Von Neu-Seeland ins Land der Holzkirchen (2/5) (Reiseberichte)
Im ersten Teil des Berichts habe ich die Niederlausitz auf beiden Seiten der Oder-Neiße-Grenze erkundet: https://www.ice-treff.de/index.php?id=731901
Tag 3: (Neupetershain – Elsterwerda - ) Kohlfurt – Liegnitz
Nun bin ich im EC Saxonia von Elsterwerda nach Osten und habe gerade Polen erreicht. Ab dem schmucken Bahnhof Kohlfurt kenne ich die Reststrecke des heutigen Tages schon von einem Tagesausflug von Görlitz nach Breslau 2022.
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Nach der Grenze füllt sich der Zug deutlich und auch ich bekomme Gesellschaft im Abteil. Da kommt es ganz gelegen, dass mein Tagesziel Liegnitz bald erreicht ist. Da ich Breslau schon von besagtem Besuch 2022 kenne, habe ich mich für diese nicht ganz so große Stadt entschieden, die wir damals ohne Halt passiert haben und die günstiger für meine morgige Reiseroute liegt.
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Moderner Zug in sanierter historischer Bahnhofsarchitektur – ein Bild, das in Niederschlesien dominiert. Freunde älterer polnischer Züge werden in diesem Bericht enttäuscht werden.
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Im Bahnhof wird ein Modell desselben ausgestellt.
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Zum Abendessen bestelle ich Gänseleber mit Bratkartoffeln, Zwiebeln und Apfel.
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Tag 4: Liegnitz – Jauer – Schweidnitz – Freiburg (Schlesien) – Hirschberg
Auf der Suche nach einem Bäcker mache ich noch mal einen schnellen Spaziergang in die kleine, aber schöne Altstadt. Drumherum ist es leider sehr bald nicht mehr so hübsch. Da wäre einmal die Kathedrale.
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Gegenüber das Rathaus mit den historischen „Heringsbuden“ nebendran.
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Und zum Abschluss am Altstadtrand in Richtung Bahnhof das wuchtige Piastenschloss. Bis 1675 residierten hier die letzten Vertreter des mittelalterlichen polnischen Königshauses der Piasten, die um die Jahrtausendwende den Staat gegründet haben. Von diesen Wurzeln hatten sich die schlesischen Piasten zu diesem Zeitpunkt allerdings schon weit entfernt und bildeten ein weit verzweigtes Geflecht von deutschsprachigen Provinzfürsten, die sich nach der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung der Mehrheitsbevölkerung angepasst hatten und dann sogar vom polnischen zum böhmischen König als Lehnsherr gewechselt sind. Nach einem Brand im 19. Jh. und schweren Weltkriegsschäden ist von der Piastenzeit außer dem Portal nicht mehr viel übrig.
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Obwohl es ein langer Tag wird, werde ich heute nicht viele Kilometer machen, da der Schwerpunkt heute mehr auf dem Drumherum als der Bahn liegen wird. Die erste kurze Fahrt führt mich in einem Haifisch nach Jauer im Süden von Liegnitz.
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Nach unter einer halben Stunde bin ich schon dort. Auch hier ist der Bahnhof gut in Schuss, wobei das wuchtige Holzdach nicht ganz mein Fall ist.
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Bis das Objekt meiner Begierde, die Friedenskirche, um 10 Uhr öffnet, habe ich noch ausreichend Zeit mir das Zentrum der Kleinstadt anzuschauen. Auch hier gibt es die für die Region typischen Arkaden am Marktplatz.
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Etwas außerhalb, genau genommen einen Kanonenschuss von der Stadtmauer entfernt liegt dann besagte Friedenskirche. Friedenskirche heißt sie, weil der protestantischen Minderheit in Schlesien erst mit dem Westfälischen Frieden der Bau von Kirchen erlaubt wurde, allerdings unter strengen Restriktionen: keine Steine, keine Optik einer klassischen Kirche, keine Glocken, kein Turm und eben jener Kanonenschuss Mindestabstand von der Stadtmauer. Drei solcher Kirchen entstanden daraufhin in Jauer, Schweidnitz und Glogau, wobei letztere bei einem Brand zerstört wurde.
Wer sich jetzt fragt, ob das längliche hohe Objekt in der Mitte kein Glockenturm ist, den kann ich beruhigen. Der Bau eines solchen wurde den Protestanten mit der Altranstädter Konvention einige Jahrzehnte später doch noch erlaubt.
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Innen bietet sich ein ungewohntes Raumerlebnis mit mehrstöckigen Emporen.
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Der reiche Bildschmuck mit Bibelszenen macht deutlich, dass die Bauherren keine bilderstürmenden Calvinisten gewesen sein können, sondern Lutheraner gewesen sein müssen. Seit 1945 leidet die Kirchengemeinde allerdings ganz ähnlich wie die Kirchenburgen der Siebenbürger Sachsen in Rumänien ganz extrem an Mitgliedermangel, da es im erzkatholischen Polen kaum Protestanten gibt.
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Auch hier in Jauer gab es eine Piastenlinie mit Piastenschloss.
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Dieses zeigt jedoch enormen Sanierungsbedarf.
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Nach zwei Stunden bin ich am Bahnhof zurück. Das Fahrplanangebot auf der Strecke ist recht brauchbar, allerdings nicht wirklich erkennbar vertaktet.
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Stellvertretend für den Güterverkehr sei diese grüne Ludmilla mit grünem Zug gezeigt.
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Statt eines Haifisches von Pesa kommt diesmal dieses winzige Gefährt aus dem gleichen Hause, das dementsprechend gut gefüllt ist.
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Unterwegs zeigen sich schon am Horizont die ersten Berge des Riesengebirges, denen ich in den kommenden beiden Tagen noch deutlich näherkommen werde.
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Nach einer Dreiviertelstunde bin ich in Schweidnitz angekommen, während mein Zug noch 1,5 h bis Glatz weiterfährt. Wer aufmerksam mitgelesen hat, kann sich schon denken, was ich hier suche: die andere erhaltene Friedenskirche.
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Diese ist zwar nach den gleichen Regeln und somit ähnlich, aber doch ganz anders als ihr Pendant in Jauer gebaut.
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Danach lässt mir der Fahrplan Zeit für ein schnelles Mittagessen in einem bei der lokalen Bevölkerung offenbar sehr populären Imbisslokals. Während die Preise in Polen generell nicht mehr so niedrig sind, wird hier noch zu einem sehr günstigen Preis ein stattliches Kotlet Schabowy aufgetischt.
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Wieder den einen Kanonenschuss zurück in der historischen Altstadt liegt der Martkplatz mit Rathaus.
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Die katholische Pfarrkirche rühmt sich, den höchsten Kirchturm Schlesiens und den fünfthöchsten Polens zu haben. So hoch fand ich ihn gar nicht. Interessanter finde ich da das stark barockisierte Innere, worunter trotzdem noch deutlich die gotische Baustruktur zu erkennen ist.
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Auch hier sind Bahnhof und Vorplatz gut gepflegt.
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Von Schweidnitz fahre ich wieder ein kurzes Stück bis zum Bahnknoten Jaworzyna Śląska/Königszelt zurück. Dort ist aus dem Zug das niederschlesische Eisenbahnmuseum zu sehen. Ein Besuch ist leider meiner gestrafften Reiseplanung zu Opfer gefallen, zumal laut aktuellen Onlinebewertungen im Moment ein großer Bereich wegen Umbau gesperrt ist.
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Dritte Fahrt auf dieser Strecke und dritte Baureihe. Diesmal war es die zweiteilige Version des Pesa-Gefährtes.
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Nach nur 7 min im elektrischen Pesa Elf aus Breslau steige ich schon wieder am nächsten Halt in Świebodzice/Freiburg (Schlesien) aus. Den Taufpaten des Zuges, den polnische König Sigismund II. August, halte ich für eine unsinnige Wahl, da er hier im damals böhmischen Schlesien kaum Spuren hinterlassen haben dürfte. Seine größte „Leistung“ dürfte gewesen sein, keinen Sohn zu bekommen und damit das Ende der Jagiellonendynastie zu besiegeln. Um das Weiterexistieren der Personalunion zwischen Polen und Litauen zu sichern, wurde deshalb während seiner Herrschaft in der Lubliner Union die Vereinigung der beiden Länder zur Union Polen-Litauen geregelt.
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Der Marktplatz sieht auch ganz nett aus, aber deshalb bin ich nicht hier.
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Nach gut einer Stunde strammen Wanderns ins Eulengebirge bin ich beim Schloss Fürstenstein.
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2015 ist das größte Schloss Schlesiens auch in Deutschland durch die Nachrichten gespukt, weil hier irgendwo in den Stollen des umfangreichen „Projekt Riese“ aus dem 3. Reich der geheime Nazigoldzug versteckt gewesen sein soll. Gefunden wurde er dann aber nicht. Ein paar der Stollen dieses Projektes könnte ich besichtigen, allerdings ist es schon recht fortgeschrittener Nachmittag und ich muss ja wieder zurück. Auch auf eine Schlossbesichtigung verzichte ich, um die restliche Etappe noch bei Tageslicht zu schaffen. Mir wirkt das Schloss auch eher wie die Ritterburg, die alle polnischen Familien besichtigen, während die historische Substanz unter dem Projekt Riese und später der sowjetischen Besatzung gelitten hat, was mich nicht so reizt.
Nicht so gut sieht dagegen das Schlösschen im Stadtpark von Freiburg in der Nähe das Bahnhofs aus.
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Umso besser sieht dafür wiederum das Bahnhofsgebäude aus.
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Wenn ich mich nicht täusche, ist der Zug zur Weiterfahrt nach Hirschberg kein Pesa Elf, sondern das Konkurrenzprodukt Newag Impuls.
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Die Weiterfahrt wird nun deutlich bergiger und kurviger als am Vormittag.
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Die Bergbaustadt Waldenburg liegt recht verstreut im Eulengebirge und so dauert die Fahrt durchs Stadtgebiet mit mehreren teils eher dezentral gelegenen Halten etwas länger und führt an alten Bergbaufördertürmen vorbei.
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Der Hauptbahnhof besitzt einen eindrucksvollen Ringlokschuppen.
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In Sędzisław könnte ich in einen Regionova mit dem tschechischen Trutnov als Ziel umsteigen. Das hätte ich eigentlich auch morgen vorgehabt, allerdings sind die beiden Übernachtungen in Waldenburg und damit auch der Tagesausflug zur Adersbacher Felsenstadt der Programmstraffung zum Opfer gefallen. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.
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Mit dem letzten Sonnenlicht komme ich in Hirschberg an, wo ich zwei Nächte bleibe. Eine dritte Nacht ist auch hier der Planänderung zum Opfer gefallen. Wahrzeichen von Hirschberg ist das schmucke Rathaus am Markt.
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Montagabends um halb 9 sind hier schon ziemlich die Bürgersteige hochgeklappt und es ist schwer, noch ein lokal mit offener Küche zu finden. Schließlich bekomme ich gegenüber vom Rathaus Pierogi mit Entenfüllung und ein lokales IPA.
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Im nächsten Teil werde ich morgen das Riesengebirge mit der frisch reaktivierten Bahnstrecke nach Krummhübel und zu Fuß erkunden.
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