9TVS Teil 6: Der Pass über dem Gotthardbasistunnel [m16B] (Reiseberichte)

Math5D, Sonntag, 28.06.2026, 18:31 (vor 1 Tag, 9 Stunden, 42 Min.)

Die meisten großen Schweizer Alpenpässe sind mehr oder weniger gut verkehrlich zu erreichen. Dies gilt sowohl für die westlichen (Grand Saint-Bernard, Simplon), die östlichen (Flüela, Albula, Bernina, Maloja, Julier, San Bernardino, Splügen, Ofen, Stelvio), die nördlichen (Grosse/kleine Scheidegg, Susten, Klausen), aber erst recht für die zentralen - Gotthard, Furka, Grimsel, Nufenen, Oberalp. Schlechter als alle anderen ist aber der Lukmanierpass angebunden. Von Norden erreicht man den zwar ganz gut von Disentis/Mustér, von wo auch ein Bus im Zweistundentakt fährt. Von Süden aus ist die Anbindung umso schlechter, was alleine schon an der extrem langen Straßenführung bis Biasca kurz vor Bellinzona liegt.

Von Biasca fährt dabei immerhin grob alle 30-60min ein Bus des Unternehmens "Autolinee Bleniesi" bis Olivone, wo man dann 4x am Tag zu einem Bus bis zur Passhöhe umsteigen muss. Im Gegensatz zu den anderen Pässen, wo ein Bus die geasmte Querung übernimmt, braucht man hier also drei. Noch dazu sind von Brig aus 7 der 8 fahrenden Busse entweder morgens nicht zu erreichen oder würden abends eine irrwitzig späte Ankunft bedeuten. Es bleibt damit der eine Kurs um 14:25 von Olivone, der natürlich auch kein bisschen auf den Bus aus Biasca abgestimmt ist, von dem aus hier 37min Umstiegszeit sind.

So bleibt mir in Kombination mit der GBT-Sperre und dem Hinketakt auf dem IC6/8 ab Brig morgens tatsächlich zwar kein Puffer zur Abfahrt um 7:48, aber ab da eine ganze Fülle von Möglichkeiten mit Umstiegen in Bern&Luzern, Bern&Olten, oder - wofür ich mich entscheide - Zürich. Mit dem IC8 geht es also los, als wir hinter Bern Wankdorf plötzlich stehenbleiben und uns ein Fernzug entgegenkommt. Komische Zeit dafür - ein Blick in die App verrät, dass es sich um den IC6 vor uns handelt, der schon mit +12 in Bern ankam, aber erst mit +24 abgefahren ist. Dadurch herrscht hier nun komplettes Chaos, aus dem wir zwar sogar pünktlich entkommen, aber uns bis Zürich wieder mal +5 erzuckeln. Irgendwie habe ich das auf dem IC8 bisher immer gehabt auf dieser Strecke.

Ab Zürich fährt in dieser Stunde kein IC2, sondern ein IR46, der auf Gleis 6 abfahren soll. Bei 7min geplanter Umstiegszeit, also jetzt noch 2, sprinte ich die 97 Treppenstufen hoch, nur um Gleis 6 leer vorzufinden, während auf Gleis 7 schon der EC in einer halben Stunde steht. Hä? Der Zugzielanzeiger ist einfach leer, also schnell das Handy gezückt, wo mir die App verrät, dass der IR auf Gleis 8 fährt. Gut, der wurde im Zug nicht mehr durchgesagt, weil der Anschluss offiziell nicht wartet, aber warum zur Hölle steht nichtmal am Gleis irgendwas? Ich laufe also die obere Treppe wieder runter in den Sihlquai und nebenan wieder hoch, wo ich gerade so noch den übervollen IR erwische und bis Zug am hecheln bin.

Ich könnte nun theoretisch bis Biasca im IR46 bleiben, wo ich dann einen sehr entspannten Umstieg hätte, aber ich möchte natürlich auch mal die Gelegenheit nutzen, im Fernzug ohne Halt die Bergstrecke abzufahren. Also steige ich in Arth-Golau in den IC21 um, der aus zwei Girunos besteht, und ebenfalls gut voll ist. In Bellinzona herrscht dann schon wieder Chaos, weil sämtliche Züge auf anderen Gleisen als geplant fahren. Vor meiner S10 nach Biasca fährt noch die S20 nur bis Castione-Arbedo.

Mit der S10 komme ich schließlich pünktlich in Biasca an, aber die Türen werden nicht freigegeben. Das liegt daran, dass wir - wie in Deutschland üblich - nach einem Halt erst langsam an einen weiteren Triebzug ankuppeln, was entspannte 3min dauert - bei einem 4min-Umstieg. Der klappt trotzdem, da der Bus auf uns wartet, und auch gut voll wird mit ausschließlich Fahrgästen aus der S-Bahn, im Wesentlichen Schülern. Die steigen entlang des gesamten Tals nach und nach aus, während wir immer mehr Verspätung sammeln, weil der Fahrplan im Gegensatz zu den PostAuto-Strecken keinerlei Puffer hat. So bin ich letztenendes froh über den 37min-Anschluss in Olivone, dessen verbleibende etwa 25min ich noch für einen Toilettengang nutzen kann. Dann kommt ein Überlandbus an mit einem Fahrer, der vorhin im anderen Bus als Fahrgast mitgefahren ist, und sammelt neben mir noch drei weitere Leute ein.

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01 Am Lukmanierpass schmeißt er uns raus, wo schon ein paar Dutzend Leute auf das PostAuto nach Disentis warten.

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02 Das ist aber noch nicht da, so lässt sich ein Radfahrer noch mit dem Busfahrer von eben ablichten.

Dann kommt das PostAuto und sofort drängeln sich die Kampfrentner nach vorne, um sich die ersten paar Reihen zu sichern - kein Problem für mich, ich sitze sowieso lieber hinten, wo es noch gute Plätze gibt. Es wird aber schon recht voll und auch im Laufe der Strecke immer voller, wo diverse Wanderer zusteigen. Wie es der Zufall will, ist darunter doch tatsächlich jemand, den ich aus meiner Zeit in Lausanne kenne. Da soll nochmal jemand von Schicksal reden, schließlich habe ich selbst die Tour für den Tag erst am Morgen beschlossen. In Fuorns wollen dann ein paar Leute aussteigen, aber der Busfahrer vergisst, anzuhalten. Gute zwei Kilometer hinter dem Ort bekommt er die Rufe mit und schmeißt nach einiger Diskussion die Gruppe auf freier Strecke raus, die sich zu Fuß auf den Weg zurück macht.

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03 Dann erreichen wir Disentis, wo sämtliche Fahrgäste außer mir in den doppelten Capricorn der RhB umsteigen, auf den der Anschluss hier auch ausgerichtet ist. Der kaum zu erkennende doppelte ORION fährt erst in 35min nach Andermatt, vorher sollte noch eigentlich jetzt der Glacier raus, hat aber noch keine Lok.

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04 Die steht dort, neben der vermutlich gerade wegrangierten RhB-Lok.

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05 Nun kommt sie ran,

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06 während der Zug nach Chur abfährt,

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07 und kuppelt an.

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08 Da das länger dauert, laufe ich einmal auf die andere Seite des Bahnhofs. Die Ge4/4II 614, lustigerweise genau eine, die ich bei meinem Chur-Urlaub vor 2 Jahren nicht gesehen hatte, wird vermutlich in 1,5h den Gegenzug bis Chur übernehmen, von wo ihn dann wiederum ein IR nach St. Moritz zieht.

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09 Hier nochmal der ORION von der anderen Seite, auf dessen zweiten Zugteil im Gegensatz zum Vorderen nichts angeschlagen ist. Also frage ich den schon bereit sitzenden Lokführer, ob der auch mitführe, was bejaht wird.

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10 Mit gut 12min Verspätung geht es für diesen Glacier nun weiter - damit ist schon klar, dass ich das gleich durch die Zugbegegnungen auch abbekommen werde.

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11 Mein Zug kommt hinten nochmal in die Sonne.

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12 Drinnen gibt es eine aktualisierte Karte der MGB und GGB

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13 mit Höhenprofil auf dem Mülleimer. Insgesamt ist das Design der Züge extrem nah an den Capricorns.

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14 Der ORION hat dabei einen entscheidenden Nachteil: Keine ordentlichen Fenster. Ich verstehe einfach nicht, wie man als Touristenbahn so eine Entscheidung treffen kann. Auch der gestiegene Fahrkomfort in der Zahnstange ist aus meiner Sicht kein Vorteil - das Ruckeln und Krachen vorher war doch super! Gut, mit der Meinung bin ich wohl eher die Ausnahme. Ein Foto über die Surselva geht aber trotzdem

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15 sowie kurz vor der Passhöhe in Richtung Rheinquelle.

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16 Vom Oberalpsee ist dieses Foto das einzige, was nicht komplett verspiegelt ist...

In Andermatt kommen wir wie erwartet deutlich zu spät an, ist aber nicht schlimm. Der Furkazug ist derweil ein Komet, aus dem ebenfalls keine Fotos möglich sind, zumal es langsam beginnt, etwas dunkler zu werden. Immerhin komme ich noch eine Stunde später in Brig an als bei der Zentralalpentour über Grimsel, Gotthard und Nufenen.

Zwei Jahre später fahren nun inzwischen tatsächlich 4 durchgehende Buspaare über den Lukmanierpass von Biasca bis Disentis, je 2 der Autolinee Bleniesi und Postauto. Das ist natürlich deutlich komfortabler, aber die Lage der Busse ist nicht wirklich besser geworden. Ganz im Gegenteil: vom Lukmanierpass bis Disentis fällt ein Bus weg und dabei wird der Anschluss nach Chur, den damals alle genommen haben, knapp verpasst. Von Biasca bis Olivone ist die Zeitlage unverändert - es wird jeweils ein Bus der Ortslinie ersetzt, der damit aber auch mit Pendlern voll sein dürfte.

Schöne Fotos, aber zuviel Chaos im Text ...

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Sonntag, 28.06.2026, 19:30 (vor 1 Tag, 8 Stunden, 43 Min.) @ Math5D

Hallo.


Also nicht sprachlich oder schriftlich, sondern inhaltlich.

Nun könnte man sagen, klingt wie ein Reisebericht bei der DB. Allerdings würden im dem sowas wie 12 Minuten Verspätung gar nicht erwähnenswert sein ...

Schöne Grüße von jörg

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)

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