Reisebericht (Schienen-)Kreuzfahrt Spanien Fortsetzung 3/3 (Reiseberichte)

TD, Montag, 29.08.2011, 17:41 (vor 5318 Tagen) @ TD

Tag 7: Barcelona – Paris – Konstanz

Heute steht die Heimreise an. Da ich ja leidenschaftlicher Fenstergucker bin, habe ich mir für die Rückfahrt eine Tagesverbindung ausgesucht. Die Fahrt dauert 14:30 und ist damit gut zwei Stunden kürzer als die Hinfahrt mit dem Nachtzug. Die Strecke ist jedoch eine andere. Beim Blick auf die Karte mag die Strecke über Paris ein riesiger Umweg sein, tatsächlich spukt die Fahrplanauskunft diesen Weg aber als schnellsten aus.

Hier nochmal die Karte:
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Hauptbahnhof Barcelona-Sants

Um 9 Uhr starten wir in Barcelona Sants mit einem Media Distancia bis nach Figueres Vilafant. Der Zug führt nur die Turista-Klasse.

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Media Distancia von Barcelona nach Figueres-Vilafant

Zwischen Barcelona und Figueres-Vilafant nahe der spanisch-französischen Grenze ist eine Schnellfahrstrecke im Bau. Die neue Strecke verläuft teilweise in Sichtweite zur Altbaustrecke, auf der wir fahren und sieht schon recht fertig aus (Oberleitung hängt, Signale stehen). Unsere Höchstgeschwindigkeit auf der alten Strecke liegt bei 140 Stundenkilometern. Unser Media Distancia wird als internationaler Zubringerzug zum TGV nach Paris geführt und schon in Barcelona wird auf den Anschluss-TGV verwiesen.

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Fahrt über den Fluss Onyar in Girona

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Die neue Schnellfahrstrecke verläuft häufig in Sichtweite zur Altstrecke, hier kurz vor Figueres-Vilafant

Figueres-Villafant ist ein Umsteige-Bahnsteig auf der grünen Wiese, am Bahnsteig gegenüber steht schon der TGV nach Paris.

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Angekommen in Figueres-Villafant, hier unser Media Distancia...

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...und am gleichen Bahnsteig der TGV nach Paris

Es ist ein TGV Duplex, ich habe uns Plätze im Oberdeck reserviert. In 5-einhalb Stunden bringt uns der TGV von hier nach Paris, zunächst an der Küste entlang nach Montpellier, dann weiter nach Norden.

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1. Klasse im Oberdeck des TGV Duplex

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Fahrt zwischen Figueres und Perpignan

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Der TGV wird hier als Kooperation zwischen spanischer Renfe und französischer SNCF geführt, auch die Ansagen sind zumindest anfangs noch zweisprachig, später nur noch auf Französisch. Früher wurde ja viel über die langen Ansagen in deutschen Fernzügen geschimpft, hier im TGV ist es aber auch nicht viel besser, erst ständig der Hinweis, dass aus Sicherheitsgründen das Gepäck mit Namensschildern zu versehen ist, dann Gastrohinweise und jedes Mal vor der Abfahrt ein Warnhinweis (und hier im Süden hält der TGV noch vergleichsweise häufig, Perpignan, Narbonne, Béziers, Agde, Sète, Montpellier und Nîmes), wobei mir auch die langen Aufenthaltszeiten auffallen.

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Die Strecke führt durch die Lagunenlandschaft an der südfranzösischen Mittelmeerküste

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Blick aus dem Zugfenster auf Kathedrale St. Nazaire und Pont Vieux von Béziers

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Fahrt über die Landzunge zwischen Mittelmeer und der Lagune Étang de Thau bei Sète.

Nach Nîmes nimmt der Zug dann richtig Fahrt auf, schade, dass es hier keine Geschwindigkeitsanzeige gibt (und das GPS-Gerät von meinem Bruder hat hier drin auch keinen Empfang, siehe mein Reisebericht durch Polen). Ohne Unterbrechung fahren wir jetzt 3 Stunden bis nach Paris.

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Irgendwo auf der LGV Sud-Est zwischen Nîmes uns Paris – die Landschaft wirkt jetzt schon wieder sehr mitteleuropäisch

Mit einer Viertelstunde Verspätung erreichen wir den Bahnhof Paris Gare de Lyon. Jetzt müssen wir an den Bahnhof Paris Gare L‘Est, wo der TGV nach Strasbourg abfährt. Eigentlich hatten wir zwischen beiden Bahnhöfen einen Übergang von 65 Minuten, durch die Verspätung ist die Zeit auf 50 Minuten geschrumpft. Bei der Wegbeschreibung von tgv-europe für den Übergang zwischen beiden Bahnhöfen mit den Metro-Linien 1 und 5 ist die Zeit mit 20 Minuten angegeben. Trotzdem wird es jetzt doch aufregend, denn dieser Bahnhofswechsel ist neu für mich und wir müssen uns auch erst mal orientieren und auch noch Tickets für die Metro kaufen. Unser TGV aus Figueres Vilafant hat irgendwo unterwegs einen zweiten Zugteil bekommen und so sind wir jetzt im letzten Wagen eines 400-Meter-Zugs und müssen erst mal ein ganzes Stück über den vollen Bahnsteig. In Spanien waren ein- und aussteigende Fahrgäste streng getrennt, d.h. der Zug kam an einem abgesperrten leeren Bahnsteig an, hier in Paris wimmelt es jetzt von Fahrgästen, die in alle Richtungen wuseln. Und so brauchen wir statt der angegebenen 20 Minuten etwa eine halbe Stunde, bis wir am Gare L’Est ankommen – aber immer noch rechtzeitig.

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Paris Gare de l’Est

Hier steht schon der TGV POS Est nach Strasbourg bereit. Die folgenden gut 2 Stunden dauernde Fahrt ist unspektakulär; auf der Schnellfahrtstrecke geht es nach Osten, dann auf der Altbaustrecke durchs Elsass.

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TGV von Paris nach Strasbourg

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1. Klasse im TGV

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Sogar ein Defibrillator ist an Bord.

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Blick aus dem Fenster irgendwo zwischen Paris und Elsass

Die Strecke um Saverne ist dann landschaftlich ganz reizvoll. Als uns der erste Zug links entgegenkommt, merke ich, dass die Heimat nun näher rückt (in Frankreich herrscht eigentlich Linksverkehr, im Elsass aber Rechtsverkehr). Pünktlich erreichen wir Strasbourg und steigen um in Richtung Offenburg. Gedanklich hatte ich mich auf dieser kurzen Strecke auf die Ortenau-S-Bahn eingestellt, dann steht aber ein X73900 (Blauwal) am Bahnsteig – gut, da hätte ich auch selber draufkommen können, denn im Fahrplan steht RB und nicht OSB.

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Ein Baleine bleue (Blauwal) bringt uns über die Grenze

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Im Bauch des Wals (SNCF X 73900)

Über die Rheinbrücke bei Kehl erreichen wir nun wieder Deutschland, fast gleichzeitig ist auch das Regenwetter wieder da.

In Offenburg steigen wir das letzte Mal unserer Tour um, und zwar auf die Schwarzwaldbahn nach Konstanz. Zugbegleiter ist Herr K. - wer öfter auf der Schwarzwaldbahn fährt, kennt dieses Original sicherlich, das stets einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Heute ist er sogar in Begleitung von 2 Mitarbeitern der DB Sicherheit im Zug unterwegs.

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Die letzten Kilometer mit der Schwarzwaldbahn

Streckenfotos gibt’s jetzt keine mehr, denn zwischenzeitlich ist es so dunkel, dass man nicht mehr unterscheiden kann, ob wir gerade in einem der 39 Tunnel sind oder nicht. In Villingen-Schwenningen steigen die letzten Mitreisenden aus, jetzt haben wir die erste Klasse für uns allein. Und so kann ich jetzt in Ruhe noch den ganzen Fahrkartenstapel der Tour sortieren.

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Reisesouvenirs der anderen Art.

Eine halbe Stunde vor Mitternacht endet unsere Schienen-Kreuzfahrt – pünktlich und reibungslos wie die ganze Tour: eine tolle Rundreise und ein einmaliges Erlebnis.

Viele Grüße

Tobias

PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s hier.

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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