Hejo - das gute alte Alibizugpaar! Herrlich! (Reiseberichte)

Blaschke, Sonntag, 05.08.2012, 17:25 (vor 4981 Tagen) @ Ralle622
bearbeitet von Blaschke, Sonntag, 05.08.2012, 17:27

Mahlzeit!

Ich finde speziell die Fahrt im 628 auf der oberen Lahntalbahn immer wieder ein Erlebnis. Wenn man in beide Richtungen fährt, kann man deutlich feststellen, dass der Zug Richtung Marburg vor Laasphe hauptsächlich durch das lösen der Bremse beschleunigt :-) während er in die Gegenrichtung gut zu tun hat.

Joooo, da wird die Erinnerung wach. Die Erinnerung an das Alibizugpaar, welches dort damals in den 90ern verkehrte. Ein Schienenbus mit 2 Anhängern. Hatte, wenn ich es noch richtig weiß, nur überlebt, weil die Schüler sonst mit etlichen Bussen hätten karriolt werden müssen, was dann auch niemand bezahlen wollte.

Es war anno August 1994, genauer am 15. August. Am Tag zuvor war die Strecke nach Königshütte abgearbeitet worden, von wo es Richtung Köln ging. Dann die Nacht im D-Zug Köln - Hamburg verbracht und mit ICE und IR auf Richtung Marburg. Umstieg in Laasphe. 5 Minuten gestand die Bahn mir zu. Schnell gucken, wo der Motorwagen ist - man will ja Sound haben ;-). Gesucht, gefunden. Und so ging die Reise um 12:56 Uhr los. Im Gegensatz zu heute hielt man zwischen Laasphe und Feudingen auch in Friedrichshütte-Laasphe und in Saßmannshausen.

Es fuhr sogar ein Schaffner mit, der sich von hinten durch die 3 Wagen hangelte bis er vorne beim Lokführer angekommen war. Die Schulferien in NRW waren schon beendet und so war der Zug gut voll. Leider mußten die Kinder unnötig Lärm produzieren, was den Hörgenuß des Brummers doch etwas minderte. Es war ein heißer Tag und so öffnete der Schaffner während der Fahrt die vordere Tür ein wenig. Auch andere Türen standen zumindest ein Stück weit offen. Heute, knapp 20 Jahre später, würde durch das Foto eines Bahnfans und durch das Petzen eines Kindes solch Frevel öffentlich bekannt. In der Folge würde das EBA die Strecke stillegen, die Baureihe auch, während die Bahn den Schaffner entläßt und die Staatsanwaltschaft ihn wegen versuchten Mordes anklagen würde. Was kann schließlich alles passieren, wenn eine Tür im Zug offen steht. Damals passierte allerdings nichts. So traf die ganze Fuhre nach 44 Minuten Fahrzeit (heute sind es 32! Yuchuu! Die Bahnreform wirkt!) unversehrt in Erndtebrück ein.

Für Blaschi ging's dann weiter nach Bad Berleburg und weiter über die Lahntalbahn Richtung Düsseldorf, von wo es mit dem Nachtzug D 1925 "Luna" nach München ging. Nach einem "Rumcruisen"-Tag, einer Nacht im InterCityNight 1900 und anschließender Fahrt im IR 2203 von Berlin-Wannsee nach Saalfeld an der Saale mit 14-minütigem Aufenthalt in Naumburg zwecks Lokwechsel von Strom auf Diesel stand als nächster Höhepunkt die Oberweißbacher Bergbahn und Cursdorf auf dem Programm. Danach wurde die Heimreise zwecks Duschen angetreten. Weil der benutzte Nacht-D-Zug 1930 Hamburg - Köln um 3:02 Uhr in Osnabrück ankam und ich keine Lust hatte, zu der Zeit zu Fuß nach Hause zu laufen, fuhr ich bis Köln mit. Dann mit Sprinter-ICE "Alster-Kurier" nach Münster, von wo mich der gute alte "Graf Luckner" nach Hause brachte.


Schöne Zeiten. Vor allem, weil es damals noch nicht den Unsinn von "Nachtzugtabellen" im Kursbuch gab. Denn es gab noch Nachtzüge in Hülle und Fülle. Und zwar ohne Reservierungen und Aufpreisklimbim.


Ach ja, zurück zum Schienenbus: In der Gegenrichtung fuhr der von Erndtebrück 6:37 Uhr durch bis Marburg (Lahn), welches 8:18 Uhr erreicht wurde. Die Rückfahrt war nicht durchgehend - der Brummer verließ Marburg um 10:46 Uhr und erreichte Laasphe um 11:46 Uhr.

All das fand nur werktags außer Samstags statt. An Samstagen, die auch Schultage in NRW waren - ja, ihr lieben Jungspunde, sowas gab es und war ganz normal: Samstags Schule. Geht heute in den meisten Fällen nicht mehr, weil die Kinder überfordert sind -, wurde auch gefahren: Der Frühzug zur selben Zeit, aber nur bis Laasphe. Die Rückfahrt nach Erndtebrück wurde dann schon um 11:16 Uhr angetreten.

Immerhin hatte der Alibizug eine eigene Fahrplantabelle im Kursbuch.


Schöne Grüße aus der Friedensstadt Osnabrück von

jörg


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