Du eigentlich, wie das Gelände rund um Aachen aussieht?
Außerdem, eben hast Du noch für mehr Halte plädiert, jetzt willst Du sogar um Aachen herumfahren. Nur so zur Info, das Siedlungsgebiet von Aachen reicht bis Eschweiler, Stolberg, Herzogenrath, Würselen und Kerkrade.
Mit 2 Zügen pro Stunde immerhin noch wenig, aber es wäre ein Anfang.
Andererseits: auf unserer HSL-Zuid sollen ja auch nur 2 Züge pro Stunde über die Grenze fahren.
Wie sieht es eigentlich in den Niederlanden derzeit mit grenzüberschreitendem Verkehr aus?
Stündlich Leer - Groningen - Amsterdam als IC wäre ja auch mal ein Ansatz
Oder Luxemburg - Lüttich - Maastricht - Enschede
Oder Gent - Rotterdam
oder....
gruß,
Oscar (NL).
Holger
optimale Belegung einer NBS / zu Politik / zu Cargo
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 09.11.2012, 14:10 (vor 4899 Tagen) @ Mario
Oscar (NL):
Dann kommen wir zur Frage: warum rentieren Schiennneubauten in Deutschland offenbar so wenig?
Mario:
Vor allem weil die NBS nicht richtig ausgelastet sind. Neubaustecken, auf denen nur 2 oder 3 ICEs pro Stunde und Richtung fahren sind Blödsinn.
Auf eine feste Zahl 2 oder 3 würde ich micht nicht festpinnen.
Demnach wären nämlich folgende NBS auch "Blödsinn":
1. HSL-Zuid Abschnitt Langeweg-Antwerpen (hier sollen nur 2 Züge pro Stunde fahren, Langeweg-Rotterdam 4, Rotterdam-Schiphol 6)
2. Aachen-Lüttich (9 Zugpaare)
3. Nürnberg-Ingolstadt (3 stündliche Linien)
Trotzdem gibt es diese.
Dagegen wären folgende Relationen mit einer "Rennbahn" gut bedient:
1. Dortmund-Köln (etwa 4-5 stündliche Linien)
2. Dortmund-Hannover Nordwest Umfahrung-Hamburg. Hier könnte man verlagern:
a. NRW-Berlin "schnell" (lies: nur Halt in Hannover)
b. NRW-Berlin "langsam" (aktuelle ICEs, IC Halte abwechselnd)
c. NRW-Hamburg "schnell" (lies: Dortmund-Hamburg nonstop)
d. NRW-Hamburg "langsam" (Hamm, Bielefeld, "Hannover ICE", "Walsrode ICE")
e. ICE International Amsterdam-Berlin [1]
Dennoch sind diese erst gar nicht in Planung.
[1]: hier hat man zwei Varianten:
A. Amsterdam-Utrecht-Arnhem-Oberhausen-Essen-Dortmund-Schienenautobahn
B. Amsterdam-Amersfoort-Apeldoorn-Deventer, dann eine NBS nach Enschede-Münster-Bielefeld und ab dort wieder auf die Schienenautobahn. Bin mir allerdings nicht sicher, ob man Enschede-Bielefeld gut auslasten kann. Bei Arnhem-Oberhausen bin ich mir das auch nicht sicher.
Und es liegt auch daran, dass in Deutschland NBS immer von Stadt zu Stadt gebaut werden, also dass man immer an den Enden langsam in die Stadt reinfahren und dann wieder langsam rausfahren muss.
Der Grund für dieses Verfahren durfte historisch sein. Beim Antwort auf Alphorn (CH) habe ich das geschildert.
Ich vermute, dass die Chancen einer Schienenautobahn HH-M schon größer wären, wenn die Relation HH-M >40% des gesamten Inlandsflugangebot darstellen würde.
Aber F-HH, F-M, NRW-HH,und NRW-M durften wohl auch viel geflogen werden.
Dann müßte man das alles auf Schlag bauen, und dafür gab es schlichtweg die Moneten nicht.
Es gibt keine richtigen Umfahrungen für Sprinter-Züge, die ICEs müssen oft sehr langam zu völlig veralteten Bahnhöfen mitten in der Stadt fahren, die Enden der NBS sind oft nicht korrekt und v.a. niveaufrei ans Bestandsnetz angeschlossen (siehe Köln und Frankfurt), usw..
Hier gibt es folgende Huhn/Ei-Frage:
a. ist die Infra nicht optimal und gibt es demzufolge wenige ICE Sprinter?
b. gibt es wenig Nachfrage nach ICE Sprinter und ist demzufolge die Infra nicht auf Sprinter ausgelegt?
Und nur mit einem echten und effektiven NBS-Netz, auf dem auch Sprinter-Züge ungehindert und möglichst schnell durchfahren können und wo man auch mal ganz neue und schnell anfahrbare ICE-Bahnhöfe baut, kann man auch eine hohe Auslastung von mehr als 5 ICEs pro Stunde und Richtung erreichen. Auf der NBS Köln-Frankfurt waren ja mal 7,5 ICEs pro Stunden und Richtung angedacht, doch das hat man bis heute nie erreicht, auch weil die NBS an beiden Enden völlig unzureichend, teils niveaugleich und schnell in die Bahnhöfe angebunden ist.
Ich vermute, die Rennbahn ist nicht Limitfaktor, sondern die Bahnhöfe.
Köln Hbf hat nunmal nicht die Kapazität für jede 8 Minuten ein HGV-Zug Richtung Frankfurt.
Bei uns kann die HSL-Zuid ja auch locker 6 Züge pro Stunde verarbeiten, aber die Bummelstrecke Schiphol-Amsterdam schafft das nicht.
Die Situation ist ähnlich wie beim Straßenverkehr: man baut Autobahnen aus, aber die Minuten, die man dadurch gewinnt, dass man nicht mehr im Stau steht, verliert man bei der Parkplatzsuche.
Ja, es fehlt in Deutschland ganz klar eine echte Vision. Was sind die größten Probleme? Wo genau zwickt es? Wie soll mein Betriebsmodell zukünftig aussehen? Welche Fahrzeiten bzw. Kantenzeiten will ich künftig haben? Welche Streckenaus-/neubauten und ggfd. welche Bahnhofsneubauten brauche ich dafür? Welches Rollmaterial brauche ich genau passend dafür?
Die wichtigste Frage fehlt noch: wer ist für bestimmte Verkehre zuständig / verantwortlich?
Bei uns hat z.B. NS (und somit der Staat Niederlande) sich von der Strecke Nijmegen-Venlo-Roermond getrennt. Dafür ist die Provinz Limburg zuständig. Dasselbe betrifft die Verkehre Maastricht-Heerlen-Kerkrade.
Und dies gilt auch für den Güterverkehr, für den ein Land wie Deutschland auch teils Neubaustrecken braucht, damit die Güterzüge auch endlich mal aus den dicht bewohnten Gebieten draus verlagert werden können und die Züge schneller und zahlreicher fahren können.
Bezüglich Cargo ist DE schon weiter als NL.
Zwar haben wir die Betuweroute, aber in Deutschland gibt es schon einige reine Cargostrecken, z.B. östlich von Oberhausen-Duisburg-Düsseldorf-Köln oder die Parallelbahn NRW-Minden.
Aber ich vermute, Du meinst damit eine strikte Trennung von Cargo und "Pax", so wie bei der Betuweroute.
Aber auch die Betuweroute ist nicht 100% optimal. Es fahren ja auch cargos nach Amsterdam. Diese müssen bei Meteren Richtung Norden zwischen den Personenzügen nach Amsterdam fahren. Ab 2020 fahren dort bis Houten Castellum 12 Züge pro Richtungsgleis.
gruß,
Oscar (NL).
--
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Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
Weil sie den Bestandsstrecken den Verkehr "klauen".
ICE-T-Fan, Mittwoch, 07.11.2012, 13:30 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
Jede NBS seit 1990 hat größeren Städten mehrere Fernzuglinien weggenommen. 1991 waren es Heidelberg, Gießen und Marburg, 1998 waren es Magdeburg und Potsdam, 2002 Koblenz und Bonn, 2006 Augsburg, 2015 Weimar, 2017 Jena.
Die DB betreibt eine Verlagerungspolitik anstelle die NBS für Zusatzverkehr zu nutzen. Sie akzeptiert neben dem hochwertigen ICE-Fernverkehr keine parallele Nutzung der Bestandsstrecken. Das Koblenz noch so viel Fernzüge hat, ist der eingeschränkten Nutzbarkeit der KRM geschuldet in Kombination mit dem Mangel an ICE-W. Das Ergebnis sieht man bald auch in Thüringen.
Darum sind Neubaustrecken bei Volk und Lokalpolitik unbeliebt und dadurch kommt es zu dieser Provinzpolitik.
Große Vorhaben scheitern an der berechtigten Angst vorm Abgehängtwerden.
Abhängungspolitik
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 07.11.2012, 13:57 (vor 4901 Tagen) @ ICE-T-Fan
Jede NBS seit 1990 hat größeren Städten mehrere Fernzuglinien weggenommen. 1991 waren es Heidelberg, Gießen und Marburg, 1998 waren es Magdeburg und Potsdam, 2002 Koblenz und Bonn, 2006 Augsburg, 2015 Weimar, 2017 Jena.
Bei uns wurde mit der HSL-Zuid Den Haag auch "abgehängt". Dordrecht soll folgen.
Die DB betreibt eine Verlagerungspolitik anstelle die NBS für Zusatzverkehr zu nutzen. Sie akzeptiert neben dem hochwertigen ICE-Fernverkehr keine parallele Nutzung der Bestandsstrecken.
Dafür soll Den Haag bessere Anbindung mit Schiphol und Rotterdam bekommen, wo HSL-Züge halten.
Insofern ist die HSL-Zuid eher ein Zusatz als ein Ersatz. Man kann immer noch Amsterdam-Rotterdam via Altstrecke fahren, nur langsamer.
Ich bin gespannt was mit dem IC Den Haag-Venlo passieren wird.
Sollte dieser auf die HSL-Zuid verlagert werden, wird Dordrecht abgehängt.
Ist Richtung Rotterdam nicht schlimm; es wird immerhin 15-Minutentakt IC und 10-Minutentakt S-Bahn geben.
Schlimmer sieht's aus Richtung Breda, denn dorthin kommt man bei kompletter Verlagerung wohl nur halbstündlich mit einer Regionalbahn.
Insofern kann ich verstehen, was Du schreibst.
gruß,
Oscar (NL).
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Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
Weil sie den Bestandsstrecken den Verkehr "klauen".
Mario, Mittwoch, 07.11.2012, 15:36 (vor 4901 Tagen) @ ICE-T-Fan
Jede NBS seit 1990 hat größeren Städten mehrere Fernzuglinien weggenommen. 1991 waren es Heidelberg, Gießen und Marburg, 1998 waren es Magdeburg und Potsdam, 2002 Koblenz und Bonn, 2006 Augsburg, 2015 Weimar, 2017 Jena.
Die DB betreibt eine Verlagerungspolitik anstelle die NBS für Zusatzverkehr zu nutzen. Sie akzeptiert neben dem hochwertigen ICE-Fernverkehr keine parallele Nutzung der Bestandsstrecken.
Genau aus diesem Grund finde ich wie hier schon häufiger geschrieben eine Kombination der französischen und itelienischen Netzstruktur für Deutschland als sehr sinnvoll. Es muss einerseits wie in Frankreich echte Umfahrungen bzw. Ein-/Ausfahren für Städte geben, wo Sprinter wirklich unbehindert durchfahren können um kurze Reisezeiten zu schaffen. Andererseits sollte es wie in Italien mehr Verbindungen zu Bestandsstrecken geben, so dass Fernverkehrszüge auch weiterhin attraktiv genau solche Städte schnell anbinden und dabei noch teilweise die NBS mitnutzen können, um eine bessere Reisezeit zu schaffen.
Die NBS Frankfurt-Mannheim sollte aus meiner Sicht genau so gebaut werden, also mit Umfahrungen und Ein-/Ausfahrten für Darmstadt und Mannheim. Die Züge, welche nach Darmstadt reinfahren können danach entweder wieder auf die NBS zurückfahren oder nach Süden weiter auf der Bestandsstrecke nach Heidelberg fahren. Alternativ wäre auch eine Kurve von der Mannheimer Umfahrung direkt nach Heidelberg denkbar. Damit könnte man hier echte Sprinter anbieten und keine Stadt müsste Angst haben total angehängt zu werden.
Sicher sind solche optimalen Umfahrungen und Verbindungskurven mit dem Altnetz nicht überall machbar, weil entweder zu teuer oder zu weit abseits der optimalen NBS-Trasse. Und gerade deswegen halte ich es für sehr nachteilig, dass die DB wie gesagt zwischen den REs und den IC/ICEs kein Produkt wie den InterRegio mehr hat, der für eben solche Städte ideal wäre, damit sie auch weiterhin gut angeschlossen wären.
Darum sind Neubaustrecken bei Volk und Lokalpolitik unbeliebt und dadurch kommt es zu dieser Provinzpolitik.
Aber vielleicht ist das gerade so, weil die NBS in unserem Land einfach falsch geplant werden/wurden. Mit einer besagten Mischung aus französischem und italienischen Netztyp wäre eine NBS in Deutschland aus meiner Sicht am besten zu vermitteln, eben weil dann ganz bewusst auch Verkehre über Teile des Altnetzes und deren Städte geführt werden kann und diese teils auch die NBS nutzen. Auch fehlt wie gesagt ein zweistufiges Fernverkehrsnetz, also wie in anderen Ländern wenig haltende Schnellzüge und häufig haltende Regio-Schnellzüge. Ob man das jetzt InterRegio oder Regio-ICE nennt, ist erstmal zweitrangig.
Unsere NBS sind bekanntlich eh zu gering ausgelastet, so dass solche Verbindungen zum Altnetz auch bei bereits bestehenden NBS Sinn machen würden. Ich denke allein daran, was für Möglichkeiten man entlang der NBS Würzburg-Hannover hätte. Auch bei der NBS Ebensfeld-Erfurt hätte es bei etwas anderer Trasse mehrere gute Möglichkeiten für Verbindungen ins Altnetz gegeben, so dass z.B. Lichtenfels und Sonneberg auch weiterhin über einen Regio-ICE, InterRegio oder RE200/230 angeschlossen sein könnten. Und auch bei der NBS Erfurt-Leipzig/Halle wären solche Verknüpfungen zum Altnetz denkbar gewesen um z.B. Weimar und Naumburg mitnehmen zu können.
Weil sie den Bestandsstrecken den Verkehr "klauen".
ICE-T-Fan, Mittwoch, 07.11.2012, 16:02 (vor 4901 Tagen) @ Mario
Ich stimme dir da vollkommen zu.
Aber da wo nun schon gebaut worden ist, ist es schon zu spät.
Was wir brauchen, ist eine positiv wirkende Beispielstrecke. Da bietet sich die Rheinbahn noch an. Durchgehende SFS Mannheim-Basel mit Verknüpfungspunkte mit der bestehenden Strecke für Karlsruhe, Baden-Baden, Straßburg, Offenburg und Freiburg.
Weil sie den Bestandsstrecken den Verkehr "klauen".
Mario, Mittwoch, 07.11.2012, 20:31 (vor 4901 Tagen) @ ICE-T-Fan
Was wir brauchen, ist eine positiv wirkende Beispielstrecke. Da bietet sich die Rheinbahn noch an. Durchgehende SFS Mannheim-Basel mit Verknüpfungspunkte mit der bestehenden Strecke für Karlsruhe, Baden-Baden, Straßburg, Offenburg und Freiburg.
Auf dieser Route hat man ja jetzt bzw. bald die 250er-ABS Karlsruhe-Basel, so dass hier also schonmal ein eigentlich guter Grundstock gelegt ist. Dämlich und unbegreiflich ist es, dass man zwischen Kenzingen und Buggingen die Bestandsstrecke durch Freiburg nur auf 200km/h ausbaut und für den Güterverkehr eine NBS für 160km/h baut. Somit hat man hier auch wieder nix Ganzes und nix Halbes. Entweder man baut eine 250er-Strecke ganz oder garnicht. Auch gibt es bisher noch überhaupt keine Planung, wie man Mannheim-Karlsruhe ausbauen bzw. teilneubauen will, damit auch dort mal 250km/h+ möglich wären. Hier hat man also auch schon einige Fehler gemacht bzw. macht wieder nur halbe Sachen.
Aber als echte Beispielstrecke für eine NBS/ABS mit einigen sinnvollen Verbindungen zum Altnetz könnte ich mir mal den Korridor Ruhrpott - Hannover vorstellen. Hier gibt es viele Städte entlang der Strecke (Hamm, Gütersloh, Bielefeld, Bad Oeynhausen, Minden, Wunstorf, etc.), die auch nach dem Bau einer NBS/ABS immer noch am Fernverkehr angeschlossen bleiben wollen und müssen. Mir schwebt da immer wieder eine Schritt für Schritt Strecke weitgehend entlang der A2 vor, die ich glaube ich vor längerer Zeit hier soagr mal erklärt hatte (Ich such sie mal raus). Doch auch wenn mal irgendwann die Y-Trasse oder ähnlich für Hannover - Hamburg/Bremen kommt, könnte man dieses Streckenbauprinzip dort anwenden, um Städte und größere Orte in diesem Bereich schnell anzubinden und die Auslastung der NBS/ABS zu erhöhen. Nötig für sowas sind natürlich sehr spurtstarke Fahrzeuge, die mindestens 200km/h schaffen, so dass sie den ICEs nicht in die Quere kämen.
Weil sie den Bestandsstrecken den Verkehr "klauen".
naseweiß, Mittwoch, 07.11.2012, 21:58 (vor 4901 Tagen) @ Mario
Was wir brauchen, ist eine positiv wirkende Beispielstrecke. Da bietet sich die Rheinbahn noch an. Durchgehende SFS Mannheim-Basel mit Verknüpfungspunkte mit der bestehenden Strecke für Karlsruhe, Baden-Baden, Straßburg, Offenburg und Freiburg.
Auf dieser Route hat man ja jetzt bzw. bald die 250er-ABS Karlsruhe-Basel, so dass hier also schonmal ein eigentlich guter Grundstock gelegt ist. Dämlich und unbegreiflich ist es, dass man zwischen Kenzingen und Buggingen die Bestandsstrecke durch Freiburg nur auf 200km/h ausbaut und für den Güterverkehr eine NBS für 160km/h baut.
Die Strecke ist in Randlage, eine Auslaufstrecke. Die Zahl der Aussteiger in Karlsruhe, Baden-Baden, Offenburg und Freiburg wird gegenüber der Zahl der Durchfahrer bis Basel vermutlich deutlich überwiegen. Eine Sprinterinfrastruktur ist unsinnig, eine echter HGV Frankfurt-Basel-(Luzern)-Milano noch sehr weit weg.
Somit hat man hier auch wieder nix Ganzes und nix Halbes. Entweder man baut eine 250er-Strecke ganz oder garnicht.
Das Hauptaugenmerk sollte auf dem GV liegen. Was Ganzes wäre eine Strecke allein für den Güterverkehr, die ICE weiter zwischen RE und S-Bahnen mit 160 km/h. Man kann froh sein, dass die ICE schneller werden dürfen. Solange der FV um 30 min Kantenzeit beschleunigt wird (Karlsruhe-Basel 2h -> 1,5h), ist ihm genug gedient.
Auch gibt es bisher noch überhaupt keine Planung, wie man Mannheim-Karlsruhe ausbauen bzw. teilneubauen will, damit auch dort mal 250km/h+ möglich wären. Hier hat man also auch schon einige Fehler gemacht bzw. macht wieder nur halbe Sachen.
Zwischen Mannheim und Saalbach kann man bis zu 280 fahren. Saalbach-Karlsruhe sind rund 30 km. 250 statt 200 bringt dort 1-2 min. Ausbau auch dort eher wegen Güterverkehr, Bruchsaler Strecke schließlich mit RV gut belegt. Wobei, mit 250 und einer richtigen Verbindungsspange bei Graben-Neudorf könnte auch Karlsruhe-Stuttgart (dann über diese ABS) noch einige Minuten kürzer werden.
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Aber als echte Beispielstrecke für eine NBS/ABS mit einigen sinnvollen Verbindungen zum Altnetz könnte ich mir mal den Korridor Ruhrpott - Hannover vorstellen. (...)
Das passt doch mal besser, mehr Durchgangsverkehr, auch NRW-Hamburg zusätzlich.
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auch Cargo kann von Rennbahnen profitieren.
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 08.11.2012, 09:28 (vor 4900 Tagen) @ naseweiß
Mario:
Auf dieser Route (Mannheim-Basel) hat man ja jetzt bzw. bald die 250er-ABS Karlsruhe-Basel, so dass hier also schonmal ein eigentlich guter Grundstock gelegt ist. Dämlich und unbegreiflich ist es, dass man zwischen Kenzingen und Buggingen die Bestandsstrecke durch Freiburg nur auf 200km/h ausbaut und für den Güterverkehr eine NBS für 160km/h baut.
naseweiß:
Die Strecke ist in Randlage, eine Auslaufstrecke.
Wenn Schienenstrangen bei Staatsgrenzen enden: Zustimmung.
Meines Wissens enden Schienenstrangen aber bei einem Prellbock, der durfte in Genova Piazza Principe stehen. Am Mittelmeer.
Die Zahl der Aussteiger in Karlsruhe, Baden-Baden, Offenburg und Freiburg wird gegenüber der Zahl der Durchfahrer bis Basel vermutlich deutlich überwiegen. Eine Sprinterinfrastruktur ist unsinnig, eine echter HGV Frankfurt-Basel-(Luzern)-Milano noch sehr weit weg.
Eine (realistische oder utopische) Rennbahn nach LGV Vorbild würde beides ermöglichen: durchfahrende Sprinter und haltende "langsame ICEs".
Dasselbe Prinzip wie eine Autobahn: wer in einer Stadt sein muß, verläßt die Strecke, ansonsten fährt man durch.
Zudem...
Das Hauptaugenmerk sollte auf dem GV liegen. Was Ganzes wäre eine Strecke allein für den Güterverkehr, die ICE weiter zwischen RE und S-Bahnen mit 160 km/h. Man kann froh sein, dass die ICE schneller werden dürfen. Solange der FV um 30 min Kantenzeit beschleunigt wird (Karlsruhe-Basel 2h -> 1,5h), ist ihm genug gedient.
...kann so eine "Schienenautobahn" auch dem Güterverkehr dienen, siehe Italien. Zwischen Turin-Mailand gibt es nebst der Ausfahrt "Vercelli" (Mittelstadt) auch "Novara Boschetto". Ein Cargo-Terminal. Nachts fahren die Cargos über die Schienenautobahnen und befreien dort die Innenstädte der Altstrecken von sowohl nachtruhestörenden Lärmkisten als feuer- und explosionsgefährlichen Schadstoffen.
Seit es die Betuweroute gibt (eine Cargo-Schienenautobahn), verkehren z.B. bei uns in Eindhoven weit weniger Ammoniak-, Chlor- und Flüssiggaszüge durch die Innenstadt.
(...dass Emmerich und Wesel demzufolge mehr Grund zum Klagen haben, ist ein anderes Thema...)
gruß,
Oscar (NL).
--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
auch Cargo kann von Rennbahnen profitieren.
Mario, Donnerstag, 08.11.2012, 10:47 (vor 4900 Tagen) @ Oscar (NL)
Wenn Schienenstrangen bei Staatsgrenzen enden: Zustimmung.
Meines Wissens enden Schienenstrangen aber bei einem Prellbock, der durfte in Genova Piazza Principe stehen. Am Mittelmeer.
Richtig, Strecke Karlsruhe-Basel ist ein wichtiges Bindeglied im nationalen und v.a, internationalen Schienenverkehr v.a. in die Schweiz und nach Frankreich. Da kann man in der Tat nicht von einer Randlage sprechen, sondern eher von mitten in der Blauen Banane.
Eine (realistische oder utopische) Rennbahn nach LGV Vorbild würde beides ermöglichen: durchfahrende Sprinter und haltende "langsame ICEs".
Dasselbe Prinzip wie eine Autobahn: wer in einer Stadt sein muß, verläßt die Strecke, ansonsten fährt man durch.
Exakt und so ählich wird es auch in Italien gemacht, was man mit einer Komnination mit den französischen Umfahrungen noch deutlich verbessern würde.
Zudem...
...kann so eine "Schienenautobahn" auch dem Güterverkehr dienen, siehe Italien. Zwischen Turin-Mailand gibt es nebst der Ausfahrt "Vercelli" (Mittelstadt) auch "Novara Boschetto". Ein Cargo-Terminal. Nachts fahren die Cargos über die Schienenautobahnen und befreien dort die Innenstädte der Altstrecken von sowohl nachtruhestörenden Lärmkisten als feuer- und explosionsgefährlichen Schadstoffen.
Auch deshalb plädiere ich ebenfalls für echte und Güterverkehrgerichte Umfahrungen bzw. autobahnähliche NBS. Der Güterverkehr nimmt immer mehr zu und bedeutet v.a. nachts eine Verlärmung der Trassen durch die Städte. Die Züge müssen da einfach raus, damit die Lebensqualität für die Leute an der Strecke verbesser wird und damit die Kapazität allgemein erhöht wird. Deshalb würde mir auch die seit einiger Zeit im Gespräch befindliche Umfahrung für Bamberg sehr gefallen, eben damit die Güterzüge und auch schnelle ICEs hier außen vorbeifahren könnte, ohne sich dabei durch die Stadt durchquälen zu müssen und um sie vom Lärm zu entlasten.
Und wie gesagt stelle ich mir eh die Frage, ob man nicht genau einen Teil der Einnahmen aus der LKW-Maut für solche Güterentlastungsstrecken bzw. echte Umfahrungen und Verbindungskurven NBS/Altnetz hernehmen könnte. Das wäre in der Tat eine richtige Verwendung dafür, eben weil man dadurch die Chance schaffen würde, dass deutlich mehr Güter noch besser und noch flexibler auf der Schiene transportiert werden können. Auch moderne RoLas (Modalohr, Cargobeamer) von Grenze zu Grenze wie z.B. Frankfurt/Oder - Aachen müssten und sollten endlich mal angedacht und umgesetzt werden, damit man die LKWs von den Autobahnen runter bekommt und sich so deren Ausbauten durch diese Entlastung nicht selten erübrigen könnte. Doch dafür braucht man ohne wenn und aber ein deutlich verbessertes Cargo-Netz inkl. Lärmentlastung der Städte und mehr Kapazität.
Seit es die Betuweroute gibt (eine Cargo-Schienenautobahn), verkehren z.B. bei uns in Eindhoven weit weniger Ammoniak-, Chlor- und Flüssiggaszüge durch die Innenstadt.
Diese Strecke ist ein sehr gutes Beispiel.
Weil sie den Bestandsstrecken den Verkehr "klauen".
hfrik, Mittwoch, 07.11.2012, 16:23 (vor 4901 Tagen) @ Mario
Also ich würde mal sagen es liegt schlicht am fehlenden Geld.
Konzepte für komplette NBS-Netze gibt es schon seit Jahrzehnten, es fehlt aber das Geld sie zu bauen. Zwischen der schweiz und D gibt es bei den Investitionen ins Schienennetz je Kopf inzwischen einen Faktor 8. D.h. was in D zwischen 1988 und 2012 im Netz neu gebaut wurde, wäre bei Schweizer Verhältnissen in 1991 ffertig gewesen, und seither wäre munter weitergebaut worden.
So gibt es eben an den schlimmsten Stellen einige NBS-Torsi die aber keine Netzwirkung entfalten können. Womit natürlich die prognostizierten fahrgastzuwächse ausbleiben, weil die Eingangsbedingungen für die Fahrgastzuwächse nicht gegeben sind. So fehlt für die Wirksamkeit der NBS K-F die NBS F-M damit
a) die Reisezeiten nochmal um 10-20% sinken (von S-K gesehen) und die Fahrgastzahlen entsprechend steigen
b) überhaupt die Züge zur Auslastung der NBS K-F an die Strecke heranfahren können.
Das gleiche Spiel bei den Zügen.
Eigentlich ist der ICE 3 mit seinen 20 kW/t das passende Fahrzeug für D weil spurtstark was er bei den kurzen Haltestellenabständen in D sein muss. Eigentlich hättes statt den 300 ICX besser 300 ICE3, vielleicht teilweise nur fpr 250, beschafft werden sollen, dazu ein IR-Ersatz für Strecken bis 200, ebenfalls mit 20kW/t zum schnellen Spurten. Aber auch die Dinge sind aus Geldmangel unterblieben.
Und dann beist sich die Katze in den Schwanz.
Keine Spurtstarken Züge - weniger Fahrgäste - weniger Geld - weiter keine spurtstarken Züge.
Man kann nur hoffen, dass die Bahn durch hohe Energiepreise soweit Luft bekommt, dass sie die Piralenrichtung herumdrehen kann, und mit Eigenmitteln sich langsam wieder nach oben arbeitet. Nur mit dem Geld das sie heute Verdient wird das ncihts werden, das ist viel zu wenig. Da müsste schon DB Fernverkehr allein jedes jahr 1-2 milliarden Gewinn einfahren, um Dynamik in die Sache zu bekommen. Das sit aber nicht in Sicht, und der Bund investiert lieber in strassen und Wasserstrassen.
Angst ist niemals ein guter Ratgeber........
IC.Chiemgau, Mittwoch, 07.11.2012, 17:13 (vor 4901 Tagen) @ ICE-T-Fan
Darum sind Neubaustrecken bei Volk und Lokalpolitik unbeliebt und dadurch kommt es zu dieser Provinzpolitik.
Große Vorhaben scheitern an der berechtigten Angst vorm Abgehängtwerden.
.....weil sie die Sicht auf die Dinge total vernebelt. Oder kannst du mir mal verraten warum die o.g. Angst berechtigt sein soll? Schliesslich geht es doch nicht darum irgendwelche Strecken still zu legen, sondern es geht darum bestimmte FV Halte zu optimieren und das die betroffenen Leute lediglich mit einem RE oder IC zum nächsten ICE Halt fahren müssen. Von abhängen kann doch da also überhaupt keine Rede sein. Jeder Mensch mit einem halbwegs vernünftigen IQ sollte in der Lage sein auch Umsteigeverbindungen zu nutzen - so wie dies schon zu allen Zeiten der deutschen Eisenbahngeschichte der Fall war. Wo also soll das Problem sein??
Man kann noch nicht einmal argumentieren, das der Komfortunterschied zwischen einem ICE/IC so total dramatisch ist. Denn wenn ich mal von einem 612´er oder einem DoSto Zug aus der Nachwendezeit ausgehe und dabei 160km/h HG unterstelle, dann ist doch selbst das ein Quantensprung für alles was insbesondere die Menschen aus dem Osten unseres Landes früher gewohnt waren. Da musste man sich in unbequeme Abteile mit 8 Sitzplätzen rein quetschen. Da die Schwellen auf vielen Strecken total zerbröselt waren, war auch die Reisegeschwindigkeit entsprechend miserabel. Und wenn ich mir heute die DBuza DoSto ansehe, dann bekomme ich dass grosse Würgen im Hals - immerhin ist dieser Schrott noch in Massen für die nächsten 2-3 Jahre im Einsatz.
Also, jetzt mal Butter bei die Fische. Warum muss man heute unbedingt einen ICE in der Fläche zum stehen bringen, wenn alternativ auch hochkomfortable Alternativzüge bereit stehen um die Leute zum nächsten ICE Knoten zu bringen? Da kann doch von "abhängen" nicht die geringste Rede sein - egal in welcher Region unseres Landes auch immer.
Berechtigte Angst vorm Abgehängtwerden
Reisender, München, Mittwoch, 07.11.2012, 17:19 (vor 4901 Tagen) @ IC.Chiemgau
Große Vorhaben scheitern an der berechtigten Angst vorm Abgehängtwerden.
Oder kannst du mir mal verraten warum die o.g. Angst berechtigt sein soll?
Dann lies dir mal unter http://www.fernverkehr-jena.de/fragen-und-antworten.html die Antwort auf die Frage "Warum kann man nicht einfach mit dem Regionalzug nach Erfurt fahren und von dort weiter mit dem ICE?" durch.
Unattraktivere Umsteigeverbindungen
Benjamin.Keller, Mittwoch, 07.11.2012, 19:16 (vor 4901 Tagen) @ IC.Chiemgau
Jeder Mensch mit einem halbwegs vernünftigen IQ sollte in der Lage sein auch Umsteigeverbindungen zu nutzen - so wie dies schon zu allen Zeiten der deutschen Eisenbahngeschichte der Fall war. Wo also soll das Problem sein??
Es wäre sehr nett, wenn du dir einen anderen Diskussionsstil angewöhnen würdest. Auf solche Sätze wie den mit dem "vernünftigen IQ" können wir hier gut verzichten, selbst dann wenn du recht hättest. Andererseits ist es im Verkehrswesen wohl ziemlich unumstritten, dass Umsteigeverbindungen deutlich weniger attraktiv sind als Direktverbindungen. Insbesondere auf Grund der dezentralen Struktur der Wirtschaft in Deutschland besteht regional ein berechtigtes hohes Interesse an einer guten Anbindung.
Unattraktivere Umsteigeverbindungen
IC.Chiemgau, Mittwoch, 07.11.2012, 23:09 (vor 4901 Tagen) @ Benjamin.Keller
Andererseits ist es im Verkehrswesen wohl ziemlich unumstritten, dass Umsteigeverbindungen deutlich weniger attraktiv sind als Direktverbindungen.
Für Alte und Schwerbehinderte mag dies so sein. Menschen mit 2 gesunden Füssen sollte es doch möglich sein unterwegs den Zug zu wechseln.
Insbesondere auf Grund der dezentralen Struktur der Wirtschaft in Deutschland besteht regional ein berechtigtes hohes Interesse an einer guten Anbindung.
Das ändert nichts daran das ein ICE niemals dafür geschaffen wurde den FV in der Fläche oder bei Kleinstädten abzudecken und ich hoffe sehr das es niemals dazu kommen wird. Ich freue mich für jeden überflüssigen ICE Halt, der in den nächsten Jahren wieder entfällt.
Es geht um die Attraktivität des Verkehrsmittels Bahn!
Reisender, München, Donnerstag, 08.11.2012, 08:11 (vor 4900 Tagen) @ IC.Chiemgau
Andererseits ist es im Verkehrswesen wohl ziemlich unumstritten, dass Umsteigeverbindungen deutlich weniger attraktiv sind als Direktverbindungen.
Für Alte und Schwerbehinderte mag dies so sein. Menschen mit 2 gesunden Füssen sollte es doch möglich sein unterwegs den Zug zu wechseln.
Möglich ja. Es geht hier aber um die Attraktivität des Verkehrsmittels. Ich möchte dir nochmals die Lektüre der Antwort auf die Frage "Warum kann man nicht einfach mit dem Regionalzug nach Erfurt fahren und von dort weiter mit dem ICE?" unter http://www.fernverkehr-jena.de/fragen-und-antworten.html empfehlen.
Umsteigeverbindungen und gar noch mit RE- oder RB-Zubringer führen immer zu Komforteinbußen, Fahrzeitverlängerungen und Anschlussverlustrisiko. Ich kenne daher auch jüngere Leute, die lieber mit dem Auto fahren, wenn die Bahn keine Direktverbindung anbieten kann.
Wer also will, dass das Verkehrsmittel Bahn möglichst attraktiv ist und von möglichst vielen Leuten genutzt wird, der darf Direktverbindungen nicht leichtfertig vermeintlich übergeordneten Projekten, die vielen nicht zugute kommen, opfern.
Deshalb muss vor der Eröffnung einer NBS auch sichergestellt werden, dass auf der Altstrecke ebenfalls noch ein attraktives Angebot verbleibt. Andernfalls realisiert sich die Angst vorm Abgehängtsein. Die betroffenen Leute werden dann wieder aufs Auto umsteigen!
Es geht um die Attraktivität des Verkehrsmittels Bahn!
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 08.11.2012, 10:08 (vor 4900 Tagen) @ Reisender
Hallo Reisender,
Umsteigeverbindungen und gar noch mit RE- oder RB-Zubringer führen immer zu Komforteinbußen, Fahrzeitverlängerungen und Anschlussverlustrisiko. Ich kenne daher auch jüngere Leute, die lieber mit dem Auto fahren, wenn die Bahn keine Direktverbindung anbieten kann.
Kommt halt drauf an, ob die Direktverbindung ein großer Vorteil ist oder nicht.
Im Falle Jena kann ich verstehen, dass die gummibereifte Privatbahn grüßen läßt.
Jetzt zwei Gegenbeispiele:
1. Breukelen-Darmstadt.
Breukelen liegt zwischen Amsterdam und Utrecht. In beide Städten hält ICE International. In Breukelen hält sogar der NS-IC nicht.
Der ICE International endet in Frankfurt, und das eine Zugpaar, das nach Basel fährt, tut das ab Mainport nach Mannheim.
Also gibt es hier den von Dir so bekritisierten Vor- und Nachtransport zum ICE.
Ist das schlimm? Nope. Denn es gibt nicht soviele Reisende, die diese Strecke fahren. Von den paar Autos mehr oder weniger wird weder die Autobahn zusammenbrechen, noch NS oder DB pleite gehen.
2. Den Haag-Paris.
Diese Strecke hat es direkt gegeben. Als die HSL-Zuid geplant wurde, gab es schon die Variante, bei der Den Haag abgehängt wurde. Diese ist durchgesetzt worden. Und ja, es wird immer noch gemeckert; es wohnen ja 500.000 Menschen in Den Haag, weit mehr als in Jena.
Ist das aber schlimm? Nope. Rotterdam ist nicht weit. Jetzt schon fahren die Züge zwischen Den Haag und Rotterdam öfter als die meisten einzelnen Straßenbahnlinien in Den Haag und Rotterdam! Ab 2020 gibt es 14 Verbindungen pro Stunde: jede 10 Minuten die S-Bahn und jede 7,5 Minuten ein "IC".
Deshalb muss vor der Eröffnung einer NBS auch sichergestellt werden, dass auf der Altstrecke ebenfalls noch ein attraktives Angebot verbleibt. Andernfalls realisiert sich die Angst vorm Abgehängtsein. Die betroffenen Leute werden dann wieder aufs Auto umsteigen!
Unter normalen Umständen würden in Jena auch nach Inbetriebnahme der Thüringerwald-Rennbahn stündlich ICs fahren, dort wo jetzt die ICEs fahren. Wahrscheinlich auf einer verkürzten Mittelstrecke Nürnberg-Halle/Leipzig, als ICE-Zubringer, aber sie würden fahren.
Nur schade, dass DB kein Mittelstreckenverkehrsprodukt mehr haben möchte.
gruß,
Oscar (NL).
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Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
Es geht um die Attraktivität des Verkehrsmittels Bahn!
rotfuxx, Donnerstag, 08.11.2012, 10:53 (vor 4900 Tagen) @ Oscar (NL)
Nur schade, dass DB kein Mittelstreckenverkehrsprodukt mehr haben möchte.
Oscar, das ist der Pudels Kern. Und in diesem Fall sind die Beispiele aus den Niederlanden eben auch nicht auf Deutschland übertragbar.
Die Erfahrung zeigt doch, dass mit dem Wegfall des IR der einseitige Fokus auf die ICE-Magistralen zahlreiche Mittel- und sogar Oberzentren vom Fernverkehr abgehängt hat.
Zahlreiche Städte, deren Größe in den Niederlanden IC im 15-Minuten-Takt, "erfreuen" sich in Deutschland einer stündlichen RE-Verbidung zum nächsten Fernverkehrsknoten. Grube setzt zwar mittlerweile ein paar neue Akzente (Dosto-IC), aber richtig vertrauensbildend ist das noch nicht, angesichts der Enttäuschungen der "Nuller"-Jahre.
Zudem sind die Wege zu den Fernverkehrsknoten in Deutschland deutlich länger als in den Niederlanden. Dadurch bedingt kommt es nicht selten zu nennenswerten Fahrten in die Gegenrichtung zum eigentlichen Fahrtziel. Durch die deutlich dünneren sind verpasste Anschlüsse um ein Vielfaches ärgerlicher.
Dies kann dann nicht selten zu einer "unheiligen" Kombination kommen. Die Fahrtstrecke wird länger (erst in Gegenrichtung zum ICE-Halt), unbequemer (RE-Vorleistung plus Umstieg statt direkt IC/IR), teurer (mehr Kilometer plus ICE-Ticket) und dabei noch nicht einmal schneller (RE+Umstieg+ICE langsamer als direkter IC/IR) - erst Recht, wenn man den Anschluss verpasst.
Jena ist dafür ein typisches Beispiel und das ist keine "Milchkanne".
Es geht um die Attraktivität des Verkehrsmittels Bahn!
Mario-ICE, Donnerstag, 08.11.2012, 17:29 (vor 4900 Tagen) @ rotfuxx
Anzumerken sei neben dem Verlust der Möglichkeit eine Platzreservierung zu erwerben in der Regel die niedrigere Hemmschwelle bei Bauarbeiten im SEV befördert zu werden.
Nach neuesten Berichten wird der RegionalEXPRESS zwischen Leipzig und Jena etwa 90 min betragen. Das entspricht einer Reisegeschwindigkeit von etwa 60 km/h und fast einer Verdoppelung der Fahrzeiten gegenüber dem ICE mit Neugetechnik. Mit solchen Mogelpackungen wird man keine Akzeptanz für NBS bekommen.
Es geht um die Attraktivität des Verkehrsmittels Bahn!
rotfuxx, Donnerstag, 08.11.2012, 18:05 (vor 4900 Tagen) @ Mario-ICE
Anzumerken sei neben dem Verlust der Möglichkeit eine Platzreservierung zu erwerben in der Regel die niedrigere Hemmschwelle bei Bauarbeiten im SEV befördert zu werden.
Kann ich nur zustimmen. Zu diesem Dilemma können die Wilhelmshavener bereits Arien singen. SEV, der kein Ende nehmen will, da die Umsetzung des Gesamtvorhaben zeitlich immer weiter gestreckt wird. Aus der Sicht der DB-Konzernführung alles verkraftbar, denn den Unmut erntet die NWB und eigenwirtschaftlichen Fernverkehr bietet man hier schon seit längerer Zeit nicht mehr an.
Es geht um die Attraktivität des Verkehrsmittels Bahn!
ICE-T-Fan, Freitag, 09.11.2012, 10:05 (vor 4899 Tagen) @ Mario-ICE
Vor allem müssen sich die Fernreisenden dann die Plätze mit den Pendlern teilen. Denn in den RE sitzen vermutlich mehr Zeitkarteninhaber als jetzt im ICE, da der RE ja auch viel mehr Unterwegsziele ansteuert (was ja auch seine Aufgabe ist).
Und ein 612er zwischen Gera, Jena, Weimar und Erfurt ist nicht unbedingt gepäckfreundlich. (Dafür fährt er noch mit Neigetechnik etwas bessere Zeiten als andere Regionalzüge.)
Reisezeit RE Leipzig Jena
Burkhard, Freitag, 09.11.2012, 13:51 (vor 4899 Tagen) @ Mario-ICE
bearbeitet von Burkhard, Freitag, 09.11.2012, 13:53
Nach neuesten Berichten wird der RegionalEXPRESS zwischen Leipzig und Jena etwa 90 min betragen.
Das kann ich eigentlich nicht glauben. Selbst bei der RB ist die Reisezeit heute (wenn man die Umsteigezeiten herausrechnet) nur bei 84 Minuten. Und allein im Leipziger Raum dürfte man schon einiges an Zeit sparen, wenn die ganzen S1-Halte nicht mehr angefahren werden und der Infrastrukturausbau in dem Bereich mal abgeschlossen ist.
Angst ist niemals ein guter Ratgeber........
Mario-ICE, Mittwoch, 07.11.2012, 21:11 (vor 4901 Tagen) @ IC.Chiemgau
Weißt du eigentlich nur annähernd von was du redest?
Angst ist niemals ein guter Ratgeber........
kimba2k, Wuppertal-Frankfurt am Main, Mittwoch, 07.11.2012, 23:46 (vor 4901 Tagen) @ Mario-ICE
ähhhm... nö, glaube,nein denke ich
Schlechte Erfahrung erzeugt schlechte Meinung
ICE-T-Fan, Donnerstag, 08.11.2012, 01:27 (vor 4901 Tagen) @ IC.Chiemgau
In dem Fall ist die Kritik an diesen Neubauvorhaben aber berechtigt.
Das Problem ist, dass die meisten dieser Neubautrassen in den frühen 1990er geplant wurden. Da war damals Aufbruchstimmung bei der noch bestehenden Bundesbahn, man ersetzte die veralteten D-Züge durch Interregios, die Intercity durch ICE und es gab ein großes Linien- und Nachfragewachstum.
Aus dieser Perspektive heraus sind Projekte wie die SFS KRM, SFS NIM, SFS Nürnberg-Erfurt-Leipzig, Y-Trasse, SFS Rhein/Main-Rhein/Neckar, Stuttgart21 und NBS nach Ulm, Mottgers-Spange vollkommen berechtigt und sinnvoll.
Denn damals hatte man noch die Planung: schneller ICE auf der Neubautrasse mit wenigen Zwischenhalten für den Angriff auf den Flugverkehr (Billigflieger gab es noch nicht) und Interregio für die Fläche mit D-Zug-Charakter und brauchbare Alternative zum Auto im Mittelstreckenbereich zwischen 50 und 200 km. Der heutige ICE-T der Baureihen 415 und 411 sollte ursprünglich, anno 1993, das frisch eingeführten Interregio-Netz mit hochwertigen Fahrzeugen beschleunigen. Es war nie gedacht, die IR auf ICE umzustellen, wie es dann zwischen Nürnberg und Dresden, zwischen Düsseldorf und Erfurt sowie Frankfurt und Berlin (via Halle) gemacht worden ist. Hätte man die Neige-Linien zum IC aufgewertet, wäre das in Anbetracht der enormen Fahrzeitvorteile für mich sogar verständlich gewesen.
Die ICE waren als Sahnehäubchen unterwegs. Jede ICE-Generation wurde nur eigens für NBS beschafft. Der ICE1 für die SFS Stuttgart-Mannheim und Würzburg-Hannover, die ICE2 für SFS Berlin-Hannover, die ICE3 für die SFS Köln-Frankfurt. In diesem Lichte sollte man auch die ganze Fahrzeugdiskussion betrachten und nicht irgendwelche "Fremdkörper"-Diskussionen beginnen.
Die Verwässerung des Systems kam ja erst 2003, davor war alles in Butter. Da gab es für Städte wie Saalfeld, Naumburg, Weißenfels, Bitterfeld oder Köthen den Interregio als 1-2-stündlichen Taktverkehr, den Intercity für den hochwertigen Fernverkehr auf Hauptstrecken abseits der SFS-Routen (Beispiele: linke Rheintalstrecke, Frankfurt-Erfurt-Leipzig-Dresden, München-Augsburg-Nürnberg-Jena-Leipzig-Berlin).
Damit konnte ich jeder Bürger orientieren. Damals fuhren bis auf die ICE-T alle ICE-Baureihen fast ausschließlich auf Schnellfahrstrecken, abgesehen von irgendwelchen Lücken wie Würzburg-München, Stuttgart-München oder Nantenbach-Frankfurt. Die Hauptstrecken wie Passau-Nürnberg, Leipzig-Nürnberg, Dresden-Frankfurt waren fest in der Hand der Intercity (später ICE-T) mit größeren Haltabständen als die Interregio, aber kleineren als die ICE.
Nun kam ein Bahnchef, der Euro-Zeichen in den Augen hatte und sah, dass die ICE mehr Geld eingebracht haben als die anderen Fernzüge. Was nicht zuletzt daran lag, dass sie damals wirklich bedeutend schneller waren. Die Gleichung lautete dann, aus IR/IC mach ICE und auch diese Züge bringen mehr Geld, ohne neue Schnellfahrstrecken bauen zu müssen.
Gesagt getan: Die bisherigen IC-Linien 8 und 9 wurden mit Umstellung auf Neigezüge über Nacht zum ICE. Dann kamen die Linie 91 dran, welche ohne großen Zeitgewinn auch einfach zu ICE gemacht worden sind. Hier spielte sicherlich auch eine Rolle, dass die ÖBB sich auch mit ICE-Taktverkehr schmücken wollte, da die Marke weltweit bekannt und positiv bewertet war.
Gleichzeitig zu diesem Umstellungswahn, hat man die Interregios geopfert. Die damaligen Verantwortlichen haben sich insgesamt erhofft, dass der Wegfall der Interregios die Fahrgäste in die teureren und damit einträglicheren ICE treibt. Dafür wurden die Ländern teils unsinnig RE-Linien als Zubringer abgerungen, die die Regionalisierungsmittel zweckentfremden. Um die Oberbürgermeister und Landräte zu beruhigen, blieben ein paar ex-IR nun als IC oder ICE als Alibi-Verkehr übrig. Berühmtes Beispiel sind das Zugpaar 1758/1759 (heute 1745/1746) auf der Mitte-Deutschland-Bahn oder 1740/1741 zwischen Leipzig und Hannover. Die Politiker konnten ihre Mittelzentren nun als "ICE-Halt" vermarkten und gaben größtenteils Ruhe. Das man damit das Fernverkehrsnetz zerstört hat, war den Verantwortlichen vollkommen egal, solange der Umsatz stimmt. Die Politiker mussten ruhig werden, da sie Geschenke wie die NBS-Halte auf der KRM der DB abgerungen haben und somit die Bahn immer ein Druckmittel gegen neue berechtigere Forderungen hatte.
In diesem Klima, welches heute Alltag bei der Bahn ist, sollen den Leuten nun neue Neubauvorhaben schmackhaft gemacht werden. Im Gegensatz zu 1991 ist aber die Aufbruchsstimmung weg, da die Leute diese Absurditäten mittlerweile durchschauen und entsetzt und beunruhigt über die Entwicklung sind. 1991 hätte man ohne großen Gegenwind, bis auf den von Umweltschützern und Touristikverbänden (Landschaftsverschandlung), wohl die NBS Erfurt-Ebensfeld über die Bühne gebracht. Denn Städte wie Saalfeld oder Jena hätten immer noch den Interregio gehabt und es hätte ein einträchtiges Nebeneinander von schnellen und langsamen Fernverkehr gegeben.
Aber da dies heute nicht mehr möglich ist, da langsamer Fernverkehr bei der DB unerwünscht ist, bringt halt im direkten Vergleich zu wenig Einnahmen, wollen die Leute diesen ICE-Wahn nicht mehr mitmachen. Und wenn ich heute Leute nach dem ICE frage, ist das nicht mehr der Leuchtturm deutscher Technik, sondern nur noch der Wahn von einigen Geschwindigkeitsfanatikern.
Und jetzt schiebe bitte nicht dem gemeinen Volk die Schuld für diesen Meinungswechsel in die Schuhe, denn damit argumentierst du gegen die falsche Partei.
Neue ICE-Generationen für jede neue NBS?
Reisender, München, Donnerstag, 08.11.2012, 09:48 (vor 4900 Tagen) @ ICE-T-Fan
Jede ICE-Generation wurde nur eigens für NBS beschafft. Der ICE1 für die SFS Stuttgart-Mannheim und Würzburg-Hannover, die ICE2 für SFS Berlin-Hannover, die ICE3 für die SFS Köln-Frankfurt.
Und welche neue ICE-Generation wird für die NBS Ebensfeld–Erfurt–Leipzig/Halle angeschafft? Etwa der ICx? Unabhängig davon sind die genannten ICE-Typen nicht nur auf den entsprechenden Strecken unterwegs, für die sie möglicherweise primär entwickelt wurden.
Selbst zwischen Stuttgart und Mannheim oder zwischen Kassel-Wilhelmshöhe und Würzburg fahren z. B. auch ICE 3, zwischen Berlin und Wolfsburg auch der ICE 1. Sogar der ICE-T verkehrt planmäßig auf der SFS Hannover-Würzburg, als Ersatzzug kommt er dort ferner immer wieder zum Einsatz.
Auf der NBS Nürnberg-Ingolstadt, für die keine eigene ICE-Generation entwickelt wurde, sind sowieso fast alle ICE-Typen zu sehen. Umgekehrt sucht man ICE 1, ICE 2 oder ICE-T auf der KRM vergebens. Daher muss man doch noch feststellen dürfen, dass die KRM keine normale ICE-Strecke ist.
Neue ICE-Generationen für neue NBS
Henrik, Donnerstag, 08.11.2012, 17:16 (vor 4900 Tagen) @ Reisender
Jede ICE-Generation wurde nur eigens für NBS beschafft. Der ICE 1 für die SFS Stuttgart-Mannheim und Würzburg-Hannover, die ICE 2 für SFS Berlin-Hannover, die ICE 3 für die SFS Köln-Frankfurt.
Und welche neue ICE-Generation wird für die NBS Ebensfeld–Erfurt–Leipzig/Halle angeschafft? Etwa der ICx?
ja. und anteilig die 407 als Ersatz für die 403,
das Konzept sah ja einst ganz anders aus, die Option auf die zusätzlichen 50 ICE 3 Züge war u.a. für diese NBS vorgesehen.
aber Du drehst seinen Satz um.
Er bezieht sich nur auf die Züge, Du Dich nur auf die Strecken.
Nur weil diese drei ICE-Generationen für diese NBS konzipiert und beschafft wurden,
heißt das noch lange nicht, dass immer für neue NBS auch neue Züge beschafft werden müssten.
Unabhängig davon sind die genannten ICE-Typen nicht nur auf den entsprechenden Strecken unterwegs, für die sie möglicherweise primär entwickelt wurden.
ja. aber sie sind primär dort im Einsatz.
Selbst zwischen Stuttgart und Mannheim oder zwischen Kassel-Wilhelmshöhe und Würzburg fahren z. B. auch ICE 3
das war aber auch Sinn der Sache, alles andere wäre sinnlos.
zwischen Kassel-Wilhelmshöhe und Fulda verirrt sich nur einer und auch erst jüngst.
zwischen Berlin und Wolfsburg auch der ICE 1.
auch das war schon immer grundlegend geplant.
Sogar der ICE T verkehrt planmäßig auf der SFS Hannover-Würzburg, als Ersatzzug kommt er dort ferner immer wieder zum Einsatz.
..ist nun nicht so der klassische Hochgeschwindigkeitszug der Klasse I für NBS.
Auf der NBS Nürnberg-Ingolstadt, für die keine eigene ICE-Generation entwickelt wurde, sind sowieso fast alle ICE-Typen zu sehen. Umgekehrt sucht man ICE 1, ICE 2 oder ICE T auf der KRM vergebens.
ja, ist ja auch ok so.
Daher muss man doch noch feststellen dürfen, dass die KRM keine normale ICE-Strecke ist.
Sie ist zweifelsohne etwas ganz besonderes, aber ganz sicher nicht unnormal.
Angesichts Deinen Ausführungen muss man gar nichts feststellen düfen,
angesichts der Bedeutung dieser SFS im Deutschen wie auch Europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz muss man feststellen, dass sie eine sehr wichtige bedeutende Strecke ist
und alles andere als ein Fremdkörper darstellt.
Normal ist das nicht!
Reisender, München, Donnerstag, 08.11.2012, 17:56 (vor 4900 Tagen) @ Henrik
aber Du drehst seinen Satz um.
Nein, ich wollte nur wieder zu den Ausgangsargumenten von Hustensaft zurückkommen, der zutreffend angemerkt hat, dass es suboptimal ist, wenn eine NBS nur von einem einzigen Zugtyp befahren werden kann. Darum geht's doch und nicht darum, was Anlass für die Bestellung neuer Züge ist.
Daher muss man doch noch feststellen dürfen, dass die KRM keine normale ICE-Strecke ist.
Sie ist zweifelsohne etwas ganz besonderes, aber ganz sicher nicht unnormal.
Du findest es also normal, dass eine NBS nur von einem einzigen Zugtyp befahren werden kann und alle anderen Züge ausgesperrt bleiben? Auf welcher anderen Strecke in Deutschland soll dies denn genauso sein? Meine Beispiele dienten doch gerade dazu um zu zeigen, dass alle anderen Neubaustrecken Deutschlands keine derartigen Einschränkungen haben!
unnormal ist das nicht
Henrik, Freitag, 09.11.2012, 00:42 (vor 4900 Tagen) @ Reisender
aber Du drehst seinen Satz um.
Nein, ich wollte nur wieder zu den Ausgangsargumenten von Hustensaft zurückkommen, der zutreffend angemerkt hat, dass es suboptimal ist, wenn eine NBS nur von einem einzigen Zugtyp befahren werden kann. Darum geht's doch und nicht darum, was Anlass für die Bestellung neuer Züge ist.
das war dann ein anderer Kontext.
Für sich genommen sagt die Anmerkung doch nicht viel aus,
worin sollte denn der Nachteil bestehen?
Nicht jeder Zug muss jede Strecke befahren können, genau das wissen wir doch seit dem ICE 1.
Wenn es nicht andere Zugtypen gibt (wenn es denn so sei), die auf der KRM fahren wollen,
dann ist das nicht das Makel der Strecke, sondern der Züge bzw. deren Eigentümer.
Vorgesehen war es eh anders, s.o.
..und da ist man eben doch wieder bei dem Thema, welche Züge für welche Strecke in Frage kommen.
Die ICE 1 in ihrer klassischen Langzug-Version war da eben nicht das Thema.
Daher muss man doch noch feststellen dürfen, dass die KRM keine normale ICE-Strecke ist.
Sie ist zweifelsohne etwas ganz besonderes, aber ganz sicher nicht unnormal.
Du findest es also normal, dass eine NBS nur von einem einzigen Zugtyp befahren werden kann und alle anderen Züge ausgesperrt bleiben?
Es ist grundsätzlich nichts besonderes, dass es Züge gibt, die gewisse Strecken nicht befahren können, s.o.
Die Frage ist doch eher, wieso es nicht mehr Züge von diesem Zugtyp gibt, wenn sie denn nötig seien.
Auf welcher anderen Strecke in Deutschland soll dies denn genauso sein? Meine Beispiele dienten doch gerade dazu um zu zeigen, dass alle anderen Neubaustrecken Deutschlands keine derartigen Einschränkungen haben!
Wenn sie dazu dienten, dann schlug dieses fehl - aufgezeigt hat es dieses nicht.
Derartige Einschränkungen gibt es auch anderswo.
Der TGV POS hat so seine Probleme mit der NIM, ebenso mit der KRM.
Und? Wenn er dort nicht fahren will, muss er dafür auch nicht ausgestattet sein.
unnormal ist das nicht
hfrik, Freitag, 09.11.2012, 17:26 (vor 4899 Tagen) @ Henrik
und es war ja der ICE 3 durchaus in höheren Stückzahlen vorgesehen und damit als Brot- und Butter ICE, und nicht als Spezialfahrzeug.
Die guten Beschleunigungswerte kann er ja auch an anderer sTelle ausspielen - der ICE 3 fährt auch Mannheim Stuttgart einige Minuten schneller als der ICE 1.
Nur leider ist / war bei DB Fernverkehr heftige Ebbe in der Kasse, so dass es dazu nicht kam.
Neue ICE-Generationen für jede neue NBS?
naseweiß, Donnerstag, 08.11.2012, 18:37 (vor 4900 Tagen) @ Reisender
Auf der NBS Nürnberg-Ingolstadt, für die keine eigene ICE-Generation entwickelt wurde, sind sowieso fast alle ICE-Typen zu sehen. Umgekehrt sucht man ICE 1, ICE 2 oder ICE-T auf der KRM vergebens. Daher muss man doch noch feststellen dürfen, dass die KRM keine normale ICE-Strecke ist.
Für deine Hausstrecke einen extra ICE-Typ?
Du würdest als z.B. sagen:
- München-Ingolstadt-Nürnberg "ICE4"
- Nürnberg-Würzburg-Frankfurt ICE-T
- Nürnberg-Jena-Leipzig-Berlin ICE-T
- Würzburg-Hannover ICE-1
- Frankfurt-Köln ICE-3
Und von Ingolstadt nach Köln/Kassel steigt man dann in Nürnberg und Frankfurt/Würzburg zweimal um, nach Leipzig einmal in Nürnberg?
Die NIM vereint drei Routen, nach Berlin, Hamburg und NRW. Bräuchte es für diese Strecke einen extra Fahrzeugtyp, müsste man entweder unsinnig umsteigen oder hätte viele Fahrzeuge beschaffen müssen und könnte die schon vorhandenen ICE-1,-3,-T nicht mehr auf den angestammten Routen einsetzten.
Die KRM ist ein Spezialfall in der Hinsicht, dass dort nicht alle ICE-Typen drauf dürfen. Wie auf allen anderen Strecken, fahren die dort verkehrenden ICE-3 aber auf Linien, die Sinn ergeben, kommen also auch auf andere Strecken. Als die Strecke fertig wurde, gab es keine ICE, die man hätte einsetzen können, sondern die ICE-3 wurden als Ablösung für die Rheintal-IC beschafft, die bis dahin NRW mit Süddeutschland verbanden. Aber deswegen muss die KRM doch keine Fehlplanung sein.
--
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Neue ICE-Generationen für jede neue NBS?
ICE-T-Fan, Freitag, 09.11.2012, 10:12 (vor 4899 Tagen) @ Reisender
bearbeitet von ICE-T-Fan, Freitag, 09.11.2012, 10:16
Neue ICE-Generationen gab es nur dann, wenn die DB mehr ICE als vorher gebraucht hat.
Für die Lückenfüller NIM, Köln-Düren oder Frankfurt-Mannheim braucht man das nicht, da es hier nur ums Beschleunigen vorhandener Linien geht. Als 2006 die NIM in Betrieb ging hatte die DB ja schon knapp 170 Hochgeschwindigkeitszüge. Und es ist keine neue Linie hinzu gekommen, die eine Fahrzeugneubeschaffung gerechtfertigt hätte.
Der ICE1 hat die Intercity-Langzüge der 1980er abgelöst, die damals teils mit bis zu 16 Wagen auf dieser nachfragestarken Route Hamburg-Hannover-Frankfurt-Mannheim gefahren sind.
Der ICE2 kam, weil man gemerkt hat, dass Langzüge zwischen Bremen und München sowie Berlin und NRW nicht funktionieren und ein Umstieg in Hannover in das viel gefragtere Hamburg nicht attraktiv war.
Der ICE3 ist die einzige ICE-Generation, welche aufgrund technischer Erwägungen angeschafft wurde, da man auf der KRM die klassischen Triebkopfzüge aufgrund der Steigungen nicht sinnvoll benutzen kann.
Wäre die SFS über Erfurt bereits 2004, also wie geplant, gekommen, hätte man dafür vermutlich weitere ICE3 angeschafft. Nun sind es halt die ICx des Bautyps K3s, die hier zum Einsatz kommen.
Diskussion: warum rentieren NBS in Deutschland so wenig?
dobal, Mittwoch, 07.11.2012, 15:50 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
Noch ein Ansatz: Was ist eigentlich Rentabilität?!
Egal ob Moettgers, Nürnberg-Berlin, Stuttgart 21, Y-Trasse und was weiß ich noch. Überall geht es um "Rentabilität" einer Neubaustrecke. (Zumindest nach eigener Definition) Schlaue Menschen füttern ihre Computer mit allen möglichen und natürlich völlig "objektiv" erhobenen Daten. Berechnen daraus einen Quotienten. Und wehe, dieser entspricht nicht dem gewünschten Ergebnis.
- Wie sieht es aber aus mit der Lebensqualität der Menschen, die an den Gleisen wohnen und die (wenn auch womöglich nur wenige) Minuten in den Zügen gewinnen? Und bevor jemand mit dem scheinbaren Totschlagargument Kosten kommt ... wie viel Geld ist eigentlich für alle möglichen Maßnahmen da, wenn man nur laut genug "Krise" ruft?
- Warum wagt man sich nicht an flankierende Maßnahmen im Hinblick auf den Straßen(Güter-)verkehr? Die Möglichkeit, mehr Menschen und Güter auf die Schiene zu bringen, ist der Politik gegeben. Tempolimit, PKW-Maut, Anhebung der LKW-Maut, bis hin zu Fahrverboten. Klappt anderswo sehr gut. Nur scheint man in Deutschland lieber zunächst Autobahnen zu bauen (Wirtschaft, Einheit und Selbstverständnis lassen grüßen) und die Bahn-Infrastruktur verkommen zu lassen oder gleich abzubauen. Anschließend wundert man sich über die geringe Rentabilität (oder rechnet sich diese "objektiv" klein. Und schließlich verweist man auf Kapazitätsengpässe, nicht auszudenken, wenn sämtlicher Fernlastverkehr von Bahn und Schiff gestemmt werden müsste. Ich bin, um ein Beispiel herauszugreifen, wirklich mal gespannt, was zuerst kommt: Der 10-spurige Ausbau der A9 von München zum Flughafen - oder doch eine annehmbare Express-Bahn ...
Jedenfalls erscheint mir die derzeit vorherrschende Rentabilitäts-Denke ähnlich kritikfähig, wie andere VWL-Konzepte (BIP als Wohlstandsindikator lässt grüßen). Aber da wirklich grundlegende Veränderungen eben auch eine starke politische Einflussnahme voraussetzen würden, wird sich daran so schnell sicherlich nichts ändern (lassen).
Diskussion: warum rentieren NBS in Deutschland so wenig?
Holger2, Donnerstag, 08.11.2012, 00:46 (vor 4901 Tagen) @ Oscar (NL)
Hallo Oscar,
dass diese niederländische Bummelei auf deutschen Strecken nicht weiterführt, habe ich Dir an anderer Stelle ja schon vorgerechnet. Nun zu Deinen Beispielen / Argumenten:
(...nur schade, dass diese Stunde anderswo wieder zum Teil abgebummelt wird...)
Wo bitte wird bei der Bahn eine ganze Stunde abgebummelt.
1. war die Rennpiste Köln-Düren wirklich notwendig für 9 Zugpaare pro Tag?
Die "Rennpiste" ist wie anderswo bereits geschrieben ein drei- bis viergleisiger S-Bahnausbau. Auf der anderen Seite der Grenze sieht das dann ganz anders aus: Zwischen Aachen und Lüttich wurde in Belgien tatsächlich eine Strecke für eben diese 9 Zugpaare gebaut.
2. mit Nürnberg-Ingolstadt wurde eine Fahrzeit von 1 Stunde versprochen, aber kaum (niemals?) erreicht (es wurden immer 62-65 Minuten gefahren)
wie schon geschrieben, nach Fertigstellung des Ausbaus Petershausen - Ingolstadt sind es unter 60 Minuten bis München - derzeit gibt es auf der Strecke leider einen Baustellenzuschlag
3. warum brauchte man satte 7 Dekaden, bevor die Bestzeit Berlin-Hamburg geknackt wurde?
auch schon beschrieben: 1933 Machtergreifung der Nazis, 1949 Teilung Deutschlands, 1990 Wiedervereinigung - das erklärt schon einmal 6 der 7 Dekaden. Und der Ausbau Berlin - Hamburg hat ja auch den Nachteil, dass es durch den fehlenden Neubau keine zusätzlichen Trassenkapazitäten gibt.
4. und in dieser Diskussion ist man zwar am Anfang noch euphorisch, aber entsteht zuletzt den Eindruck eines Pyrrhussiegs: man hat zwar Berlin-München beschleunigt aber es hat viele Moneten gekostet und die Flieger sind vom Endergebnis gar nicht ängstig geworden; zudem gibt es bei diesem Projekt vor allem auch viele Verlierer (z.B. Jena).
Wieso ist Jena "viele" Verlierer, die Stadt hat meines Wissens gerade einmal 100.000 Einwohner - und: die Jenaer kommen zwar evtl. nicht mehr so oft und schnell nach München, dafür kommen die Erfurter, Eisenacher, Weimarer, Gothaer... umso schneller nach München.
Dann kommen wir zur Frage: warum rentieren Schiennneubauten in Deutschland offenbar so wenig?
Wie rechnet sich für Dich Rentabilität?
Die schweizer Eidgenossen hier posten ständig Projekte, woraus nicht nur klar wird, dass dort pro Einwohner viel mehr in die Bahn investiert wird, sondern auch viel mehr Leute in viel großerem Maß von den Investitionen profitieren.
Wieso wird daraus klar, dass viel mehr Leute in viel größerem Maß von den Investitionen profitieren? - Verstehe ich nicht.
1. Fehlt eine Gesamtvision? In CH gibt es Bahn2000 und Bahn2030 mit klaren Vorgaben. Bei uns gibt es PHS 2020 wobei bis zu 10-Minutentakt nachgestrebt wird. Und Deutschland?
Auch in Deutschland gibt es NBS - Projekte, die aber anders als in anderen Ländern nicht so zügig umgesetzt werden können, da die EU - Gelder fehlen. Dafür ist Deutschland jetzt nicht pleite. Und dass ein dichter aber langsamer Takt in Deutschland nciht funktioniert, habe ich Dir an anderer Stelle schon einmal dargelegt.
2. Ist eine Gesamtvision in Deutschland gar nicht möglich? Versucht man es allen Recht zu tun, obwohl das gar nicht geht?
Weil Deutschland ein Föderalstaat ist und kein Zentralstaat. Alles hat seinen Preis.
3. Ist die Topographie derart, dass gute Rendite nicht möglich sind?
Wie definierst Du Rendite?
a. in CH profitierte von NBS Bern-Olten und dem "Stundendreieck" Basel-Bern-Zürich das halbe Land, sogar die Hälfte, die für etwa 80-90% (?) aller Bahnkilometer in CH verantwortlich ist.
Trotzdem ist Bern - Basel immer noch unerträglich langsam. Eine solche Strecke, bei der das halbe Land profitiert, wirst Du in D nicht finden.
4. Ist die Geographie derart, dass gute Rendite nicht möglich sind?
was ist gute Rendite?
5. Werden Ziele/Erwartungen nicht "SMART" gestellt? Versagt man, Erwartungen zu erfüllen?
Hat hier gerade jemand in einer BWL - Vorlesung aufgepasst? Was ist SMART?
Holger
Diskussion: warum rentieren NBS in Deutschland so wenig?
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 08.11.2012, 14:11 (vor 4900 Tagen) @ Holger2
Hallo Holger2,
genauso wie Du: Fragen über Fragen. Ich werde sie nicht alle einzeln beantworten, mache dafür vorerst eine Sammelantwort.
Mein Ursprungspost schilderte einen Eindruck, den ich hatte. Ob dies der Realität entspreche, war/ist mir nicht bekannt. Möchte nur wissen, ob Deutschland wirklich so wenig aus ihren Rennbahnen holt oder ob das eine falsche Vermutung war.
Nun zu einigen einzelnen Fragen:
Oscar (NL):
(...nur schade, dass diese Stunde anderswo wieder zum Teil abgebummelt wird...)
Kleintext zur Klarstellung entfernt.
Holger2:
Wo bitte wird bei der Bahn eine ganze Stunde abgebummelt.
a. zum Teil != ganz.
b. auf Frankfurt-Eindhoven ist der Abschnitt bis Köln etwa eine Stunde schneller geworden, Rennbahn sei Dank. Der Abschnitt ab Köln ist dagegen fast eine Stunde langsamer geworden, weil DB den damaligen D-Zug Köln-Den Haag einstellte, die Anschlüsse in Venlo nicht mehr stimmen und NS den IC Den Haag-Venlo ab Deurne in eine RB umwandelte.
Dass das ganze so bestimmte (auch gute) Gründe hat, ist mir klar und ist ein anderes Thema.
Wieso ist Jena "viele" Verlierer, die Stadt hat meines Wissens gerade einmal 100.000 Einwohner - und: die Jenaer kommen zwar evtl. nicht mehr so oft und schnell nach München, dafür kommen die Erfurter, Eisenacher, Weimarer, Gothaer... umso schneller nach München.
Kommen viele ICE-Fans aus Jena? Ist man in Deutschland auch eher dazu geneigt, das schlechte niederzumachen anstelle das gut zu bejubeln?
(bei uns in NL auch so ein Problem, siehe Regierungsabkommen + 16 Milliarden Einsparungen)
Dann kommen wir zur Frage: warum rentieren Schiennneubauten in Deutschland offenbar so wenig?
Wie rechnet sich für Dich Rentabilität?
Das Mass in dem bessere Kapazitäten und Fahrzeiten geschaffen werden.
Trotzdem ist Bern - Basel immer noch unerträglich langsam.
Wohl für uns ICE-Fans, aber angeblich nicht für Roger Normalschweizer.
Wäre die Strecke unerträglich langsam, müßte auf den Autobahnen sehr viel los sein und die Züge relativ schwach besetzt.
Aber vielleicht kann "Alphorn (CH)" oder "Twindexx" etwas dazu sagen.
Eine solche Strecke, bei der das halbe Land profitiert, wirst Du in D nicht finden.
Genau darauf wollte ich hin. Angeblich gibt es eine solche Strecke in Deutschland nicht. Bei uns in NL auch nicht. In AT wohl schon (Wien-Salzburg?)
In Belgien durfte die verkehrsstärkste Strecke gerade eine sein, die nicht HGV-konform ausgebaut ist (Brüssel-Antwerpen).
Was ist SMART?
Guckst Du hier.
gruß,
Oscar (NL).
--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
Das Flugzeug zu konkurrenzieren ist falsch
Alphorn (CH), Donnerstag, 08.11.2012, 22:37 (vor 4900 Tagen) @ Oscar (NL)
Ich kann mich nur wiederholen: Das Flugzeug ist ein völlig uninteressanter Gegner. Wenn der Fernverkehr 100% des innerdeutschen Flugverkehrs übernimmt, wächst er nur um 27%!
Wenn er hingegen nur 2% des Autoverkehrs übernimmt, wächst er um 50%.
Das Ziel sollte also nicht sein, auf einigen wenigen Strecken schneller als das Flugzeug zu sein, sondern auf möglichst vielen (Umsteige-)Strecken schneller als das Auto. Das Ziel sollten schlaue Umsteigeknoten sein, höhere Takte (denn sonst sind Umstiege gefährlich und die Wartezeiten am Startbahnhof hoch) sowie moderate Preise (durch weniger hochgezüchtetes Rollmaterial).
@Holger2: Ja, die Strecke Bern-Basel ist eine der langsameren - aber schneller als das Auto, das reicht. Eine Beschleunigung lohnt sich nicht, weil dann nur die Umsteigezeiten in Bern und Basel länger würden. Da investiert man das Geld halt lieber an Stellen, wo durch Beschleunigung frühere Anschlüsse erreicht werden oder wo die Züge überfüllt sind - das ist bei Bern-Basel nicht der Fall.
Das Flugzeug zu konkurrenzieren ist falsch
Holger2, Donnerstag, 08.11.2012, 23:34 (vor 4900 Tagen) @ Alphorn (CH)
Hallo Alphorn,
2 % des Autoverkehrs schön und gut, aber wieviel % von den 2 % sind denn Fernverkehr?
Basel - Bern dauert laut google - maps mit dem Auto 72 Minuten, mit dem Zug 62 Minuten. Wirklich schneller ist der Zug also nicht.
Die Entfernung ist 96 Auto - km, die Durchschnittsgeschwindigkeit, also ca. 95 km/h.
Basel - Zürich ist sogar noch langsamer - gute 80 km/h verglichen mit der Autobahn.
Holger
Das Flugzeug zu konkurrenzieren ist falsch
Alphorn (CH), Freitag, 09.11.2012, 03:55 (vor 4900 Tagen) @ Holger2
Basel - Bern dauert laut google - maps mit dem Auto 72 Minuten, mit dem Zug 62 Minuten. Wirklich schneller ist der Zug also nicht.
Etwas schneller reicht ja, um konkurrenzfähig zu sein.
Basel - Zürich ist sogar noch langsamer - gute 80 km/h verglichen mit der Autobahn.
Auch hier: Etwas schneller reicht ja (53 statt 65 Minuten), dafür hat man sowohl in Basel als auch in Zürich gute Anschlüsse. Weitere Beschleunigung würde nur die Anschlüsse verschlechtern.
Die Reisezeit von Tür zu Tür hängt nur unwesentlich von der Maximalgeschwindigkeit ab. Wichtiger sind Züge mit wenigen Halten, Vermeidung von langsamen Abschnitten, kurze Umsteigezeiten, Bahnstrecken ohne Umweg, kurze Wartezeiten bis zum nächsten Zug, dichtes Haltestellennetz und gute Bus-Anbindung.
All das kostet Geld. Wenn man alles Geld für die Erhöhung der Vmax ausgibt, leiden diese anderen Aspekte. Hohe Vmax ist nur nötig, wenn man dem Flugzeug nachjagt, aber das lohnt sich nicht, weil dort nur wenige Passagiere zu holen sind.
Das Flugzeug zu konkurrieren ist *in Deutschland* falsch?
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 09.11.2012, 08:37 (vor 4899 Tagen) @ Alphorn (CH)
Hallo Alphorn (CH),
Ich kann mich nur wiederholen: Das Flugzeug ist ein völlig uninteressanter Gegner.
Wohl eher: Das Flugzeug ist in Deutschland ein völlig uninteressanter Gegner...?
Ich kann mich irren, aber meines Wissens sind französische, spanische, italienische, chinesische und japanische Flugzeuge nicht langsamer als deutsche Flugzeuge = die Strecke Paris-Marseille hätte in etwa dieselbe Flugzeit als eine ähnlich lange deutsche Flugstrecke.
Wenn der Fernverkehr 100% des innerdeutschen Flugverkehrs übernimmt, wächst er nur um 27%!
Wenn er hingegen nur 2% des Autoverkehrs übernimmt, wächst er um 50%.
So betrachtet hätte man in Frankreich auch auf den TGV verzichten und stattdessen die Bestandsstrecken für 160-200 km/h schnellen Corailzügen ausbauen können. Wegen der großen Abständen zwischen den Halten wären mit lediglich vmax = 160 km/h schon Schnitte von 140 km/h drin, was mehr ist als was auf der "autoroute à péage" gesetzlich zugelassen ist.
Dennoch ist der TGV gekommen und sind sogar viele Corailzüge für den TGV geopfert worden. Die Anzahl der innerfranzösischen Flüge wurde mit dem TGV drastisch reduziert. In Spanien, Italien, China und Japan durfte es ähnlich aussehen. Also müßte das Flugzeug zumindest in diesen Ländern ein interessanter Gegner sein, oder?
Ich vermute, in besagten Ländern entstanden die ersten Rennbahnen gerade dort, wo zuvor viel geflogen wurde. In Frankreich war das Paris-Lyon, in Italien Rom-Mailand, in Spanien Madrid-Sevilla. Man hatte dort also eine Vorbildstrecke. In Deutschland wurde mit den ersten beiden Rennbahnen die Relation Hamburg-München zwar beschleunigt, aber davon waren die Flieger kaum beeindruckt.
Eine weitere Vermutung: in besagten Ländern wird gezielt geflogen, in Deutschland kreuz und quer durchs Land.
In Frankreich vor allem von Paris nach irgendwo.
In Spanien vor allem von Madrid nach irgendwo.
In Italien vor allem Mailand-Rom.
Diese Ländern konnten also mit einer gezielten Rennbahn die Fliegerei gezielt bekonkurrieren.
Das Ziel sollte also nicht sein, auf einigen wenigen Strecken schneller als das Flugzeug zu sein, sondern auf möglichst vielen (Umsteige-)Strecken schneller als das Auto.
Wenn das der Fall wäre:
1. warum hat DB überhaupt mit dem ICE-Zeitalter angefangen? IC und IR hätten es mit 200-220 km/h doch auch getan. Mit dem Geld, das jetzt in den Rennbahnen steckt, hätte man landesweit Strecken für 200-220 km/h ausbauen können und wäre man zumindest nach schweizer Verhältnissen landesweit schneller als das Auto...
2. warum hat DB nicht das IR-Netz ausgebaut anstelle das IC-Netz? Dass sich sowas lohnt, zeigten CH, BE und NL. Gut, diese Länder sind kleiner, dementsprechend die Reiseabstände kleiner und die Züge langsamer. Und das die NL-Schnitte für DE nicht reichen, wurde hier schon berichtet. Die CH-Schnitte durften nur geringfügig besser sein.
gruß,
Oscar (NL).
--
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Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
Flugzeug zu konkurrieren ist *in Deutschland* nicht falsch
Henrik, Freitag, 09.11.2012, 15:59 (vor 4899 Tagen) @ Oscar (NL)
Ich kann mich nur wiederholen: Das Flugzeug ist ein völlig uninteressanter Gegner.
Wohl eher: Das Flugzeug ist in Deutschland ein völlig uninteressanter Gegner...?
Nein, so völlig uninteressant nicht.
Der Hauptkonkurrent ist gewiss der MIV.
Ich kann mich irren, aber meines Wissens sind französische, spanische, italienische, chinesische und japanische Flugzeuge nicht langsamer als deutsche Flugzeuge = die Strecke Paris-Marseille hätte in etwa dieselbe Flugzeit als eine ähnlich lange deutsche Flugstrecke.
Ja, man spricht da von einer Bahn-Reisezeit von 3-3,5 Stunden, bei der die Bahn gut mit dem Flugzeug konkurrieren kann. Das gilt fürs Ausland natürlich genauso wie für Deutschland.
Wenn der Fernverkehr 100% des innerdeutschen Flugverkehrs übernimmt, wächst er nur um 27%!
Wenn er hingegen nur 2% des Autoverkehrs übernimmt, wächst er um 50%.
So betrachtet hätte man in Frankreich auch auf den TGV verzichten und stattdessen die Bestandsstrecken für 160-200 km/h schnellen Corailzügen ausbauen können. Wegen der großen Abständen zwischen den Halten wären mit lediglich vmax = 160 km/h schon Schnitte von 140 km/h drin, was mehr ist als was auf der "autoroute à péage" gesetzlich zugelassen ist.
! ;)
Dennoch ist der TGV gekommen und sind sogar viele Corailzüge für den TGV geopfert worden. Die Anzahl der innerfranzösischen Flüge wurde mit dem TGV drastisch reduziert. In Spanien, Italien, China und Japan durfte es ähnlich aussehen. Also müßte das Flugzeug zumindest in diesen Ländern ein interessanter Gegner sein, oder?
genau. Dort könnte man natürlich genau so eine Rechnung aufstellen, macht also keinen Sinn.
Ich vermute, in besagten Ländern entstanden die ersten Rennbahnen gerade dort, wo zuvor viel geflogen wurde. In Frankreich war das Paris-Lyon, in Italien Rom-Mailand, in Spanien Madrid-Sevilla. Man hatte dort also eine Vorbildstrecke. In Deutschland wurde mit den ersten beiden Rennbahnen die Relation Hamburg-München zwar beschleunigt, aber davon waren die Flieger kaum beeindruckt.
Der Vergleich ist hier ja nicht nur Hamburg-München, sondern auch Frankfurt.
Und davon waren die Flieger auch sehr beeindruckt, es gab auch hier einen merkbaren Wechsel im Modal-Split vom Flugzeug hin zum ICE (Frankfurt-Hamburg, Frankfurt-München)
Die Unterschiede zu uns liegen in der Durchschnittsgeschwindigkeit der Hochgeschwindigkeitszüge und der Bevölkerungsverteilung. Bei uns liegen eben noch einige Großstädte zwischen den Flughafenstädten.
Eine weitere Vermutung: in besagten Ländern wird gezielt geflogen, in Deutschland kreuz und quer durchs Land.
In Frankreich vor allem von Paris nach irgendwo.
In Spanien vor allem von Madrid nach irgendwo.
In Italien vor allem Mailand-Rom.
Diese Ländern konnten also mit einer gezielten Rennbahn die Fliegerei gezielt bekonkurrieren.
Das Fluggastaufkommen auf den Relationen dort ist höher
(vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/World's_busiest_passenger_air_routes#Europe),
wobei wir mit FRA-BER, FRA-HAM, FRA-MUC, MUC-HAM, MUC-CGN/DUS einige interessante Relationen haben, die im Blickfeld von HGV-Strecken stehen.
Das Ziel sollte also nicht sein, auf einigen wenigen Strecken schneller als das Flugzeug zu sein, sondern auf möglichst vielen (Umsteige-)Strecken schneller als das Auto.
Wenn das der Fall wäre:
1. warum hat DB überhaupt mit dem ICE-Zeitalter angefangen? IC und IR hätten es mit 200-220 km/h doch auch getan. Mit dem Geld, das jetzt in den Rennbahnen steckt, hätte man landesweit Strecken für 200-220 km/h ausbauen können und wäre man zumindest nach schweizer Verhältnissen landesweit schneller als das Auto...
Es wurde ja auch nicht einfach so mit dem ICE-Zeitalter angefangen,
sondern mit einem großflächigen Ausbau von Geschwindigkeiten mit 200 km/h und dem IC-Netz
und wo das nicht möglich war, waren NBS vorgesehen, mit Entwurfsgeschwindigkeiten von 300 km/h,
wobei längere Zeit vorgesehen war, diese zunächst mit 200 km/h schnellen Zügen zu befahren (war mit Würzburg-Fulda ja auch der Fall).
Der Ursprung der (HGV-)NBS lag also in "Ergänzungsstrecken" zur Beseitigung von Kapazitätsengpässen, der Streckenentlastung und eines dadurch verbesserten Leistungsangebots
und nicht in einem systematisch geplanten zusammenhängenden Hochgeschwindigkeitsnetzes,
deren Einführung man anfangs erst für die spätere Zukunft vorsah.
Erst 1982 entstand der Begriff des ICE und fingen die Arbeiten an einem HGV-Zug für die neuen Strecken an,
auch um die verloren gegangen Marktanteile an den Flugverkehr zurückzugewinnen
und die neuen Strecken mit neuen Zügen in Betrieb zu nehmen, der Bahn ein neues Image zu verleihen.
2. warum hat DB nicht das IR-Netz ausgebaut anstelle das IC-Netz? Dass sich sowas lohnt, zeigten CH, BE und NL. Gut, diese Länder sind kleiner, dementsprechend die Reiseabstände kleiner und die Züge langsamer. Und das die NL-Schnitte für DE nicht reichen, wurde hier schon berichtet. Die CH-Schnitte durften nur geringfügig besser sein.
Das IR-Netz hatten wir ja.
Genau, im IR waren die gefahrenen Reiseweiten zu gering, als dass sie sich für die DB lohnen würden.
Das Flugzeug zu konkurrieren ist *in Deutschland* falsch?
Alphorn (CH), Freitag, 09.11.2012, 19:42 (vor 4899 Tagen) @ Oscar (NL)
Wohl eher: Das Flugzeug ist in Deutschland ein völlig uninteressanter Gegner...?
Man kann es sogar noch weiter einschränken: Heute in Deutschland. Vielleicht gabs ja früher mehr Inlandflüge, jetzt ist aber jedenfalls nicht mehr viel zu holen.
Ich kann mich irren, aber meines Wissens sind französische, spanische, italienische, chinesische und japanische Flugzeuge nicht langsamer als deutsche Flugzeuge = die Strecke Paris-Marseille hätte in etwa dieselbe Flugzeit als eine ähnlich lange deutsche Flugstrecke.
Wichtige Unterschiede: Die Verkehre dort sind mehr Punkt-zu-Punkt mit leerem Land dazwischen, daher gab es vor dem HGV sehr viele Inlandsflüge (Madrid-Barcelona war glaub ich die meistgeflogene Strecke der Welt). Zudem sind die HGV-Strecken dort billiger - Paris-Lyon hat keinen einzigen Tunnel.
So betrachtet hätte man in Frankreich auch auf den TGV verzichten und stattdessen die Bestandsstrecken für 160-200 km/h schnellen Corailzügen ausbauen können.
Ich bezog mich mit meinen Statistiken ja nur auf DE. In FR und ES war die Sitation vor HGV sicher anders, da gab's massenhaft Inlandsflüge.
Eine weitere Vermutung: in besagten Ländern wird gezielt geflogen, in Deutschland kreuz und quer durchs Land.
Einverstanden.
Das Ziel sollte also nicht sein, auf einigen wenigen Strecken schneller als das Flugzeug zu sein, sondern auf möglichst vielen (Umsteige-)Strecken schneller als das Auto.
Wenn das der Fall wäre:1. warum hat DB überhaupt mit dem ICE-Zeitalter angefangen? IC und IR hätten es mit 200-220 km/h doch auch getan. Mit dem Geld, das jetzt in den Rennbahnen steckt, hätte man landesweit Strecken für 200-220 km/h ausbauen können und wäre man zumindest nach schweizer Verhältnissen landesweit schneller als das Auto...
Prestige? Man wollte es sich nicht bieten lassen, dass die Franzosen schneller sind?
2. warum hat DB nicht das IR-Netz ausgebaut anstelle das IC-Netz? Dass sich sowas lohnt, zeigten CH, BE und NL. Gut, diese Länder sind kleiner, dementsprechend die Reiseabstände kleiner und die Züge langsamer. Und das die NL-Schnitte für DE nicht reichen, wurde hier schon berichtet. Die CH-Schnitte durften nur geringfügig besser sein.
Auf kurze und mittlere Distanzen reicht es, schneller als das Auto zu sein. Auf langen Distanzen wird wenig gereist, siehe die kleine Anzahl von Inlandsflügen, weswegen man diesen Markt getrost dem Flugzeug überlassen kann.
@Holger:
Und davon waren die Flieger auch sehr beeindruckt, es gab auch hier einen merkbaren Wechsel im Modal-Split vom Flugzeug hin zum ICE (Frankfurt-Hamburg, Frankfurt-München)
Zweifellos. Nur hätte man mit dem gleichen Geld wohl mehr Passagierkilometer auf die Schiene gebracht, wenn man sich auf kürzere Distanzen (Pendlerwege) konzentriert hätte.
wobei wir mit FRA-BER, FRA-HAM, FRA-MUC, MUC-HAM, MUC-CGN/DUS einige interessante Relationen haben, die im Blickfeld von HGV-Strecken stehen.
Wie gesagt: Wenn man die zu 100% auf die Schiene bekommt, hat man den FV nur um 27% gesteigert und den Schienenverkehr insgesamt um etwa 13%. Zum Vergleich: Die Schweiz hat (bei allerdings höheren Ausgaben) in den letzten 10 Jahren eine Steigerung von 52% erreicht.
Genau, im IR waren die gefahrenen Reiseweiten zu gering, als dass sie sich für die DB lohnen würden.
In der Schweiz ist halt auch Fernverkehr (teils indirekt) subventioniert, was sicher einen Teil des Erfolgs ausmacht. Aber mit weniger teuren Neubaustrecken könnte man sicher auch den deutschen HGV subventionieren. Das würde mehr Verkehr auf die Schiene bringen als eine HGV-Strecke Nürnberg-Berlin mit EINEM Zugpaar pro Stunde. Gerade letztere sehe ich als desatröse Fehlplanung, welche eigentlich hätte abgebrochen werden müssen (wieviele Mrd braucht's noch für die Fertigstellung?). Solln'se doch weiter fliegen.
Das Flugzeug als Konkurrenz ist ernstzunehmen
Henrik, Freitag, 09.11.2012, 22:52 (vor 4899 Tagen) @ Alphorn (CH)
Vielleicht gabs ja früher mehr Inlandflüge
Nein. Und es wird noch mehr geben, behält man den HGV nicht bei und baut ihn nicht weiter aus.
Der Flugverkehr ist als wichtiger Konkurrent ernstzunehmen.
(Madrid-Barcelona war glaub ich die meistgeflogene Strecke der Welt).
Nein, nicht ganz, aber immerhin in den Top15, s.o.
und an Stelle 1 von Europa - das noch immer.
Ich bezog mich mit meinen Statistiken ja nur auf D. In F und E war die Sitation vor HGV sicher anders, da gab's massenhaft Inlandsflüge.
Das ist nicht der Unterschied, s.o.
Das Ziel sollte also nicht sein, auf einigen wenigen Strecken schneller als das Flugzeug zu sein, sondern auf möglichst vielen (Umsteige-)Strecken schneller als das Auto.
Wenn das der Fall wäre:
1. warum hat DB überhaupt mit dem ICE-Zeitalter angefangen? IC und IR hätten es mit 200-220 km/h doch auch getan. Mit dem Geld, das jetzt in den Rennbahnen steckt, hätte man landesweit Strecken für 200-220 km/h ausbauen können und wäre man zumindest nach schweizer Verhältnissen landesweit schneller als das Auto...
Prestige? Man wollte es sich nicht bieten lassen, dass die Franzosen schneller sind?
reichlich albern.
sachlich historisch fachlich korrekte Hintergründe hab ich beschrieben, s.o.
2. warum hat DB nicht das IR-Netz ausgebaut anstelle das IC-Netz? Dass sich sowas lohnt, zeigten CH, BE und NL. Gut, diese Länder sind kleiner, dementsprechend die Reiseabstände kleiner und die Züge langsamer. Und das die NL-Schnitte für DE nicht reichen, wurde hier schon berichtet. Die CH-Schnitte durften nur geringfügig besser sein.
Auf kurze und mittlere Distanzen reicht es, schneller als das Auto zu sein. Auf langen Distanzen wird wenig gereist, siehe die kleine Anzahl von Inlandsflügen, weswegen man diesen Markt getrost dem Flugzeug überlassen kann.
Über kurze Distanzen, dem Stadt- und Regionalverkehr müssen wir uns hier nicht unterhalten, da lohnt sich HGV eh i.d.R. nicht.
Auf mittleren bis langen Distanzen -das sind die Reisedistanzen im FV- muss man doppelt so schnell fahren wie das Auto und halb so schnell wie das Flugzeug, um attraktive wettbewerbsfähige Reisezeiten bieten zu können
und Marktanteile vom MIV & Flugverkehr wieder zurückzugewinnen.
@Henrik:
Und davon waren die Flieger auch sehr beeindruckt, es gab auch hier einen merkbaren Wechsel im Modal-Split vom Flugzeug hin zum ICE (Frankfurt-Hamburg, Frankfurt-München)
Zweifellos. Nur hätte man mit dem gleichen Geld wohl mehr Passagierkilometer auf die Schiene gebracht, wenn man sich auf kürzere Distanzen (Pendlerwege) konzentriert hätte.
Die Betrachtung des anderen Problems ändert überhaupt nichts an der Lösung des einen Problems,
der Wettbewerbsfähigkeit der Bahn im Fernverkehr.
Die meisten Projekte, das meiste Geld ist stets in Vorhaben von "kürzere Distanzen" geflossen.
wobei wir mit FRA-BER, FRA-HAM, FRA-MUC, MUC-HAM, MUC-CGN/DUS einige interessante Relationen haben, die im Blickfeld von HGV-Strecken stehen.
Wie gesagt: Wenn man die zu 100% auf die Schiene bekommt, hat man den FV nur um 27% gesteigert
Wenn das mal nicht Anlass genug wäre, das zu forcieren (wenns denn so wäre).
Allein in den ersten Monaten des HGV hat sich der FV um bis zu 11% gesteigert und der Flugverkehr entsprechend deutlich zurückgegangen. 36% der Neukunden kamen vom Flugzeug.
Nach 2 Jahren lag der Anteil der Neukunden im ICE bei 20%.
Genau, im IR waren die gefahrenen Reiseweiten zu gering, als dass sie sich für die DB lohnen würden.
In der Schweiz ist halt auch Fernverkehr (teils indirekt) subventioniert, was sicher einen Teil des Erfolgs ausmacht. Aber mit weniger teuren Neubaustrecken könnte man sicher auch den deutschen HGV subventionieren.
Das macht keinen Sinn bzw. ist widersprüchlich.
Ohne Aus- und Neubauten kann man den ganzen Bahnverkehr auch einstampfen (wie es ja durchaus eine große Masse der Bevölkerung vor HGV wollte).
Gerade der Erfolg des HGV mit dem weltweit bekannten ICE hat das System Bahn wieder attraktiv und gesellschaftsfähig gemacht.
Es wird nicht zuviel, sondern zu wenig in dieses System investiert (vgl. auch Posting von hfrik).
Besser einige Millionen mehr für ABS & NBS ausgeben und sie bauen
anstatt den Status-Quo belassen und dann umso mehr Milliarden Subventionen für den laufenden veralteten Betrieb einsetzen.
Das würde mehr Verkehr auf die Schiene bringen als eine HGV-Strecke Nürnberg-Berlin
Indem man Bahnstrecken nicht aus- und neubaut bringt man nicht mehr, sondern weniger Verkehr auf die Schiene.
ICE als IC+
Lars(DK), Samstag, 10.11.2012, 13:08 (vor 4898 Tagen) @ Henrik
Hej Henrik
Du hast mit Deinen Betrachtungen völlig recht: in den Publikationen der 1980er unterstrich die DB immer wieder, dass das ICE-System die Weiterentwicklung des bestehenden und sehr erfolgreichen IC-Systems war, schnelle Züge für die schnellen Strecken im bestehenden System. Dieses IC-System wurde bei der Einführung des ICE ja auch nicht grundlegend umgelegt, sondern beschleunigt. Und wie Du richtig schreibst, waren hierfür die NBS H-WÜ und MA-S zentrale Beschleuniger. Es war also damals nicht geplant, ein eigenständiges HGV-Netz zu konzipieren, gerade weil das IC-System so erfolgreich und für die Bonner Republik perfekt angelegt war. In diesem System waren die Korrespondenzknoten (H/DO/MA/WÜ, später auch F)die eigentlich systembestimmenden Faktoren, da um sie herum das Netz geknüpft wurde. Und die eigentliche Genialität des Systems lag ja darin, erkannt zu haben, dass ein Zug H-MA ca. eine Stunde langsamer war als DO-MA, wodurch die Korrespondenz versetzter Takte erst möglich war.
Die Deutsche Einheit hat diese Netzentwicklung natürlich ziemlich verändert, aber H-WÜ ist ja durch diese Einheit noch gestärkt worden, sozusagen zum Zentralkorridor.
Ich habe das deutsche IC-System immer als einen sehr grossen Wurf betrachtet, und finde es schade, dass durch die heutigen "Löcher" (Taktlücken, Ausfalltage, 2-Stundentakt) dieses System geschwächt ist. Auch die preisliche Aufteilung macht m.E. wenig Sinn, weil der ICE eben kein eigenständiger HGV ist, sondern IC-Verkehr, der auf Linien mit HGV-Anteil mit entsprechenden Zügen abgewickelt wird. Für ein eigenständiges stündliches oder selbst zweistündliches ICE-Sprinternetz, das über dem IC(E)-Netz läge, würden sicherlich die Kunden fehlen (wie auch damals der TEE als eigenständiges Zusatzangebot nicht wirtschaftlich war), obwohl ich persönlich gerade auch als ICE-Fan eine solches Premiumnetz sehr attraktiv fände.
Bg
Lars
Wiedervereinigung, D/IR-Zug, Trennung FV/NV, Landesgröße
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 12.11.2012, 11:56 (vor 4896 Tagen) @ Lars(DK)
Hallo Lars(DK),
...dass das ICE-System die Weiterentwicklung des bestehenden und sehr erfolgreichen IC-Systems war, schnelle Züge für die schnellen Strecken im bestehenden System. Dieses IC-System wurde bei der Einführung des ICE ja auch nicht grundlegend umgelegt, sondern beschleunigt. Und wie Du richtig schreibst, waren hierfür die NBS H-WÜ und MA-S zentrale Beschleuniger.
...
Ich habe das deutsche IC-System immer als einen sehr grossen Wurf betrachtet, und finde es schade, dass durch die heutigen "Löcher" (Taktlücken, Ausfalltage, 2-Stundentakt) dieses System geschwächt ist.
Bis 1989 sah das ganze eigentlich gut aus. Es gab in etwa 5 stündliche IC-Linien, welche kreuz und quer durchs Land einen Stundentakt erstellten. Die Situation wäre mit NL vergleichbar: auch bei uns ein meist sauber vertaktetes Netz, allerdings waren/sind bei uns die Reisegeschwindigkeiten langsamer.
Man kann sich also die Frage stellen, warum man das irgendwie aufgegeben hatte.
Meine Vermutungen (CMIIW):
1. Wiedervereinigung. Berlin, Leipzig und Dresden (ggf. auch Rostock, Magdeburg, Stralsund, Erfurt, Chemnitz?) mußten angebunden werden. Und ja, nach Berlin kommt man ab Hamburg, NRW, Frankfurt und München auch heute noch stündlich. DB war aber der Meinung, dass ein IC-Stundentakt nach Leipzig und Dresden sich nicht lohnte. Fortfahrend kann man sich aber fragen, warum sich das nicht lohnte. War das Geschäftsmodell eines eigenwirtschaftlichen Fernverkehrs nicht richtig?
2. Aufgabe des D-Zuges und des Interregio. Aus D-Zug entstand der Interregio = ein vertakteter D-Zug. Grundtakt war ein 2h-Takt; der IC blieb nach wie vor 1h-Takt. Irgendwie lohnte es sich z.B. dann doch nicht, zweistündlich mit einem Pseudo-Fernzug [1] von irgendwo nach Oberstdorf zu karren. Als dann auch noch der IR eingestellt wurde, mußte der IC diese Aufgaben übernehmen; Otto möchte nach wie vor direkt nach Oberstdorf reisen. Und so wurde der stündliche IC(E) mit zweistündlichen ICs und sogar Einzelstücke bereichert.
3. strikte Trennung FV/NV. Das bei 2 geschilderte Problem hat es in NL niemals gegeben. Klar, bei uns wurde der IR ("sneltrein") auch aufgegeben und übernahm der IC diese Aufgaben, aber der Takt ist geblieben oder sogar verbessert. 2015 sollen die letzten Stundentaktinseln im Kernnetz entfernt sein, dann gibt es integralen Halbstundentakt (in dichten Regionen durch Überlagerung mehrerer Linien 15- oder sogar 10-Minutentakt).
4. Umfang des Landes. Länder wie NL, BE, CH und DK sind relativ klein und können mit 2-3 Zuggattungen auskommen.
In Ländern wie DE, FR, ES und IT geht das nicht. So verkehren in Italien Züge namens "Eurostar Italia" mit 3 unterschiedlichen Haltepolitiken. Dazu kommen noch "EurostarCity" und "IC"s, und im Nahverkehr "interregionale", "regionale" und "suburbane". Macht also 8 Zuggattungen.
Andererseits: Frankreich hat für die Rennbahnen die TGVs und fürs Altnetz "intercités", zwei Kategorien TER (etwa "schnell" und "langsam") und einige Städteregionen noch S-Bahn-artige Züge (z.B. Paris: RER, Transilien; Mulhouse: "tram-train"). Und das ganze soll mit dem "cadencement" doch auch zusammen funktionieren können.
Somit konnte NL das bei 2 geschilderte Problem einfach beheben, DE aber nicht.
Für ein eigenständiges stündliches oder selbst zweistündliches ICE-Sprinternetz, das über dem IC(E)-Netz läge, würden sicherlich die Kunden fehlen (wie auch damals der TEE als eigenständiges Zusatzangebot nicht wirtschaftlich war), obwohl ich persönlich gerade auch als ICE-Fan eine solches Premiumnetz sehr attraktiv fände.
Betrachten wir nochmal Hamburg-München. Zwischenhalte sind Hannover, Göttingen, Kassel, Fulda, Würzburg, Nürnberg und Ingolstadt (HH Harburg habe ich einfacherweise nicht mitgerechnet). Macht 9 Haltestellen.
Dies ergäbe 9*(9-1) = 72 mögliche Direktverbindungen.
Wenn Reisende vor allem die komplette Strecke fahren (oder zumindest 500-600 km davon), dann ist ein Sprinternetz lohnender als wenn die Durchschnittswert bei 200-300 km liegt und 600 km eher eine kleine Nische ist. Im letzten Fall kann man besser Taktknoten oder Linienkorrespondenze errichten. Vermutlich durfte die zweite Situation Deutschland betreffen.
Anderswo im Thema hat Mario auch weitere Gründe für HGV-Strecken und -Umfahrungen genannt. Ich kann mich vorstellen dass man auch im Voraus planen muß. Wenn man jetzt die benötigte Sprinter-Infra baut, dann hat man die Infra schon, wenn der Bedarf entsteht und bracht man zur Zeit nicht zu sagen: "alles gut und schön, diese Sprinter, aber wir sind gerade mit dem Bau der Sprinterinfra angefangen".
Nur schade, dass sich sowas nicht leicht planen läßt.
gruß,
Oscar (NL).
[1] auch wenn DB den IR immer als "besserer Nahverkehr" betrachtete, war er für Otto Normalbahnfahrer ganz klar ein Fernzug.
--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
Das Flugzeug zu konkurrieren ist *in Deutschland* falsch?
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 12.11.2012, 14:06 (vor 4896 Tagen) @ Alphorn (CH)
Hallo Alphorn (CH),
Wichtige Unterschiede: Die Verkehre dort sind mehr Punkt-zu-Punkt mit leerem Land dazwischen, daher gab es vor dem HGV sehr viele Inlandsflüge (Madrid-Barcelona war glaub ich die meistgeflogene Strecke der Welt). Zudem sind die HGV-Strecken dort billiger - Paris-Lyon hat keinen einzigen Tunnel.
Man soll nicht vergessen, dass Paris-Lyon in einem Zeitalter gebaut wurde, in der die Einspruchmöglichkeiten in FR noch sehr gering waren. Aktuell kriegt man in FR die LGVs auch nicht mehr so einfach hin.
So wird die Rennbahn Bordeaux-Toulouse vorerst nicht gebaut, nachdem eine lokale Landwirtin geklagt hatte, dass der TGV die spezifischen Flussnebel ihres Weingartens (und damit den spezifischen Geschmack ihres hochexklusiven Dessertweines) stören würde.
Und ob z.B. Madrid-Barcelona pro Kilometer billiger ist? Bin ich mir nicht sicher.
Als ich 2007 die Strecke Madrid-Lleida gefahren war, war der Tunnelanteil zwar gering, aber waren dafür komplette Bergketten zerklüftet / weggesprengt / weggegraben.
1. warum hat DB überhaupt mit dem ICE-Zeitalter angefangen? IC und IR hätten es mit 200-220 km/h doch auch getan. Mit dem Geld, das jetzt in den Rennbahnen steckt, hätte man landesweit Strecken für 200-220 km/h ausbauen können und wäre man zumindest nach schweizer Verhältnissen landesweit schneller als das Auto...
Prestige? Man wollte es sich nicht bieten lassen, dass die Franzosen schneller sind?
Das darf bis 1991 stimmen. Deutschland hatte das blaue Band der Schiene, bevor Frankreich es dann endgültig zurückeroberte. Aber seit 1991 sind in DE, obwohl keinen Anlaß für echten HGV bestand, noch viele Rennbahnen gebaut worden. Diese können also nicht mit dem Wettkampf der Franzosen zu tun haben.
Übrigens sollten die Chinesen inzwischen den schnellsten Serienzug haben. Das größte HGV-Netz haben sie ohnehin. Auch in Spanien liegen schon mehr HGV-Strecken als in Frankreich. Die wirkliche Konkurrenz kommt also nicht mehr aus Frankreich.
Auf kurze und mittlere Distanzen reicht es, schneller als das Auto zu sein. Auf langen Distanzen wird wenig gereist, siehe die kleine Anzahl von Inlandsflügen, weswegen man diesen Markt getrost dem Flugzeug überlassen kann.
Nur schade, dass in Deutschland das Auto, limitfreie Autobahnen sei Dank, auch als "Straßenflugzeug" verwendet wird. Dadurch wird es einer Bahn schwieriger, das Auto zu bekonkurrieren.
Allerdings:
1. auf vielen Autobahnen gibt es inzwischen (abschnittsweise) Tempolimit 130;
2. vermutlich wird der fehlende Tempolimit nicht der entscheidende Vorteil eines Autos sein = auch bei Tempolimit 130 wäre das Auto vs. die Bahn im Vorteil, siehe Niederlande. Zwar sind bei uns die vmax der Bahn niedriger, aber dafür gibt es in Deutschland wohl mehr Lafas. Die Netzgeschwindigkeiten beider Netze (und darum geht's beim Vergleich Bahn vs. Auto!) durften also nicht so weit unterschiedlich sein als die vmaxe.
In der Schweiz ist halt auch Fernverkehr (teils indirekt) subventioniert, was sicher einen Teil des Erfolgs ausmacht.
Bei uns verdient NS so viel an den "Fernverkehr" (IC), dass sie damit verlusttragende Regionalbahnen quersubventionieren kann... oder sich die Präsenz dieser Webseiten leisten kann.
(...obwohl man letzteres Übel auch als "Opfer des eigenen Erfolgs" erklären kann...)
Ein Verfahren, dass in Deutschland wegen strikter Trennung FV/NV unmöglich ist.
gruß,
Oscar (NL).
--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
Diskussion: warum rentieren NBS in Deutschland so wenig?
Frank Augsburg, Ansbach, Donnerstag, 08.11.2012, 22:51 (vor 4900 Tagen) @ Oscar (NL)
Hallo Oscar,
wie gehts denn so? Lange nicht mehr gesehen... (Fototour 2011 Mannheim - Stuttgart? Oder war es 1 Jahr vorher?).
Statt irgendwelcher Renditen nachzuhecheln beschränke ich mich mal auf Deine 5 Abschlußfragen:
Aber vielleicht liegt das "Problem" irgendwo anders:1. Sind wir ICE-Fans einfach zu kritisch?
Meine Wahrnehmung ist eher gegenteilig, jedenfalls was das Forum allgemein und speziell die hiesige Diskussion angeht. Die finde ich schon sehr speziell.
2. Ist vieles, was wir ICE-Fans im Gedanken haben, mehr oder weniger irrationelles Wunschdenken?
Hm, gut, muß man unterscheiden zwischen irrational und Wunschdenken. Da würde ich sagen: Irrational nein, Wunschdenken ja. Mindestens was z. B. die Diskussion um verschiedene Neu-/ Ausbaustreckenträume angeht. Herr Ramsauer hat eben wieder mal erwartungsgemäß die Autobahnen und Landstraßen bedacht. Was den Bundes- Verkehrs- Wegeplan schienenseitig angeht sind die Dinge auch recht zementiert (und Neues ist gegenwärtig nicht in Sicht). Über alles, was außerhalb dessen steht, kann man freilich diskutieren, erleben wird es maximal mein Enkel. Ich vielleicht auch noch, wenn ich alt genug dazu werde.
3. Wissen wir ICE-Fans nur halbwegs, was sonstwo abgeht? Sind die Franzosen (Spanier) mit ihren TGVs (AVEs) wirklich zufrieden oder bedauern die auch die mangelnde Qualität ihres Altnetzes?
Nun, dank u. a. Deiner Meldungen aus allen möglichen Teilen dieser Welt ist der Info- Gehalt "von woanders" sehr hoch. Ob "die da" (die Franzosen, die Spanier) irgendwas bedauern, erschließt sich daraus weniger, ist aber auch nicht die Aufgabe solcher Meldungen und bleibt daher hie wie da subjektiv.
4. Versuchen wir ICE-Fans verkrampft Erfolgsmodelle anderer Bahnen auf Deutschland zu übertragen, während das gar nicht geht?
Wenigstens was den Vergleich mit der Schweiz angeht: Ja. Ich bin ein großer Fan der Schweizer Bahnen. Aber 1:1 auf Deutschland übertragbar ist das Modell nicht.
5. Betrachten wir die Problematik zuviel aus der Perspektive eines ICE-Fans und zu wenig aus der von Otto Normalbahnfahrer?
Da hier neben den Bahnern auch viele dabei sind, die beruflich mit der Bahn nix am Hut haben, dürfte sich das die Waage halten.
Fragen über Fragen. Was meint Ihr?
Das habe ich gemeint. Ob es wem paßt oder nicht.
Schönen Gruß aus Ansbach
Frank
--
"Die Ferne ist ein schöner Ort,
doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Die Ferne ist wo ich nicht bin,
ich geh und geh und komm nicht hin."
(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)
Diskussion: warum rentieren NBS in Deutschland so wenig?
218 466-1, Red Bank NJ / ex-Ingolstadt, Freitag, 09.11.2012, 04:18 (vor 4900 Tagen) @ Oscar (NL)
Kurtz die NBS-Kritik aus meiner Sicht:
- Zu hohe Trassengebühren. (NIM und KRM 4x so hoch wie auf normalen Strecken)
- Der Zeitgewinn wird auf dem übrigen Laufweg wieder verschwendet (ICE Berlin-Nürnberg-München machen nördlich der NIM eine sightseeing tour).
- Eingeschränter Fahrzeugeinsatz. Bei >250 km/h müssen die Züge druckertüchtigt (p) sein. Viele IC-Wagen wurden aber diesbezüglich wieder zurückgebaut. Darum können die meisten noch Lokbespannten IC auch die NIM nicht befahren. (Außer wenn die HG wird per LZB auf 250 km/h begrenzt wird. Planmäßig fahren aktuell keine IC auf der NIM)
- Zu starke Steigungen auf der KRM. Außer ICE 3 (403, 406, 407) und künftig evtl. AGV darf nichts anderes auf dieser Strecke fahren.
- Kein Regionalverkehr auf der KRM. ICE müssen die Bedienung der Zwischenstationen mit übernehmen. Eigene RE 300 (rote 407) Köln-Frankfurt und dafür keine ICE-Halte mehr in Siegburg/Bonn, Montabaur und Limburg-Süd wären besser um die ICE zu beschleunigen.
- Mitbenutzung von Altstrecken, die nicht- oder nur begrenzt ausgebaut werden können. Der Transrapid hätte dieses Problem nicht gehabt.
Grundsätzlich sind neue SFS durchaus sinnvoll. Nur sollte deren Potential richtig ausgeschöpft werden und beim Bau etwas weitsichtiger agiert werden, statt an der falschen Stelle zu sparen.
--
Dieser Beitrag gibt (sofern nicht anders gekennzeichnet) allein die Meinung der Verfasserin wieder
MET - Der beste Zug den es je gab
![[image]](https://i.ibb.co/3FX2shg/signature-met.png)
Diskussion: NBS in Deutschland
lokuloi, Freitag, 09.11.2012, 16:23 (vor 4899 Tagen) @ Oscar (NL)
Hallo ICE-Fans,
Fragen über Fragen. Was meint Ihr?
gruß,Oscar (NL).
Hallo Oscar, hallo Forum,
ich betreib hier mal Beitrags-Recycling und baue um etwas, was ich schon vor längerem geschrieben hab, mal die Antwort auf. Deshalb geht’s auch nicht genau um Deine Frage, aber ich denke trotzdem genau um den hier diskutierten Themenkomplex „NBS in Deutschland“
- föderalistische Verkehrsgeographie
-------------------------------------
Gerade weil es keine zentrale übergeordnete Stadt gibt, stellt sich die Nachfrage in Deutschland eher zwischen benachbarten übergeordneten Zentren ein. Wenn die dann noch in einem Bundesland liegen, umso besser. So dürfte z.B. die Nachfrage zwischen Nürnberg und München deutlich größer sein, als die Nachfrage dieser beiden Städte z.B. nach Hamburg, oder selbst Berlin.
Auch hierzugroup wird ja oft genug betont, dass das Auto und nicht das
Flugzeug der eigentliche Konkurrent der Bahn ist, auch deswegen ist vor
allem ein Bau von Strecken zwischen benachbarten Ballungsräumen sinnvoll.
So war ich z.B. 2010 8 Mal per Bahn in Nürnberg
(von München aus), ich gehe davon aus ohne die NBS hätte von diesen
Fahrten genau eine mit dem Zug stattgefunden (nämlich die private), und
die evtl. mit Bayernticket anstatt ICE.
Inzwischen hat sich bei mir die Nachfrage eher in Richtung Stuttgart verlagert. Hier würde mit einer SFS zwischen Ulm und Stuttgart auch jedes Mal eine Stunde bringen (eine halbe hin, ein halbe zurück)
Ob hingegen die Flüge nach Hamburg im privaten wie geschäftlichen Umfeld bei
einer Fahrzeit von sagen wir mal 4:30 Stunden dann mit dem Zug
stattgefunden hätten wage ich zu bezweifeln.
Insgesamt kann ich sagen, dass bei mir – ich kann aber jetzt nicht sagen wie repräsentativ ich da bin – der überwiegende Teil der Fernfahrten nach Stuttgart oder Nürnberg stattfinden, weiterführende nach Berlin oder Hamburg hingegen eher selten.
Von dem her scheint es nicht völlig sinnlos, dass es z.B. in den -
bekanntlich etwas wirtschaftsstärkeren - südlichen Bundesländern
Neubaustrecken zwischen den jeweils beiden größten Ballungsräumen gibt,
also Stuttgart - Mannheim und München - Nürnberg.
Auch die NBS Köln - Frankfurt ist aus westdeutscher Sicht mehr als
verständlich, wurde hier ja auch schon angesprochen, und verbindet auch
benachbarte Ballungsräume, und nicht einen am einen Ende der Republik mit
einem am anderen.
Deshalb ist in meinen Augen auch München - Stuttgart (zwei nicht völlig
unbedeutende süddeutsche (Wirtschafts-)Zentren prädestiniert für eine
Schnellfahrstrecke. Nicht umsonst steht die Verbindung seit 25 Jahren im
BVWP.
Dass man dann nach der Wiedervereinigung aber erst einmal Berlin
angebunden hat, ist ebenfalls plausibel, vor allem ins "benachbarte"
Hamburg, so hat man auch die zwei größten deutschen Städte verbunden. Auch so eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung zwischen benachbarten übergeordneten Zentren.
Uns siehe da, so entsteht durch viele Punkt-zu-Punkt-Verbindungen
zwischen benachbarten Städten/Ballungsräumen, nach und nach ein Netz aus
Schnellfahrstrecken.
Aber es ist klar, dass z.B. eine Verbesserung der Verbindung München – Nürnberg im Gesamtdeutschen Verkehrsaufkommen „untergeht“, während eben z.B. Zürich – Bern sich im gesamtschweizerischen durchaus bemerkbar macht. Das gälte auch für alle anderen Strecken. Interessanter wäre eher, ob sich die Inbetriebnahme der NIM auf das Bahnfahrverhalten der Bayern messbar ausgewirkt hat. Ich hab dazu leider keine Zahlen. Zwischen München und Nürnberg soll es aber schon im ersten Jahr zu Steigerungen um 30% gekommen sein. Das ist ja nicht zu verachten, von nicht erfolgreich möchte ich deshalb hier nicht sprechen. Mein Eindruck ist auch, dass die Züge zu allen Tageszeiten ganz gut gefüllt sind.
- Netzform
----------
So ist es natürlich auch legitim ein "systematisches" Netz für Deutschland zu entwerfen. Natürlich wird das kein Radialsystem auf eine Zentrale zu sein, wie in Frankreich.
Als Knotenpunkte eignen sich in Deutschland in meinen Augen die Städte
über 500.000 Einwohner die sich schön im Lande verteilen, mit etwas
Gewalt bilden sie sogar Kreise um Berlin herum. So ergibt sich
also für Deutschland ein Radial-Ringsystem mit einem inneren und einem
äußeren (Fast-)Halbring:
Wenn man jetzt schaut, wo auf diesem Netz auf langen Abschnitten noch
nicht mindestens 200 km/h gefahren wird, dann ist das vor allem Leipzig -
Frankfurt, Leipzig - Nürnberg und München - Stuttgart, und siehe da,
die sind gerade in Bau. Evtl. steckt also doch etwas sinnvolles (evtl.
gar ein Plan?) hinter den Strecken für mindestens 200 km/h in Deutschland.
Natürlich würde man, würde man neu beginnen dieses Netz aufzubauen, oder
hätte man früher von der Wiedervereinigung gewusst, dieses Netz in einer
anderen Reihenfolge aufbauen. Vermutlich würde man sich sogar den
"inneren" Ring zwischen der Frankfurter und der Münchner Radiale ganz
weglassen. Für diesen würde dann ein Neigetechnikausbau o.ä reichen.
Aber das konnte man ja nicht wissen.
- 200 km/h vs. 300 km/h
----------------------------
Dabei bleibt festzuhalten, dass nur da Neubaustrecken gebaut wurden und werden, wo ein sinnvoller Ausbau der bestehenden Strecken auf 200 km/h nicht möglich war und ist. Und dann ist es m.M.n. sinnvoll gleich für 250 bzw. 300 km/h auszubauen. Eine 200 km/h-NBS Würzburg – Hannover wäre sicher nicht wesentlich billiger ausgefallen, der Fahrzeitgewinn aber deutlich geringer.. Man sieht es auch an den 230-km/h-ABSen Hamburg – Berlin und München – Augsburg. Die waren auch nicht gerade ein Schnäppchen. Warum sollte man also auf den zusätzlichen Zeitgewinn verzichten, wenn man ohnehin eine neue Strecke bauen muss, um überhaupt halbwegs brauchbare Fahrzeiten zu erreichen.
Ich denke, dass sich diejenigen, die sagen: auf 250km/h-NBSen verzichten, und dafür flächendeckend für 200-230km/h ausbauen sich in die eigene Tasche lügen. Mit einer niedrigeren Ausbaugeschwindigkeit spart man bei einer neuen Strecke nicht viele Kosten, aber es schmälert den Nutzen.
Dass man, wenn sinnvoll, auch auf Höchstgeschwindigkeit verzichten kann, sieht man ausgerechnet an der viel gescholtenen NBS Wendlingen – Ulm, die nur für 250 km/h trassiert wurde, um „Sprungkosten“ zu vermeiden, und ein Bündelung mit der A8 zu ermöglichen.
- NBS Ebensfeld - Erfurt
------------------------
Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass der Ast N - L
(bzw. M - B im Großen) überhaupt keinen Hochgeschwindigkeitsausbau
benötigt, dann erübrigt sich sowieso jede Diskussion. Aber die immer
wieder in den Raum geworfenen Alternativen sind für mich nicht überzeugend:
230 km/h-NT-Neubaustrecke mit großen Steigungen:
Die NT hat sich nun nicht gerade als "betriebsfest" erwiesen. Eigens
dafür Neubaustrecken zu bauen erscheint mit nicht so zielführend. Die
Fahrzeitreduktionen wie mit der NBS Ebensfeld-Erfurt wären damit nicht
möglich, und sie wäre nicht güterzugtauglich. Daraus ergibt sich ein
wesentlich geringer Nutzen.
300 km/h-NBS a la Köln-Rhein/Main:
Auch hier hätte man eine Beschränkung auf einen Fahrzeugtyp und keine
Güterzugtauglichkeit, mithin wirklich zu wenig Verkehr auf der Strecke.
Geringer Nutzen -> nicht planfeststellungsfähig
gar kein Ausbau, ICEs über Augsburg - Kassel:
Sicherlich die billigste Lösung (hier wäre ja auch schon auf Nürnberg -
Ingolstadt verzichtet worden). Aber von den Fahrzeiten her weit von den
Neubaustrecken entfernt. Außerdem scheinen mir da in Nürnberg und
Leipzig doch mehr Potential zu liegen. Man würde also nicht nur einen
Umweg fahren, sondern auch noch das auf dem direktem Wege liegende
Aufkommen nicht mitnehmen
Bei all dem müsste man die Strecke Leipzig - Erfurt trotzdem für die
Radiale Berlin - Frankfurt bauen (der direkte Weg führt nunmal da lang)
Wenn man sich also entschließt, sowohl Berlin - Frankfurt als auch
Berlin - München auf möglichst direktem Wege mit Schnellstrecken zu
erschließen, liegt die Lösung diese Strecken möglichst lange zu bündeln,
nämlich bis Erfurt, geradezu auf der Hand.
"Natürlich" wurde bei den Alternativbetrachtungen der NBS
Ebensfeld-Erfurt davon ausgegangen, dass man die NBS Leipzig - Erfurt
sowieso baut, bzw. wurde diese als gegeben vorausgesetzt. Das ist in
meinen Augen auch vollkommen legitim, diese beiden Vorhaben
zusammenzufassen, und den Gesamtaufwand für beide Projekte zu
betrachten. Umgekehrt, also jedes für sich zu betrachten, wäre es falsch.
Was ich auch nicht verstehe, ist, dass gerade diejenigen gegen
Ebensfeld-Erfurt sind, die auf der anderen Seite bedauern, dass es
zwischen Hamburg und München keine "durchgehende" Schnellstrecke gibt.
Für Berlin - München wird das damit geschaffen. Ist hier das Aufkommen
so viel geringer?
Hier wären doch mal die Flugzahlen interessant, der Vergleich HAM - MUC
: BER - MUC also.
Hier wird also eine Verbindung für Berlin - München in 4 Stunden (eher
3:45) geschaffen, die so mit keiner Alternative erreicht werden kann.
Die dazwischen liegenden Städte sind gleich zu bewerten wie auf der
Relation Hamburg - München, der Bündelungseffekt für den Frankurter und
den Münchner Ast ähnlich (HH - FD vs. B - EF). Ich seh da einfach keinen
Unterschied, außer dass München - Berlin kürzer ist, und vom
Einwohnerpotential auch mehr Aufkommen haben müsste.
Ciao,
Uli
![[image]](http://www.bahnknoten-ingolstadt.de/pics/collage.jpg)