Na dann… (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Donnerstag, 08.10.2026, 10:22 (vor 2 Tagen) @ Alter Köpenicker
bearbeitet von J-C, Donnerstag, 08.10.2026, 10:25

Ich hab in solchen Diskussionen immer das Horrorbild von stehenden Fahrgästen am Gang vorgeführt bekommen, welches in der Realität halt selten aufkommt. Selbst wenn der vorherige Zug ausfällt, werden nicht alle zwangsläufig den nächsten Zug auf der selben Relation nutzen - je nach Ziel wird ja dann eine andere Verbindung attraktiver.

Ich kenne es vor allem beim ComfortJet so, dass gefühlt jeder Platz mit „express-reservation“ angezeigt wird und erst am Start der Reservierung diese dann auch so angezeigt wird. Dadurch kannst du dir nie sicher sein, ob dein Platz nicht doch reserviert wurde und wegen der inkludierten Reservierung bei tschechischen Fahrkarten im Fernverkehr kann man sich recht sicher sein, dass auch kurzfristig noch der benutzte Platz reserviert und beansprucht wird.

So wird man auch bei sonst noch freien unreservierten Plätzen zum Reservieren genötigt, weil es ja sonst eine Lotterie wird, ob man den Platz dann auch halten kann.

Und natürlich bewirbt die ČD ihre Reservierungspflicht bei eigenwirtschaftlichen Zügen mit „Platz für alle“. Dass jene, die schon gerne mitreisen würden, aber gar nicht erst den Zug nutzen dürfen, weil ausgebucht, wird nonchalant unterschlagen. Werbesprech halt.

Und dann hast du eben die Bindung an einen bestimmten Zug. Toll, wenn er nach Plan fährt und man ihn nicht wegen einer vorherigen verspäteten Fahrt verpasst. Nicht so toll, wenn sich Pläne ändern.

Mit einem Flexpreis oder Interrail kannst du nach Gusto deinen präferierten Zug adhoc nach Lust und Laune wählen im Prinzip. Ich muss da einfach nur einsteigen. Bei Reservierungspflicht wird eine Umbuchung erforderlich. Das bedeutet zusätzlichen Aufwand (und eine automatische Umbuchung ist auch nicht wirklich sinnvoll, weil der Fahrgast dann vielleicht dann überhaupt seine Pläne ändert und anders reisen möchte).

Reservierungspflichten machen das System Bahn für jene unattraktiver, die dessen Flexibilität sonst schätzen. Tatsächlich ist das eines der Gründe, wieso ich lieber in Deutschland als z.B. Frankreich mit der Bahn reise (auch wenn ich meine Bahnfahrten in Frankreich sonst durchaus genossen habe). Wenn man mit Interrail verreist, geht die Flexibilität durch solche Reservierungspflichten schnell mal verloren, weil man sich ja dann letztlich im Voraus auf eine Verbindung festlegen muss und Planänderungen dazu führen können, dass man wegen Ausbuchung gar nicht mehr am selben Tag ans Ziel kommt. Das finde ich eigentlich problematischer, als wenn man im Zweifel am ehesten eh nur für eine Teilstrecke im Türbereich steht.

Bei Nachtzügen kann ich das mit der Reservierungspflicht noch zu einem Stück nachvollziehen - wobei es auch davon abhängt. Der Nacht-ICE, den ich mal zwischen Hanau und Hannover nutzte, war zumindest in der ersten Klasse kaum belegt, in der zweiten Klasse war es glaub ich kaum anders. Da diese Fahrten aus betrieblichen Gründen aber sowieso so oder so ähnlich stattfinden würden, um die Züge dort zu haben, wo man es braucht, ergibt das für die DB dann auch wieder Sinn und der Fahrgast kann sich auch ohne Reservierung auf ein großzügiges Platzangebot verlassen, wenn er zu später Stunde noch ein Ziel zu erreichen hat (bzw. bei mir war es die einzige Möglichkeit, per Bahn von einem Pflichttermin in Wien zu einem anderen Pflichttermin in Groningen zu kommen)

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


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