Gedanken zur Situation um Stuttgart21 (Allgemeines Forum)

Sören Heise, Region Hannover, Montag, 18.10.2010, 11:12 (vor 5691 Tagen)

Guten Morgen,

im Streit um Stuttgart21 sind die Fronten verhärtet, in Stuttgart, aber auch im Forum. Persönlich habe ich ziemliche Zweifel, ob es überhaupt noch möglich ist, zwischen den Parteien eine Lösung zu finden, die beide Seiten zufriedenstellt und sie ihre Gesichter wahren läßt.

Es stimmt, daß die großen Proteste erst jetzt aufkommen, da das Projekt "durch" ist und die Bauarbeiten angelaufen sind.
Es stimmt, daß ein Ausstieg teuer würde.
Es ist aber so, daß sich Meinungen im Laufe der Zeit ändern - sei es, daß einstmals für unvorstellbar gehaltene Maßnahmen plötzlich durchsetzbar sind, sei es, daß einstmals unproblematische Sachen zu großen Protesten führen. In diesem, zweiten, Fall zu sagen: "Ja, aber früher..." ist in meinen Augen falsch.
Stattdessen sollte man sich ernsthaft mit der neuen Situation auseinandersetzen, sich fragen, warum die Meinungen einem plötzlich entgegenwehen wie ein schwerer Sturm, sich auch fragen, was man selber dazu beitragen kann, daß dieser Sturm sich legt.

Der Lok-Report hat in seinen aktuellen Meldungen derzeit ein Zitat aus der Rede, die Moritz Leuenberger kurz vor dem Durchstich des Gotthard-Basistunnels im Tunnel gehalten hat (und das er auf die direkte Demokratie in der Schweiz bezog). Seine Worte passen in meinen Augen sehr gut auch auf die verfahrene Situation, in der die Umgestaltung der Stuttgarter Eisenbahnanlagen sich befindet und damit auch auf das Verhältnis vieler Menschen zu ihren Mitmenschen.

Ich möchte mit seinen Worten anregen zum Nachdenken.

Zum Nachdenken darüber, ob nicht beide Seiten zu sehr auf ihrer jeweiligen Position beharren.
Zum Nachdenken darüber, ob man nicht auf den anderen zugehen sollte, ihm zuhören, sachlich mit ihm diskutieren.
Ich weiß nicht, ob das noch möglich ist.
Wünschenswert ist es!


Moritz Leuenberger sagte:

Wenn alle Betroffenen beteiligt werden,
wenn mit ihnen Kompromisse gesucht und gefunden werden,
wenn sich also auch Minderheiten in den Beschlüssen wiedererkennen können,
dann müssen sie nicht auf Proteste und Demonstrationen ausweichen,
und dann kann die Demokratie Berge versetzen.


Viele Grüße, Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

"Basta"-Politik

Steffen, Dienstag, 19.10.2010, 11:12 (vor 5690 Tagen) @ Sören Heise

Bonjour :)

Moritz Leuenberger sagte:

Wenn alle Betroffenen beteiligt werden,
wenn mit ihnen Kompromisse gesucht und gefunden werden,
wenn sich also auch Minderheiten in den Beschlüssen wiedererkennen können,
dann müssen sie nicht auf Proteste und Demonstrationen ausweichen,
und dann kann die Demokratie Berge versetzen.

Dazu passend sagte Heiner Geißler:

Staatliche Entscheidungen bei solch gravierenden Projekten ohne Einbindung der Bürger gehören dem vorherigen Jahrhundert an.

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Zeitungsartikel zu dem Thema

Steffen, Dienstag, 19.10.2010, 19:19 (vor 5690 Tagen) @ Sören Heise

Gerade bekam ich von einem Freund den Hinweis zu einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der die Möglichkeit beleuchtet, die Bürger hatten um sich an der Frage zum Kellerbahnhof zu beteiligen. Es geht nicht um das Pro/Kontra von S21 sondern um die politischen Prozesse:
http://www.sueddeutsche.de/politik/umstrittenes-bahnprojekt-stuttgart-und-der-unheilbar...


Zusammenfassung:

Die Bürger hatten zwischen dem Bekanntwerden des Projekts (Pressetermin im April 1994 ) und der Rahmenvereinbarung zwischen Bund, Land, Region und Bahn, dass ein 8-gleisiger Kellerbahnhof unwiderruflich gebaut werden soll (November 1995) folgende umfangreiche Möglichkeiten der Beteiligung:

  • Gemeinderatswahl in Stuttgart, 8 Wochen nach Bekanntwerden des Vorhabens

(nein, da fehlt nix!)

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