Hmm: wieso Beschwerdestelle? oder: "Der tut doch gar nichts" (Reiseberichte)

fjk, Mittwoch, 29.08.2012, 13:19 (vor 4955 Tagen) @ Memminger1985

Moin,

schöne Geschichte - nur den Hinweis auf die Beschwerdestelle kann ich nicht so recht nachvollziehen: bis auf eine Panne auf der Hinfahrt hat doch alles geklappt, man möchte sogar sagen: trotz der Panne hat alles geklappt.

Natürlich ist es nicht toll, dass man drei Stunden zu spät ankommt, weil wegen Streckensperrung oder sonstwas, und besonders unangenehm ist es, wenn man auch noch auf Hilfe angewiesen ist und diese dann umorganisieren muss. Ich finde aber eher erstaunlich, dass das doch noch so vergleichsweise gut geklappt hat.

Und natürlich ist es auch nicht toll, wenn das Hilfspersonal unfreundlich ist (und die Geschichte vom Wiedereinsammeln von Visitenkarten finde ich abenteuerlich - dafür sind solche Karten ja da, dass sie wiedereingesammelt werden?!?) oder trotz bekannter Voraussetzungen nicht in der Lage oder willens zu helfen:

Dazu ein kleiner Exkurs vom anderen Ende der Republik. Im schönen Itzehoer Bahnhof sind vor gefühlten Jahren wunderbare Fahrstühle eingebaut worden, zwecks "barrierefreier" Bahnsteigerreichbarkeit. Nur: offiziell eingeweiht oder gar funktionsfähig gemacht worden sind sie zumindest bis zum Frühsommer diesen Jahres nicht. Dieser Status war wegen relativ regelmäßigen Besuchs uns, mir, meiner Frau, beiden Kindern, dem Gepäck, den Fahrrädern und dem Fahrradanhänger durchaus klar. Dass wegen der noch(?) nicht funktionierenden Aufzüge ein Präsenzmitarbeiter zum Helfen abgestellt ist, hingegen nicht. Deswegen hatten wir uns auch schon damit abgefunden, selber ein paarmal Treppen steigen zu dürfen. Aber vorher noch die Fahrkarte geholt, meine Aufgabe, warum auch immer. Frau, Kinder und Hartware standen also "allein" vor der ersten Treppe. Hinzu kam ein rüstiger Weißkopfseeadler, der zwar nicht von sich aus helfen wollte, aber die offenbar hilflos aussehende Frau auf die prinzipielle Anwesenheit von Hilfspersonal aufmerksam machte. Solche freundlichen Zeitgenossen lassen sich manchmal aber ungern mit einem "Lassen Sie mal, mein Mann kommt gleich" in ihrem Hilfswillen bremsen: der Gute tat also irgendwo auf dem Bahnsteig oder im Pausenraum den diensthabenden Beamten(?) auf, körperlich Typ Dirk Bach, psychisch Alfred Tetzlaff. Denn dieses Exemplar kam doch tatsächlich erbost bei der immer noch wartenden Rumpffamilie angeschnauft, nur um mitzuteilen: "Ihnen soll ich helfen? Das Ding (nämlich den Fahrradanhänger) fass' ich jedenfalls bestimmt nicht an!" Und Abgang, den beruhigenden Kommentar, dass wir das schon alleine schaffen würden, wollte er jedenfalls nicht abwarten.

Also auch hier: was denkt sich der Personaldisponent, körperlich nicht befähigte Leute für solche Dienste einzuteilen (gut, wahrscheinlich können die auch wenig anderes tun), erst recht wenn die Rahmenbedingungen (E-Rollstuhl) auch noch bekannt sind. Aber auch: was denkt sich das Personal, in offizieller Position und ungefragt(!) solche Sprüche und Verhaltensweisen an den Tag zu legen? Was hätte der denn bei 'nem E-Rollstuhl gesagt?
Aber sogar bei diesem ziemlich heftigen Beispiel würde wohl nur die konkrete Beschwerde "etwas helfen", nämlich dass der Gute berechtigterweise auf den Deckel kriegt (wovon man als "Opfer" auch nichts (mehr) hat) - der Hinweis auf eine x-beliebige Lokalredakteursgeschichte jedenfalls nicht - oder?
Vergleichbar im Artikel ist vielleicht die Nachfrage zum Niederflurfahrzeug. Das muss die Reisende ja nun tatsächlich nicht wissen, aber man kann ja drüber reden...

Die unterschwellig geäußerte Kritik an den Beförderungsbedingungen für Rollstühle (und solo beförderte Kinderwagen) im "Pennerabteil" kann ich in verschiedener Hinsicht nachvollziehen (ich ahne es ja - aber trotzdem: wieso ist ein defektes Klo gut?), andererseits stellt sogar das Pennerabteil in Sachen Aufenthaltsqualität eine deutliche Verbesserung gegenüber echten Packwagen (wo der Rolli und zwangsläufig auch der Fahrer, wenn überhaupt, "früher" gelandet wäre) und manchem halbmodernen Mehrzweckraum (z.B. das finstere Loch im 628er, das auch noch einen recht schmalen Einstieg hat) dar; die meisten n-Wagen-Mehrzweckräume sind dagegen heutzutage Kathedralen des Lichts. Aber das ist ein grundsätzlich/konzeptionelles Problem, wie auch der Nutzungskonflikt mit Ausflugsfahrrädlern, der nur mit gewisser Flexibilität von allen Seiten (vgl. Metronom-Fahrradwagen) etwas entschärft werden kann.

Alles in allem:
allzeit gute Fahrt - und eine kluge Lösung im Dosto-IC!
wünscht fjk


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