Pech, Schicksal oder die Folge von jahrelangem Fehlplanen? (Allgemeines Forum)

moonglum, Hagen, Freitag, 24.12.2010, 11:50 (vor 5607 Tagen)
bearbeitet von moonglum, Freitag, 24.12.2010, 11:51

Moin Leute,

zum einen wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest, kommt vor allem SICHER dort an, wo ihr hinkommen wollt.

Freunde warten hier in Hagen sowie in Köln auf ihre Kids aus verschiedensten Teilen der Republik, und mit Blick auf RIS in Köln kommen einem ja bald "die Tränen". Fast nichts ist planbar, vieles nicht einmal prognostizierbar.

Ich bezweifle keineswegs, dass der Großteil der Bahn tut, was möglich ist. Ich kenne aber ebenso wie unsere Freunde aus Studentenjahren, wo wir in Zeiten tiefsten Winters eine Reise von München nach Köln oder nach Hamburg mit dem guten alten InterCity samt seiner 103 oder 111 im Doppelpack, teilweise mit 4 Stromabnehmern am Draht (da gibt es irgendwo noch ein altes Foto irgendwo in einer Kurve zwischen Fulda und Würzburg mit 2 111ern), mit sehr überschaubaren Verspätungen am Ziel ankamen.....Einmal fuhr der Blaue Enzian durch derartigen Schneemengen bei Eiseskälte, dass im Bereich des Spessart trotz voll augedrehter Heizung im Abteil der Fensterplatz und der Fußboden irre kalt geworden waren, und trotz VMAX von 130 an jenem Tag bis Nürnberg waren wir nur plus 20 in Köln....Stefan, inzwischen selbst mit zwei Kiddis versorgt, steht neben mir, und wir erinnern uns grad an den besten Platz damals im Zug: Der beste Platz war damals im ARmz bei Tee oder Hühnersuppe ;-))) Zu 6 Studies saßen wir in den Vierertischplätzen, und vor allem waren wir uns stets vollkommen sicher, dass wir am Ziel ankommen würden - das war 1987 oder 1988 glaube ich....
In Kölle warteten diverse Eilzüge sicher auf uns, in Hagen warteten die Anschlüsse ins Sauerland mit Sicherheit.
Und eben - man war als Reisender "sicher", dass Anschlüsse klappen würden.

Klingt jetzt vielleicht konservativ-retrospektiv, aber nicht immer hat der Winter den Bahn-Verkehr derartig fertiggemacht, von Silvester 1978/1979 mal abgesehen.

Die schlechte Presse wundert mich gar nicht. Die Bahn ist ein stets verfügbarer Verkehrsträger für ALLE gewesen und wird es noch lange so sein. Ausserdem:

Niemand von UNS hat je diese katastrophalen Fehlentwicklungen und Rationalisierungen gewollt,
Niemand von uns konnte sie verhindern.
Die Wut auf das Management ist mir verständlich.

Auch heute zeigt sich wieder: Deutschland steht vor einem hochproblematischen Status Quo bei der Bahn, und ich gebe (ich glaube) Holger_Ham recht, der irgendwann mal gesagt hat, dass wir jeden Tag sicher auch sehen müssen, dass wir bei schlechten Bahntagen möglicherweise das Beste sehen, was mit den verfügbaren Ressourcen derzeit erreichbar ist. Unterm Strich: Arm. Und trotzdem ein Ergebnis manchmal harter Arbeit auf vielen Ebenen.
Mehr ist es nicht, weniger auch nicht. Es kann nur, nein, es muss wieder besser werden.
Ohne in die Diskussion einzusteigen, die ja partiell längst entschieden ist,

wird es ohne viel neues fahrbares Material nicht gehen,
und auch in Hagen Hbf muss ein gewisser DB-Mensch am Infopoint sich sagen lassen, dass er sich möglicherweise sehr bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden, die Reisenden aber ganz andere Prioritäten haben. Sie wollen nicht den Servicemitarbeiter überall suchen, sie brauchen dringend Antworten auf Fragen ;-)

Dank iPHONE/RIS wussten wir früh genug:

12:01 nach Berlin fällt aus,
12:34 nach Berlin fällt aus,
13:34 nach Berlin fällt aus....
was dann kommt - who knows....

Per privater Telefonkette sind nun Bekannte auf dem Weg zum Hbf geeilt, durch dichtes Schneetreiben, per Taxi, glücklicherweise hat der 557 so viel Verspätung, erst 10, dann 15, nun 25 Minuten, dass er wohl noch für viele Kids erreicht werden kann, die abends bei den Eltern in Berlin sein wollen (Tschö Fernuni und Bits, bis 2011)!
Einige Bits-Studenten haben upgegradet auf die A-Klasse..... auch sicher nicht schlecht, denn 557 soll schon jetzt (live Meldung aus dem Zug) aus allen Nähten platzen....

11:47 - Es scheinen alle da zu sein, teilweise übernächtigt, ungekämmt,bepackt mit Tüten, Taschen, Violione im Köfferchen... Kaffee ist jetzt kalt, Bahnsteig 5/6 voll....

Gute Reise und hoffentlich gute Ankunft in Berlin bis zum späten Nachmittag/frühen Abend.

Moonglum verlässt jetzt den Bäckereiladen mit integriertem Café
und sprintet zur S8. Sie ist pünktlich.
Fein...

--
Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.

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Nachtrag:

moonglum, Hagen, Freitag, 24.12.2010, 12:02 (vor 5607 Tagen) @ moonglum

Ach ich vergass:

14:34 nach Berlin fällt "natürlich" auch aus...

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Pech, Schicksal oder die Folge von jahrelangem Fehlplanen?

Dirk, Freitag, 24.12.2010, 12:05 (vor 5607 Tagen) @ moonglum

Moin,
es handelt sich sicher um eine rhetorische Frage. Die politische Mehrheit wollte nun mal eine Privatbahn und hat sie bekommen. Fernverkehr ist halt keine staatliche Leistung im Bereich Daseinsfürsorge, sondern ein Mittel zum Geldverdienen. Mich würde mal interessieren, wie sich die letzten Wochen speziell für DB-Fernverkehr finanziell auswirken werden. Eigentlich müsste da ein Umsatz-Plus rauskommen: Deutlich mehr Beförderungsfälle als sonst. Die gestiegenen witterungsbedingten Betriebskosten fallen ja überwiegend bei den Schwestergesellschaften an. Wirtschaftlich gesehen ist die Situation also eigentlich kein Grund, das Konzept zu ändern. Der Ruf ist eh schon ramponiert und Konkurrenz im Fernverkehr nicht in Sicht.

Pech, Schicksal oder die Folge von jahrelangem Fehlplanen?

moonglum, Hagen, Freitag, 24.12.2010, 12:11 (vor 5607 Tagen) @ Dirk

Ja, sie war rhetorisch....

Und trotzdem: Der Druck auf die Bahn wird massiv wachsen, damit auch auf die Politik.
Die Mobilität wird auch noch in vielen Jahren die Bahn brauchen, flächenverfügbar, berechenbar, komfortabel....
Sie ist nicht ersetzbar.

Und vielleicht wird es irgendwann für einige Koryphäen an den entscheidenden Stellen bei Bahn und Politk eng.
Ester Vilar hat ja seiner Zeit in ihrem Klassiker bereits beschrieben, welche Art Mensch bevorzugt diese Stühle besetzt. Das Buch hieß so nett:

Der betörende Glanz der Dummheit.
Klick

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Noch ein paar Worte ...

safe go, Chemnitz, Freitag, 24.12.2010, 12:11 (vor 5607 Tagen) @ moonglum
bearbeitet von safe go, Freitag, 24.12.2010, 12:13

Moin Leute,

zum einen wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest, kommt vor allem SICHER dort an, wo ihr hinkommen wollt.

Gleiches wünsche ich auch und hoffe, dass mir Selbiges gelingt.

Freunde warten hier in Hagen sowie in Köln auf ihre Kids aus verschiedensten Teilen der Republik, und mit Blick auf RIS in Köln kommen einem ja bald "die Tränen". Fast nichts ist planbar, vieles nicht einmal prognostizierbar.

Mal abgesehen von den Zugausfällen dachte ich immer, das sei bei euch der Normalzustand?!

[hier stand die schöne Geschichte von früher]

In der Tat wage ich zu behaupten, dass die dafür Verantwortlichen vor lauter Wirtschaftsunternehmen die Daseinsvorsorge (Art. 87e GG ?, ich dachte, irgendwo dort steht es, allein die Zeit zur Recherche fehlt mir gerade) der Bahn vergessen. Das habe ich jetzt nicht aus dem Hut gezaubert, sondern beziehe mich auf eine Vortrag von Hr. Prof. Kühlwetter an der TU Dresden im Rahmen eines Kolloquiums vor einigen Wochen. (bigbug21 möge mich korrigieren, falls nötig.)

Nach Lektüre des Beitrags von Dirk möchte ich ergänzen, dass ich damit nicht zwingend den Fernverkehr meine.

Einige Bits-Studenten haben upgegradet auf die A-Klasse..... auch sicher nicht schlecht, denn 557 soll schon jetzt (live Meldung aus dem Zug) aus allen Nähten platzen....

11:47 - Es scheinen alle da zu sein, teilweise übernächtigt, ungekämmt,bepackt mit Tüten, Taschen, Violione im Köfferchen... Kaffee ist jetzt kalt, Bahnsteig 5/6 voll....

Auch wenn es diesmal nicht nötig war, habe ich mir am Mittwoch zum wiederholten Male eine 1.-Kl.-Fahrt geleistet, um ein wenig meine Ruhe auf dem Heimweg (und v.a. Platz fürs Gepäck) zu haben.

Gute Reise und hoffentlich gute Ankunft in Berlin bis zum späten Nachmittag/frühen Abend.

Ich muss zwar nur Chemnitz - Jena (und das mit "Chauffeur" per Auto), wir haben allerdings immer noch gefrierenden Regen hier.

Moonglum verlässt jetzt den Bäckereiladen mit integriertem Café
und sprintet zur S8. Sie ist pünktlich.
Fein...

Sei froh, dass Du sie nicht wegen Pünktlichkeit verpasst hast. ;-)

Viele Grüße
safe go

Noch ein paar Worte ...

Holger2, Freitag, 24.12.2010, 13:02 (vor 5607 Tagen) @ safe go

Hallo,

eigentlich muss ich sagen, dass die Bahn in der Meinung der Presse relativ glimpflich davonkommt. Gestern gab es beispielsweise in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel über die Bahn, in der der Autor überlegt hat, warum eigentlich alle auf die Bahn schimpfen, während alle anderen Verkehrsträger auch Probleme haben.

Die meisten Fahrgäste sind relativ gelassen ob der Verspätung, zumindest habe ich bisher keine großen Beschwerden wahrnehmen können. Ich selbst bin den letzten Tagen auch selten bis nie pünktlich angekommen. Trotzdem werde ich wohl weiterhin der Bahn die Treue halten, auch wenn meine Kollegen teilweise sppöttisch reagieren (mit dem Mietwagen sind sie meist schneller unterwegs).

Mein letztes Erlebnis: Der IC, den isch eigentlich nehmen wollte, viel leider aus. Der Bahnhofsleiter wollte uns auf einen Nahverkehrszug verweisen, der eine Dreiviertelstunde später fuhr.
Erst nachdem ein anderer Fahrgast und ich noch einmal nachgefragt haben, hat er eine frühere Umsteigeverbindung gefunden. Die meisten Fahrgäste haben die Durchsage ohnehin nicht gehört und sind erst von mir informiert worden, da die Lautsprecheranlage leider schon seit "Wochen defekt" sei.
Rechtzeitig für meinen Anschlusszug in Frankfurt angekommen, musste ich feststellen, dass dieser eine Dreiviertelstunde verspätet ist. Leider macht auch die Bahnlounge selbst bei dermaßen gestörtem Bahnbetrieb punkt zehn Uhr zu (man wird nicht etwa von der Rezeptionistin gebeten, es sei jetzt Zeit und sie wolle Feierabend machen: nein, man wird vom Putzpersonal und dem Sicherheitsdienst herausgeschmissen) sodass ich halt die verbleibende Zeit auf dem zugigen Bahnhof verbringen musste.
Endlich kurz nach Mitternacht bin ich dann mit knapp einer Stunde Verspätung zu hause angekommen.

Trotzdem hat meiner Meinung nach die Bahn an vielen Punkten massiv geschlafen:
- Es ist schon seit Sommer diesen Jahres bekannt, dass die ICE diesen Winter nur 200km/h werden fahren dürfen. Trotzdem wurde kein neuer Fahrplan herausgegeben.

- Die Begrenzung auf 200km/h ist technischen Problemen geschuldet (Eisbrocken können die Bremssysteme beschädigen), dieses Problem ist jedoch erst seit Sommer diesen Jahres bekannt, obwohl die ICE mittlerweile 20 Jahre alt sind.

- In den letzten Wochen war das Wetter im Süden relativ unproblematisch. Trotzdem hatten wir hier auch massiv mit den aus dem Norden eingeschleppten Problemen zu kämpfen. Es wäre vielleicht sinnvoll gewesen, die aus Norden kommenden Züge an einem Unterwegsbahnhof zu brechen, oder einfach als Regelzug einen Takt später weiterfahren zu lassen. Dann wären viele Fahrgäste im Süden von den Verspätungen aufgrund der Wetterkapriolen im Norden verschont geblieben. Hier fehlt einfach das Notfallkonzept bzw. ein vernünftiger Taktfahrplan, der ein solches Vorgehen erleichtern würde.

Fazit: Die Probleme allein auf das Wetter zu verschieben wäre eine massive Schönmalerei. Solche Verhältnisse wie diesen Winter dürfen keinesfalls im nächsten Winter noch einmal vorkommen. Schließlich müssen alle Verkehrsträger mit dem Winter kämpfen, jedoch kommen mittlerweile Autos und Flugzeuge mit dem Wetter wesentlich besser zurecht - von einigen Ausfalltagen mal abgesehen.

Nach Berlin würde ich heute nicht mehr wollen...

loco_mo, Plüschetage, Freitag, 24.12.2010, 12:26 (vor 5607 Tagen) @ moonglum

...Schneetreiben in Hagen ist da das kleinste Problem.

Es dürfte heute aus Richtung Hannover noch kein Zug in Berlin angekommen sein.

Und das liegt nicht an der achsobösen Gewinnbahn, sondern an dick von Eis überzogenen Oberleitungen.

Ich finde das ewige Früherwarallesbesserlamento speziell heute extrem unpassend.

Was soll denn eine Beamtenbahn bei Eisregen besser können? Amtsräte mit warmen Händedruck die Oberleitung auftauen lassen? Den ICE mit 16 Stromabnehmern ausrüsten?

Das ist doch albern.

Ja auch ich ärgere mich und bin betroffen, ich rede hier auch nur von der derzeitigen Ausnahmewetterlagen in Niedersachsen - Sachsen-Anhalt - Brandenburg. Der Eisregen macht auch Autos und Fußgängern das Vorankommen schwer.

Ein paar cm Schnee sollten allerdings wirklich kein Problem sein, da bin ich bei Dir.

Frohes Fest!

gestern noch durchgekommen... mit nur +10

Christof_Minden, Freitag, 24.12.2010, 12:52 (vor 5607 Tagen) @ loco_mo

genau... schöne Geschichte nach dem Motto "früher war alles besser..." da sind auch keine Autos auf Straßen stecken geblieben und alle Flugzeuge geflogen

Mir hat die Bahn gestern eine herrlich entspannte Anreise nach Berlin beschert! Der IC 147 hatte nur +10 Minuten bei Ankunft und war nicht zur Hälfte gefüllt, dazu ein freundliches aufmerksames Zugteam, genial! vielen Dank dafür!

gestern noch durchgekommen... mit nur +10

moonglum, Hagen, Freitag, 24.12.2010, 12:54 (vor 5607 Tagen) @ Christof_Minden

Glückwunsch, wenn du aber genau hinschaust, habe ich deine hier gespiegelte Argumentation gar nicht verwendet....

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Nach Berlin würde ich heute nicht mehr wollen...

moonglum, Hagen, Freitag, 24.12.2010, 12:53 (vor 5607 Tagen) @ loco_mo

Hey Du,

ich widerspreche Dir indirekt!

Bei der DB von 1987/1988 hätten bei so einem Problem Dieselloks die Züge übernommen, die hätten jetzt auch da gestanden, wo sie hingemusst hätten......

Es hätten Ersatzgarnituren mit Dieselloks eingesetzt werden können. Solche Wetterlagen kommen vor in DE, man hat früher mit ihnen gerechnet, heute anscheinend nicht.

Man könnte also mit Perspektive von 1987 damals erwarten, dass in Hannover als Ersatz für strandende Elektrotriebzüge lange Zugreihungen aus Bm232, Bnrz und was weiss ich gestanden hätten, vorab zwei 216er oder 218er, und weiter wäre es gegangen.

Und damals hat auch der Fahrdienstleiter in Entenhausen (Anm: Ennepetal-Gevelsberg) als Beispiel auf Gleis 1 gestreut, damit der Bahnsteig begehbar wäre.

Der Aufseher auf Bahnsteig 2 in Wuppertal hat Taxibestellungen für Hagen Hbf mit Name und Zielort notiert, so dass es von dort 20 min. später weiterging. Ach ja - eigesammelt hat der ZUB in letzten IC des Tages von München nach Dortmund und leider witterungsbedingt mit plus 30 ab Köln fahrend.... diese Taxibestellungen.

Und unfassbarerweise wartete damals in Wuppertel-Elberfeld auf uns in jenem Fall die letzte S8 nach Hagen auf GLEIS 3!!!!!!!!, also direkt vis a vis.

Was mit wenig Kommunikation dort alles machbar war und weiterhalf, und was davon heute alles fehlt.....
das ist vielleicht das grösste Problem - auch im Bewusstsein der ganz einfachen Reisenden, die im Gegensatz zu damals einen verhältnismässig viel höheren Preis für oft erheblich schlechtere Beförderungsqualität bezahlen muss...

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Nach Berlin würde ich heute nicht mehr wollen...

Holger2, Freitag, 24.12.2010, 13:58 (vor 5607 Tagen) @ moonglum

Hallo moongloom,

Deine Erfahrung mit der Behördenbahn in allen Ehren, trotzdem bezweifle ich, dass die Bundesbahn damals für jeden IC ausreichend Dieselloks zur Verfügung stellen konnte.
Und Anschlusszüge warten auch heute noch, so z.B. gestern abend in Stuttgart. Die Fahrgäste nach Ulm mussten für einen Taxigutschein den Servicepoint kontaktieren, das gab es damals auch noch nicht.

Die Ansprüche an ein funktionierendes Bahnsystem sind einfach enorm gestiegen. Heute hat die Bahn gegenüber dem Fahrgast eine Fürsorgeverpflichtung, es gibt Fahrgastrechte und gestiegene Sicherheitsanforderungen.

Ich will die heutigen Zustände nicht schönreden, im Gegenteil, es ist eine Katastrophe, dass im Winterdienst vier Bahnarbeiter ums Leben gekommen sind. So etwas darf einfach nicht passieren.

Aber früher war auch nicht alles besser.

Holger

Nach Berlin würde ich heute nicht mehr wollen...

ims, Freitag, 24.12.2010, 13:19 (vor 5607 Tagen) @ loco_mo

Ich finde die Angriffe auf die Bahn auch überzogen, aber trotzdem stelle ich mir eine Frage: Ich bin von 1962 bis 1970 mit dem Zug zur Schule gefahren. Auch da gab es Verspätungen, aber dass Züge komplett ausfielen und alles zusammenbrach, darin kann ich mich nicht erinnern. Sicher kann und will heute niemand den Personalaufwand bezahlen, der damals betrieben wurde. Aber liegt es nicht auch an der Technik? Damals gab es auch Eisregen. Aber irgendwie hat es die alte E41 geschafft, genügend Strom zu bekommen. Heute erlebt man es, dass bei Raureif statt 300 nur noch 200 gefahren wird, weil die Stromversorgung nicht klappt. Aber den Fortschritt haben wir alle ja gefeiert.
Was ich sagen will: Je mehr man mit der Technik an die Grenzen geht, desto eher gibt es Probleme. Deshalb sollte man sich immer fragen, was kostet der vermeintliche Fortschritt.
Schöne Weihnachten

Nach Berlin würde ich heute nicht mehr wollen...

Holger2, Freitag, 24.12.2010, 13:52 (vor 5607 Tagen) @ ims

Hallo ims,

es ist auch nicht richtig, die Bahn insgesamt zu kritisieren. Der Nahverkehr lief in den letzten Tagen relativ reibungslos. Er ist sogar viel besser, als in Bundesbahnzeiten.

Beispielsweise fahren heute zwischen Gießen und Frankfurt Stadler Flirt von der HLB, die um ein Vielfaches angenehmer sind, als die Silberlinge oder die BR425 von der DB AG. Mit Steckdosen an einigen Sitzplätzen und freundlichem Personal.

Problematisch ist der ICE, weil hier offenbar in den letzten Jahren massiv geschlampt wurde. Es kann auch sein, dass das EBA nicht mehr so gut mit der DB AG zusammenarbeitet, wie dies zu Behördenzeiten der Fall war, denn damals war das eine Behörde. Möglicherweise hat man über den einen oder anderen Fehler hinweggesehen.

Trotdem hier noch einmal meine Frage: Wieso merkt man erst jetzt nach 20 Jahren, dass das Bremssystem durch Eisbrocken gefährdet ist, so dass jetzt nur noch 200km/h gefahren werden kann?

Holger

Nach Berlin würde ich heute nicht mehr wollen...

moonglum, Hagen, Freitag, 24.12.2010, 14:02 (vor 5607 Tagen) @ Holger2

Ein gutes Beispiel,
teilweise verhalten sich die Beiträge hier wie jene im APPLE Forum, es scheint einigen Lesern unerträglich zu sein, ein wenig historisch zu reflektieren UND daran zu sehen, wie grottenschlecht vieles geworden ist, wie viele Ressourcen unklugerweise vernichtet worden sind und auf welch dünnem Eis die DB derzeit operiert...

Das ist Fakt, und die vielen Doctores und Professoren zahlreicher Unis und FUs haben einfach nur recht.

Niemand bestreitet, dass das derzeitige Personal teilweise hoffnungslos frustriert, überfordert oder sonstwas ist und trotzdem mit beeindruckender Moral immer wieder Höchstleistungen erbringt.

Es mag auch sein, dass sich beim Fernverkehr besonders die Macken zeigen.

Unterm Strich:
Grundlegendes funktioniert nicht, und die Antwort auf Holger 2s Frageist einfach:
Bei dem drastischen Fahrzeugmangel versucht man jeden denkbaren Ausfall zu vermeiden, der irgendwie vermeidbar ist.
Die Antwort ist doch sonnenklar, auch wenn sie einigen hier schwer fällt zu geben...

Jetzt aber Schöne Weihnachten,
wir werden die Probleme nicht lösen, nicht heut, nicht morgen,
aber hoffen wir, dass das Land aus diesen Erlebnissen lernt.

--
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Nach Berlin würde ich heute nicht mehr wollen...

ims, Freitag, 24.12.2010, 14:22 (vor 5607 Tagen) @ moonglum

Die Frage ist doch, warum das Eis so dünn ist. Mehdorn ist nicht an allem Schuld, die Probleme liegen tiefer. Das System Bahn wurde zu einem Schönwetter-System umgebaut, das haben viele gewollt. Ähnliches gilt auch für die Autobahnen: Wie soll der Verkehr bei Schnee funktionieren, wenn es schon bei schönem Wetter überall Staus gibt. Auf den Flugplätzen sieht es auch nicht anders aus.
Bei der Bahn kommt noch hinzu, dass die Politik falsche Prioritäten setzt. Vielleicht ist es wichtiger, das System funktionsfähig zu halten als Bahnhöfe zu vergraben. Solange die Investitionen dazu dienen, die Bauindustrie zu beschäftigen oder die Fahrzeugindustrie am Leben zu halten, egal, welchen Schrott sie liefert, wird sich nichts, aber auch gar nichts, bessern.

Nach Berlin würde ich heute nicht mehr wollen...

Jogi, Freitag, 24.12.2010, 14:25 (vor 5607 Tagen) @ Holger2

Es kann auch sein, dass das EBA nicht mehr so gut mit der DB AG zusammenarbeitet, wie dies zu Behördenzeiten der Fall war,

Stimmt, denn vor 1994 gab es gar kein EBA...

...denn damals war das eine Behörde. Möglicherweise hat man über den einen oder anderen Fehler hinweggesehen.

Da kannste einen drauf lassen, wenn die Bundesbahn (zusammen mit der Industrie) ihre Fahrzeuge selber entwickelt und abgenommen hat.

Jogi

Nach Berlin würde ich heute nicht mehr wollen...

ims, Freitag, 24.12.2010, 17:43 (vor 5607 Tagen) @ Jogi

Naja, auch bei der alten DB gab es Verzögerungen und gewaltige Rückschläge. Bitte daran erinnern, dass die E03 1970 in Serie ging und nach dem Unfall von Rheinweiler der Schnellverkehr um Jahre verzögert wurde. Auch wenn es in diesem Forum die falsche Bemerkung ist: ich halte den Schnellverkehr in Deutschland nicht für eine Erfolgsgeschichte, wenn ich mir die letzten 40-Jahre ansehe. Als Bahnfan sage ich natürlich leider, aber ich sehe es so.

Nach Berlin würde ich heute nicht mehr wollen...

Klaus, Kassel, Freitag, 24.12.2010, 17:51 (vor 5607 Tagen) @ ims

...umgekehrt ist's aber auch gerade mühsam (140 Minuten Verspätung)

Pech, Schicksal oder die Folge von jahrelangem Fehlplanen?

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 24.12.2010, 14:30 (vor 5607 Tagen) @ moonglum

Moin Leute,

zum einen wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest, kommt vor allem SICHER dort an, wo ihr hinkommen wollt.

Danke schön...

...wo wir in Zeiten tiefsten Winters eine Reise von München nach Köln oder nach Hamburg mit dem guten alten InterCity samt seiner 103 oder 111 im Doppelpack, ..., mit sehr überschaubaren Verspätungen am Ziel ankamen...

Ein paar Hinweise:

1. damals waren andere Bereiche der Bahn noch nicht so weit entwickelt. Laut BahnExtra "InterCity", umfasste das IC'79-Netz nur 30% der Strecken, aber es entsprach 70% der Nachfrage. Und gerade die restlichen 30% der Nachfrage hatte sich in den Dekaden danach entwickelt = Regionalverkehr.

2. damals gönnte man sich noch die Zeit des Reisens. Ich schreibe absichtlich "gönnte" und nicht "hatte", denn man hat heute genauso viel verfügbare Zeit fürs Reisen wie damals, nämlich 24 Stunden am Tag, 7 Tage pro Woche.

Sozusagen:

Viel. Groß. Weit. Schnell. Preiswert. -> Gut.

Heute heißt es aber in allen Bereichen:

Mehr! Größer! Weiter! Schneller! Billiger!
besser?

Einerseits MUSS die Bahn so vorangehen, sonst würde das Geschäft gar nicht mehr bestehen.
Die Beförderungsnachfrage steigt ja nach wie vor, und auch die Schiene muss da eine Teilaufgabe erfüllen. Luft und Straße schaffen das nicht alleine.
Als Flüge bezahlbar wurden, enstand eine ernst zu nehmen Konkurrenz. Mit den guten alten IC-Zügen konnte die Bahn nicht mehr mit den Fliegern mithalten. Und so entstand der ICE und die Schnellfahrstrecken.

Aber wenn es zu "Billiger!" kommt, kann man auch übertreiben. Ich vermute, das passiert jetzt, mit den heutigen Folgen. Es wird gespart wo man nicht sparen sollte. Man kann einen Stuhl leichter machen, aber nicht dadurch, dass man 3 Pfoten wegnimmt.
Die Bahn ist kein Ryanair, wo in bestimmten Konzernbereichen rücksichtlos gespart wird.

Ich finde es erstaunlich, dass vieles vor allem an Kommunikation schief geht. Man hat heute Internet, E-Mail, ICQ, Ping, Kurznachrichten (SMS), Skype, iPhone, Blackberry, Apps, Plug-Ins, selbstinstanzierende Objektklassen, mobile Fahrplanauskunft, Armbandfunkuhren, RSS-Aktualisierungen, Weblogs, Google Maps, Navigationssysteme, Sozialverknüpfungen (del.icio.us), Sozialnetzwerke (Facebook), Mikroberichterstattung (Twitter), FourSquare, Spotify, das QR-Datenübertragungsverfahren... alles Sachen die man zu den Zeiten des IC'79 nicht hatte, und dennoch ist man nicht in der Lage, Fahrgäste ordentlich von korrekten Informationen zu versehen...


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Pech, Schicksal oder die Folge von jahrelangem Fehlplanen?

moonglum, Hagen, Samstag, 25.12.2010, 12:29 (vor 5606 Tagen) @ Oscar (NL)

Merry Christmas an alle,
ich finde eure Beiträge klasse.
Stimmt sicher alles und macht das Bild klarer und klarer,
die Unfähigkeiten auch deutlicher und deutlicher.

Wir sollten daraus mal einen Perspektiven Thread kreieren, diskutieren und nach einer Zeit mal Bilanz ziehen....
nur so eine Idee.

Übrigens war die Fuhre nach Berlin gestern wohl kit etwa plus 90-100 fröhlich und sicher angekommen in unserer Hauptstadt. Das eingeübte Violinenliedchen konnte von der studentischen Mitreisencen wohl noch aufgeführt werden ;-))))

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Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
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