Reisebericht: Mit dem IC 1806 an die Nordsee (m. 50 Bildern) (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 31.08.2010, 20:53 (vor 5678 Tagen)

Eigentlich wollte ich meinem kleinen Brüderchen nur eine kleine Angelreise schenken, eigentlich. Nachdem als Ziel der Biggesee ausgemacht war, habe ich etwas den Finger über der Deutschlandkarte kreisen lassen: Essen, die europäische Kulturhauptstadt 2010 ist von dort ja nicht weit. Und fährt von Essen nicht der historische IC 1806 nach Hamburg? Und wenn wir schon mal in Hamburg sind, würde sich da nicht ein Ausflug an die Küste anbieten? Und so ist aus einem Tag Angeln am Biggesee eine fünftägige, erstklassige Reise einmal hoch und runter durch Deutschland geworden…

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Tag 1 Konstanz - Sondern am Biggesee

Erst nach 10 Uhr eine Tour zu beginnen ist für mich eigentlich sehr ungewöhnlich. Deshalb komme ich nur selten in den Genuss, mit dem einzigen IC des Tages ab Konstanz zu starten. Diesmal passt es aber einigermaßen, und so besteigen wir bei sonnigem Wetten den IC 2370 „Schwarzwald“.

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Links unser IC Schwarzwald, rechts der schweizer Interregio nach Biel. In der Mitte der restaurierte Turm des Konstanzer Bahnhofs.

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Wir machen es uns im Abteil bequem…

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…und überqueren kurz darauf die Rheinbrücke mit Blick über den Bodensee.

Leider fehlt das Bordbistro, es gibt zwar einen Abteilverkauf, aber nur mit Snacks und kalten Getränken. Schade, ein Kaffee wäre schon schön gewesen.

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Ich genieße die Fahrt über die Schwarzwaldbahn, wobei mir der Zugchef etwas leid tut, der bei jeder „Milchkanne“ wie St. Georgen, Triberg und Hornberg brav das „Thank you“-Sprüchlein aufsagt. Hier steigt doch ohnehin kaum jemand aus (die Wanderer kommen mit dem Nahverkehr und die Schwarzwaldtouristen kommen aus dem Norden) - und ob hier überhaupt mal englischsprachige Fahrgäste aussteigen?

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Und das hier ist übrigens Hornberg mit seiner Burg.

Nach Karlsruhe gibt es dann auch Kaffee; über Heidelberg und die Strecke entlang der Bergstraße geht die Reise am Fuße des Odenwalds nach Frankfurt. Wegen Bauarbeiten hält der IC jedoch nicht am Hauptbahnhof, sondern in Frankfurt West.

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Deshalb kann ich auch dieses Bild machen, als wir am Frankfurter Hauptbahnhof vorbeifahren. Zwischenzeitlich hatte das Zugpersonal gewechselt - der neue Zugchef hätte Radio-Moderator werden können. So erklärt er den Fahrgästen nett, verständlich und flüssig, dass wir dadurch, dass der Hauptbahnhof ausgelassen wurde, jetzt etwas zu früh dran sind, und deshalb noch einige Minuten warten müssen, bis die Fahrt weiter geht.

In Gießen verlassen wir den IC und steigen auf den RE Gießen-Aachen um. Positiv fällt mir auf, dass es in Gießen noch einen lokalen Bäcker im Bahnhof gibt - schön, dass hier das Wiener-Feinbäcker-Heberer-Einerlei noch nicht Einzug gehalten hat.

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Im RE geht’s entlang der Dill bis Siegen, dort heißt es Umsteigen in den Abellio-Flirt, mit dem es über die Ruhr-Sieg-Strecke am Rande des Rothaargebirges bis nach Finnentrop geht.

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In Finnentrop wartet der „Biggesee-Express“ in Form eines Lints der DB DreiLänderBahn.

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Kurz nach der Abfahrt in Finnentrop kommt ein Mitarbeiter von DB Sicherheit und will unsere (und nur unsere) Fahrkarte sehen. Da wir keine „Schlipstäger“ sind, wähnt er sich wohl sicher, uns aus der - ohnehin ärmlichen - ersten Klasse weisen zu können. Als er das Online-Ticket mustert, habe ich den Eindruck, dass er zum ersten Mal ein solches Ticket in Händen hält. Nach ausführlicher Prüfung kommt er zum Schluss, dass sei aber „keine Erste-Klasse-Fahrkarte, oder?“ Als ich ihm dann die 1 auf der Fahrkarte zeige, ist er etwas enttäuscht…

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Unser Ziel ist Sondern, ein Ortsteil von Olpe, der sich rühmt, über den einzigen Seebahnhof in Nordrhein-Westfalen zu verfügen, da hier ein direkter Übergang vom Zug zum Schiff möglich ist.

Den Biggesee und die Strecke entlang des Sees kannte ich vorher nur aus dem Microsoft Trainsimulator - das war damals eines der ersten deutschen Add-Ons.

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Eigentlich hatte ich mir ausgemalt, auf einem sonnigen Bänkchen am Ufer entspannt das Buch „Geschichten aus dem Speisewagen“ zu lesen, während mein Bruder einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser zieht.

Ich hoffe, dem Biggesee nicht unrecht zu tun - aber bei Dauerregen ist es dort nicht wirklich schön. Und während die Fänge meines Bruders auch sehr überschaubar bleiben, gibt es alle 2 Stunden ein Schauspiel am „Seebahnhof“. Dann kommen nämlich ein oder zwei Reisebusse mit Senioren angefahren, welche dann aufs Schiff verfrachtet werden, eine Rundfahrt über den See machen, und wieder in den Reisebus rein, während schon die nächste Reisegruppe wartet…

Zu allem Unglück fällt mir dann auch noch die Kamera in den See beim Versuch, die Hände am Ufer zu waschen. Sie ist nur ein paar Zentimeter eingetaucht und ich habe sie auch sofort geborgen. Wie Ihr sehen könnt, hat sie weiterhin Bilder gemacht, allerdings ist der Blitz hinüber - damit ist auch erklärt, warum manche der folgenden Bilder etwas dunkel sind…


Tag 2 Sondern - Hamburg

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So bin ich nicht allzu traurig, als wir am nächsten Tag den Biggesee verlassen, wieder mit dem Biggesee-Express nach Finnentrop und dann mit dem Abellio-Flirt entlang der Lenne über Hagen weiter nach Essen.

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Auch an diesem Tag regnet es, zwischendurch sogar so heftig, dass beim Flirt das Regenwasser durch das geschlossene Fenster kommt und innen am Fenster runterläuft.

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Mit der Straßenbahnlinie 107 („Kulturlinie“) fahren wir zur Zeche Zollverein und besuchen das Ruhr-Museum.

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Anschließend schauen wir uns noch etwas im Essener Hauptbahnhof um, hier die U-Bahn-Station in modischem Blau…

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… und danach ein Besuch in der Lounge.

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Und hier fährt der IC 1806 in Essen ein. Ob es Zufall war, dass der Sparpreis für diese Verbindung teurer war, als für die Verbindungen vor und nach diesem Zug?

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Hier das Abteil im 1. Klasse-Wagen…

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… anschließend ein Besuch im Speisewagen. Es wird frisch gekocht (jedenfalls stehen Töpfe auf dem Herd) und der Kaffee ist billiger als bei der DB üblich.
Per Ansage werden die Fahrgäste informiert, dass „zum 175-jährigen Bahnjubiläum der IC 1806 bis zum Fahrplanwechsel mit Wagen aus dem TEE Rheingold und anderen historischen Wagen aus der Intercity-Ära der Bundesbahn gebildet wird“.
Interessant ist auch, wie viele Fotografen trotz des schlechten Wetters an der Rollbahn stehen und dem IC 1806 auflauern.

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Trotz eines unfreiwilligen Zwischenstopps von knapp 10 Minuten in Wanne-Eickel wegen einer Störung am Triebfahrzeug sind wir 5 Minuten vor Plan in Hamburg, leider begrüßt uns auch die Hansestadt mit Regenwetter.

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Nach der Ankunft in Altona noch ein Bild von Außen, auch hier warten schon wieder zahlreiche Fotografen auf den Zug.

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Diesmal haben wir ein Zimmer im ersten Stock des Intercity-Hotels, von dem sich das Treiben am Bahnsteig beobachten lässt. Hier wird gerade ein Autozug beladen.

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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