Kurzer Reisebericht: DB Museum Nürnberg (Reiseberichte)

Holger_HAM, Hamm (Westfalen), Dienstag, 17.08.2010, 21:34 (vor 5694 Tagen)

Hallo,
heute bin ich nach Nürnberg zum DB Museum gefahren um mir die Sonderschau "Adler, Rocket & Co." anzuschauen. Gegen 11 Uhr bin in ich Nürnberg angekommen und dann direkt zum Museum gegangen. Am Kassentresen bedienten zwei Mitarbeiter und nach wenigen Sekunden hatte ich meine Eintrittskarte für die Sonderausstellung (2 EUR). Der Eintritt ins Hauptgebäude ist für BC100-Inhaber im Moment frei (auch wenn die Aushänge nicht angepasst wurden und dort die BC100 als Grundlage für den Ermäßigungstarif gilt).

Die Sonderschau ist lohnend. Ich finde es toll, dass man da die Fahrzeuge aus der Anfangszeit (es sind ja historische Nachbauten) mal in einer Halle nebeneinander stellt und so eine gewaltige Entwicklung, die innerhalb weniger Jahre stattgefunden hat, anschaulich wird. Auch in der Halle ist die rote Stromlinien 01 und die 10 001, die das Ende der Dampflokentwicklung markieren. Die Halle ist verdunkelt und aus der Decke rieselt launtschiges "Plastikgeblubber" (um es mal mit den Worten von Bernd, dem Brot, zu sagen).

Im Freigelände ist der TEE-Triebzug (also die zwei Tk und die beiden Mittelwagen) ein Hingucker. Unter den graubeigen Planen (man sieht die auch von der Bahnseite) befinden sich drei "Brandopfer" (Güterzuglok, E-Lok,???) und ein angesengter S-Bahn Wagen aus Berlin (besprayt, Brandspuren, defekte Lampen, fehlende Stromabnehmer,...). Das Freigelände ist nicht wirklich vorzeigbar und erinnert mehr an die Rumpelkammer, zu der man versehentlich die Tür offen stehen ließ.

Im DB Museum habe ich als einzige "Neuigkeit" die Ausstellung "Planet Eisenbahn" gesehen. Die Standardausstellung habe ich mir nicht noch einmal angesehen. Meiner Meinung nach sind die ganz in Ordnung, jedoch nicht weltbewegend. Wer es nicht kennt, sollte sich das mal anschauen und sich selbst eine Meinung dazu bilden.

Planet Eisenbahn. Hmmh. Tja. Was ist die Aussage dieser Ausstellung. Keine Ahnung. Ein bisschen Geschichte mit alten Dienstmützen, die Bahn als Arbeitgeber, ein paar Modelle zum HGV-Entwicklung, ein DB Schenker-Container-Nachbau. Und tonnenweise Spanplatten und Bodenbeläge, mit denen man dem alten Saal ein modernes Aussehen gegeben hat. Wenig Inhalt viel Verpackung.

Das Postmuseum (oder Kommunikationsmuseum oder wie auch immer) ist im Moment geschlossen.

Was total fehlt ist eine Form von Gastronomie und Sitzplätzen im Gebäude. Vor der "Kinderwelt" saßen Eltern und Kinder schon auf dem Boden und mit dem Verkauf von "einfachen Speisen" zu normalen Preisen hätte man da guten Umsatz machen können.

Gegen Mittag war es dann brechend voll im Museum. An der Kasse (es verkauften nach wie vor zwei Mitarbeiter die Karten) bildete sich eine Schlange, die durch die Eingangstür hinaus über das Podest bis an die Außentreppe reichte. Na, das dürften gut 100 Leute gewesen sein. Das alles an einem verregneten Mittwoch im Sommer. Unglaublich.

Ich will ja nicht nur meckern und so stelle ich erst einmal fest, dass es gut ist, dass es dieses Museum gibt und dass die DB es betreibt. Billig ist sowas ja nicht.

Dennoch gibt es eine Menge zu verbessern. Es fehlt ganz einfach neben dem Restaurant im EG eine einfache Gastronomie und Sitzplätze. Das Außengelände ist fast schon peinlich und erst recht im Jubiläumsjahr hätte man da etwas Geld in die Hand nehmen können. Was soll der Besucher mit einem alten Güterwagen für den LKW- oder Behältertransport, der da leer herumsteht. Oder der ranzige S-Bahn Wagen, dem hätte man wenigstens etwas Farbe spendieren können. Oder die abgebrannten Loks unter der Plane. Da kann man wenigstens ein erklärendes Schild dranpappen, wenn man sie schon nicht äußerlich herrichten konnte. Die Menschen haben Interesse an der Bahn, das fand ich total spannend zu sehen und von dem Andrang war ich überrascht.

Auf dem Außengelände hätte man auch mal aktuelle Fahrzeuge stellen können. Eurosprinter und TRAXXe stehen doch auf Halde. Da könnten Siemens und Bombardier doch mal je ein Exemplar für ein paar Monate ins Museum stellen. (Den Talent2 könnte man auch ausstellen und gleich da stehen lassen).

Planet Eisenbahn? Die Ausstellung ist irgendwie über und man hätte sie sich schenken können. Das Geld hätte man besser in den Bestand stecken können.

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Viele Grüße aus Hamm in Westfalen,
Holger
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bahn.comfort Kunden ebenfalls kostenfreier Eintritt

ICE 79, Dienstag, 17.08.2010, 21:42 (vor 5694 Tagen) @ Holger_HAM

jedenfalls war dies noch vor einigen Wochen so.

Vergleich mit Mulhouse (frz. Pendant)

Steffen, Dienstag, 17.08.2010, 22:50 (vor 5694 Tagen) @ Holger_HAM

Hallo Holger,

danke für Deinen umfangreichen Bericht.

Ich war ja letztes Jahe im Eisenbahnmuseum in Mulhouse und fand dort zwei Dinge nicht gut:

(1) Man konnte nirgends rein! Ich wäre gerne mal in einen Führerstand oder durch eine Lok gegangen. Leider war konnte man die ganzen Ausstellungsstücke nur von außen anschauen :(
(2) Die Neuzeit incl. TGV waren lediglich mit ein paar doofen TGV-Modellen und einem ollen "Simulator" (besser: Minikono in Führerstandform) vertreten, der die "tolle" Rekordfahrt nachempfinden sollte (ich fands eher peinlich...egal)

Ist das beim DB-Museum besser? Steht da nicht der Tk des Versuchs-ICE?

Gefallen hat mir in Mulhouse andererseits der "Raum 1", der mit Puppen und multimedial etwas aufbereitet war. So standen die Loks und wagen nicht nur verloren in der Halle.

(Eintrittspreis Mulhouse übrigens 10 EUR, Nürnberg 4 EUR)

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Museum zum Anfassen? Nö.

Holger_HAM, Hamm (Westfalen), Dienstag, 17.08.2010, 22:59 (vor 5694 Tagen) @ Steffen

Hallo,
leider sind auch in Nürnberg die meisten (alle?) Fahrzeuge verschlossen. Gerade so ein TEE-Triebkopf muss doch interessant anzusehen sein.

Der ICE-Triebkopf steht im Deutschen Museum München (Theresienwiese) und ist leider auch nicht begehbar. Die Verkehrstechnikabteilung des DM ist sehenswert, jedoch meiner Meinung nach vor allem im Eisenbahnbereich zu "trocken".

In Nürnberg steht ein MockUp des ICE3, also ein Holzteil mit echten Designelementen. Vielen Leuten dürfte das erst beim Betreten auffallen.

Die Auswahl der Exponate ist bei beiden Ausstellungen meiner Meinung nach nicht so schlüssig.

Einen guten Überblick bietet meiner Meinung nach das Technikmuseum in Berlin. Ich finde das im Eisenbahnbereich um Längen besser als die beiden zuvor genannten Museen.

Bochum? Da müsste ich mal wieder hin, war da bestimmt schon 10 Jahre nicht mehr. Als Kind war ich mit meinem Vater oft da, was dafür spricht, dass es mir sehr gut gefallen hat.

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Viele Grüße aus Hamm in Westfalen,
Holger
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Kurzer Reisebericht: DB Museum Nürnberg

101-Fan, Köln, Mittwoch, 18.08.2010, 19:30 (vor 5693 Tagen) @ Holger_HAM


Im Freigelände ist der TEE-Triebzug (also die zwei Tk und die beiden Mittelwagen) ein Hingucker. Unter den graubeigen Planen (man sieht die auch von der Bahnseite) befinden sich drei "Brandopfer" (Güterzuglok, E-Lok,???) und ein angesengter S-Bahn Wagen aus Berlin (besprayt, Brandspuren, defekte Lampen, fehlende Stromabnehmer,...). Das Freigelände ist nicht wirklich vorzeigbar und erinnert mehr an die Rumpelkammer, zu der man versehentlich die Tür offen stehen ließ.

Hallo Holger,

ich bin dieses Jahr 2 mal am DB Museum mit dem Zug vorbei gefahren. Dabei ist mir aus dieser Erfahrung auch aufgefallen, dass das Aussengelände nicht wirklich gut aussieht. Aber ich wusste nicht, dass es noch auf ist. Ich dachte, dass man das Gelände für Besucher geschlossen hätten. Schade, da könnte man sicher mehr draus machen. Wenn man daran kein Interesse hat oder es zuviel Geld kosten sollte, dann sollte die DB das Aussengelände besser zumachen.

Ansonsten stimme ich dir zu, dass es schön ist, dass die DB ein solches Museum betreibt.

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Es grüsst aus Köln
Markus

Besucherrekord im August

Matze86, München, Samstag, 04.09.2010, 15:06 (vor 5676 Tagen) @ Holger_HAM

Siehe hier.

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