Auf Meterspur durchs grüne Spanien | 3/5 m 36 B (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum dritten Teil unserer Tour durchs grüne Nordspanien, im zweiten Teil waren wir von Bilbao auf Schmalspurgleisen nach León gereist.
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Heute steht der Pajares-Pass auf dem Programm, am Abend wollen wir in Cudillero am kantabrischen Meer sein.
Tag 4: León - Oviedo/Uviéu – Gijón/Xixón - Cudillero
Nachdem wir am Vortag ein strammes Programm hatten, können wir heute etwas ruhiger in den Tag starten. Wir werfen vom Hotelfenster einen Blick über die Plaza de Santo Domingo und die Dächer von León…
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…dann machen wir uns auf den Weg zum Wahrzeichen der Stadt, der Kathedrale Santa María de Regla. Der gotische Bau wurde im Wesentlichen in den Jahren 1255 bis 1302 errichtet, die Türme entstanden allerdings erst später.
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Schließlich wird es Zeit für die Weiterfahrt. Wir schauen uns zunächst am Nordbahnhof (Estación del Norte) um, er erfüllte lange Zeit die Funktion eines Hauptbahnhofs für León. Die historische Bahnhofshalle und das Empfangsgebäude aus dem Jahr 1863 sind der Gleise beraubt. Gegenüber auf der anderen Straßenseite…
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…gibt es ein neues Bahnhofsgebäude. Es wurde im Zuge des Anschlusses von León an das Hochgeschwindigkeitsnetz errichtet, die Ferngleise verlaufen heute in einem Tunnel unter der Stadt. Nach der obligatorischen Gepäckdurchleuchtung dürfen wir hinab zum Bahnsteig.
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Wir fahren mit einem Alvia-Zug der Renfe nach Oviedo, der Zug kommt aus Madrid. Es müsste sich um einen umspurbaren Zug der Reihe 130 handeln, umgangssprachlich Patito („kleine Ente“) bezeichnet.
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Vor uns liegt nun die Fahrt über den Pajares-Pass. Die spektakuläre Bahnstrecke überwindet das kantabrische Gebirge, sie verbindet die Provinzen León und Asturien. Der letzte Abschnitt der Strecke wurde zwischen 1880 und 1884 erbaut, die Verbindung gilt als eine der größten Ingenieurleistungen des 19. Jahrhunderts in Spanien.
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Die Strecke steigt von León ununterbrochen bis zum höchsten Punkt am Eingang des Perucca-Scheiteltunnels auf 1270 Meter Höhe über Meer. Der Pajares-Pass ist berüchtigt für Schnee im Winter und Nebel im Sommer. Und das wird uns heute zum Verhängnis: eben hatte ich mich noch über das sonnige Wetter gefreut, plötzlich sind wir von dichtem Nebel umgeben und mit der Aussicht ist es vorbei.
Nördlich des über drei Kilometer langen Perucca-Tunnels wird die Sicht wieder besser.
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Die Nordseite ist als Rampa de Pajares bekannt, sie führt als Gebirgsbahn durch schwieriges Gelände und ist als Doppelkehrschleife mit einer durchgehenden Neigung von 20 Promille ausgeführt. Zwischen den Orten Busdongo und Puente de los Fierros überwindet die Strecke eine Höhendifferenz von 767 Metern. Während die Orte in Luftlinie nur 11 Kilometer auseinanderliegen, wurde die Bahnstrecke auf über 42 Kilometer gestreckt. Insgesamt hat die Strecke 69 Tunnel und 151 Brücken.
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Unten im Tal ist eine Brücke der Neubaustrecke „Variante de Pajares“ zu sehen. Die Schnellfahrstrecke ist knapp 50 Kilometer lang, davon verläuft rund die Hälfte im neuen Pajares-Tunnel. Die Strecke ist 33 Kilometer kürzer als die Bergstrecke, sie wird fünf Monate nach unserem Besuch eröffnet.
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Der Fahrplan hat offenbar großzügige Bauzuschläge, wir kommen 15 Minuten vor Plan in Oviedo (asturisch Uviéu) an. Der Zug fährt von dort weiter bis ins rund 30 Kilometer entfernte Gijón. Das ist auch unser späteres Ziel, zunächst wollen wir aber Oviedo erkunden und legen daher hier einen Zwischenstopp ein. Oviedo ist die Hauptstadt Asturiens. Am Eingang der Fußgängerzone begrüßt uns eine Bronzeskulptur. Und ja, sie sieht nicht nur so aus, sondern heißt auch so: Culis monumentalibus (monumentales Gesäß), von den Einheimischen auch „El Culo“ (der Hintern) genannt:
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Im Kontrast dazu kommen wir wenig später zur Kathedrale San Salvador, ein spätgotischer Bau aus dem 15./16. Jahrhundert. Teile des Gebäudekomplexes gehören zum UNESCO-Welterbe.
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Nach einer Runde durch die Altstadt kehren wir zum Bahnhof von Oviedo zurück. Auch vor dem Empfangsgebäude gibt es eine Skulptur zu entdecken, die aus Kohle und Stahl gefertigte Figur „Asturien“ ist allerdings bei weitem nicht so markant wie „der Hintern“.
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Für die Weiterfahrt nach Gijón gibt es nun zwei Möglichkeiten, eine kürzere Breitspur-Variante oder ein kleiner Schlenker auf Meterspurgleisen. Obwohl Züge beider Varianten das renfe-Logo tragen, gibt es unterschiedliche Schalter und Tarife, das macht die Sache etwas kompliziert, schließlich steht der Fahrt auf (ex feve-)Schmalspurgleisen aber nichts mehr im Wege.
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Wir wähnen uns schon im falschen Zug, so ganz alleine – aber wir bleiben tatsächlich die einzigen Fahrgäste. Für eine gute Dreiviertelstunde fahren wir durch die asturische Landschaft in Richtung Küste.
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Nachdem ich bemerkt habe, dass sich die Fenster in den Türen öffnen lassen, gelingt auch ein Bild des Bahnhofs von Sotiello. Wir sind hier auf der historischen Strecke der Ferrocarril de Langreo unterwegs, sie war eine der frühen Bahnstrecken auf der iberischen Halbinsel und diente ursprünglich dem Transport von Kohle zum Hafen von Gijón. 1972 ging die Bahngesellschaft in die FEVE über. Am Bahnhofsgebäude prangt noch das FEVE-Logo, mittlerweile gehören die Anlagen dem Infrastrukturbetreiber Adif, der Betrieb wird von Renfe geführt.
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„Es ist nicht gerade eine klassische Schönheit“ – so beginnt der erste Satz im Marcopolo-Reiseführer zu Gijón (asturisch Xixón). Wir haben uns trotzdem für einen Zwischenstopp in der Universitäts-, Hafen- und Industriestadt entschieden. Nachdem wir den Fußweg vom Bahnhof ins Zentrum gemeistert haben, wird es doch ganz nett. Vom Hafen laufen wir auf der Promenade…
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…zur Plaza Mayor mit dem Rathaus von Gijón. Beim übernächsten Bild sind wir im historischen Fischerviertel Cimadevilla.
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Zu Füßen des Viertels Cimadevilla liegt die Kirche San Pedro, sie ist recht jung und wurde erst 1955 fertiggestellt, nachdem der historische Vorgängerbau im spanischen Bürgerkrieg zerstört wurde.
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Zentral zwischen Hafen und Altstadt liegt der Palacio de Revillagigedo. Der Bau wurde im Jahr 1721 vollendet und gilt als Kulturgut asturischer Palastarchitektur.
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Auch wenn sich Gijón als interessanter herausgestellt hat als der Reiseführer vermuten ließ, müssen wir jetzt zurück zum Bahnhof, denn für die Übernachtung haben wir uns einen Ort rund 50 Kilometer weiter ausgesucht.
„Keine Schönheit“ gilt jedoch definitiv für den Bahnhof Gijón Sanz Crespo. Der Kopfbahnhof wurde 2011 als Provisorium eröffnet, er ist Endpunkt der Pajares-Strecke aus León sowie von Meterspurstrecken. Eigentlich sollte Gijón im Rahmen eines Stadtbahnprojekts einen neuen Bahnhof bekommen, das Provisorium scheint sich jedoch noch länger zu halten.
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Wir erkunden nun die erste Etappe der Meterspurstrecke von Gijón nach Ferrol. Die Strecke ist insgesamt 320 Kilometer lang, wir wollen heute nur eine kleine erste Etappe befahren, den weitaus größeren Teil haben wir für den nächsten Reisetag eingeplant. Die Strecke ist bis Cudillero elektrifiziert, auf diesem Teil gibt es auch S-Bahn-Verkehr der Cercanías Asturias. Wir treffen wieder auf einen Elektrotriebzug der FEVE-Reihe 3600, nach der Übernahme durch die Renfe werden sie unter der Baureihennummer 436 geführt.
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Die Fahrt dauert knapp zwei Stunden, da es zwischendurch regnet, habe ich nur wenige Bilder der Strecke. Die Route führt durch die bergige Küstenregion mit zahlreichen für die Gegend typischen Ria-Buchten. Beim nächsten Bild blicken wir auf die Bucht Ensenada de Perán, beim übernächsten sind wir im Hinterland Asturiens unterwegs.
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Schließlich erreichen wir den Endbahnhof der S-Bahn in Cudillero. Der Bahnhof liegt gut zwanzig Minuten Fußweg vom Zentrum entfernt. Der Weg hinab in den Ort ist schon ganz vielversprechend, mit Cudillero haben wir offensichtlich eine gute Wahl für eine Zwischenübernachtung getroffen.
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Der Ort liegt in einer kleinen Bucht, über den schroffen Klippen thront der Faro de Cabo Vidio, der letzte Leuchtturm Asturiens.
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Unten schmiegen sich die bunten Häuschen des Fischerdorfs an die steilen Hänge. Cudillero wurde auch schon mal zum zweitschönsten Dorf Spaniens gewählt. Und ja, es ist schon recht touristisch hier – aber trotzdem schön.
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Wir haben das Talent, bei der Reiseplanung ungewollt lokale Feiertage zu treffen, das war schon bei der letzten Tour nach Kalabrien so, heute haben wir das Fest des San Pedro (L’Amuravela) in Cudillero erwischt. Im Ort herrscht daher noch mehr Trubel als sonst, an den Aussichtspunkten hoch über dem Ort ist es dagegen sehr ruhig.
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Und damit neigt sich auch dieser Reisetag seinem Ende zu. In den nächsten Tagen folgt der vierte Berichtsteil, dann legen wir die weitere Strecke bis Ferrol zurück.
Viele Grüße und einen schönen Sonntag
Tobias
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