[HU] Sanierung des Bahnnetzes beschlossen (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 28.07.2026, 17:16 (vor 11 Stunden, 53 Minuten)

Link (Lok-Report)

Die Regierung startete am 22.07.2026 den "Baross-Gábor-Eisenbahnentwicklungsplan" (Baross Gábor Vasútfejlesztési Tervet, benannt nach dem Begründer des modernen Verkehrs- und Handelswesens Gábor Baross), mit dem in den nächsten zehn Jahren der ungarische Schienenverkehr mit rund 3.550 Mrd. HUF (9,8 Mrd. EUR) modernisiert werden soll. Der Großteil der Mittel stammt von der Europäischen Union.

Dieses Geld wird auf vielfältige Weise investiert werden. 35 neue Elektrotriebzüge sollen den größten Teil des IC-Verkehrs bedienen - soweit das nicht sowieso durch 11 neue Flirts von GySEV bewerkstelligt wird

Wenn es um die Infrastruktur geht, so ist einiges in Planung:

Zu den vorrangigen Maßnahmen im Rahmen der Entwicklungen in Budapest und im Ballungsraum gehören der Umbau, die barrierefreie Gestaltung und die Erneuerung des Fahrzeugparks der HÉV-Linien nach Szentendre, Csepel und Ráckeve. Der Westbahnhof (Nyugati) und sein Umfeld werden erneuert. Der Umbau der Südringbahn (Déli Körvasút) mit drei neuen Bahnhöfen wird realisiert. Der komplett umgestaltete Bahnhof Rákosrendező könnte zum Zentrum des neuen Stadtviertels werden; die verlängerte Straßenbahnlinie wird hier auf einer neuen Brücke die Bahnstrecke überqueren. Ziel ist es, dass die Vorortbahn im Umkreis der Hauptstadt eine echte Alternative zum Autoverkehr darstellt und innerhalb der Stadt zu einem festen Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs wird. Aus diesem Grund beginnt nun die umfassende Modernisierung der Linien nach Veresegyház und Lajosmizse, deren teilweise Zweigleisigkeit sowie die Elektrifizierung der letzteren. Teil des Baross-Plans ist der Bau und die Vorbereitung weiterer Straßenbahnlinien in Budapest.

In Westungarn könnte in den kommenden Jahren eine neue Ära im InterCity-Verkehr auf den Strecken Budapest–Győr–Sopron und Budapest–Szombathely beginnen, während der Bahnhof Győr barrierefreie Bahnsteige, Aufzüge und langfristig eine Infrastruktur erhält, die für die Aufnahme der Hochgeschwindigkeitsbahn Budapest–Warszawa geeignet ist. Die direkte Verbindung zwischen Szombathely und Zalaegerszeg wird durch die Umgehungsstrecke bei Zalaszentiván (Delta-Gleis) ermöglicht, die zudem durch einen neuen Haltepunkt ergänzt wird. Die Elektrifizierung und der Ausbau der von dort bis nach Nagykanizsa führenden Bahnstrecke werden sowohl den Anforderungen des Güter- als auch des Personenverkehrs gerecht.

n Nord- und Ostungarn ist die vollständige Sanierung des am stärksten beschädigten Abschnitts der Bahnstrecke Budapest–Miskolc eine der größten Investitionen des Programms. Dank dieser Maßnahme können Verspätungen vermieden werden, Geschwindigkeiten von 160 km/h werden möglich, die Bahnhöfe werden modernisiert und die Fahrzeiten nach Miskolc, Eger und Gyöngyös verkürzen sich. Auch im Raum Debrecen schreitet der Ausbau des Schienennetzes voran: Endlich beginnen der Umbau und die barrierefreie Gestaltung des Hauptbahnhofs, und auch der Nahverkehr rund um die Kreisstadt wird ausgebaut. Die Elektrifizierung in Richtung Balmazújváros wird in Kürze vollständig abgeschlossen sein, und wir prüfen derzeit die Möglichkeiten für moderne Tram-Train-Verbindungen sowohl in Richtung Süden als auch in Richtung Norden. Die Hauptstrecke zwischen Debrecen und Nyíregyháza wird erneuert; auch hier werden die Züge künftig mit 160 km/h fahren können.

In der Südlichen Tiefebene beginnt die umfassende Modernisierung der Hauptstrecke Budapest–Szeged. Dank dieser Investition könnte sich die Fahrzeit des InterCity Budapest–Szeged um eine Viertelstunde verkürzen, eine Streckengeschwindigkeit von 160 km/h wird möglich, und die Wettbewerbsfähigkeit des Personen- und Güterverkehrs wird sich deutlich verbessern. Die Sanierung des Abschnitts zwischen Nagykáta und Újszász verbessert die Anbindung von Békéscsaba und Szolnok und kommt auch dem Nahverkehr zugute.

Auch in den mittleren und südlichen Teilen von Transdanubien beginnen bedeutende Ausbaumaßnahmen. Der Umbau des Abschnitts zwischen Székesfehérvár und Lepsény zu einer durchgehend zweigleisigen Strecke mit einer Geschwindigkeit von 160 km/h beschleunigt die Anbindung beider Ufer des Balaton. Rund um den See werden mehrere Bahnhöfe saniert und barrierefrei gestaltet. In Székesfehérvár werden durch die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes bessere Busumsteigemöglichkeiten geschaffen. Mit dem Ausbau der Strecke nach Pécs wird das Ziel verfolgt, stündliche IC-Verbindungen zwischen der Hauptstadt und der Kreisstadt in Baranya zu gewährleisten.

Der "Baross-Gábor-Eisenbahnentwicklungsplan" betrifft nicht nur einige wenige Schwerpunktstrecken. Auf nationaler Ebene beginnen die Erneuerung des Eisenbahnfahrzeugparks, die Beseitigung von Geschwindigkeitsbegrenzungen, die barrierefreie Gestaltung der Bahnhöfe sowie der Aufbau eines einheitlichen digitalen Fahrgastinformations- und Fahrplansystems. Ziel ist es, ein landesweites Schienennetz zu schaffen, das auch mit dem Busverkehr zusammenarbeitet und eine schnellere, zuverlässigere und wettbewerbsfähigere Alternative zum Auto bietet, während es langfristig die Entwicklung der ungarischen Wirtschaft und der ländlichen Regionen stärkt.

Eines der ersten Dinge, die mit der neuen Regierung geschahen, war übrigens die Tatsache, dass man wieder auf der Karte sehen kann, ob der Zug denn pünktlich ist

Die Pünktlichkeit im Fernverkehr war offenbar so schlecht, dass man sie lange Zeit nicht gesondert veröffentlichte, sondern in der Gesamtpünktlichkeit versteckte...

Sie lag 2024 mitunter bei nur 32,8%...

Wenn man in Ungarn mal gereist ist, weiß man, die Bahn hat dort ein enormes schlummerndes Potenzial, bislang lag es wegen der chronischen Unterfinanzierung jedoch brach. Jetzt helfen auch angemietete ÖBB-Fernverkehrswagen, die Kapazitäten zu liefern, um in der Sommersaison den Verkehr zu stemmen. Bei der Geschwindigkeit, mit der die neue Regierung um Peter Magyar arbeitet, können auch dank der Handlungsmöglichkeiten innerhalb einer komfortablen 2/3 Mehrheit im Parlament viele Dinge recht rasch geschehen.

Interessant finde ich, wie man das Thema Sanierung angeht. Ob es am Ende wie in Deutschland auch die Korridorsanierungen mit mehrmonatigen Sperrungen gibt? Das würde ja dem Tempo gerecht werden, mit der die Regierung bislang ihr Programm abgearbeitet hat. Immerhin hat man die Strecke Budapest - Kelebia sogar jahrelang gesperrt, um sie für viel Geld aufzuwerten. Das ist freilich eine andere Geschichte, die hoffentlich ein halbwegs gutes Ende finden wird in diesem Jahr...

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


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