Weitere Gedanken zu Grube und zu Beckis Moderationsqualität (Allgemeines Forum)

Jogi, Dienstag, 01.02.2011, 10:32 (vor 5608 Tagen) @ Steffen
bearbeitet von Jogi, Dienstag, 01.02.2011, 10:36

Ich habe mir die Sendung ganz angeschaut. Bei den kritischen Fragen ist Herr Grube elegant ausgewichen :)

"Lustig" fand ich es ja, dass Herr Grube die Frage nicht beantworten konnte, ob vielleicht beide Signale auf "grün" gestanden haben (nein, geht bei störungsfreiem Betrieb des Stellwerkes nicht, siehe Oschersleben-Thread)

Ja, das war ein Beispiel davon :)
Ein anderes: Dass man eine Logistikkette aufbaut kann man ja verstehen, aber warum muss man ein Linienbusunternehmen in Mittelengland kaufen? (wobei ich nichts gegen diesen Kauf habe, solange man damit Geld verdienen kann)
Und die Frage, wie eine Klimaanlage ausfallen kann, hat er auch gekonnt unbeantwortet gelassen.

Oje, diese "Beckmann"-Sendung war die erste Talkshow, die ich mir seit Jahren komplett angeschaut habe. Dafür weiß ich jetzt auch wieder, warum es für die nächsten Jahre die letzte sein wird: Grube war (verständlicherweise) bemüht, "sein" Unternehmen positiv zu (re-)präsentieren, doch zum einen hat er oftmals mit Phrasen geantwortet ("Brot-und-Butter-Geschäft") und wild mit Zahlen um sich geworfen, die zwar beeindruckend aussahen, mich aber als Kunden nicht wirklich betreffen. Zumindest ich will nicht wirlich oft international mit der Bahn reisen, da hbae ich (noch?) keinen Bedarf für. Sieht das bei euch anders aus? ;)

Zum anderen - und das fand ich erschreckend - konnte Grube drei (!!) Mal die oben angesprochenen und vom Moderator (!!) gestellten Fragen so beantworten, dass die Frage an sich nicht beantwortet wurde. Gerade ob denn auf eingleisiger Strecke zwei Signale gegensätzlich gleichzeitig Durchfahrt zeigen könnten, "beantwortete" Grube mit der geplanten Nachrüstung von PZB. Was soll das? Habt Ihr euch da auch gefragt, warum zum Henker Beckmann da nicht nachgehakt hat, sondern bemüht war, seinen Fragekatalog abzuarbeiten?
*OT-Modus-an* Überhaupt finde ich das an den Weichspüler-Polittalks erbärmlich: Der Moderator stellt eine Frage, es wird geantwortet und dann wird zum nächsten Punkt weiter gegangen... Da kommt halt so eine Phrasendrescherei raus. Meine Güte, und bald will die ARD täglich so eine Gesprächsrunde veranstalten. Hoffentlich fährt wenigstens der Jauch dann nicht die selbe Schiene. *OT-Modus-aus*

Warum hat eigentlich Grube gefühlte 50 Prozent der Sendezeit reden können, während es Böttiger mehrere Male unter den Nägeln brannte, was zu sagen. Weshalb durfte Naumann nur drei oder vier Mal was sagen?

Die fehlenden reserven hat Grube zielsicher auf die Industrie geschoben, die trotz hoher Preise schlechte Züge baut. Dass diesen Winter keine Ersatzzüge da waren ist lt. Grube so zu erklären, dass normalerweise eine Betriebsreserve von 10% vorhanden ist, [...]

Kann das stimmen? Oder hat er da etwa auch die Wartungsintervalle und sonstige betiebliche Stillstandszeiten miteingerechnet?

Verpasst hast Du dann wahrscheinlich drei weitere Gäste: Eine Dame, die am 3. Jannuar in einem überfüllten Zug von Hamburg nach Bonn gefahren ist, ein Wissenschaftsjournalist (Arzt, wenn ich es richtig verstanden habe), der bei ausgefallener Klimaanlage von Berlin über Leipzig nach München gefahren ist (und ziemlich über die Bahn geschumpfen habe, wie ich finde eher Richtung Bahn-Bashing), und dann noch ein Zugbegleiter mit "individuellen Ansagen" (war von ihm nicht neulich hier die Rede?).

Jup, das war ein Medizinjournalist von der SZ. "Bahn-Bashing" war das jedoch in meinen Augen nicht wirklich: Natürlich hat er an einigen Stellen so ironisch gesprochen, dass es zum Zynismus nur noch ein kleiner Schritt war und natürlich war das alles rhetorisch so toll vorgetragen, dass Grubes Statements dagegen stellenweise blass wirkten ("in 2011..." *AAAAAHHHHH* oder seine Zahlenspiele), doch der Journalist hat aus der typischen Fahrgastsicht gesprochen und dabei wenig wissen über den Bahnbetrieb gezeigt ("Oberzugschaffner"). Das muss er aber auch nicht wissen.
Er hat aber IMO aus Fahrgastsicht richtige Fragen gestellt:

Ich finde, das kann man nicht als Bahn-Bashing bezeichnet, zumal er auch im gleichen Atemzug einige positive Dinge nannte (z.B. Verständnis bei Verspätung aufgrund von PU oder eben gerade das Engagement der Zub) und betonte, er fahre wirklich gerne Bahn.

Aber gerade bei diesen beiden Fahrgastberichten oder nach dem vorgetragenen Abschlussgedicht des anwesenden Zubs muss man Grube eine Sache zugestehen, die er gezeigt hat: er ging auf diese Leute zu und verhielt sich sehr respektvoll. Menschlich ist er wirklich ein anderer Typus als etwa Mehdorn, vor allem in seinen letzten Amtsjahren.

Grüße
Jogi


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