HSL-Zuid Seifenoper: ohne Kunden fahren wir durchs Land (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 30.07.2010, 13:22 (vor 5744 Tagen)

Hallo ICE-Fans,


wie ich schon eher schrieb, werden irgendwann das Fyra-Surrogat [1] bis Breda fährt. Auf der NL-Drehscheibe diskutiert man im Moment wie hoch die Aufpreise werden:

Amsterdam-Rotterdam im Moment 7,40 Euro.

Amsterdam-Breda: 12-15 Euro, 11 Euro, 10,60 Euro.

Was bedeutet das?

Ohne HSL-Zuid:
Breda-Amsterdam v.v. mit "Halbtax" = 21,40 Euro
Breda-Amsterdam v.v. Normalpreis = 35,70 Euro
Mit HSL-Zuid (2x 20 Min. schneller):
Breda-Amsterdam v.v. mit "Halbtax" = 42,60 Euro (fast das doppelte)
Breda-Amsterdam v.v. Normalpreis = 56,90 Euro ("Flug Eindhoven-Prag sei billiger" [2])

Hinweise:

1. Dies sind Preise mit ultralauten 160 km/h Ersatzzügen! Wenn die echten V250 fahren, durften die Aufpreise noch etwas höher sein.
2. Für eine einfache Fahrt K-F habe ich etwa denselben Preisunterschied (Rennbahn/Rheinbahn) aber gewinne ich eine Stunde statt 40 Minuten und habe ich auch noch die Idee, mit einem zukunftsweisenden Hochgeschwindigkeitszug unterwegs zu sein, statt in einem Klapperkisten.

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Ich habe es versucht, ich habe es WIRKLICH versucht, aber ich verstehe dieses Unternehmen nicht mehr. Angeblich ist die 15% Auslastung der Fyra-Ersatzzüge noch zu hoch. Vielleicht ist das wohl auch der Grund, warum man in Halbstundentakt fahren möchte: die Auslastungsquote noch weiter senken...


gruß,

Oscar (NL).


[1] "Fyra" ist für mich V250. Alles Andere ist Surrogat, genauso wie Bimz-Wagen Surrogat für ICE sind.
[2] der übliche Vergleich Teuerbahn vs. Billigflug, daher die Anführungszeichen.

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

HSL-Zuid Seifenoper: ohne Kunden fahren wir durchs Land

rotfuxx, Freitag, 30.07.2010, 13:51 (vor 5744 Tagen) @ Oscar (NL)

Der Aufpreis ist wirklich sehr happig, für vergleichsweise wenig Zeitgewinn, mittelmäßigen Komfort und bis vor kurzem sogar deutlich schlechtere Flexibilität.

Wenn irgendwann mal der V250 kommt, ist es zwar immer noch teuer, aber der zusätzliche Zeitgewinn mag dann für diese Goldesel-Strecke genug sein, um zumindest eine brauchbare Auslastung zu bekommen.

Das ärgerlichste an der ganzen Geschichte ist leider, dass das HSL-1-Deseaster auf dieser profitablen Destination, die Legitimation für weitere HSL-Projekte Lichtjahre zurückwirft.

Meine Hoffnungen einer besseren Anbindung des nordwestdeutschen Raums an die Niederlande kann ich wahrscheinlich an meine nachfolgende Generation weitervererben.

HSL-Zuid Seifenoper: ohne Kunden fahren wir durchs Land

Chrispy, Freitag, 30.07.2010, 14:26 (vor 5744 Tagen) @ rotfuxx

Was ich mich schon immer gefragt habe, ob man sich mit diesen Aufschlägen nicht generell ins eigene Fleisch schneidet. Man bedenke die Nachfragesteigerung, die man haben könnte, wenn man die Preis gleich lassen würde (oder zumindest nur um wenige Euros erhöhen würde). Vielleicht gäbe es dann schon heute den ICE-Duplex. ;-)

Wenn z.B Otto Normaldeutscher 3 mal die Woche von F nach K muss und früher zu einem ähnlichen Preis mit dem IC 1h länger brauchte, wäre er wohl so begeistert, dass er dies gleich seinem Nachbarn Karl Normalautofahrer erzählen würde... Ich denke solche Effekte werden von den Bahnen meist unterschätzt.

Was denkt ihr?

Gruss
Christoph

HSL-Zuid Seifenoper: ohne Kunden fahren wir durchs Land

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 30.07.2010, 15:39 (vor 5744 Tagen) @ rotfuxx

Der Aufpreis ist wirklich sehr happig, für vergleichsweise wenig Zeitgewinn, mittelmäßigen Komfort und bis vor kurzem sogar deutlich schlechtere Flexibilität.

Daher auch meine Frage (und auch die im NL-Forum), welche Kundschaft NS Hispeed im Gedanken hat.
Ich habe mich mehrmals Gedanken gemacht, aber ich weiß es wirklich nicht! Mir fehlt da irgendwelche Logik...

Wenn irgendwann mal der V250 kommt, ist es zwar immer noch teuer, aber der zusätzliche Zeitgewinn mag dann für diese Goldesel-Strecke genug sein, um zumindest eine brauchbare Auslastung zu bekommen.

Bin ich mir nicht sicher. Man hat ja jetzt schon einen guten Ruf verloren. Möchtegernfahrer würde es schon viele geben, sonst plant man keinen 10-Minutentakt Amsterdam-Rotterdam (2 HSL Asd-Rtd, 2 HSL Asd-Bd, 1 HSL Asd-BRX, 1 THA Asd-Paris). Diese potentiellen Kunden hat man jetzt mit "unmöglichen" Preisen verjagt und werden wohl nie wieder zurückkommen.

Das ärgerlichste an der ganzen Geschichte ist leider, dass das HSL-1-Deseaster auf dieser profitablen Destination, die Legitimation für weitere HSL-Projekte Lichtjahre zurückwirft.

Man wird es kaum glauben, aber es gab in den 70ern bei uns nicht weniger als 5 "HGV"-Projekte!
Ab Amsterdam sollte es möglich werden, mit mindestens 160 km/h aber noch lieber 200 km/h auf folgenden Strecken zu fahren:

a. (Den Haag-)Rotterdam-Brüssel (NBS)
b. Utrecht-Eindhoven-Lüttich (ABS)
c. Utrecht-Arnhem-Köln (ABS)
d. die Ostbahn Richtung Berlin (ABS)
e. nach Groningen und Hamburg (NBS)

Die Vorhaben b. und d. wurden zuerst geopfert.
Plan b. schlug fehl an die Lage der Doppelstadt Maastricht/Heerlen. Damit wurde ein Zwischenhalt in Sittard erforderlich. Darauf musste man auch Weert und Roermond (sind ja gleich groß) den IC-Status gönnen und so lohnte sich die 200 km/h nicht mehr.
Plan d. lieferte zu wenig Potential. Die Strecke ließ ja Enschede aus, bediente aber Hengelo.
Stattdessen wurde in den 70ern den Halbstundentakt eingeführt; dieser gibt es immer noch auf etwa 95% des gesamten Netzes. Plan a. wurde dann die HSL-Zuid, Plan c. die HSL-Oost und Plan e. die HSL-Noord, auch Zuiderzeelinie genannt. Die HSL-Zuid sollte aufgrund der internationalen Komponent zuerst gebaut werden.

Die Zuiderzeelinie verschwand etwa 2007 in den Papierkorb, nachdem klar wurde dass die HSL-Zuid massiv mehr kostete als geplant.
Die HSL-Oost erlebte dasselbe Schicksal. Grund dafür war vor allem, dass Rhein/Ruhr/Sieg keine Hochkonzentration wie etwa Brüssel oder Paris hat. Eine HGV-Verbindung würde sich nicht rechnen; mehr als eine IC-Verbindung sollte nicht nötig sein. Wir kennen das Ergebnis: die IC-Verbindung gab es mal, wurde dann weggespart und jetzt verkehrt einer der schnellsten HGV-Züge Europas auf einer der langsamsten Magistralen Europas.
Zum Glück ist zumindest Amsterdam-Utrecht ausgebaut, und mit der Betuweroute hat man immer noch Utrecht-Emmerich von viel Güterverkehr befreit. Dafür gibt es dann eine neue Engstelle Emmerich-Oberhausen. Bahnhof Arnhem ist im Moment Baustelle. Ein HGV-würdiger Ausbau Utrecht-Arnhem ist vorerst nicht geplant.
Die HSL-Zuid erlebt im Moment eine Start wie eine häßliche Ente mit Dauerschnupfen.

Meine Hoffnungen einer besseren Anbindung des nordwestdeutschen Raums an die Niederlande kann ich wahrscheinlich an meine nachfolgende Generation weitervererben.

Die nachfolgende Generation wird sich wohl eher anstrengen müssen, vorzubeugen, dass man Amsterdam aufgrund Meeresspiegelanstieg nur noch mit einem Hochgeschwindigkeits-U-Boot erreichen kann...:)

...deswegen auch der Versuch in Stavoren, leider standen da ein Dieseltankwagen sowie ein Wassersportladen im Wege...:))


gruß,

Oscar (NL).

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HSL-Zuid Seifenoper: ohne Kunden fahren wir durchs Land

ITF, Freitag, 30.07.2010, 21:40 (vor 5744 Tagen) @ Oscar (NL)

Meine Sorge ist auch, dass das Desaster mit der HSL-Sud allen anderen Beschleunigungsbestrebungen schaden wird

Man wird es kaum glauben, aber es gab in den 70ern bei uns nicht weniger als 5 "HGV"-Projekte!
Ab Amsterdam sollte es möglich werden, mit mindestens 160 km/h aber noch lieber 200 km/h auf folgenden Strecken zu fahren:

a. (Den Haag-)Rotterdam-Brüssel (NBS)
b. Utrecht-Eindhoven-Lüttich (ABS)
c. Utrecht-Arnhem-Köln (ABS)
d. die Ostbahn Richtung Berlin (ABS)
e. nach Groningen und Hamburg (NBS)

Einen 4gleisigen Ausbau Utrech-Arnhem oder auch nur von Teilstrecken damit durchgaengig 200km/h gefahren werden kann, wuerde man sich schon noch wuenschen.

Fuer die bessere Anbindung von Nord und Ostholland habe ich mir mal eine NBS entworfen, die im Amsterdamer Vorort Diemen beginnt, bis Weesp parrallel laeuft und dann in freier Lage zwischen Bussum und Hilversum durch geht und letzlich parallel zur Autobahn bis hinter Amersfoord laeuft und dann wieder in die Bestandsstrecke nach Hengelo muendet.
Die Bestandsstrecke bis Apeldoorn koennte man mit ein paar Linienverbesserungen fuer 200km/h ausbauen.
Zwischen Apeldoorn und Hengelo koennte man die Strecke ueber Zutphen ebenfalls fuer 200km/h ausbauen. Zutphen selber braeuchte eine noerdliche Umfahrung.

Ziel sollte sein Amsterdam-Hengelo bei einem Halt in Apeldoorn in 60 Minuten zu schaffen. Mit obigen Ausbauten sollte das moeglich sein.

Richtung Groningen gaebe es einen Abzweig von der NBS auf Hoehe Amersfoord. In Harderwijk braeuchte es einen Bypass und insegsamt den Ausbau bis Zwolle fuer 200km/h. Dann koennte man auch die Relation nach Nord-NL deutlich beschleunigen.

HSL-Zuid Seifenoper: ohne Kunden fahren wir durchs Land

Uniqum, Frankfurt am Main, Freitag, 30.07.2010, 15:40 (vor 5744 Tagen) @ Oscar (NL)

Hallo!

Ich möchte ehrlich sein:
Ich verstehe einfach nicht warum ihr bei euch mit sowas wie Aufpreisen oder Sparangeboten sammt Zugbindung anfangt.
Das war ja grade immer der Clou an eurem System (wie auch dem Schweizer), der Effekt einfach einzusteigen, einfach mit dem schnellsten Zug egal welcher Kategorie(ohne Nachdenken) loszufahren und fertig. Man zahlt die Entfernung und fährt eben mit der schnellsten Verbindung. Vor allem verteilen sich so,denke ich, die Reisenden eigentlich sehr gut auf die einzelnen Zugkategorien.
Schon allein aus dem Gesichtspunkt verstehe ich diese Aufpreis-Politk nicht. Mit der OV-Chipcard sollte sich der HSA Anteil doch eigentlich auch ohne Aufpreis gut ermitteln lassen (?)

Der andere Clou ist dann die Korrespondenz, wie du es kürzlich nanntest. Das ist wirklich immer faszinierend wie fast scheinbar immer passende Anschluss wie von Zauberei gleich am Nachbargleis oder vor dem eigenen Zug am selben Bahnsteig steht.

HSL-Zuid Seifenoper: ohne Kunden fahren wir durchs Land

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 30.07.2010, 16:39 (vor 5744 Tagen) @ Uniqum

Hallo Uniqum!

Ich verstehe einfach nicht warum ihr bei euch mit sowas wie Aufpreisen oder Sparangeboten sammt Zugbindung anfangt.

Das verstehe ich genauso wenig wie Du.

Dennoch eine mögliche Erklärung: der "entscheidende Fehler" durfte wohl gewesen sein, dass man die HSL-Zuid in einem separaten Konsortium untergebracht hatte (durfte aber auch EU-Gesetz sein). Also hat NS grundsätzlich nichts über die Strecke zu sagen.
Zudem dachte man, der Aufpreis rechnet sich. Da hat man sich auch geirrt. Aber ohne Aufpreise kriegt man die Strecke offenbar nicht mehr zurückverdient.

Das war ja grade immer der Clou an eurem System (wie auch dem Schweizer), der Effekt einfach einzusteigen, einfach mit dem schnellsten Zug egal welcher Kategorie(ohne Nachdenken) loszufahren und fertig. Man zahlt die Entfernung und fährt eben mit der schnellsten Verbindung.

Mal ganz ehrlich: dann verstehe ich genauso wenig, warum ich für K-F via Rennbahn mehr als 20 Euro hinzubezahlen muß als für K-F via Rheintal. Letztere Strecke sollte eigentlich teurer sein, denn mehr km. Zudem könnte man einen "Unesco-Zuschlag" verlangen; für das Freiluftmuseum bei Arnhem muss ich ja auch Eintritt bezahlen...:)))


gruß,

Oscar (NL), Sonntag/Montag auf K-F unterwegs, via Rheintal!!!

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Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

HSL-Zuid Seifenoper: ohne Kunden fahren wir durchs Land

Steffen, Freitag, 30.07.2010, 19:50 (vor 5744 Tagen) @ Oscar (NL)

Zudem dachte man, der Aufpreis rechnet sich. Da hat man sich auch geirrt. Aber ohne Aufpreise kriegt man die Strecke offenbar nicht mehr zurückverdient.

Ohne Fahrgäste aber auch nicht *rofl*


Zu dem Thema fällt mir folgendes Fussball-Gröhllied ein: "Ohne Kunden fahrn wir nach Breda..."

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