IC mit Kinderwagen - Spezielles und Generelles (Allgemeines Forum)

fjk, Freitag, 25.02.2011, 09:53 (vor 5565 Tagen) @ iltatahti

Moin,

am Automaten und am Schalter ist das Kinderabteil auch im IC prinzipiell reservierbar. Nur in den ICE-2 (also zum Beispiel vom Ruhrgebiet nach Berlin) ist die Dreierreihe bei der Kletterwand, die ja wohl leider bald Geschichte sein wird (Bild kommt hierher), nicht reservierbar. Für Berechtigte (also die, die ein Kind vorzuweisen haben) ist dieser Umstand übrigens ein wichtiger Tipp, sollte man keine Reservierung mehr bekommen und am Zugstartpunkt einsteigen können.

Aber zur Sache: wie es mit der Onlinereservierung ist weiß ich nicht, aber dass das Kinderabteil "voll" ist, kommt oft vor. Freitags auf der Rollbahn (Ruhrgebiet-Hamburg) allemal. Für alleinreisende Mütter macht die anständige Großfamilie, die daran Schuld ist (vier Plätze sind ja nicht eben viel) aber gerne etwas Platz - man kann ja Vater in die Kneipe schicken;-) Außerdem gibt es noch einen nicht reservierbaren Klappsitz. Ein erhebliches Problem stellt aber der Kinderwagenabstellplatz dar: ein richtiger Kinderwagen füllt den schon gut aus. Wenn also mehrere Kinderwagenbenutzer sich an dieser zentralen Stelle im Zug ballen, kommt es regelmäßig zu "Durchgangsproblemen", denn der Platz ist im Einstiegsbereich, nicht wie beim ICE-2 im Abteil. Insgesamt geht es deutlich enger zu. Einen Eindruck gewinnt man vielleicht auf den Wagenskizzen, der IC-Kinderabteilwagen (im 2216 wie fast immer mit der Ordnungsnummer 10) steht unter IC-Wagen auf Seite 10 als "IC-Servicewagen 2. Klasse Bvmsz".

Wenn also das Kinderabteil voll ist und man andere Möglichkeiten hat, sollte man es meiden. Hier wurden bereits andere Möglichkeiten vorgeschlagen: die Fahrradwagen. Der Zug hat zwei, den Steuerwagen mit der Ordnungsnummer 5, in dem auf jeden Fall genug Kinderwagenplatz ist (der halbe Wagen ist für Fahrräder vorgesehen, siehe Wagenskizzen Seite 11, "IC-Steuerwagen 2. Klasse Bpmbdzf"), der Rest des Wagens ist aber Großraum mit nur zwei Vierertischen. Und den Wagen sieben, das ist ein ehemaliger Interregiowagen (Wagenskizzen Seite 12, "IC-Wagen 2. Klasse mit 8 Fahrradabstellplätzen (Bimdz)"), was den Vorteil hat, dass er auch drei Abteile und etwas mehr Bewegungsfreiheit bietet, dafür etwas rappeliger ist. Das Fahrradabteil ist dort deutlich kleiner, aber da momentan wohl kaum mit Fahrradüberbelegung zu rechnen ist, stellt das kein Problem dar. Wenn alle Fahrradplätze belegt sind, ist es hier aber deutlich enger. Aber mit einer kleineren Karre ist man im IR-Wagen auch sonst relativ gut aufgehoben.

Wenn das Kinderabteil also voll ist, hat man die Wahl zwischen Großraum oder großzügigerem Rappelwagen. Man erkennt leicht, dass es auf die Konstitution (und das Alter) des Kindes ankommt: sobald die Kinder etwas Bewegungsdrang haben, ist etwas Platz (damit sich der Bewegungsdrang ausleben lässt) und ein Abteil (damit dadurch nicht _alle_ Mitreisenden unterhalten werden bzw. sich in die Erziehung einmischen können) die leichte Rappeligkeit des IR-Wagens wert. Da Dein Kind aber ja noch nicht sitzen kann, ist es wohl noch sehr klein: da kann man es auch problemlos mit in den Großraumwagen nehmen, wenn es wirklich noch nicht sitzt, sogar in eine Zweierreihe.
Die Sitzplatznummern der gewünschten Sitze kann man auf den Wagenskizzen erkennen, am Schalter kann man sich den genauen Sitz aussuchen (wenn man nett bittet), das geht online und am Automaten auf keinen Fall. Natürlich darf der Platz auch da nicht schon reserviert sein, also noch einmal die Einschränkung: Freitags auf der Rollbahn ist alles problematisch. Außerdem ist die Reservierung am Schalter zwei Euro teurer als wenn man bei den anderen Wegen gleichzeitig eine Fahrkarte kauft.

Generell gesprochen ist es überhaupt problematisch, dass Kinderabteile en gros reserviert werden können - und spontan alleinreisende Eltern dann dumm dastehen (andererseits erzieht man Kindertransporter so zum Reservieren). Die mangelnde Verfügbarkeit anderer Abteile (der zitierte Zug 2216 hat sieben*: vier im Wagen 10, davon ist eins das Kinderabteil, und drei im genannten IR-Wagen. Und damit ist er noch üppig ausgetattet - voll sind sie trotzdem alle) ist für Familien ohnehin ein Ärgernis. Das hat aber mit der Frage direkt nichts zu tun, das Problem kommt später;-)
Organisatorisch und zur Schonung der Mitreisenden wäre die Bahn jedenfalls gut beraten, endlich ein vernünftiges Konzept zur Familienaufbewahrung zu entwerfen. Schlagworte wären ein gesondertes Reserverierungskontingent mit Zugriffsprüfung, mehr Abteil- (oder sonst geeignete) Wagen, freigehaltene Plätze für den Ernstfall alleinreisender Eltern mit Kleinkind (so wie das Kleinkindabteil der Beamtenbahn "früher"), ein eigener Bereich im Zug usw. Aber auch das ist ein endlos diskutierbares und vom Börsenbahner nur zu gern überhörtes Thema. Wir freuen uns erstmal auf den Familienbereich im Fernverkehrsdosto in zwei Jahren - immerhin hinterm Klo.

Erstmal einen guten Griff bei der Platzwahl und gute Fahrt!
fjk

*) 2216 ist sonnabends übrigens drei Wagen länger, davon sind zwei 2.Klasse-IR-Wagen (ohne Fahrradabteil). Damit dürfte er zu den abteilreichsten IC auf der Rollbahn gehören (was in diesem Fall nicht weiterhilft) und die immer wieder von Schaltermenschen und anderen (halb)offiziellen Bahnerklärern aufgestellte Verteidigungsthese, man könne die Züge aus allen möglichen technischen Gründen nicht einfach länger machen, ad absurdum führt. Die Strecke kann nicht der Grund sein, da fährt der lange Zug ja. Und die dann gerne hergenommene Bahnsteiglänge kann es auch nicht sein, denn genau der Zug passt an manchen Orten eben nicht an den Bahnsteig und fährt (bzw. hält dort) trotzdem. Sind die Fahrgäste in Bützow und Rostock vernünftiger oder das aufpassende Zugpersonal ausgeschlafener? Wahrscheinlich...


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