[Faz Feuilleton] Der Zugnomade (Allgemeines Forum)

bahn-user, Montag, 27.12.2010, 16:32 (vor 5612 Tagen)

Artikel in der FAZ:

"Der Zugnomade

Er hat keine Wohnung, aber er ist kein Obdachloser. Er lebt und schläft in Zügen. Für die „Bahncard 100“ sammelt er Pfandflaschen. Verspätete Züge sind Einnahmequelle. Von einem Leben mit Stopps, aber ohne Halt.

[...]"

Ganzer Artikel: http://www.faz.net/s/RubDDDF614E9B1C49B682201320840984FF/Doc~EB745E84667184C0C896C69230...

Davon gibt es nicht nur Einen....

Weiler, Montag, 27.12.2010, 17:45 (vor 5612 Tagen) @ bahn-user

- kein Text -

Hoffentlich geht das gut... ob da die Bahn stillhält?

Blackcard, Montag, 27.12.2010, 22:49 (vor 5612 Tagen) @ bahn-user
bearbeitet von Blackcard, Montag, 27.12.2010, 22:54

Hoffentlich hat dieser Artikel für den/die Beschriebenen nicht ähnlich katastrophale Folgen wie der TAZ-Artikel über die 'Monatskartenschlepper':

http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/gluecksjaeger-auf-der-schnellzugtrasse/

Danach rastete die Bahn ja bekanntlich aus und hat mit IMHO eindeutig stasi-ähnlichen Methoden die entspr. Leute "verfolgt" bzw. verfolgen lassen, als handele es sich um Kapitalverbrechen oder Landesverrat.

Auch hier sehe ich Gefahren, z.B.:
Flaschensammeln in Zügen ist im Sinne der Bahn sicherlich Diebstahl...


Allerdings dürfte hier sicherlich erheblich mehr negative Publicity auf etwaige "Aufräumaktionen" der Bahn folgen: "Grube jagt obdachlosen Premiumkunden." ;o)

Hoffentlich geht das gut... ob da die Bahn stillhält?

Tabernaer, Irgendwo im grünen Nirgendwo, Montag, 27.12.2010, 23:05 (vor 5612 Tagen) @ Blackcard

Klar doch hält die Bahn still. Erstens: nicht nur DB Flaschen aus dem Speisewagen liegen im Zug rum. Zweitens: nicht nur dieser Kunde sammelt Flaschen (beobachte mal auf den Endbahnhöfen die Zugreiniger oder Rangierer)... Drittens: das Geld geht der Bahn nicht verloren. Der Flaschensammler finanier ja damit seine Fahrkarte, die ja nun auch nicht gerade preiswert ist :)) Viertens: hast du selber schon angesprochen, würde es mehr als nur Negativpublissity geben für die Bahn und davon hat sie omentan glaub ich mehr als genug.

Besser: Zugnomade First ;o)

Blackcard, Montag, 27.12.2010, 23:09 (vor 5612 Tagen) @ bahn-user
bearbeitet von Blackcard, Montag, 27.12.2010, 23:12

Sehr interessanter Artikel!

Aber warum nimmt der Zugnomade denn nicht konsequenterweise
gleich die MBC100 First? ;o)

5 Euro mehr bei jeder 60 Minuten-Verspätung summieren sich doch auch
(und finanzieren vielleicht einen großen Teil der 2600 Euro Aufpreis)
und vor allem hätte eher kostenloses Futter + mehr Getränke in
HH, B, F, M und bald in K und H
und viel seltener überfüllte Züge und Streß mit Mitreisenden.

Ich hätte auch kein Problem damit,
wenn in den First-Bereichen der Lounges
gelegentlich ein Obdachloser säße und nicht
nur Snobs wie ich. ;o)

Hoffentlich geht das gut... ob da die Bahn stillhält?

Steffen, Montag, 27.12.2010, 23:11 (vor 5612 Tagen) @ Tabernaer

Erstens: nicht nur DB Flaschen aus dem Speisewagen liegen im Zug rum.

Die Flaschen werden aber auf DB-Gebiet "verloren". Damit gehen sie an die DB. Oder was ist, wenn jemand 10.000 EUR in einer Tüte im Zug vergisst? Kann die dann der nächstbeste Fahrgast nehmen und damit nach Hause gehen?

Ich möchte damit nicht alle Flaschenaufsammler des Zuges verweisen! Aber rechtlich sitzt sie da glaube ich am längeren Hebel.

--
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Hoffentlich geht das gut... ob da die Bahn stillhält?

Tabernaer, Irgendwo im grünen Nirgendwo, Montag, 27.12.2010, 23:24 (vor 5611 Tagen) @ Steffen

Erstens: nicht nur DB Flaschen aus dem Speisewagen liegen im Zug rum.


Die Flaschen werden aber auf DB-Gebiet "verloren". Damit gehen sie an die DB. Oder was ist, wenn jemand 10.000 EUR in einer Tüte im Zug vergisst? Kann die dann der nächstbeste Fahrgast nehmen und damit nach Hause gehen?

Ich möchte damit nicht alle Flaschenaufsammler des Zuges verweisen! Aber rechtlich sitzt sie da glaube ich am längeren Hebel.

Ich kenne da die rechtliche Lage nicht so 100%, würde aber sagen Grauzone oder w.z.b.w. ALLE Flaschensammler des Zuges zu verweisen, dürfte schlichtweg unmöglich sein. Wie denn die Bahn das anstellen?

Warum soll das nicht gutgehen?

liebe70, Dienstag, 28.12.2010, 00:20 (vor 5611 Tagen) @ Blackcard

Hoffentlich hat dieser Artikel für den/die Beschriebenen nicht ähnlich katastrophale Folgen wie der TAZ-Artikel über die 'Monatskartenschlepper':

http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/gluecksjaeger-auf-der-schnellzugtrasse/

Danach rastete die Bahn ja bekanntlich aus und hat mit IMHO eindeutig stasi-ähnlichen Methoden die entspr. Leute "verfolgt" bzw. verfolgen lassen, als handele es sich um Kapitalverbrechen oder Landesverrat.

Ach? Tat sie das wirklich? Haqst Du Beweise für Deine Vermutung?
Ich hatte damals in einem Telefongespräch die Chefin der Abteilung, die für die Beförderungsbedingungen der Bahn zuständig ist, auf das Problem aufmerksam gemacht und auch einen Lösungsvorschlag geliefert. Die Antwort war, daß man den Lösungsvorschlag nicht umsetzt, weil man sich nicht traut. Man rang sich zwar zu einem diffusen Satz in den BB Bahn durch, daß eine entgeltliche Mitnahme der Mitreisenden die Fahrkarte ungültig macht usw., doch mehr passierte nicht.

Nur: Beweis das mal, denn Du mußt die Täter auf frischer Tat erwischen. Möglichkeiten gäbe es, aber da man sich nicht traut... Also bleibt es - und die ehrlichen Reisenden löhnen den Verlust mit. Bevor es jetzt wieder einen Aufschrei gibt: In jedem Kaufhaus/Supermarkt/was-auch-immer-Verkauf wird beim Ermitteln des Warenendpreises ein kleiner Prozentsatz berücksichtigt, der die Einbußen durch Bruch und Diebstahl minimiert. Nichts ungewöhnliches also und branchenüblich.

Eine kleine Hochrechnung:
Auf der Strecke Berlin - Hamburg kosten die Monatskarten aktuell 628 Euro. Pro Richtung kann man bis zu vier Reisende mitnehmen und man schafft je zwei Hin- und Rückfahrten. Aktueller Schlepperpreis: ca. 18 Euro pro Person und Richtung.

Dann rechnen wir mal...
Kosten der Schlepper: 12 Monatskarten x 628 Euro = 7536 Euro

"Einnahmen" der Schlepper im Idealfall: 4Personen x 18 Euro "Fahrpreis" x 4 Einzelfahrten x 52 Wochen (4x18x4x52) = 14976 Euro Umsatz.

Wenn man vom Umsatz die Kosten abzieht (14976-7536) = 7440 Euro Reingewinn - und das sogar steuerfrei, weil niemand sein "Gewerbe" angemeldet hat.

Wenn man statt 18 Euro schon 20 Euro nimmt, steigt der "Reingewinn" auf 9104 Euro. Mit meinem Lösungsvorschlag würde der Reingewinn der Schlepper auf 0 Euro sinken. Zwar verdient die DB nur marginal mehr, aber die Auslastung der Züge würde zumindest auf dieser Strecke erheblich steigen, wovon wenigstens Hamburg und Berlin mehr davon haben werden.

Auch hier sehe ich Gefahren, z.B.:
Flaschensammeln in Zügen ist im Sinne der Bahn sicherlich Diebstahl...

Nur, wenn Du die "falschen" Flaschen einkassierst.

Allerdings dürfte hier sicherlich erheblich mehr negative Publicity auf etwaige "Aufräumaktionen" der Bahn folgen: "Grube jagt obdachlosen Premiumkunden." ;o)

Das geht weitaus subtiler, wobei es hier den Falschen treffen würde. Im Übrigen sind im Artikel einige falsche Werte genannt worden.

Um auf 10 Euro Flaschenpfand zu kommen, braucht man statt 50 nur 40 Flaschen, wenn man von einem Flaschenpfand von 25 Cent ausgeht. Und eine Tasche, wo 400 Flaschen reinpassen sollen, möchte ich allzugern sehen. Dann müßte der BC100-Reisende, die Flaschen sammeln, ggf. entleeren - und pressen. Dafür reicht die Zeit nicht, die er hat, um durch den ganzen "überlangen" Zug zu gehen und nach den Flaschen schaut. Im günstigsten Fall hat er etwas mehr als 30 Minuten Zeit, was bei schätzungsweise 10-11 Wagen knapp 3 Minuten Zeit pro Wagen ist.

zum Thema Flaschensammler

Reservierungszettel, KDU, Dienstag, 28.12.2010, 14:00 (vor 5611 Tagen) @ liebe70

Auch hier sehe ich Gefahren, z.B.:
Flaschensammeln in Zügen ist im Sinne der Bahn sicherlich Diebstahl...


Nur, wenn Du die "falschen" Flaschen einkassierst.

Für die Dienststellen EDO und EMST gelten sogar besondere Anweisungen wie man sich als Zugbegleiter gegenüber einem Flaschensammler zu verhalten hat.

Allerdings dürfte hier sicherlich erheblich mehr negative Publicity auf etwaige "Aufräumaktionen" der Bahn folgen: "Grube jagt obdachlosen Premiumkunden." ;o)


Das geht weitaus subtiler, wobei es hier den Falschen treffen würde. Im Übrigen sind im Artikel einige falsche Werte genannt worden.

Um auf 10 Euro Flaschenpfand zu kommen, braucht man statt 50 nur 40 Flaschen, wenn man von einem Flaschenpfand von 25 Cent ausgeht. Und eine Tasche, wo 400 Flaschen reinpassen sollen, möchte ich allzugern sehen. Dann müßte der BC100-Reisende, die Flaschen sammeln, ggf. entleeren - und pressen. Dafür reicht die Zeit nicht, die er hat, um durch den ganzen "überlangen" Zug zu gehen und nach den Flaschen schaut. Im günstigsten Fall hat er etwas mehr als 30 Minuten Zeit, was bei schätzungsweise 10-11 Wagen knapp 3 Minuten Zeit pro Wagen ist.

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