CH: Gotthard-Seifenoper geht weiter (Allgemeines Forum)
Auch die Schweiz hat ihre Seifenoper: Den Italienverkehr über den Gotthard. Auf dieser Linie verkehren drei Neigezugtypen: Die schweizerischen ICN, die alten italienischen ETR 470 und die wenige Jahre alten ETR 610. Letzte wurden von der inzwischen aufgelösten Cisalpino, einem SBB/Trenitalia-Gemeinschaftsunternehmen, betrieben, inzwischen sind sie zwischen den Bahnunternehmen aufgeteilt.
Während die ICN (welche nur innerhalb der Schweiz verkehren) kaum Probleme haben, droht jetzt bei den italienischen Neigezügen neues Ungemach:
Die ETR 470 werden von den SBB gründlich überarbeitet, um die Zuverlässigkeit zu erhöhen; unter anderem werden die gleichen Toiletten wie in den anderen SBB-Zügen eingebaut. (Es gab Horrorstories von notfallmässig haltenden Zügen und auf den Boden pinkelnden Passagieren, weil einfach alle Toiletten eines Zuges ausfielen). Weil aber die Zugzahl nicht reicht, um gleichzeitig den Betrieb (inklusive den dringend nötigen Reservezügen) aufrechtzuerhalten, verkehren die SBB-Züge nur noch bis Chiasso, wo mit 8 Minuten Zeitverlust umgestiegen werden muss.
Den ETR 610 geht es auch nicht besser. Sie sind zwar durchaus komfortabler und zuverlässiger, als Mischung von Hochgeschwindigkeits- und Neigezug aber (neben verspäteter Lieferung) schwerer als versprochen geraten. Die Zulassung für bogenschnelle Fahrten am Gotthard blieb daher aus. Vor einigen Wochen wurde angekündigt, sie auf der Gotthardachse halb-bogenschnell zu betreiben und dafür im Gotthardtunnel schneller zu fahren. Die Genehmigung dafür blieb nun aber aus, woraus eine Verspätung von 20 Minuten in Mailand resultiert.
Ein Ende der Seifenoper ist vorerst nicht absehbar. Die SBB schreiben allerdings nächstes Jahr Neigezüge für den internationalen Verkehr (wohl vor allem Zürich-Stuttgart und Zürich-München) aus. Sollte sich dieser Typ bewähren (so denn kein ETR 610 gewinnt), könnte man vielleicht den ganzen ETR-Schrott verkaufen...