Vielen Dank für den schönen Bericht! (Reiseberichte)

Twindexx, St. Gallen (CH), Montag, 10.09.2012, 00:25 (vor 4942 Tagen) @ TD

Hoi,

Wir machen uns etwas zeitiger auf den Weg zum Bahnhof, weil sich unerwartet noch ein Tarifproblem ergeben hat. Die Fahrt hatte ich nämlich vor einigen Wochen am SBB-Schalter in Konstanz gebucht, dort hatte man mir nach einem Blick auf den Kalender eine 9-Uhr-Tageskarte verkauft („Sie fahren ja an einem Mittwoch, da gilt die Karte“). Nun habe ich gestern Abend im Hotel zufällig erfahren, dass hier heute ein Feiertag ist, nämlich Auffahrt (Mariä Himmelfahrt) und wir nun keine gültige Fahrkarte haben, da die 9-Uhr-Tageskarte nicht an Sams-, Sonn- und Feiertagen gilt, da steht auch groß drauf.
„Ja, heute ist Feiertag. Nein, die 9-Uhr-Tageskarte gilt heute nicht. Nein, die können Sie nicht umtauschen, es steht doch ‚keine Erstattung‘ drauf“ – gut dass es nicht bei dieser Auskunft bleibt. Nachdem ich die Reservierung zeige und versichere, dass mir beides zusammen für den heutigen Tag verkauft wurde, ruft der Schaltermitarbeiter irgendwo an und schreibt uns dann die Tageskarte auf der Rückseite gültig – Problem gelöst. Wobei: den Vermerk auf der Rückseite werden wir gar nicht benötigen, denn kein Zugbegleiter merkt, dass die Fahrkarte heute gar nicht gilt.

Mariä Himmelfahrt ist kein nationaler Feiertag in der Schweiz, daher gilt dieser Tag bei den SBB als national tätiges Unternehmen überall als normaler Mittwoch. Deshalb hat sich auch kein Zugbegleiter für den Vermerk interessiert. Mariä Himmelfahrt ist nur in einzelnen Kantonen oder Gemeinden ein Feiertag. Ich musste da auch immer zur Schule oder zur Arbeit.
Ein ähnlicher Fall ist der erste November. Dieser Tag ist im Kanton St. Gallen ein Feiertag, national ist es keiner. Daher fahren in der Stadt und im Kanton St. Gallen an diesem Tag alle Busse nach Sonntagsfahrplan, die SBB bieten aber das volle Programm mit allen HVZ-Verstärkern.

Übrigens ist Mariä Himmelfahrt nicht Auffahrt, Auffahrt ist Christi Himmelfahrt. Und Christi Himmelfahrt ist dann wieder ein nationaler Feiertag.

Zum einfacheren Verständnis: http://de.wikipedia.org/wiki/Feiertage_in_der_Schweiz (Besonders der Teil über die Regelungen bei überregional tätigen Unternehmen, wo die SBB extra erwähnt werden, ist hier von Belang)


Von den Goodies, die du im Salon Liberté bekamst, bin ich ja schwer beeindruckt, dass unsere Bundesbahnen so etwas bieten. Nur Schade, dass die Stühle nicht mehr in den Kehren drehen. Das war eigentlich das gewisse Extra dieses Wagens.

Die SBB besitzen noch neben dem Salon Liberté drei weitere exklusive moderne Salonwagen. Die zwei Salon de Luxe und den Salon Forum. Der Salon de Luxe kommt beispielsweise bei Staatsbesuchen zum Einsatz (ja, in der Schweiz werden ausländische Würdenträger nicht in der Limosine vom Zürcher Flughafen nach Bern befördert, sondern per SBB-Extrazug).
Und natürlich können alle diese vier Wagen gemietet werden: RailAway-Broschüre

Für das letzte Stück des Heimwegs wählen wir nicht den schellen Weg über Zürich, sondern den schönen Weg mit dem Voralpen-Express nach Romanshorn. Der Zug verkehrt im Stundentakt als InterRegio und wird gemeinsam von Schweizerischer Südostbahn und den SBB betrieben.

Ab Dezember 2013 wird die SOB den Zug alleine betreiben. Die Wagen werden dann vollständig in SOB-Besitz übergehen und es wird keine Umläufe mehr mit SBB - Re 4/4 II geben, die SOB wird alle Loks selbst stellen.

Auf dem Seedamm von Rapperswil fahren wir dann über den Zürichsee. Unterwegs bauen wir allerdings etwas Verspätung auf und auch beim nächsten Halt in Rapperswil stehen wir auffällig lange. Hinzu kommen sonderbare Manöver, wir fahren kurz rückwärts, halten an, fahren vorwärts an, halten nochmals und dann geht’s erst los.

Wir fahren nun durch den über 8 Kilometer langen Rickentunnel und erreichen auf der anderen Seite das Toggenburg. Eine Durchsage bestätigt nun, was ich bereits geahnt habe: es gibt eine technisches Störung an der Lok. In Herisau heißt es deshalb umsteigen, am Gleis gegenüber steht schon eine Ersatzgarnitur bereit. Das Umsteigen geht zwar recht flott, aber trotzdem haben wir mittlerweile 10 Minuten Verspätung. Soll es uns nun so ergehen wie bei der der letzten Tour, dass wir hunderte Kilometer durch Europa fahren und dann kurz vor der Haustür noch etwas schief geht?

Da war die Lok wenigstens schon am richtigen Ort, in Herisau ist nämlich eine der beiden Werkstätten der SOB. Deshalb stand die Reservekomp. schon bereit. Es tut mir Leid für dich, dass du dadurch eine derartige Verspätung bekommen hast. Ich kann dich aber trösten, ich bin auch mal mit dem VAE aus Luzern mit zehn Minuten Verspätung in St. Gallen angekommen und ich fuhr auch in der ersten Klasse ;-)
Wie es dazu kam:
In Wattwil konnten wir erst mit +5' abfahren, weil der Gegenzug verspätet war. Als wir dann zwischen Mogelsberg und Degersheim gleich nach einem kleinen Tunnel eine Schnellbremsung machten, konnte ich gleich sehen, dass sich vor uns auf dem Gleis einige Esel befanden. Der Lokführer rief einem Bauern zu, der neben einer Scheune am arbeiten war. Währenddessen lief der Zugbegleiter fluchend durch den Wagen nach vorne. Es war zu erfahren, dass der Gegenzug seine Verspätung auch schon wegen diesen Eseln erhalten hatte. Nachdem dann der Lokführer mit dem Bauern zusammen die Esel vom Gleis getrieben hatte, konnten wir wieder weiterfahren.

Und es kommt wie befürchtet, in Romanshorn ist der Anschluss weg. Das ist bei dem Halbstundentakt auf der Strecke kein Weltuntergang, aber dadurch ist auch unser schneller Anschlussbus in Konstanz weg, wir werden eine fast Stunde später zu Hause ankommen - und damit wieder alle Klischees erfüllen: ist doch klar, wer mit der Bahn verreist kommt nicht pünktlich an...

Es wird in der Schweiz nunmal nur maximal drei Minuten gewartet. Trotzdem wurden in der Schweiz während den ersten sechs Monaten in diesem Jahr 98.3% aller Anschlusszüge erreicht. Das sind 0.5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Es tut mir Leid für dich, dass du einen der 1.7% der Fälle erleben musstest, in denen der Anschluss nicht erreicht wurde.
Auch wir kochen nur mit Wasser. Allerdings hast du bei deinen diesjährigen Reisen in der Schweiz offensichtlich aussergewöhnlich viel Pech.

In Kreuzlingen steigen wir ein letztes Mal um, wiederum ein GTW von Thurbo bringt uns über die Grenze. Von der Fahrt habe ich allerdings keine Bilder mehr, denn die verbringen wir stehend vor der Tür. Nicht, weil es keine Sitzplätze mehr gibt, sondern weil ich beim Blick auf den Fahrplan festgestellt habe, dass noch eine kleine Chance besteht, den ursprünglichen Anschlussbus in Konstanz noch zu erreichen. Und tatsächlich, nach einem Spurt durch die Bahnhofsunterführung kommen wir zeitgleich mit dem Bus an der Bushaltestelle an. Und somit: Ende gut – Alles gut.

So ging doch alles noch gut aus, super!


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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