Erinnerungen an den 70ern/80ern, Stillstandquoten (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 17.10.2008, 07:29 (vor 6361 Tagen) @ BenjaRa
bearbeitet von Oscar (NL), Freitag, 17.10.2008, 07:31

Hallo BenjaRa,

Die Wintersportzüge hatten etwas persönlicheres, da der Betreuer mit seinem einen Wagen, den großzügigen Fahrzeiten und dem geringen Fahrgastwechsel/-aufkommen relativ wenig zu tun hatte.

In den 70ern und 80ern sollte das Geschäft einen Höhepunkt gehabt haben. NS betrieb die Nachtzüge (Alpen Express, Bergland Express) selber und fuhr damit nach Chamonix, Bourg St. Maurice, Briançon, Aigle-Brig, Lötschberg-Brig, Chur, Arlberg, Innsbruck-Bolzano, Lienz, Villach, Zell am See und Selzthal. Amsterdam-Wörgl war mal ein Ganzzug der aus 14 Wagen bestand. In Wörgl die Hälfte nach Bludenz, der restliche Zugteil nach Zell am See. Anfangs fuhren sogar Kurswagen in üblichen ICs der NS mit. Diese wurden dann in Köln mit deutschen Zügen vereinigt.

Langsam aber sicher wurde das Geschäft schwerer:

1. jeder konnte sich mittlerweile ein Auto leisten
2. Aufmarsch der Fernreisebus (man schaut sich freitagabends die dichten Mengen Busse in den NRW-Großstädten an)
3. Frankreich (a. widriges Verhalten gegen ausländische Züge, b. es entstanden Ultra-Topskigebiete mit 200-300 und später 600 km Pisten, von denen CH und AT nur träumen konnten)
4. zugenommene Unabhängigkeit der Jugendliche im Alter 12-18, für die die Bahn zu teuer war; sie organisierten ihre eigene Reisen mit Anreise per Bus
5. SFS und ICE/TGV ermöglichten schnelle Tagesverbindungen; ein Pariser, der um 5:00 morgens losfuhr, stand um 10:00 auf der Piste in Les Arcs.
6. dank Billigflieger konnte jeder sich mittlerweile einen Flug leisten
7. zugenommene Freizeit(vergabe): man war nicht mehr an Samstag rein, Samstag raus gebunden
8. Verkauf des Nachtzuggeschäfts der Staatsbahnen (bei der Trassenvergabe werden die Nachtzüge nicht mehr vorrängig behandelt)

Die Standzeiten (im Grunde ja ein Dreiviertel Jahr) konnte ich nie richtig nachvollziehen.

Ich schon.

Im Wintersportbetrieb geht es etwa so:
Fr. 10:00: Zug wird eingerichtet, bewirtschaftet, bevorratet
Fr. 17:00: erster Einstieg der Hinfahrt
Sa. 11:00: letzter Ausstieg der Hinfahrt
Sa. 18:00: erster Einstieg der Rückfahrt
So. 12:00: letzter Austieg der Rückfahrt, danach Müllentsorgung, Reinigung usw.
Mo./Di./Mi./Do. Staub fangen, Rostbildung usw.
-> Betrieb 2,5 / 7 Tage = 36%.

Das Fahrzeugmaterial wird nur 14 von 52 Wochenenden benötigt, ggf. wird es im Sommer als Badestrandzug angewendet, also etwa die Hälfte des Jahres
-> 36% / 2 = 18%, bei nur Winterbetrieb wie EETC 36% / 4 = 9%.

Aber gut, man muss sich mit abfinden.

Klar muss man das, solange in Deutschland z.B. keine Urlaubs-"ICE International" lange Strecken nonstop und ohne Lafas fahren.
Der Ski-Thalys fährt Brüssel-Chambéry schon nonstop und ohne Lafas.
Der Ski-TMST hat auf London-Chambéry nur der Chunnel als 160er Lafa.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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