[AT] Norbert Hofer (FPÖ) sollte eine Chance bekommen (Allgemeines Forum)

ThomasK, Dienstag, 05. Dezember 2017, 01:03 (vor 12 Tagen) @ MF_5289

Im Gegensatz zu Deutschland sind die Koalitionäre von der Liste Kurz (ÖVP) und FPÖ schon wesentlich weiter.

Norbert Hofer wird dabei als möglicher Verkehrsminister gehandelt. https://diepresse.com/home/innenpolitik/5330493/Koalition_Hofer-will-Infrastrukturminis...


Ich bin sehr erfreut, dass die FPÖ im Laufe der letzten Jahre wesentlich bahnaffiner geworden ist.

Zwar hält die FPÖ leider noch am Ziel fest, zusätzlich auch noch den MIV auszubauen, aber man merkt, dass in den letzten Jahren die FPÖ eine 90 Grad Wende geschafft hat, denn früher war bei der FPÖ NUR vom Auto die Rede. Inzwischen will die FPÖ AUCH die Eisenbahn ausbauen; dabei geht es keinesfalls nur um die drei Großprojekte Semmering, Koralm und Brenner, sondern auch um Nebenbahnen.

Vor ein paar Tagen wurde in der Pressekonferenz in Wien des Ergebnis der Gespräche bezüglich Infrastruktur zwischen ÖVP und FPÖ präsentiert:

https://youtu.be/DKL3-DPSzic?t=6m

Die entscheidenden Passagen spricht Hofer zwischen 6:00 und 6:44.

Allerdings unterliegt Hofer auch dem Irrtum, mit Elektromobilität ausschließlich elektrisch betriebene Autos zu meinen. Da Hofer gerade von der Eisenbahn gesprochen hat, ist da natürlich noch eine Nachkorrektur notwendig.

Die Politikanalysen zeigen aber eindeutig, dass die FPÖ ihre großen Wahlerfolge durch ihren konsequenten Kurs gegen die illegale Einwanderung erzielt hat und keineswegs durch eine eisenbahnaffine Politik. Insofern werden wir abwarten müssen, wie sich die FPÖ in den nächsten Jahren verkehrspolitisch entwickeln wird.

Ich weiß von ein paar kärntner Eisenbahnfreunden, dass sie sich an die FPÖ in Wien gewendet haben, um die Stilllegung der Eisenbahnstrecke nach Kötschach-Mauthen, die vor 12 Monaten erfolgte, rückabzuwickeln.

Über die Zukunft der Gailtalbahn tobt in Kärnten eine heftige Diskussion. Ich hoffe doch sehr, dass die Eisenbahnfreunde in der hitzigen Debatte obsiegen werden. Die erfolgte Stilllegung im Dezember 2016 ist völlig absurd, zumal von der Topografie her diese Strecke keine großen Schwierigkeiten bereitet.

Als Münchner schaue ich da natürlich sehr interessiert zum Nachbarn, wie dort die Diskussionen laufen. In Anbetracht der finanziellen Stärke des Bundesland Bayern, welches jedes Jahr mehr als 500 Millionen € Altschulden tilgt und bis vsl. 2030 komplett schuldenfrei sein wird, ist das Thema Streckenstillegungen in Bayern (derzeit) zum Glück kein Thema. In Bayern geht es eher um (erfolgte) Reaktivierungen wie z.B. nach Weißenhorn.

Historisch gesehen hat Bayern durch einen Trick große Streckenstillegungen im Bayerischen Oberland verhindert. Dadurch, dass fast sämtliche Strecken in Normalspur gebaut wurden (Motto: Schmalspur ist schlecht und wird langfristig stillgelegt) sind fast alle Strecken im bayerischen Oberland heute noch in Betrieb. Bis auf ein paar Ausnahmefälle wie z.B. Bichl - Wolfratshausen ist also im Bayerischen Oberland noch fast alles in Betrieb. Wir können also von Glück reden, dass auch nach Bayrischzell, Lenggries und Tegernsee seinerzeit - sehr weitsichtig - in Normalspur gebaut wurde.

Ich hoffe doch sehr, dass auch die FPÖ in Österreich die Eisenbahn deutlich ausbauen wird.

Auf meinem Wunschzettel stehen neben einer NBS Salzburg - Wels u.a. auch der zweigleisige Ausbau der Arlbergbahn, der Bau einer Eisenbahn über den Reschenpass und über den Fernpass, eine Gleisverbindung zwischen Vils und Füssen und die Verlängerung der Zillertalbahn von Mayrhofen über Hintertux nach St. Jodok. Um den Güterverkehr effizienter abzuwickeln, könnte ich mir sehr langfristig die Umstellung der Zillertalbahn auf Normalspur vorstellen. Mit leistungsstaken Stadtbahnfahrzeugen - ungefähr so in der Art wie bei der Stadtbahn Stuttgart - käme man dann sogar ohne Zahnstange bis nach Hintertux zur Talstation der Hintertuxer Gletscherbahn. Zwischen Hintertux und St. Jodok würde ich aber nicht - wie im Zillertal andiskutiert - über das Joch fahren, sondern dann zwischen Hintertux und St. Jodok einen Tunnel bauen.

Zur Verlängerung der Zillertalbahn nach Hintertux gab es auch mal eine Diplomarbeit an der Uni Innsbruck. Allerdings hat der Student nur eine Trassierung in Schmalspur (760 mm) und nicht in Normalspur untersucht.

Als ich bei einer meiner zahlreichen Bergtouren in Tirol mit den Tirolern über diese Ideen gesprochen habe, meinten sie zu mir: "Warum nicht? Aber unsere Politik ist noch nicht soweit, um darüber zu diskutieren."

Ich habe dann mit ein paar Österreichern, die auch sehr ÖV-affin sind, noch überlegt, wie man es schaffen könnte, z.B. Ischgl an die Eisenbahn anzubinden. Aber dann kamen wir dann doch zum Ergebnis, dass es - ehe man eine Eisenbahn nach Ischgl baut - doch sinnvoller ist, Ischgl über den Berg mit einer 3S-Bahn direkt an den Bahnhof St. Anton am Arlberg anzubinden. Eine Eisenbahn nach Ischgl ist dann doch etwas größenwahnsinnig. *lach* ;)

Leider ist die Zeit noch nicht reif dafür, solche fantastische Eisenbahnprojekte in Angriff zu nehmen.

Ich denke aber, dass nun eine neue Internetgeneration heranwächst, die mit ihren Smartphones einen leichten Informationszugang zur Eisenbahn mit ihren Fahrplänen hat, so dass in den nächsten 20 Jahren diese Projekte durchaus mal auf die Tagesordnung der Parlamente kommen könnten.

Der rasante Wandel der FPÖ in den letzten Jahren zu einer immer bahnaffineren Partei gemacht hat, spricht Bände. Wir werden sehen, wie sich ein FPÖ-Infrastrukturminister schlägt. Und bei der nächsten Wahl wird man sehen, ob die FPÖ ihre 26 % halten kann.


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