Fahrradtransport mit der Belgischen Eisenbahn (Erfahrungberi (Reiseberichte)

Steffen, Dienstag, 12.10.2010, 17:10 (vor 5641 Tagen)
bearbeitet von Steffen, Sonntag, 17.10.2010, 17:14

Als erfahrener Eisenbahnnutzer muss man den Level regelmäßig steigern. „Ausland“ und „Ausland fremdsprachig“ habe ich schon bestanden, daher habe ich den Schwierigkeitsgrad um zwei Stufen erhöht: „Ausland fremdsprachig mit Fahrrad samt Gepäck“.

Und zwar war ich die letzten Tage in den belgischen und französischen Ardennen unterwegs (Bericht, aber ohne Eisenbahn, also OT) und habe nach beendeter Mission beschlossen, für die Rückfahrt den Zug zu nehmen. Nicht zuletzt deshalb weil es billiger war, als die selbe Strecke mit dem Fahrrad zu fahren:


Start war in Libramont an der Strecke Luxemburg-Namur-Brüssel. Mein Ziel war Hergenrath (bzw. alternativ Welkenraedt, falls ich in Lüttich ewig hätte warten müssen), damit ich die günstigen innerbelgischen Tickets nutzen konnte. Die Fahrt mit dem Fahrrad von Hergenrath zu mir nach Hause dauert 35 Minuten (20 Minuten bergauf und 15 Minuten rasant bergab *juhuuuuu*), komme damit nur 15 Minuten später an als die teurere Variante (Fahrt bis Aachen Hbf).

Libramont hat keine Aufzüge, aber immerhin eine Rinne, auf der man schiebend das Fahrrad hinaufwuchten kann – ein Kraftakt! (ein bepaktes Fahrrad ist ja deutlich schwerer als ein unbepaktes!)

Der Zug aus Luxemburg kam erstmal 10 Minuten später. Es war eine einzelne Gumminase. Das Fahrradabteil – nein, eigentlich ein Gepäckabteil – befindet sich im 1. Klasse-Wagen direkt hinter dem Lokführer. Die Türe ist sehr breit (1,50 m?) und muss vom Schaffner geöffnet werden. Eine Einstiegstreppe gibt es nicht, sondern nur zwei schmale Trittstufen, wie sie auch der Lokführer hat. Da alte belgische Bahnsteige fast auf Schienenniveau sind, muss man das Fahrrad also auf über Hüfthöhe hinaufwuchten! (ohne Gepäck – das verlade ich separat) In dem Mini-Gepäckabteil sind dann an der Decke zwei Haken angebracht (für 2 Fahrräder), in die man das Vorderrad einhängt. Kraftakt zweiter Teil. Vorteil gegenüber Deutschland ist allerdings, dass sich Fahrrad und Fahrgäste beim Ein- bzw. Ausstieg nicht in die Quere kommen.

Erster Umstieg war in Namur. Dort muss dann die Türe wieder vom Schaffner aufgeschlossen werden, damit man sein Fahrrad ausladen kann. Für den Bahnsteigwechsel gab es hier zum Glück Aufzüge, die zwar nicht zu klein waren, dafür musste man aber rückwärts wieder heraus.

Mein IC nach Lüttich (Lille-Namur-Lüttich-Herstal) wurde ebenfalls mit +10 angekündigt auf Gleis 3. Letztlich war es aber so, dass irgendwo ein Unfall (PU?) war und stattdessen ein Ersatzzug fuhr und die Fahrgäste alle nach Gleis 2 geschickt wurden, d.h. Bahnsteigwechsel. Mit Fahrrad ist das etwas aufwendiger. Es war wieder eine einzelne Gumminase und mit Halt an allen Stationen. Vermutlich fiel also ein anderer Nahverkehrszug auch aus. Mit dem Verladen des Fahrrades hatte ich inzwischen Erfahrung.

In Lüttich gibt es ebenfalls Aufzüge. Sie sind rund und so klein, dass ich mit Fahrrad so gerade eben reinpasse. Ich hatte hier 18 Minuten Übergang, d.h. Genügend Zeit für das obligatorische Bahnhofsfoto.

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Dann entdeckte ich folgendes (man sieht hier deutlich, wie lange der Besenstiel ist *gg*):

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und stelle fest: Es ist ungeschickt, einen schneeweißen Bahnhof 2 km neben sowas zu bauen:

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Also: Macht schnell Fotos von einem noch halbwegs weißen Bahnhof, ehe er kohlrabenschwarz ist!

Mein Zug nach Aachen (O-Ton Durchsage: Nicht Aix-la-Chapelle, sondern „Ahhen“) hatte dann ebenfalls +10 (der nachfolgende Nahverkehrszug nach Verviers fiel aus, Fahrgäste wurden auch auf den Zug verwiesen). Grund war wohl eine Baustelle in einem Tunnel kurz vor Pepinster, was eine ziemlich lange Eingleisigkeit der Strecke zur Folge hat und etwas den Fahrplan durcheinander wirbelt, das kennt man ja auch von Deutschland. Deshalb standen wir auch unterwegs noch eine Weile, um den Gegenzug nach Ostende vor zu lassen.

Auch bei den „roten“ Triebwagen ist das Gepäckabteil zwischen 1. Klasse und Führerräumchen. Da der Bahnsteig in Lüttich höher ist, war die Verladung einfacher, und auch der Gepäckraum ist geräumiger, da er so breit wie der Zug ist. Fahrradhaken habe ich nur einen entdeckt; angeblich lassen sich hier aber 3 Räder transportieren.

Wie groß die Verspätung in Hergenrath war weiß ich nicht, bemerkenswert war aber, dass außer mir noch jemand ausstieg! Und im Zug saßen immer noch einige Leutchen.


Fazit: In allen belgischen Zügen können Fahrräder transportiert werden. Man benötigt aber immer die Schlüsselhilfe des (stets freundlichen) Personals, und je nach Bahnhof ist es sehr unkonfortabel (fehlende Aufzüge, sehr niedrige Bahnsteige). Wenn ich da an Morsum (Sylt) und Klaxbüll (Festland) denke, wo man das Fahrrad bepakt lassen kann und es eben (stufenlos) in den Zug schiebt.......

P.S.: Wir hatten es doch neulich von der langweiligen Farbgebung der Deutschen Bahn. In Frankreich (hier: Charleville-Mézières) fahren solch bunte Züge:

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