[FR] Occitanie Rail Tour I: Montpellier, Agde, Sète (m.v.B.) (Reiseberichte)

kcp, Donnerstag, 21.05.2026, 21:48 (vor 1 Tag, 4 Stunden, 27 Min.)

Bonjour,

ausgerüstet mit diversen Occitanie Rail Tour Tickets habe ich mich aufgemacht zwei Wochen die Region Occitanie zu erkunden. Vor dem Hintergund der recht hohen Normalpreise der TER sind 10€ für ein Tagesticket echt ein Schnäppchen. Ich hatte mich in Nîmes, Perpignan und Toulouse einquartiert und dann jeweils das Umfeld erkundet. Der Wettergott war ein wenig launig: Von brennender Sonne, wo ich Lichtschutzfaktur 50 Sonnencreme ausgepackt habe, bis Dauerregen war alles dabei. Aber es gibt ja kein falschen Wetter, sondern...

Montpellier

Seit einigen Jahren hat Montpellier neben dem Bahnhof St Roch direkt in der Stadt einen weiteren am Stadtrand: Montpellier-Sud-de-France der an der Schnellfahrstrecke Contournement de Nîmes et Montpellier liegt. Am Anfang war der Bahnhof aus Montpellier nur per Bus erreichbar. Mittlerweile fährt die Straßenbahn bis dahin. Für die Einwohner von Montpellier ist der ÖPNV gratis. Als Gast kann man Tickets für 90min, 4h und (Mehr-)Tageskarten erwerben. Ich bin mit einer 4h-Karte losgezogen.

Der Bahnhof Sud im Regen. Wenigstens der Regenbogen auf dem Boden bringt ein wenig Farbe ins Bild

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Innen sehr luftige Architektur. Vorallem die geschwungene Decke hat was. Und natürlich hat der Bahnhof die bei der SNCF mitterweile übliche Zugangsbarrieren am Abgang zum Gleis

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Es gibt noch eine obere Ebene mit einem Wartebereich

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Die Gleisanordnung und die Verteilung der 4 Bahnsteige wirkt ein wenig unorthodox

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Den Bahnhof in Aktion zu erleben war mir nicht vergönnt, weil das Zugangebot doch eher überschaubar ist. Daher weiter zur Tram: Ein Blick ins Innere

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Der Fahrgastinfomonitor zeigt die Route der Ringlinie auf der ich unterwegs war

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Die Trams in Montpellier sind bekannt für ihre Farbgebung: Die Lakierung der Fahrzeuge paßt i.d.R. zur Farbe der Linie auf dem Netzplan. Zwei Exemplare am Rande der Altstadt

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Durch den Triumphbogen Porte du Peyrou geht es in die Altstadt

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Eine Kathedrale hat Montpellier natürlich auch

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Gegenüber vom Trumpfbogen liegt das Chateau d'eau Peyrou

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das vom Aqueduc de Saint-Clément gespeist wurde. Das im 17 Jahrhundert gebaute Äquadukt war bis Anfang der 1980er Jahre in Benutzung. Heute ist eines der Wahrzeichen der Stadt.

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Soviel von einem Dauerregenabstecher nach Montpellier. Einen kurzen Hüfer per TER weg liegt Agde.

Agde

Weithin sichtbar: Die Kathedrale - was auch sonst.

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Wobei die aus der Nähe eher was von Trutzburg hat

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Inneren heller Stein am Altar und Farbe

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Architektur aus dunklem Stein findet sich auch viel in der Altstadt

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An sowas kann ich mich nie sattsehen

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Der lachfarbene Bahnhof von Agde

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Zum einen liegt Agde am Fluß Herault, zum anderen führt aber auch der Canal du Midi durch die Stadt (Der Kanal sollte mir noch einige Mal in dem Urlaub begegnen). Der Kanal führt in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs vorbei. Spontanschnappschüsse beim Wandern am Kanal. Intercites und Fracht geben sich die Ehre auf der Kanalbrücke

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Kurios: Die Ecluse Ronde (runde Schleuse). Sie drei Ausgänge und erlaubt so zum einen den Weg vom Kanal zu Fluß Herault (geradeaus) und andererseits das Abbiegen Richtung Agde (rechts)

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Kurz nach dem Kanal überquert die Bahn auch den Fluß Herault: Ouigo über Wasser hat was (und bringt einen Farbklecks ins graue Wetter :-)).

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Sète

Auf dem Rückweg nach Nîmes habe ich noch einen Stop in Sète eingelegt. Mein TER verläßt den Bahnhof

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Die Art von Bahnhofshallen hat für mich ihren ganz eigenen Charme

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Neben der SNCF bietet auch Renfe Verbindungen nach Spanien. Ein AVE vermutlich Richtung Lyon oder Marseille

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Diesmal keine Lachsfarbe

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Da Sète auf einer Landzunge/Halbinsel liegt und noch von diverse Kanälen durchzogen ist, sind Wasser und Brücken allgegenwärtig. Bei der Innenstadt kam halbes Venedigfeeling bei mir hoch

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Nahe des Bahnhofs: Klappbrücke für Autos

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Dahiner liegt die Klappbrücke der Bahnstrecke: TER Occitanie und zweimal Gütermann

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Fahrt über die Brücke erfolgte mit gesenktem Stromabnehmer.

Pont-du-Gard

Und als Abschluß das Sightseeing Hightlight des Urlaubs: Der Aquädukt von Pont-du-Gard. Oder um es mit Monty Python zu sagen: What have the Romans ever done for us? The aqueduct.

Irgendwann im ersten Jahrhundert erbaut, überspannt es den Fluß Gardon. Verglichen damit ist das Aquädukt in Montpellier ein Jungspund. Obwohl es erwanderbar (ca. 4km weg) eine befahrene Bahnstrecke und den Bahnhof Remoulins gibt, mußte ich mit dem Bus dahin fahren, weil es aktuell keinen regelmäßigen Personenverkehr nach Remoulins gibt. Das soll sich in den nächsten Jahreen aber wohl ändern. Von der Bushaltestelle "Vers-Pont du Gard Rond-point Pont du Gard" war es nur ein kurzer Fußweg. Zugang zum Viadukt ist frei. Nur die Ausstellungen im Besucherzentrum kosten Eintritt. Auf der untersten Ebene kann man das Aquädukt überqueren. Auf die oberste Ebene kommt man wohl mit einer Führung - habe ich nicht gemacht. Einfach anschauen und genießen.

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War ein wunderschöner Tagesausflug mit ein bißchen Wandern rechts und links des Gardon und genießen der Ausblicke

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Das soll es bisher gewesen sein. Ich hoffe es hat gefallen. Wenn gewünscht, kann ich gerne noch ein wenig mehr in meinen Fotos stöbern :-)

Adieu
Charly

Danke! Schön dort! :)

rapht0r, Donnerstag, 21.05.2026, 23:08 (vor 1 Tag, 3 Stunden, 6 Min.) @ kcp

Danke für den schön bebilderten Bericht!
Wunderhübsch ist es da unten..die Bahnhofshallen finde ich auch ganz ikonisch, weckt direkt wieder Fernweh nach Südfrankreich!

[FR] Occitanie Rail Tour I: Montpellier, Agde, Sète (m.v.B.)

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Donnerstag, 21.05.2026, 23:45 (vor 1 Tag, 2 Stunden, 29 Min.) @ kcp

Hey!

Was die Rundschleuse anbetrifft, kannst du auch hier in Schland fündig werden. Sogar 4 Tore hat die Kesselschleuse in Emden.


https://de.wikipedia.org/wiki/Kesselschleuse_(Emden)


Zu Sète: ich hatte mal den UEx Hamburg ==> Narbonne gebucht. Leider war ich von vorherigen Fahrten etwas übermüdet und hab das meiste der Hinfahrt verschlafen. Ich war auch nicht ganz allein im Abteil; unterwegs stieg eine Dame zu. Die blaffte mich dann morgens an, ich möge doch nun endlich mal wach werden. Jetzt käme Sète - und da könne ich auch mal das Mittelmeer sehen. So geschah es dann auch.

In Narbonne saß ich die Stunden dann im Bahnhof ab: es regnete! ;-). Dafür klingelt im Ohr noch immer: "Narbonne, ici Narbonne". Ich weiß gar nicht, ob die Sounddatei hier noch irgendwo rumschlummert. Man weiß danach jedenfalls, was der deutschen Blechelse an Erotik fehlt.

Und beim Warten auf den Rückzug merkte man gleich, dass man es mit Deutschen auf dem Bahnsteig zu tun hatte: sie nörgelten! Die Wartezeit zwischen Autoverladung und Zugbereitstellung war ihnen zu lang - das könne man auch kürzer organisieren. Deutsche im Ausland erkennt man stets sofort am Gemotze.

Den Reisebericht gibt's hier:

https://www.ice-treff.de/index.php?id=496613


Zum Pont du Gare:

Bemerkenswerterweise hat man auch früher schon Infrastruktur verfallen lassen. Konnten unsere Vorfahren auch schon. ;-) Das Ding hat nur wenige Jahrhunderte durchgehalten, seinen Zweck als Wassertransportleitung zu dienen. Später wurde es dann sogar als Straße zweckentfremdet.

Mich fasziniert bei den alten Bauwerken aber stets das Können und Wissen der damaligen Bauherren. So eine Wasserleitung muss logischerweise ja stets ein leichtes Gefälle aufweisen. Und damals gab es weder Google Maps, noch GPS noch Strom, Kran, Bagger und all diese Errungenschaften. 20 km Luftlinie, 50 km Länge der Wasserleitung, dazu 2/3 unterirdisch - wie schreibt Wiki: wie man damals das alles so gut vermessen konnte, ist ungeklärt. Spannend, was da an Können und Wissen der Menschheit im Laufe der Geschichte immer mal vergessen wurde. Weswegen es auch nicht schlimm ist, dass es heutzutage keine gedruckten Fahrpläne mehr gibt, die man archivieren kann und so in 500 Jahren das Forum mit Wonne drüber streitet, welcher Zug da auf dem Foto vom 14. Mai 2026 in Rotenburg(Wümme) zu sehen ist.

Vor zig Jahren brach mal in Athen eine Straße ein und riss so ein Verkaufspavillion mit in die Tiefe. Den beließ man dann einfach in der Erde. Man spottete damals, ob sich da dann wohl in 1000 Jahren Archäologen Gedanken machen, welchen Sinn der Pavillion dereinst gehabt haben dürfte ...

So gehen sie dahin, die Weltläufte. Wie immer, DANKE auch für diesen Reisebericht (ich liebe sie alle) und ja: gerne mehr. Davon kann es nie zu viel geben!


Schöne Grüße von jörg

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)

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