Auf Meterspur durchs grüne Spanien | 2/5 m 47 B (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum zweiten Teil unserer Tour durchs grüne Nordspanien, im ersten Teil waren wir vom Bodensee nach Bilbao gereist.
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Heute erkunden wir Bilbao und Umgebung, bevor wir später auf Meterspurgleisen nach León reisen.
Tag 3: Bilbao – Algorta – Getxo – Portugalete – Bilbao – León
Der heutige Tag gliedert sich im Grunde in zwei Teile, den Vormittag sind wir in und um Bilbao unterwegs, während wir den Nachmittag im Zug verbringen.
Wir beginnen heute unter der Erde, Bilbao verfügt über ein Metronetz. In der Station Abando im Zentrum steigen wir in die L1 in Richtung Küste und fahren bis…
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…zur Station Algorta. Von dort laufen wir zum Alten Hafen (Portu Zaharra), ein historisches Fischerviertel mit engen Gassen und farbenfrohen maritim-baskischen Gebäuden. Der Ort liegt an der Mündung der Ría de Bilbao in den Golf von Biskaya.
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Herzstück von Portu Zaharra ist die Casa Etxetxu, das Gebäude wurde im Jahr 1612 errichtet und diente den Seefahrern und Fischern als Versammlungsort, zeitweise wurde es auch als Rathaus genutzt.
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Am gegenüberliegenden Ufer der Bucht liegen die Hafenanlagen von Bilbao, darüber erhebt sich der Monte Serantes.
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Von der Metro-Station Algorta fahren wir zurück in Richtung Zentrum. Allerdings haben wir unterwegs noch ein interessantes Ziel, und so verlassen wir die Metro wenig später in der Station Areeta bereits wieder…
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…und laufen von dort zur Puente de Vizcaya / Bizkaiko Zubia. Und das ist nicht irgendeine Brücke, sondern die älteste noch in Betrieb befindliche Schwebefähre der Welt. Sie verbindet die beiden Gemeinden Getxo und Portugalete.
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Die Brücke wurde 1893 eröffnet und gehört mittlerweile zum UNESCO-Weltkulturerbe. Am Traggerüst hängt eine Transportbarke, mit der Fußgänger und Fahrzeuge transportiert werden. Die Überfahrt dauert eineinhalb Minuten und erspart Autofahrern einen erheblichen Umweg. Fußgänger werden in geschlossenen Kabinen an den Seiten der Barke transportiert.
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Fußgänger (und Touristen), die etwas mehr Zeit und Geld investieren, können das Wasser jedoch auch auf einem Panoramaweg im oberen Teil der Hochbrücke überqueren, dafür gibt es Aufzüge in den Stahlfachwerktürmen der Brücke.
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Der Fußweg hoch oben bietet nicht nur Einblicke in Konstruktion und Technik der Brücke, sondern auch einen tollen Panoramablick. Beim nächsten Bild blicken wir flussaufwärts in Richtung Bilbao. Der Fluss Nervión geht im Stadtgebiet von Bilbao in eine Ria über, Der Fluss Nervión geht im Stadtgebiet von Bilbao in eine Ria über, das ist eine trichterförmige Mündung.
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Die Ría de Bilbao ist für Seeschiffe befahrbar, die lichte Höhe des Traggerüstes beträgt 45 Meter. Die Brücke ist 160 Meter lang.
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Beim Blick in Richtung Mündung der Ría de Bilbao ist auch wieder der Monte Serantes zu sehen. Außerhalb des rechten Bildrands liegt Portu Zaharra, wo wir vorhin waren.
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Die Schwebefähre wurde von Alberto Palacio entworfen, einem Schüler Gustave Eiffels. Er konnte damit eine Querung schaffen, die den Schiffsverkehr nicht behindert und ohne Rampen auskommt. Von seinem Haus in Portugalete aus musste er mit ansehen, wie das Bauwerk im spanischen Bürgerkrieg teilweise zerstört wurde. Erst nach seinem Tod wurde die Brücke wieder aufgebaut, die Gondel wurde 1964 ersetzt. In Spanien ist die Brücke als Puente Colgante („hängende Brücke“) bekannt.
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Das letzte Bild vom Fußweg auf der Brücke zeigt den Ort Portugalete, in der Bildmitte die Basilika Santa Maria aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Von Portugalete fahren wir auf dieser Seite des Flusses mit der Metro L2 zurück nach Bilbao.
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Unser Zug fährt erst um 14:30 Uhr, da bleibt noch Zeit für einen Spaziergang durch den Stadtteil Abando. Wir beginnen an der Iglesia de San José de la Montaña, die neugotische Kirche wurde zwischen 1906 und 1918 erbaut.
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Weiter geht es zu „Puppy“, eine über 12 Meter hohe Blumen-Skulptur des Künstlers Jeff Koons vor dem Guggenheim-Museum.
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1997 wurde das Guggenheim-Museum für moderne Kunst in Bilbao eröffnet. Mittlerweile spricht man vom „Bilbao-Effekt“ oder „Guggenheim-Effekt“, der durch den spektakulären Bau ausgelöst wurde und die von hoher Arbeitslosigkeit belastete und heruntergekommene Industriestadt in einen prosperierenden und lebendigen Ort verwandelt hat. Am Ufer des Nervión steht die neun Meter hohe Spinnen-Plastik „Maman“ der Künstlerin Louise Bourgeois.
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So, das war bis hierhin durchaus ein interessanter und abwechslungsreicher Tag – aber der wesentliche Programmpunkt kommt ja erst noch! Wir erkunden heute eine erste Etappe des Schmalspurnetzes der ehemaligen Ferrocarriles de Vía Estrecha (FEVE), welche mittlerweile zur Renfe gehört.
Schon das Gebäude der Estación de Bilbao Concordia sieht vielversprechend aus. Der Schmalspur-Kopfbahnhof liegt direkt am Ufer des Nervión, das Gebäude im Belle-Époque-Stil wurde 1902 eröffnet.
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Auch das Interieur der Bahnhofshalle atmet den historischen Charme. Der Bahnhof wurde als Endpunkt der Bahnstrecke Bilbao-Santander eröffnet und war daher auch als Santander-Bahnhof (Santanderko geltokia) bekannt. Wir wollen heute jedoch nicht nach Santander, sondern nach León.
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Auf dem Schmalspurnetz gibt es neben Vorort-Zügen auch Regionalverbindungen – und auf einen dieser Züge haben wir es abgesehen. Zweimal täglich gibt es Verbindungen auf der Linie R4 von Bilbao nach León. Mit 335 Kilometern zählt die Verbindung zu den längsten Schmalspurstrecken der Welt. Zugegeben, ich hatte bei der Reiseplanung tatsächlich gehadert, ob siebeneinhalb Stunden in einem Regionalzug nicht zu lang sind – aber ich hab es nicht bereut.
Wer Reiseberichte aus dem Schmalspurnetz der Feve/Renfe verfolgt, wird schon mitbekommen haben, dass ein durchgehender Fahrplan hier nicht unbedingt mit einer durchgehenden Verbindung gleichzusetzen ist. Die Tatsache, dass für die Fahrt auf der nicht elektrifizierten Strecke nach León ein Elektrotriebzug am Bahnsteig steht, lässt erahnen, dass auch uns ein unveröffentlichter Umstieg erwarten wird.
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Beim nächsten Bild fahren wir durch Zorrotza, einem industriell geprägten Vorort von Bilbao. Bald ändert sich die Landschaft vor dem Zugfenster und wir fahren durch das Grün des Baskenlandes. Nach gut zwanzig Kilometern trennen sich die Strecken nach Santander und León.
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Schließlich heißt es dann bald – wie erwartet – umsteigen auf einen Dieseltriebzug. Ich hatte mir leider nicht notiert wo, ich meine aber, dass das in Balmaseda war. Wenn das Rollo zum Führerstand offen ist, lässt sich vom Dieseltriebzug aus ein Blick auf die Strecke erhaschen.
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Aber auch rechts und links der Strecke gibt es in den folgenden Stunden viel zu sehen! Wir haben nun die Grenze vom Baskenland zu Kastilien und León überquert. Vom anfangs noch flachen Valle de Mena windet sich die Strecke auf dem puerto del Cabrio (Cabrio-Pass) ins kantabrische Gebirge.
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Die Bahnstrecke erschließt abgelegene und einsame Gegenden. 1991 wurde der Personenverkehr aufgrund technischer Mängel der Strecke eingestellt, was zu Protesten der Anliegergemeinden führte. Schließlich wurde ein Plan zur schrittweisen Wiedereröffnung gefasst, wobei es bis zum Jahr 2003 dauerte, bis wieder durchgehende Züge zwischen Bilbao und León fuhren. An unserem Reisetag ist die Auslastung überschaubar. Der Fahrplan der Strecke weist 55 Halte auf, davon sind viele jedoch nur Bedarfshalte.
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Die Strecke verlässt im weiteren Verlauf das Gebirge und folgt dem Ufer des Embalse del Ebro, einem der größten Stauseen Spaniens. Er wird überwiegend von der Schneeschmelze aus dem kantabrischen Gebirge gespeist und dient der Bewässerung im Ebro-Tal.
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Eine Viertelstunde später sieht die Landschaft vor dem Zugfenster schon wieder ganz anders aus und wir blicken vom Zug auf das Dorf Aldea de Ebro, der Ebro selbst fließt unten im Tal. Das übernächste Bild entstand keine 10 Minuten später, schon ist die Vegetation im kantabrischen Hochgebirge wieder anders.
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Wir erreichen nun Schweinemörder. So meint zumindest Google den Ortsnamen von Mataporquera übersetzen zu müssen, als ich den spanischen Wikipedia-Artikel zu der Strecke mit Übersetzungshilfe anschaue. Hier kreuzt die Schmalspurbahn die Breitspurstrecke Palencia-Santander, rund um den Verkehrsknoten siedelte sich einst Industrie an. Schmal- und Breitspur haben zwei unabhängige Bahnhöfe mit eigenen Empfangsgebäuden, auf beiden Linien gibt es nur sehr spärlichen Personenverkehr.
In Mataporquera ist im Fahrplan ein 9-minütiger Kreuzungshalt ausgewiesen. Ich vermute schon einen Fahrzeugwechsel – aber nein, der Zug fährt weiter, nur das Personal wechselt. Wir nutzen die Zeit für ein Bild unseres Zugs, das ist der rechte:
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Die Bahnstrecke wurde 1894 eröffnet, sie diente originär der Verbindung zwischen den Bergwerken im kantabrischen Gebirge und der Schwerindustrie im Baskenland. Ausgangspunkt war ursprünglich der Ort La Robla, die Strecke trägt daher auch den Namen Ferrocarril de La Robla. Später wurde eine Zweigstrecke in Richtung León gebaut. Der Ast nach La Robla wird heute nur noch im Güterverkehr bedient.
Wir fahren jetzt weiter durch die Region La-Ojeda.
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Neben viel Landschaft, Natur und kleinen Ortschaften gelingt bei der Fahrt durch den Ort Las Heras de la Peña ein Schnappschuss der Wallfahrtskapelle Ermita del Santo Cristo.
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Wir sind nun schon sechseinhalb Stunden unterwegs und es wird langsam dunkel. Beim letzten Streckenbild sind wir irgendwo im Tal des Flusses Esla. Wir nähern uns jetzt León, hier im Umland der Provinzhauptstadt gibt es neben den wenigen Regionalzügen auch einen Vorortverkehr.
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Im Fahrplan ist die Verbindung durchgehend bis León ausgewiesen, tatsächlich endet die Zugfahrt seit einigen Jahren unrühmlich an der Station Asunción/Universidad zwei Kilometer vor dem Zentrum. Ursprünglich sollte die weitere Strecke im Rahmen eines Stadtbahn-Projekts umgebaut werden, dieses Projekt ist aber ins Stocken geraten. Und so…
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…verbringen wir die letzten zehn Minuten noch mit einer Busfahrt. Das sieht man den Bildern nicht unbedingt an, aber es ist schon 22:10 Uhr, als wir in den Bus steigen. Hier macht sich der späte Sonnenuntergang in Spanien durchaus bemerkbar.
Damit endet nun eine beeindruckende Zugfahrt, ich denke sehr gerne daran zurück. Und die anfänglichen Zweifel, ob die Fahrt bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 43 km/h nicht arg lang wird, haben sich nicht bestätigt.
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Das war jetzt schon ein langer Tag – aber dennoch wollen wir es nicht beim Blick aus dem Hotelfenster auf die Plaza de Santo Domingo mit dem illuminierten Brunnen belassen…
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…sondern machen uns auf zu einem Abendspaziergang. Die Altstadt ist noch sehr belebt, es gibt aber auch ruhigere Ecken wie die mittelalterliche Plaza del Grano mit der Kirche Santa María del Camino auf dem übernächsten Bild.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-081Leon-Altstadt.jpg)
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-082Leon-Plaza-del-Grano.jpg)
Von der Plaza Mayor…
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-083Leon-Plaza-Mayor.jpg)
…laufen wir jetzt noch zur Kathedrale von León.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/127-Nordspanien/127-084Leon-Kathedrale.jpg)
Und damit sind wir auch Ende dieses Berichtsteils angekommen. In den nächsten Tagen folgt der dritte Teil, dann geht es über den Pajares-Pass ans kantabrische Meer.
Viele Grüße
Tobias
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