Entlastungs-/Verstärkerverkehre DE vs. NL (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 01.09.2010, 17:01 (vor 5696 Tagen) @ JanGT

Also ich finde da kann man beim heutigen Fernverkehrsfahrplan der DB keinem mehr einen Vorwurf machen, wenn er mal was verschläft.

Kein Problem: ich kenne auch nicht alle Zugnummern auswendig.

Das ist doch alles kein richtiger vertakteter Linienverkehr mit leicht merkbaren Zeiten von früh bis spät sondern alles nur nur einzelne Zugpaare...

Jein.

Im Falle Dresden-Norddeich ist zumindest der Abschnitt L-H vertaktet, und zwar stündlich.
Ab Hannover geht's dann abwechselnd nach NRW und HB, also H-HB zweistündlich mit IC.
Vereinzelt geht es dann weiter nach Oldenburg, Emden Aussenhafen oder Norddeich Mole.

-> zumindest eine Teilstrecke ist vertaktet, man muss sie halt finden!

Bei uns sieht der Fahrplan übersichtlicher aus:

1. in NL sind alle Linien vertaktet;
2. wenn Linien gebündelt werden, sind sie etwa einen halben Takt versetzt (meistens genau, aber leider nicht immer, z.B. Linie 8/35 Utrecht-Eindhoven in 14/16-Takt);
3. keine Einzelzüge.

Aber auch wir haben Entlastungsverkehre, z.B.:

1. zwei Zugpaare der Linie 35 Schiphol-Eindhoven beginnen morgens / enden abends in Maastricht und entlasten auf Eindhoven-Maastricht so die Kuppel-ICs der Linie 8 (Mtr/Hln - Alkmaar).
Auch in Deutschland werden IC(E)s über ihren üblichen Laufweg verlängert; so fahren z.B. einzelne ICEs nach Garmisch-Partenkirchen, die aber bis München im Takt gefahren haben.
Der Unterschied ist aber, dass auf M-GAP kein FV-Taktverkehr besteht; auf Eindhoven-Maastricht schon.
Im Falle Schwarzwaldbahn wird sogar ein in Takt verkehrender RE zugünsten eines ICs gestrichen, wobei im IC die RE-Fahrkarten auf dem RE-Abschnitt nicht gelten.

2. normal verkehren zwischen Amersfoort-Zwolle die stündlichen Linien 5/105 und 7/107 (genau 30 Min. versetzt) jeweils gekuppelt (5 und 7 nach Groningen, 105 und 107 nach Leeuwarden). Morgens und abends verkehren aber die Linien 5 und 7 als Vollzug nach Groningen; ein Blockabstand zuvor verkehrt ein Vollzug nach Leeuwarden, diese haben die Liniennummern 125 und 127 (guck mal DB Bahnhofstafel Utrecht Centraal um 17:00).
Etwas ähnliches passiert auch in Deutschland: Freitags und Sonntags verkehren Verstärker-ICs zum Stundentakt NRW-HH. Unterschiede sind aber:

a. abweichenden Laufwege (via GE-RE)
b. extra Halte (MH, DH, ROW?)
c. weder genau ein halber Takt verschoben zu den Taktzügen noch in Blockabstand zuvor/danach

...am Beispiel Dresden-Norddeich sogar unpaarig wo man in eine Richtung direkt fahren kann und in die andere nicht, und dieser Trend setzt sich (leider) immer weiter fort

Blickpunkt DB: ein NL-Verfahren ist in Deutschland nicht möglich, weil wir so bestimmte Kunden keine Direktverbindungen anbieten können. Wegen der größeren Reiseabständen sind Direktverbindungen wichter als Takt.
(deswegen gibt es auch den Umklapp-ICE HH-Mainport-S; der verbindet HH umsteigefrei mit dem Nationalflughafen)

Blickpunkt Eisenbahnromantiker: Einzelstücke wie der Königssee sind eine Bereicherung der Bahnlandschaft und durchbrechen die Alltagsmonotonie der Bahn. Das D-Zugalter war eigentlich Himmel auf Erde: jeder Zug einen einzigartigen Laufweg! Genauso wie bei Jazzmusik: "jazz is never played the same way twice"!

Blickpunkt pragmatischer Niederländer: was mich zudem vor allem stört, ist dass die Taktzüge sogar nicht immer fahren. Es gibt saisonale Lücken, Taktzüge die nur etwa Mo/Do/So verkehren, und das erfährt man erst in dem "fineprint" auf dem Abfahrtstafel.
Was Deutschland braucht, ist ein Kernnetz mit konsequentem Stundentakt, sowohl im FV als im NV (keinen parallelen FV/NV-Mischtakt wie etwa auf F-GI-KS und S-AN-N). Dann braucht man bei Abfahrt nur die Minute zu memorieren, und man braucht sich keine Sorgen zu machen über Gültigkeit der Fahrkarte.
Wenn ICE nicht lohnt, dann IC. Wenn FV nicht lohnt, dann NV. Wenn Dotra nicht lohnt, dann halt 1 Triebwagen. Wenn Bahn nicht lohnt, dann Bus.
Dazu dann Linienbündlung einen halben Takt versetzt.
Dann kriegt Ihr auch die Situation, die in NL hochgelobt wird: man fährt in einen Bahnhof ein und am gleichen Bahnsteig gegenüber steht der Anschlußzug.
Hinzu kann man immer noch Züge über das Kernnetz hinaus verlängern.

Aber gut, ist natürlich alles Wunschdenken, zumal der DB-IC sich eigenwirtschaftlich retten muss und der NS-IC genauso zum gemeinwirtschaftlichen Grundangebot gehört wie die RB/S. Dieser Unterschied durfte wohl die Quelle aller Elend sein.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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