Ein kleiner Ausflug am Bodensee (mit vielen Bildern) (Reiseberichte)

TD, Mittwoch, 10.11.2010, 19:44 (vor 5607 Tagen)

Hallo zusammen,

für meine nächste größere Österreich-Tour lohnt sich die Anschaffung einer Vorteilscard (österreichische Bahncard). Um die Vorteilscard zu bestellen, habe ich letztes Wochenende einen kleinen Ausflug ans andere Ende des Bodensees nach Bregenz gemacht.

Unterwegs war ich mit einer Euregio-Tageskarte, das ist eine länderübergreifende Fahrkarte rund um den Bodensee. Es gibt insgesamt 4 Zonen, wobei für die Umrundung des Obersees schon zwei Zonen genügen. Die Fahrkarte gilt in Bussen, Bahnen und auf den Bodenseefähren und reicht auch recht weit ins Hinterland (meine zwei Zonen hätten bis Stockach, Ravensburg, Oberstaufen, Feldkirch, St. Gallen und Weinfelden gereicht). Und für Nahverkehrsangebote außergewöhnlich: es gibt sogar einen Bahncard-Rabatt. So ist man je nach Zonenzahl für 12 bis 21 € (mit Bc) einen Tag lang unterwegs. Mehr zum Ticket unter www.euregiokarte.com.

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Da ich die Strecken auf der deutschen Seite schon zur Genüge kenne, habe ich mich bei der Tour auf die schweizer Seite beschränkt, eine Bodenseeumrundung auf Schienen wäre zudem an den Bauarbeiten zwischen Lindau und Bregenz gescheitert. Dafür wollte ich mal wieder mit der Rorschach-Heiden-Bergbahn und den Appenzeller Bahnen fahren - an beide Zahnradbahnen hatte ich nur noch schwache Kindheitserinnerungen.

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Leider war mir am Vormittag noch etwas dazwischengekommen, so dass ich die Tour erst 2 Stunden später als ursprünglich geplant beginnen konnte. Deswegen musste ich einige Zwischenhalte streichen und auch die Fahrzeugvielfalt war etwas geringer (IC und EC habe ich verpasst), aber auch so war die Fahrzeugmischung recht bunt, hier der IR Konstanz-Biel.

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Dieses Detail hatte ich bisher noch nicht gesehen - gibt es hier sonst so viel Kabelsalat? Oder wurden schon Fahrgäste durch Kabel stranguliert?

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Die Strecke führt in großem Bogen um Kreuzlingen herum und gewinnt dann an Höhe, um den Seerücken zu überwinden. Hier der Blick über die beiden Nachbarstädte Konstanz und Kreuzlingen. Im Zug gibt es dreisprachige Bandansagen „Das Zugteam der SBB begrüßt sie…“ (deutsch, französisch, englisch). Auf der anderen Seite geht es dann den Berg wieder runter und wir sind schon in Weinfelden.

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Hier steht ein GTW von Thurbo als S7 bereit. Das EVU Thurbo gehört der SBB und dem Kanton Thurgau und betreibt den Regionalverkehr in dieser Ecke der Ostschweiz.

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Von Weinfelden führt die Strecke über Romanshorn dann am Seeufer nach Rorschach und von dort mit dem Rheintal-Express das kurze Stück weiter nach St. Margrethen. Der Rheintal-Express ist ein lokbespannter Regionalzug mit teilweise doch recht in die Jahre gekommenen Wagen. Leider habe ich von dem Zug aber kein Foto, der Zug war ziemlich voll, da wollte ich nicht fotografieren.

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Nach ganzen 9 Minuten Fahrzeit heißt es schon wieder umsteigen, diesmal in einen ÖBB-Talent für die Fahrt von St. Margrethen nach Bregenz. Diese Fahrt dauert 15 Minuten.

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In Bregenz bestelle ich dann die Vorteilscard. Ein Passfoto hatte ich schon online übermittelt, dann den am PC ausgedruckten Bestellschein über den Schalter gereicht und mit Kreditkarte bezahlt - warum geht das denn nicht komplett online? Aber gut, sonst hätte ich ja diese schöne Tour auch nicht gemacht…

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Die Bregenzer Seebühne wirbt schon für die Oper Andrea Chénier, welche 2011 aufgeführt wird. Im Moment ist die Bühne aber noch recht kahl, wenn man sonst die imposanten Bühnenbilder vor Augen hat.

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Anschließend geht’s mit dem ÖBB-Talent zurück nach St. Margrethen…

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…und von dort wieder mit einem farbenfrohen GTW weiter bis nach Rorschach. Von hier fährt die ehemalige Rorschach-Heiden-Bergbahn, die heute zu den Appenzeller Bahnen gehört, hinauf zum Ort Heiden.

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Kurz nach dem Bahnhof von Rorschach beginnt der Zahnradabschnitt. Während der 19-minütigen Fahrt überwindet die normalspurige Zahnradbahn rund 400 Höhenmeter, dabei gibt es erst einen Blick über den Bodensee, dann über das Appenzeller Vorderland.

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Ankunft in Heiden

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Auch von Heiden aus hat man eine tolle Aussicht. Der Ort wurde im 19. Jahrhundert als Kurort bekannt.

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Henry Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes, verbrachte seinen Lebensabend in Heiden und starb hier am 30. Oktober 1910. Am Denkmal für Dunant erinnern noch Kränze an den 100. Todestag.

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Anstatt jetzt wieder mit der Bahn runter zu fahren, nehme ich eine „Abkürzung“ und fahre mit dem Postauto direkt nach St. Gallen.

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Die Busfahrt führt durch die Kantone Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen.

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Stiftskirche St. Gallen

In St. Gallen herrscht Anfang November schon eine vorweihnachtliche Stimmung, die Weihnachtsbeleuchtung hängt schon und es duftet nach heißen Maroni. Allerdings ist nur kurz Zeit für einen Stadtbummel, denn ich will mit der Appenzeller Bahn noch nach Teufen (so weit gilt die Tageskarte).

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Auf der Strecke herrscht ein bunter Fahrzeugmix, hier der Triebwagen bei der Hinfahrt.

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Kurz nach dem Bahnhof von St. Gallen geht es in engen Kurven den Berg hoch, anschließend führt die Strecke mehr oder weniger an oder auf der Straße.

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Ankunft in Teufen

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Während des Aufenthalts in Teufen kommen einige Bahnen vorbei.

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Zufällig entdecke ich das „Null Stern Hotel“ in Teufen. Die Idee, einen Bunker in ein spartanisches Hotelzimmer zu verwandeln, ging vor einem guten Jahr durch die Medien bis hin zu CNN. Mittlerweile ist das Hotel geschlossen und besteht noch als Museum. Mehr zu der skurrilen Idee unter www.nullsternhotel.ch.

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Rückfahrt im Niederflur-Steuerwagen.

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Für die Fahrt von St. Gallen nach Romanshorn habe ich diesmal den Voralpen-Express eingeplant. Der Zug verbindet Luzern und Romanshorn und wird gemeinsam von der Südostbahn und den SBB betrieben. Bisher hatte ich den auffallenden Zug nur aus der Ferne gesehen…

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…jetzt kann ich endlich mal mitfahren. Die Kombination aus grün-blauen Sitzen mit Holz gibt den Wagen ein interessantes und angenehmes Ambiente.

Von Romanshorn aus geht es dann wieder mit einem GTW nach Kreuzlingen. Anstatt jetzt noch mal umzusteigen laufe ich über die Grenze nach Konstanz…

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…und so erreiche ich den Konstanzer Bahnhof mit dem beleuchteten Turm diesmal von der Straßenseite aus.

Eigentlich bin ich mehr ein Freund von Fernstrecken, am liebsten fahre ich ein paar Stunden am Stück, da ist so eine Kurzstreckentour mit alle paar Minuten Umsteigen schon gewöhnungsbedürftig. Wenn ich mich nicht verzählt habe, hieß es 11 x Umsteigen, die längste Strecke am Stück waren 46 Minuten - aber dafür alles mit schweizer Präzision: aus einem Zug raus, in den nächsten rein.

Viele Grüße

Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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