Nochmal Interrail - Erfahrungen und weitere Fragen (Fahrkarten und Angebote)
Nun habe ich also meine erste Reise mit einem Interrail-Ticket in der App-Variante hinter mich gebracht und möchte über meine Erfahrung berichten.
Zuerst hielt ich das ganze für reichlich kompliziert und stellte es mir recht hektisch vor, gegebenenfalls noch eine Fahrt zu ändern, während man bereits auf dem Bahnsteig steht und auf den Zug wartet. Ich habe mir also einen Fahrplan gestrickt und auch einige Ersatzzüge eingepflegt um größtmögliche Flexibilität mit der Fahrkarte zu genießen, wie es mir ja auch hier, im ICE-Treff, geraten wurde. Aus diesem Grunde wählte ich vorwiegend Züge, die keinerlei Reservierungspflicht unterlagen; nur in Italien benötigte ich zwei Reservierungen, deren Besorgung sich als recht umständlich erwies.
Für alle Eventualitäten hinsichtlich des Fahrplanes gewappnet und mit aktiviertem Interrailpass machte ich mich also auf den Weg und natürlich kam es, wie es kommen musste - der geplante Zug hatte Verspätung, ein Anschluss platzte und mein Fahrplan war perdu. Da taten sich die ersten Fragen auf: Kann ich jetzt, ebenso wie bei aufgehobener Zugbindung, einfach einen anderen Zug benutzen oder muss ich den neuen Zug in die Fahrkarte des Interrailpasses einpflegen? Keiner weiß es offenbar, denn auch die Schaffner, die ich dazu befragte waren ratlos. Sie fragten mich stets, wo ich denn überhaupt hinfahre. Obwohl sie mein Ticket scannten, wussten sie es nicht. Ich konnte auch nicht herausfinden, was genau sie auf ihrem Handy sahen, wenn sie mein Ticket scannten. Ich fuhr also, wie mir der Schnabel gewachsen war und sagte bei folgenden Kontrollen gar nichts mehr. Man ließ mich auch anstandslos gewähren, obwohl andere Züge in der Fahrkarte angegeben waren - offenbar ist das nicht so wichtig.
Später machte ich in der Schweiz einen Ausflug und da möchte man sich ja auch nicht unbedingt zeitlich festlegen. Es war eine kleine Rundfahrt mit verschiedenen Aufenthalten geplant und eine entsprechende Fahrkarte dafür erstellt. Auch hier fragte ich im ersten Zug den Kondukteur, ob es erforderlich wäre, die Fahrten in der Fahrkarte zu ändern, wenn vom hinterlegten Fahrplan abgewichen wird und auch er fragte, wohin ich denn überhaupt fahren möchte. Ich zeigte ihm meinen Fahrplan und er meinte, ihm wäre es egal, wenn ich in einem anderen Zug sitzen würde, aber er kann freilich nicht für seine Kollegen sprechen. Die hatten jedoch auch nichts dagegen, denn als ich in anderen Zügen saß und bei der Kontrolle nichts mehr sagte, war auch alles in Ordnung. Später wich ich sogar noch von der geplanten Route ab und kam dennoch unbehelligt wieder am Ausgangspunkt an.
In Frankreich und Spanien bewegte ich mich dann nur in Regionalzügen durchs Land und wurde gar nicht kontrolliert, nur in Barcelona reagierte die Bahnsteigsperre nicht auf den Aztec-Code und ich musste einen Mitarbeiter bemühen, der mir bereitwillig die Sperre öffnete.
In Italien sah die Geschichte dann nochmal ganz anders aus. Bei der Überprüfung des Fahrplans stellte ich fest, dass einer meiner reservierten Züge umgeleitet wurde und ich mir daher eine neue Route überlegen musste. Die war auch schnell gefunden, nur musste die Reservierung entsprechend geändert werden. Auf der Website sowie in der Trenitalia-App hatte ich bereits bei der Buchung der ursprünglichen Reservierung schlechte Erfahrung gemacht, das war offensichtlich nicht möglich oder ich bin zu blöd dazu. Da ich ja nun im Land war, begab ich mich also zum Bahnhof. Leider war der Schalter geschlossen und so versuchte ich mich vergeblich am Automaten. Nachdem ich ihn eine Weile blockierte, öffnete zwischenzeitlich auch der Schalter und so begab ich mich mit meinem Anliegen dorthin. Ich schilderte gegenüber der netten Mitarbeiterin mein Begehr und sie hatte nun alle Hände voll zu tun. Sie stornierte die beiden ursprünglichen Reservierungen und stellte eine neue aus, wozu sie lange Zahlenkolonnen von meinem Handy auf einen viel zu kleinen Zettel schrieb und diese dann gemeinsam mit meiner E-Mail-Adresse und meiner Telefonnummer in einen Computer eingab. Ich musste auch noch zwei Unterschriften leisten, mit der ich den Erhalt der Gebühren der stornierten Reservierungen quittierte. Nach einer ganzen Weile war dann das Unterfangen in trockenen Tüchern und ich hielt die neue Reservierung in der Hand. Insgesamt brachte ich ein gute Stunde im Bahnhof zu. Was wäre wohl gewesen, wenn ich nicht die Möglichkeit gehabt hätte, mich an den Schalter zu wenden?
Am nächsten Tag ging es dann also erneut zum Bahnhof und die Fahrt verlief reibungslos. Bei der Kontrolle im Frecciarossa zeigte ich dann die Reservierung vor, die auch gescannt wurde. Ganz im Gegensatz zum Interrail-Ticket, das von der Schaffnerin lediglich in Augenschein genommen wurde. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die hinterlegte Verbindung geworfen, die in den anderen Ländern niemanden interessierte.
Alles in allem war die Reise mit Interrail sehr entspannt und viel einfacher, als einem das durch die vielen, teilweise widersprüchlichen Beschreibungen suggeriert wird. Durch das Verhalten der Zugbegleiter in Deutschland und der Schweiz hatte ich den Eindruck, dass nur eine fiktive Verbindung hinterlegt werden muss, um mit dem Ticket fahren zu können, die Kontrollmethode in Italien zeigte allerdings das Gegenteil auf. Wie ist es nun wirklich? Und gibt es einen Trick, Trenitalia-Reservierungen auf der Website, in der App oder am Automaten zu buchen? Auch hier gehen die Meinungen offenbar auseinander, mir ist es jedenfalls nicht gelungen. Auf jeden Fall war meine Erfahrung mit dem Ticket insgesamt positiv, wohl aber nur, weil ich weitgehend nicht auf Reservierungen angewiesen war, die die Sache ganz unnötig verkomplizieren.