Intermezzo: Totgeglaubte leben länger [m33B] (Reiseberichte)

Math5D, Mittwoch, 06.05.2026, 18:10 (vor 3 Tagen)

Damit es nicht immer nur in die Schweiz geht, unterbreche ich kurz die BG2-Serie für eine aktuelle Tour auf eine Strecke, die schon lange auf meiner Liste steht. Innerhalb NRWs bin ich ja vor Jahren schon alle Strecken mit den landesweit gültigen Tickets gefahren, als es noch kein Deutschlandticket gab. Das erste Mal hatte ich die Gelegenheit, abseits der FV-Strecken ausführlich den Radius zu erweitern, als mit dem AboUpgrade im September 2021 alle Monatskarten für zwei Wochenenden zum D-Ticket wurden. Das habe ich damals genutzt, um vor allem angrenzende Strecken in Rheinland-Pfalz und Hessen, aber auch etwas Saarland und Baden-Württemberg zu nutzen. Später kam das 9€-Ticket, dann das 49€-Ticket, das inzwischen teurer geworden ist, aber eine von Aachen aus extrem nahe Strecke war währenddessen immer unmöglich, weil seit der Flut gesperrt: Die Eifelstrecke.

Nach NUR 4,5 Jahren Bauzeit wurde angeblich wegen der schwierigen Topographie (die Schweizer bekommen alle einen Lachkrampf) schon die Strecke wiedereröffnet, nur um sie in ein paar Wochen wieder zu schließen* für die anstehende Elektrifizierung.

So geht es mit der Planung los, bei der ab Aachen eigentlich morgens ein RE1 mit Umstieg in Düren auf die RB28 am besten wäre. Dieser ist allerdings mit 4min trotz Bahnsteiggleichheit sehr knapp, vor allem weil die Pünktlichkeit der REs in NRW ja bekannt ist und die Rurtalbahn auf diese erfahrungsgemäß keine Millisekunde wartet. Also fahre ich um 6:18 mit dem RE9 los, aus dem ich auch in Euskirchen raus könnte, aber da alles pünktlich unterwegs ist und die RB28 nach Düren vorher ausgefallen ist, fahre ich bis Köln. Der RE1 war am Ende tatsächlich 6min zu spät und der RE9 in der Stunde darauf sogar 11, sodass da der Umstieg in Köln auch nicht geklappt hätte, also alles richtig gemacht.

In Köln soll der RE22 von Gleis 6D-G abfahren. Er stellt sich als einzelner LINT81 heraus, der maximal weit vorne hält und so nur in der vorderen Hälfte von Abschnitt G steht. Trotzdem bekomme ich gerade so einen Platz auf der linken Seite im höhergelegten hintersten Teil.

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01 Von dort geht es an dem alten Gerümpel vorbei, das hier immer steht.

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02 Um die Ecke geht es weiter, wobei sich ein paar neue ICEs daruntermischen.

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03 Noch weiter rum steht Flix mit seinem historischen Wagenmaterial,

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04 neben Köln West der IC nach Westerland

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05 noch klassisch mit 101.

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06 In Euskirchen steht auch ein LINT54 rum. Nebenan sehe ich die RB28, die inzwischen wohl fährt, sowie eine S23.

Inzwischen sammelt der Zug fleißig Verspätung, einmal durch die vielen Fahrgäste, von denen aber die meisten in Erftstadt, Euskirchen, oder Kall aussteigen, und zweitens von jedem einzelnen Gegenzug. Auf der größtenteils eingleisigen Strecke warten wir immer in den planmäßigen Bahnhöfen diese ab, und jeder bringt ein paar Minuten mehr mit - leider immer so wenig, dass sich die Vorfahrt zur nächsten Ausweiche nicht lohnt. Derweil werden wir vom RE22 zur RB22, was auch im Zug korrekt angezeigt wird, und halten nun an jeder Milchkanne, weshalb die ganze Fahrt von Köln bis Trier auch 3h dauert - genauso lange wie über Koblenz, nur dass man da mit 4000 Leuten im RE5 kuscheln muss, nur um den Anschluss an den RLP RE1 zu verpassen. Eigentlich gibt es noch den gut 20min schnelleren RE12, der aber von Aachen aus nichts nützt, weil die Umstiege auf ihn ungünstig liegen, und aktuell sowieso nur bis Gerolstein fährt.

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07 Bis Dahlem (Eifel) bin ich vor Jahren schonmal gefahren. Das ist nicht nur der letzte Bahnhof in NRW, sondern auch kurz hinter dem Scheitelpunkt der Strecke, obwohl die Eifel gefühlt erst ab hier beginnt.

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08 Nun befinde ich mich auf unbekanntem Terrain,

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09 das neben Bergen auch ein paar Kirchen aufweisen kann, hier diejenige in Jünkerath,

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10 und die in Niederbettingen. Da ist die Kirche größer als der ganze Ort.

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11 Vor Gerolstein steht Einiges an historischem Material,

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12 insbesondere Schienenbusse

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13 der Vulkaneifelbahn. Nach der Flut wurde Einiges von hier über die stillgelegte, aber noch vorhandene Eifelquerbahn gerettet.

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14 Der Bahnhof selbst liegt dann sehr schön unterm Fels und besitzt eine ansehnliche Fußgängerbrücke. Wieder warten wir 5min auf unseren Gegenzug - hier hätte sich ein Vorfahren nach Birresborn gelohnt, aber dort ist das zweite Gleis wegen der Elektrifizierung gesperrt...

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15 Gebaut wird auch im Ort.

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16 In Birresborn fließt der Fischbach in die Kyll, der wir schon seit geraumer Zeit folgen.

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17 Die Bertradaburg in Mürlenbach.

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18 In Kyllburg ist unsere Verspätung dank der guten Fahrweise und einiger Puffer auf 7min geschrumpft und bei 5min Planstandzeit könnten wir was aufholen, wenn da nicht der nächste Gegenzug wäre...

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19 Da kommt er und wie das in Deutschland irgendwie immer so ist, fährt nach dessen Eintreffen und Fahrgastwechsel erst der weiter und nach einer zusätzlichen Gedenkminute bekommen auch wir ein grünes Signal. Bescheuerterweise geht es dann durch einen eingleisigen Tunnel, der vom Profil her definitiv zwei Gleise aufnehmen könnte und das vermutlich auch mal getan hat.

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20 Dutzende Male wird die Kyll überquert, hier mal ein Beispielbild.

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21 Hinter Bitburg liegen ein paar hundert Oberleitungsmasten herum,

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22 hier noch mehr. Was mich dabei wundert: Sowohl hier als auch bei den Masten, die entlang der Strecke bereits aufgestellt sind, handelt es sich fast ausschlißlich um Gittermasten, wie sie sonst bei Abspannungen oder Rohrauslegern vorkommen. Normale "einfache" Oberleitungsmasten sind ja wesentlich schmaler, solche stehen aber nur ganz vereinzelt. Weiß jemand, warum das so ist?

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23 Genau genommen liegt der Bahnhof allerdings in Erdorf. Die Stichstrecke von hier in den mit Abstand wichtigsten Ort der Gegend wurde längst stillgelegt. Es existiert zwar ein Busverkehr, aber der ist offensichtlich überhaupt gar nicht auf den Zugfahrplan abgestimmt. Zumindest bei der Rücktour sehe ich auf der Abfahrtstafel eine Wartezeit von 40min, bei der mich nicht verwundert, dass diverse Fahrgäste auf am Bahnhof abgestellte Fahrräder umsteigen. Selbst zu Fuß wäre man schneller.

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24 Noch ein Flussbild

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25 und ein BÜ vor Speicher.

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26 Die Heinzkyller Mühle hat schonmal bessere Zeiten gesehen.

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27 Fast pünktlich erreichen wir den nächsten Begegnungsbahnhof Auw an der Kyll mit 4min Planhalt, der Gegenzug rollt mit +13 an.

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28 Da geschieht doch tatsächlich ein Wunder: Wir fahren pünktlich weiter

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29 und fahren in Daufenbach außerplanmäßig auf Gleis 1, sodass die Zugbegegnung hier stattfindet und uns nur +2 einbringt.

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30 Hm, ohne Oberleitungsmast wäre das Bild irgendwie besser geworden.

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31 Kirche in Kordel, wo wir wieder pünktlich sind. Da steht dem 9min-Umstieg in Trier nichts mehr im Wege - erst recht nicht, weil unser Gleis von 12Nord auf 10Nord geändert wurde und das des RE11 von 10Süd auf 11Süd - also bahnsteiggleich.

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32 Burg Ramstein bekomme ich leider nicht wirklich drauf.

Dann erreichen wir den neuen Bahnhof Trier Hafenstraße, der Ehrang ersetzt, wo die Moselstrecke dazukommt. Es folgt Pfalzel, und aus dem Nichts fahren wir einfach nicht weiter. Mit +4 geht es schließlich los, aber nur sehr zuckelnd.

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33 Hier geht es über die Mosel.

Ohne erkennbaren Grund bleiben wir bis zur Einfahrt noch ganze 4 Mal stehen und erreichen den Bahnhof mit +11. So strande ich erstmal in Trier und berichte im nächsten Teil, wie es weitergeht und wohin.

* Entgegen der ursprünglichen Ankündigung bleibt die Strecke unter der Woche bis Mitte 2027 doch geöffnet, an den Wochenenden und nachts wird allerdings gebaut.


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