(ZM:) BILD schießt Dr. Nagl an ... (Allgemeines Forum)
Hallo.
Sicherlich entsprechend initiiert von interessierter Stelle: BILD macht Dr. Nagl für das Chaos verantwortlich. Der aktuelle Aufhänger: im Juni habe die Fernzug-Pünktlichkeit an einzelnen Tagen unter 50% gelegen.
Auszüge:
Verantwortlich für den Absturz: das Baustellenchaos bei der Bahn. Immer mehr Strecken werden nicht pünktlich fertig. Immer neue Baustellen kommen hinzu. Verantwortlich dafür: die Bahn-Tochter InfraGO (...) Und verantwortlich für InfraGO: Ihr Vorstandschef Philipp Nagl (44). Also jener Manager, der der verdatterten Nation an diesem Mittwoch zu erklären versuchte, warum sein Bahn-Funk in der Nacht komplett zusammengebrochen war. (...)
Hauptproblem des österreichischen Managers: die immensen Verzögerungen bei so gut wie allen Sanierungs- und Neubauprojekten bei Bahnstrecken. Bundesweit läuft fast alles aus dem Ruder, was unter Nagl als „Korridorsanierung“ von 40 Hauptstrecken groß angekündigt worden war. (...)
Baustellen-Chaos, Funk-Totalausfall – Logistik-Wissenschaftler Nagel (Dr. an Wirtschaftsuni Wien gemacht) mausert sich zum größten Bahn-Chaoten des Landes. (...)
Sein Kernproblem: Jeder Einzelfall lässt sich für sich erklären. Mal Wetter, mal Lieferprobleme, mal Subunternehmer. Aber die Summe ist verheerend und einem Nicht-Bahn-Manager nicht mehr zu erklären (...)
https://m.bild.de/politik/inland/deutsche-bahn-nicht-mal-die-haelfte-der-fernzuege-puen...
Ja, da wird es seitens von Frau Palla Zeit, endlich durchzugreifen. Schon DB Fern hat er ins völlige Chaos gestürzt, wo man immer noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt ist.
Das Problem: die vielen Baustellen sind ja noch viel zu wenige. Wir haben ja gerade erst gelesen, dass die Bauerei letztes Jahr gerade ausreichte, den Netzzustand zu stabilisieren - von Verbesserung keine Rede. Wenn Dr. Nagl jetzt aber bei der Organisation völlig versagt, dann ist zu befürchten, dass man als Konsequenz die Baustellentätigkeit herunterfährt. Dann erleben erst überübernächste Generationen eine funktionierende Bahn.
Leider zeigt sich auch, dass die Führung der Bahn die politischen Spiele mitmacht. Dabei müßte sie erklären, dass Baustellen jetzt Vorrang haben und nicht gleichzeitig der Verkehr auf der Schiene erhöht werden kann. Das geht nunmal nicht. Deswegen:
- Personenverkehr nur noch von 5 bis 21 Uhr. Zwoschen 21 und 5 Uhr gehört das Netz ausschließlich dem Güterverkehr.
- drastische Ausdünnung des Angebotes. Nachfragesteuerung über deutlich erhöhte Preise; kein Verramschen mehr zu immer tieferen Tiefpreisen.
- Erhöhung des Deutschlandtickets auf mindestens 149€ im Monat (5€ am Tag). Das minimiert gewaltig den schädlichen und unnötig belastenden Freizeitverkehr.
Mit deutlich weniger Verkehr läßt sich deutlich mehr bauen und trotzdem deutlich zuverlässiger fahren. Wir müssen uns dabei im PV auf den Verkehr konzentrieren, der für Arbeitsleistungen nötig ist. Und nicht für Ausflüge, Studentenjuckelei nach Hause am Wochenende (müssen sie mal selbst Wäsche waschen) und Urlaubsfahrten. Mobilität mag ein Menschenrecht sein - ist aber keine Menschenpflicht, die unbegrenzt zu erfüllen ist vom Staat.
Das alles müßte die DB auch so deutlich erklären und umsetzen. Geht aber eben nicht, wenn man Teil des Staates ist und mit der Politik verwachsen ist.
Zurück zu Dr. Nagl: interessieren würde mich ja vor allem das Verhältnis zur Palla. Denn die waren ja mal zeitgleich bei den ÖBB tätig. Sind das Buddys, die gegenseitig ihre Leichen im Keller kennen (und die hat jeder, der dort hoch droben ist) und sich daher nichts tun. Oder sind sie sich eher feindlich gesinnt und Palla sieht den deutlich jüngeren Nagl eher als Konkurrent um den eigenen Posten. Oder sind sie sich ziemlich egal - solange jeder österreich-like einen schönen Titel trägt, ist alles egal.
Nun denn, mit Dr. Nagl wird das jedenfalls nichts mehr werden. Bahnfan zu sein und etwas Ahnung von der Basis zu haben, reicht zwar für Jubelarien und devote Unterwerfung der DS-O-Kommune aus - qualifiziert nur deswegen aber noch lange nicht zur Führungskraft. Im Gegenteil: das Chaos durch die Bauarbeiten schadet der Eisenbahn massiv und wirft die Schiene erneut um Jahre zurück. Falls man ihr durch Unterlassung dann nicht ganz den Garaus macht.
Für die Eisenbahn in Deutschland wäre es also gut und nötig, Dr. Nagl ginge noch heute.
Größtes Problem nur: find mal wen fähiges als Nachfolger ... Das ist ja seine größte und einzige Überlebenschance ...
Wobei ich fürchte ... - "größter Bahn-Chaot des Landes" ist ja auch eine Art Titel. Nachher isser da noch stolz drauf. Als Österreicher wächst man ja auf mit der Sehnsucht nach Titeln; die wichtigste Währung dort im Land.
Schöne Grüße von jörg
--
"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)
Deine Vorschläge widersprechen sich.
- Personenverkehr nur noch von 5 bis 21 Uhr. Zwoschen 21 und 5 Uhr gehört das Netz ausschließlich dem Güterverkehr.Mit deutlich weniger Verkehr läßt sich deutlich mehr bauen und trotzdem deutlich zuverlässiger fahren. Wir müssen uns dabei im PV auf den Verkehr konzentrieren, der für Arbeitsleistungen nötig ist.
Das ist ein Widerspruch in sich. Oder Mitarbeiter ohne Führerschein oder Auto dürfen grundsätzlich vor 21 Uhr Feierabend machen und brauchen nicht vor 6 Uhr an der Arbeit erscheinen.
Deine Vorschläge widersprechen sich.
Hallo.
Oder Mitarbeiter ohne Führerschein oder Auto dürfen grundsätzlich vor 21 Uhr Feierabend machen und brauchen nicht vor 6 Uhr an der Arbeit erscheinen.
Ja, entweder läßt sich da Busverkehr organisieren oder die Mitarbeiter müssen sich tatsächlich Alternativen überlegen. Für die wenigen Fahrgäste, die zu so früher/später Stunde unterwegs sind, können nicht notwendig wertvolle Trassen für den Güterverkehr verplempert werden!
Wird in der Praxis auch kein Problem darstellen; bei Streik z.B. kommen die Leute auch zum Job oder nach Hause.
Schöne Grüße von jörg
--
"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)
Deine Vorschläge widersprechen sich.
So wenige sind das gar nicht. Ich mache ja größtenteils Erhebungen in Tagesrandzeiten und dort fahren noch etliche Leute mit. Insbesondere Pflegepersonal, Lagerarbeiter, Security, Polizisten, Leute die in der Gastronomie oder auf der Baustelle arbeiten.
Natürlich auch viele Leute die von Partys kommen oder die sich bis spät abends noch in größeren Städten getroffen haben. Ich hatte auch schon Musiker aus einem Orchester im Zug, die nach dem Auftritt nach Hause gefahren sind.
Eine pauschale Zeitbeschränkung halte ich für absoluten Unsinn. Mal davon abgesehen würde auf vielen Nebenbahnen und Stichstrecken eh kein nennenswerter Güterverkehr fahren, da dort gar keine Kunden mehr sind.
Du hast recht, dass wir insgesamt die Menge an Zügen sinnvoll reduzieren sollten. Das wäre aber vor allem dadurch zu erreichen, dass Züge mit größerer Kapazität fahren. Das geht natürlich nicht überall, aber das muss eh von Strecke zu Strecke im Einzelfall entschieden werden. Es sind ja nicht alle Strecken überlastet.
Im Fernverkehr sollte man sich auf die SFS konzentrieren und dort maximale Kapazität anbieten. Beispielsweise könnte man die meisten ICE in Hannover enden lassen und nur stündlich nach Hamburg durch binden. Dann hätte man dort mehr Platz für Güterverkehr. Ich würde die Linien 25 aus München und 20 aus der Schweiz immer im Wechsel nach Hamburg fahren lassen. Die müssen grundsätzlich mit ICE4XL bestückt sein. Nur Tagesrand zur Werksanbindung sollten nach 20 Uhr dann alle Fernzüge nach Hamburg fahren.
Deine Vorschläge widersprechen sich.
Weniger Züge mit hoher Kapazität sind aber ein deutlich schlechteres Angebot als mehr Züge mit weniger Kapazität. Die Zeiten sollten nämlich zu den Bedürfnissen der Kunden und auch zu Anschlüssen passen.
Wenn man nun nur noch stündlich einen Zug mit 100 Plätzen fährt, statt halbstündlich mit 50 Plätzen, ist die Kapazität rechnerisch identisch, es wird aber Kunden geben, die statt 15min nun 45min auf ihren Anschluss warten müssen. Super!
Grüße 611 040
der übrigens gerade einen Zug um kurz nach 4 Uhr auf dem Weg zur Arbeit nutzt. Ein Betrieb ab 6 Uhr wäre unmöglich...
--
❤ 611, 612, 642, 644, 425, ICE-T, IC1 ❤
"schädlichen und unnötig belastenden Freizeitverkehr"
- Erhöhung des Deutschlandtickets auf mindestens 149€ im Monat (5€ am Tag). Das minimiert gewaltig den schädlichen und unnötig belastenden Freizeitverkehr.
Woher kommt eigentlich dieser Irrglauben in der Bahnfanbranche, dass der Freizeitverkehr das Problem ist? Ganz im Gegenteil, der Freizeitverkehr hatte immer so miese Modal-Split-Werte, dass man überaus froh sein könnte, wenn im Freizeitverkehr mal mehr Leute Bus und Bahn fahren. Sozialpolitisch ist ebenfalls äußerst wünschenswert, wenn sich breitere Schichten einen Ausflug leisten können.
Nein, das viel größere Problem ist, dass gerade da, wo es langlaufende, schnelle RE-Linien gibt, das Deutschlandticket ein Anreiz ist, deutlich größere Strecken zu pendeln, mit allen damit verbundenen volkswirtschaftlichen Problemen, inklusive der Wahl von PKW-affinen Wohnstandorten, bei denen nur noch die Pendelstrecke mit der Bahn zurückgelegt wird.
Sehr viel Sinniges, Herr Blaschke
... sehe ich zu 98% genauso, würde allerdings von 21 bis 0 Uhr noch NV und FV ausgedünnt zum GV fahren lassen
"schädlichen und unnötig belastenden Freizeitverkehr"
- Erhöhung des Deutschlandtickets auf mindestens 149€ im Monat (5€ am Tag). Das minimiert gewaltig den schädlichen und unnötig belastenden Freizeitverkehr.
Woher kommt eigentlich dieser Irrglauben in der Bahnfanbranche, dass der Freizeitverkehr das Problem ist?
Ja, hört man tatsächlich immer wieder. Passt jetzt nicht eins zu eins, aber es gibt im Englischen das Sprichwort "A tourist is someone else" - Hat vielleicht damit zu tun.
Laut KI:
- Illusion der Authentizität: Man möchte das Gefühl haben, einen Ort "echt" zu erleben. Viele andere Urlauber erinnern einen daran, dass der Ort ein Touristenziel ist.
- Selbst-Ausnahme-Effekt: Man nimmt sich selbst als "Reisenden" wahr, andere dagegen als "Touristen". Die eigenen Motive erscheinen individueller oder kulturell interessierter als die der anderen.
- Wunsch nach Exklusivität: Menschen genießen das Gefühl, etwas Besonderes oder Unentdecktes gefunden zu haben. Viele andere Besucher schmälern dieses Gefühl.
- Reaktanz und Platzkonkurrenz: Menschen empfinden Menschenmengen oft als Einschränkung ihrer Freiheit und Erholung.
"schädlichen und unnötig belastenden Freizeitverkehr"
- Erhöhung des Deutschlandtickets auf mindestens 149€ im Monat (5€ am Tag). Das minimiert gewaltig den schädlichen und unnötig belastenden Freizeitverkehr.
Woher kommt eigentlich dieser Irrglauben in der Bahnfanbranche, dass der Freizeitverkehr das Problem ist?
Weil ohne ihn weniger Menschen an Corona sterben müssen.
Ganz im Gegenteil, der Freizeitverkehr hatte immer so miese Modal-Split-Werte, dass man überaus froh sein könnte, wenn im Freizeitverkehr mal mehr Leute Bus und Bahn fahren.
Nein, froh kann man allenfalls sein, wenn anstelle einer Autofahrt eine Zug- oder Busfahrt unternommen wird. Genau das ist aber eher die Ausnahme als der Regelfall.
Sozialpolitisch ist ebenfalls äußerst wünschenswert, wenn sich breitere Schichten einen Ausflug leisten können.
Also sollten wir die CO2-Steuer abschaffen, damit sich auch Geringverdiener vom Land noch Ausflüge leisten können? Schön dass wir wenigstens in einem Punkt einer Meinung sind. ;-)
Deine Vorschläge widersprechen sich.
Ja, entweder läßt sich da Busverkehr organisieren oder die Mitarbeiter müssen sich tatsächlich Alternativen überlegen. Für die wenigen Fahrgäste, die zu so früher/später Stunde unterwegs sind, können nicht notwendig wertvolle Trassen für den Güterverkehr verplempert werden!
nun, die Alternativen werden sie sich überlegen. Wer morgens nicht zur, oder abends nicht von der Arbeit heim kommt, der wird halt gar keine der beiden Strecken mit den Öffis fahren. Damit sinkt dann auch die Auslastung am Tag. Und wenn das Auto dann schonmal da ist, dann gehts damit auch in den Urlaub und auf Dienstreise. Nochmal weniger los im ÖPNV. Irgendwann ist man dann da, wo die Bundesbahn damals schon hin wollte... alles außer ein paar Sahnestrecken stilllegen.