Auf den Neroberg! (28 Bilder + Bonusbild) (Reiseberichte)
Hej!
Heute möchte ich euch mitnehmen zur wohl interessantesten deutschen Standseilbahn, der Nerobergbahn in Wiesbaden.
Technische Daten:
Spurweite: 1000 mm
Länge: 440 m
Höhendifferenz: 83 m
Steigung: max. 26 %
Rückfahrkarte: 3 €uro (Achtung: Bitte Verkehrstage und Winterpause beachten!)
Vom Hauptbahnhof erreicht man die Nerobergbahn mit der Buslinie 1, die man bis zur Endstation Nerotal nimmt.
Die Nerobergbahn wurde im Herbst 1888 eröffnet und präsentiert sich fast im Originalzustand. Der Zweite Weltkrieg verhinderte eine Modernisierung. Nachdem die Bahn zunächst in Privatbesitz und später in Besitz der Straßenbahn war, befindest sie sich seit 1925 in Besitz der Stadtwerke. Zuvor war 1923 der Betrieb (wohl wegen der Inflation) vorübergend eingestellt worden. Einige Erneuerungsarbeiten änderten nichts am äußeren Erscheinungsbild.
Ich möchte euch jetzt mitnehmen auf eine kleine Reise auf dieser Bahn.
Ankunft des Busses aus dem Zentrum. Der Fahrer hat das Zielschild schon umgestellt. Rechts liegt die Bushaltestelle, links kann man das Schild "Nerobergbahn" erkennen.
![[image]](http://www.jernbane.net/uploadk/15311Tal_1_-_Historisch_mit_Abstrichen.jpg)
Die Talstation präsentiert sich in historischem Gewand - fast jedenfalls. ;-)
Das ehemalige WC-Häuschen an der Talstation beherbergt jetzt übrigens ein kleines, aber feines Museum zur Geschichte und Technik der Bahn. Es ist während der Betriebszeiten geöffnet.
Einer der Wagen wartet in der Talstation auf Fahrgäste.
Ein Blick ins Wageninnere. Irgendwie fehlte mir die Patina.
Blau und orange sind die Farben des Herzogtums Nassau. Wir passieren den Viadukt an der Talstation.
Aus drei mach vier und aus vier mach drei: Die Ausweiche.
Zugkreuzung.
Die Bergstation ist fast erreicht.
Das blaue Rohr wird uns später noch beschäftigen.
Wir verlassen die Bahn ohne weitere Fotos und schauen uns ein wenig in der Gegend um.
Ein Blick von der Seite auf die Bergstation.
Dicht an der Bergstation bietet sich dieser Blick über einen Weinberg auf die Stadt, leider recht gegenlichtig. In der Nähe befindet sich ein Kriegerdenkmal, das 15680 toter Soldaten gedenkt, die im Ersten Weltkrieg starben.
Ein Monopteros, eine Ausflugswirtschft und ein Bad sind weitere Sehenswürdigkeiten. Und:
Im Jahr 1844 heiratete Adolph Wilhelm Carl August Friedrich von Nassau-Weilburg die junge russische Großfürstin Elisabeth Michailowna. Das Glück des Paares währt nur sehr kurz. Anfang 1845 starb Elisabeth bei der Geburt ihrer Tochter, die ebenfalls nicht überlebte. Aus der Mitgift ließ Adolph 1847 - 1855 die russische Kirche auf dem Neroberg errichten. (Die Kirche steht ein paar Meter von der Bergstation entfernt, ich war über die starken Steigungen auf dem Weg überrascht.)
Daß Adolph in späteren Jahren neben dem Herzogtum Nassau auch noch das Großherzogtum Luxemburg übernahm, ist hier von eher untergeordnetem Interesse. Für ihn war es sicher positiv, hatte Nassau 1866 doch auf die österreichische Karte gesetzt und nach Preußens Sieg seine Eigenstaatlichkeit eingebüßt. Das Amt des luxemburgischen Großherzogs üben Adolphs Nachfahren übrigens immer noch aus. Wir verlassen das Schlangenbecken der Genealogie des europäischen Hochadels lieber und kehren stattdessen zur Nerobergbahn zurück.
Der Eingang zur Bergstation.
Ein Plakat zur 90-Jahr-Feier.
Ein Blick auf die Strecke.
Ein Wagen nähert sich der Bergstation.
Der Wagen ist in der Bergstation angekommen.
Das Dreischienengleis bedingt für die beiden Wagen unterschiedliche Bahnsteige.
Jetzt kommt die blaue Röhre in den Mittelpunkt: Sie ist nichts anderes als die Tankstelle. Die Nerobergbahn ist eine Zahnstangenstandseilbahn, die mit Wasserballast betrieben wird. Die Details zur Funktionsweise sind auf Wikipedia nachzulesen.
Das Funktionsschema in bildlicher Form. Bitte aufs Bild klicken, um das untere Schema in groß zu betrachten! ;-)
Der Wagen unmittelbar nach der Abfahrt.
Aus der Tankröhre tropft noch ein wenig Wasser.
Der andere Wagen ist angekommen. Wir werden mit ihm wieder ins Tal fahren.
Frei nach Heinz Erhardt: Noch'n Bild.
Die Fahrt nähert sich ihrem Ende: Die Talstation ist fast erreicht.
Wasserrauschen: Das Ballastwasser wird aus dem Tank ausgelassen. Es wird anschließend nach oben gepumpt. Wie oft das Wasser erneuert wird, weiß ich leider nicht. ;-)
Ein Wagen erreicht die Talstation.
Zwei Links (fast) zum Schluß:
Stadtwerke Wiesbaden: Nerobergbahn
Wikipedia: Nerobergbahn
Viele Grüße, Sören
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Das war sie, meine Serie mit Bildberichten von Deutschlands Standseilbahnen. Wer einen oder mehrere Teile verpaßt hat oder sie sich nochmal anschauen möchte, erhält meine Beitragsübersicht durch einen Klick auf den Smiley in meiner Signatur.
Vielen Dank für die Kommentare bis hierhin. Vielleicht habe ich dem einen oder anderen von euch ja Lust gemacht, auch einmal eine dieser Bahnen zu besuchen. Es würde mich freuen!
Ein paar Seiten im Netz zu Standseilbahnen:
seilbahngeschichte.de: Internetseite von Dr. Eddie Schurr zu Seilbahnen im deutschsprachigen Raum.
funiculars.net: Seite von Bruse LF Persson in mehreren Sprachen, mit umfangreicher Datenbank.
funimag.com: Internetmagazin zu Standseilbahnen von Michel Azéma (französisch, englisch).
Und ganz zum Schluß die gesammelten Fahrkarten:
![[image]](http://www.jernbane.net/uploadk/Fahrscheincollage.jpg)
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![[image]](https://up.picr.de/48317654tz.jpg)
Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr
![[image]](http://www.jernbane.net/uploadk/Schema.jpg)