Mit dem Erbschleicherexpreß unterwegs (12 B.) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 02.10.2010, 12:59 (vor 5650 Tagen)

Hej!

Im Jahr 1929 wurde die Stuttgarter Standseilbahn eröffnet. Sie verbindet zwei große Friedhöfe mit der Stadt und der Straßenbahn, daher erhielt sie den Spitznamen Erbschleicherexpreß. Auch nach einer 2003/2004 durchgeführten Modernisierung ist sie fast im Originalzustand erhalten.

Technische Daten:
Spurweite: 1000 mm
Länge: 536 m
Höhendifferenz: 85 m
Steigung: max. 28,2 %
Einzelfahrschein 1,00 €uro (VVS-Fahrscheine gelten)


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Die Brücke hinter der Talstation. Holzwagen.


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Talstation. Im Hintergrund kann man die Stadtbahn-Station Heslacher Platz erahnen.


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Der Fahrplan in der Talstation. Den Fahrplan in der Bergstation habe ich leider nicht fotografiert. :-D


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Das Unterseil gibt es erst seit der Modernisierung.


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Fahrzeugnummer, Fabrikschild und Platzangabe.


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Innenraum. Ich glaube nicht, daß die Leuchtstoffröhre original ist. :-(


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Die Brücke aus der Bahn gesehen.


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Die Talstation mit der Brücke.


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Zugkreuzung.


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Wagen 2 fährt aufwärts.


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Die Bergstation. Unter dem Glasdach der Maschinenraum. Im Stationsgebäude befindet sich ein Blumenladen.

Eine nette Bahn mit nettem Personal! Sie ist einen Besuch wert! :-)


Stuttgarter Straßenbahnen AG: Die Standseilbahn
Wikipedia: Standseilbahn Stuttgart


Weitere Beiträge über Deutschlands Standseilbahnen sind über einen Klick auf den Smiley in meiner Signatur zu finden.

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Unterseil

Steffen, Sonntag, 03.10.2010, 00:30 (vor 5649 Tagen) @ Sören Heise

Als Stuttgarter* freut mich dieser Bericht natürlich besonders :)
Ich bin dieses Jahr auch mit der Rumpelbahn gefahren (und den Rest des Berges rauf gelaufen), einfach herrlich! Vor allem die alten Wagen finde ich was besonderes!

Warum hat man der Bahn eigentlich ein Unterseil verpasst? Ich kann mir da eigentlich keinen Reim darauf machen.


* Seit zwei Tagen bezeichne ich mich eigentlich nicht mehr als solcher - anderes Thema :((

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Unterseil

Fabian318, Münster i. W., Sonntag, 03.10.2010, 02:35 (vor 5649 Tagen) @ Steffen

Warum hat man der Bahn eigentlich ein Unterseil verpasst? Ich kann mir da eigentlich keinen Reim darauf machen.

Habe die Erklärung - wozu Sören bei einem der letzten Beiträge einen Link geliefert hat - auch nicht 100%-ig nachvollziehen können. Es geht etwa darum, dass je steiler die Neigung ist, die Zugkraft umso höher ist. Und um die Effekte vom Seil (das wiegt ja auch ordentlich) zu eliminieren, wird die Strecke Richtung Talstation immer flacher. Aber wozu das Unterseil...?

Aber, Sören, danke für deine Berichte, sehr schön! Man könnte die These wagen, du hast eine gewisse Schwäche für Standseilbahnen ;-)

Unterseil-Erklärung

Holger_HAM, Hamm (Westfalen), Sonntag, 03.10.2010, 07:04 (vor 5649 Tagen) @ Fabian318

Hallo,

Warum hat man der Bahn eigentlich ein Unterseil verpasst? Ich kann mir da eigentlich keinen Reim darauf machen.


Habe die Erklärung - wozu Sören bei einem der letzten Beiträge einen Link geliefert hat - auch nicht 100%-ig nachvollziehen können. Es geht etwa darum, dass je steiler die Neigung ist, die Zugkraft umso höher ist. Und um die Effekte vom Seil (das wiegt ja auch ordentlich) zu eliminieren, wird die Strecke Richtung Talstation immer flacher. Aber wozu das Unterseil...?

habe zwar keine älteren Beiträge jetzt nachgelesen, aber das Unterseil gibt es auch bei Fördermaschinen im bergmännischen Bereich. Es dient dem Gewichtsausgleich. Das Seil hat ja ein beträchtliches Eigengewicht, was durch das Unterseil kompensiert wird. Im Endeffekt hängt dann an jeder Seite der bergseitigen Umlenkeinrichtung gleich viel Last

Aber, Sören, danke für deine Berichte, sehr schön! Man könnte die These wagen, du hast eine gewisse Schwäche für Standseilbahnen ;-)

Oh ja, immer wieder schöne Bericht! Die lese ich auch sehr gern.

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Viele Grüße aus Hamm in Westfalen,
Holger
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Der bahn.kommfort-Briefkasten. Auch vor Ihrer Haustür!
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Zum Unterseil

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 03.10.2010, 10:09 (vor 5649 Tagen) @ Holger_HAM

Moin!

Danke für die Kommentare. Es freut mich natürlich, daß euch die Serie gefällt, zwei Folgen gibt's noch.

In Wikipedia findet sich die folgende Erklärung für ein Unterseil: Bei flach angelegten Bahnen mit weniger als 50% bis 60% Steigung müssen die Wagen auch talseitig durch ein Ausgleichsseil miteinander verbunden werden, das über eine nachgespannte Seilscheibe in der Talstation läuft. Das Ausgleichsseil verhindert, dass der talwärts fahrende Wagen wegen der fehlenden Hangabtriebskraft auf der Strecke stehen bleibt.
Hierbei möchte ich anmerken, daß nach den Angaben eigentlich alle Bahnen unter 50 % Steigung haben und trotzdem kein Unterseil! Der Artikel zur Hangabtriebskraft strotzt nur so von Formeln und ist daher für mich unverständlich.

Im Buch Hoch über Heslach - Die Stuttgarter Seilbahn. 75 Jahre Technik- und Verkehrsgeschichte von Hans-Joachim Knupfer (Stuttgart 2004) findet sich im Kapitel zum Umbau ein Abschnitt zum Unterseil. Ich tippe ihn mal ab (S. 105f.):

Eine weitere Neuheit [neben einem neuen Antrieb] kommt dazu: das Gegenseil. Bisher hängen die Wagen nur am Zugseil wie die Eimer an einem Ziehbrunnen. Schwankende Belastungen, z.B. durch viel oder wenig Passagiere, wirkten sich direkt auf das Fahrverhalten aus. Das 18 mm starke Gegenseil wird nun an der Talseite beider Wagen angebracht und in der Talstation um eine Umlenkrolle geführt, wie man sie von Skiliften kennt. Es ergibt sich sozusagen ein Endlosseil.
Das bedeutet, daß auch der zu Tal fahrende Wagen nicht nur durch Schwerkraft läuft, sondern auf dem Seilweg über den „Bergwagen“ und die Umlenkrolle gleichzeitig vom Antrieb gezogen wird, wenn auch talwärts. Dies setzt voraus, dass man das gesamte Seilumlaufsystem „Zugseil - Wagen 1 - Gegenseil - Wagen 2 (- Zugseil )“ durch ein Abspansystem in der Talstation (mit Gewichten bzw. Federn) unter mechanische Vorspannung setzt. Das Seil strafft sich jetzt also nicht mehr durch das Gewicht der Fahrzeuge, sondern durch die Kraft der Abspannvorrichtung (wie ein Einmachgummi, den man mit zwei Fingern auseinanderzieht). Dadurch ergibt sich ein gleichmäßigerer Lauf beider Wagen und eine konstante Seillage. Auch das „Anhalte-Ruckeln“ des unten ankommenden Wagens (bedingt durch die Längenausdehnung des Stahlseils) hört damit auf, wenngleich es vielen Benutzern als liebenswertes und unbedenkliches Charakteristikum künftig fehlen dürfte.
Das Gegenseil hat noch eine andere Eigenschaft: Das
[anderswo im Buch] dargelegte Problem, dass das Kräfteverhältnis der fahrenden Wagen wegen des sich fortwährend umschichtenden Seilgewichts ständig ändert, wird faktisch aufgehoben. Es befindet sich nun immer „gleich viel Seil“ auf beiden Seiten der Wagen, gleichgültig wo diese sich befinden. Soweit das Zitat.

Das Unterseil bewirkt also ein besseres Kräfteverhältnis und einen höheren Fahrkomfort. Die Hangabtriebskraft scheint hier keine Rolle zu spielen.

Viele Grüße, Sören

Zum Unterseil

Steffen, Sonntag, 03.10.2010, 10:18 (vor 5649 Tagen) @ Sören Heise

In Wikipedia findet sich die folgende Erklärung für ein Unterseil: Bei flach angelegten Bahnen mit weniger als 50% bis 60% Steigung müssen die Wagen auch talseitig durch ein Ausgleichsseil miteinander verbunden werden, das über eine nachgespannte Seilscheibe in der Talstation läuft. Das Ausgleichsseil verhindert, dass der talwärts fahrende Wagen wegen der fehlenden Hangabtriebskraft auf der Strecke stehen bleibt.

Wenn ich das nur lese..... *haarezubergesteh*

Die Stuttgarter Standselbahn fuhr 70 Jahre lang ohne dieses Unterseil - es muss also definitiv nicht vorhanden sein!

Aber anders als bei Wikipedia bekommt man im ICE-Treff verständliche und augenscheinlich richtige Erklärungen, ich danke herzlich dafür!

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Mit dem Erbschleicherexpreß unterwegs (12 B.)

ICE 79, Sonntag, 03.10.2010, 19:25 (vor 5648 Tagen) @ Sören Heise

sehr feiner Bericht - ich bin im Juli auch damit gefahren :D - und einen Stuttgarter freut natürlich auch solch ein toller Bericht.

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