ÖPNV vor Finanzierungslücke und Einschnitten (Allgemeines Forum)
Hallo.
Die Sache ist doch ziemlich klar. Durch diverse Pannen und Unzulänglichkeiten hat die DB der Politik eine schöne Steilvorlage gegeben, die Generalsanierungspläne zu strecken - den Ehrgeiz des Netzerhaltes wurde ja gerade erst deutlich gebremst. Ein Hoch auf Dr. Nagl.
Da macht es sich doch jetzt gut, wenn man jetzt mit ein paar Taschenspielertricks den ausufernden Zugverkehr wieder etwas eindämmen kann. DB Fern macht das ja auch schon von sich aus vorrausschauend - dank Dr. Nagl ist man dort ja völlig ruiniert. Manchmal beschleicht einen das Gefühl, der Mann ist eine Art trojanisches Pferd der Autoindustrie.
Wir sind eine Autofahrernation. Da ist es wichtig, dass die Eisenbahn nicht überbordend viel Marktmacht bekommt; insbesondere, wo die Autoindustrie soooo notleidend ist. Natürlich könnte man statt Autos auch Busse, Straßenbahnen und Züge bauen. Nur braucht man davon viel weniger - der ganze Krempel fährt im Gegensatz zur Blechkalesche ja mehrere Jahrzehnte.
Die Verkehrswende ist ohnehin ja ganz offiziell abgesagt. Von Verdoppelung der Fahrgastzahlen ist keine Rede mehr. Auch das Deutschlandticket dümpelt ja mittlerweile so vor sich hin - die erträumten Nutzerzahlen wurden eh nie erreicht. Dafür ist es der DB aber wichtig, uns stets mitzuteilen, dass das Unpünktlichkeitschaos noch mindestens din gutes Jahrzehnt anhalten wird. Perfekte Abschreckung.
In Sonntagsreden wird man uns dann wieder die Wichtigkeit der Eisenbahn erklären - Autofahrer mit latent schlechtem Gewissen lassen sich einfacher abkassieren. Dass die Bürger diese verlogenen Politiker bis oben hin satt haben, merken sie in ihrem Elfenbeinturm ja nicht mal trotz der Wahlerfolge der Radikalen.
Und so sollten wir die letzten 30 Jahre mit der Bahnreform als eine Blütezeit betrachten. Alles an Kostensenkungen hat man aber mittlerweile ausgereizt - Ausschreibungen bringen keine Kostensenkungen mehr; im Gegenteil. Es kann jetzt nur noch teurer werden. Und über die Staatsfinanzen brauchen wir ja nicht groß sprechen. Wobei es natürlich bizarr ist, wenn dann hier ein Jungspund-Schönsprecher neue Schulden begrüßt, weil er vor lauter Studieren offenkundig gar nicht begreift, dass ER und seine Generation die mal wird zurückzahlen müssen und nicht wir alten Säcke, die wir uns grad munter bedienen.
Wie das Gehampel und das Schauspiel in Berlin enden wird, ist doch klar: der Bund gibt ein bißchen nach, die Länderchefs feiern sich, dass sie das schlimmste verhindert haben. Und so wird dann nur ein bißchen gestrichen werden. Der Zug um 1.30 Uhr am Wochenende. Oder es gibt morgens um 10 Uhr halt mal ne Taktlücke. Tut nicht wirklich weh - bringt das System aber auch nicht voran.
Ach ja, die Elektrobusförderung will die Regierung ja auch drastisch verringern. Gleichzeitig sollen die vorgeschriebenen Elektrobusquoten der Zukunft nicht verändert werden. Diese Quadratur des Kreises gelingt nur mit reichlich Kürzungen. Man schaue zum Beispiel nur nach Dresden, wo man ja Tabula rasa plant: 11 Straßenbahnen, 23 Busse und 100 Mitarbeiter WENIGER (ca 10% der Leistungen sollen entfallen). Auch da läßt sich voraussehen wie es endet: man einigt sich auf 3 bis 5% minus - dann atmen alle auf; den Rest erledigt die Salamitaktik. Hat sich schon bei der ach so tollen Bundesbahn bewährt.
Es gilt also, die Eisenbahn und ihr aktuelles Angebot zu genießen! Viel schöner wird's nicht mehr werden.
Natürlich weiß ich, dass das alles Schwachfug ist - die Jubelfreaks werden schon erklären, wie toll bald alles wird. S 21, die NBS/SFS Bielefeld - Hannover - Hamburg und Frankfurt - Mannheim in Betrieb, ein 10 Minuten-Takt im Fernverkehr im Kernnetz, und flächendeckend zockelt auch im einsamen Dannenberg oder ganz hinten in Bayerisch Eisenstein und natürlich auch in Cranzahl und Karow von 4 bis 1 mindestens alle 30 Minuten ein Zug lang. Ganz sicher.
Man darf ja dran glauben - muss man aber nicht.
Schöne Grüße von jörg
--
"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)
gesamter Thread:
- ÖPNV vor Finanzierungslücke und Einschnitten -
Waldbahn,
17.10.2026, 15:50
- ÖPNV vor Finanzierungslücke und Einschnitten - Henrik, 17.10.2026, 18:17
- Keine Finanzierungslücke im ÖPNV - Barzahlung, 17.10.2026, 18:54
- ÖPNV vor Finanzierungslücke und Einschnitten -
Der Blaschke,
17.10.2026, 18:56
- ÖPNV vor Finanzierungslücke und Einschnitten - Barzahlung, 17.10.2026, 19:11