PL: Ab 2030 Berlin-Gdansk via Szczecin, dichterer NV und FV (Allgemeines Forum)
Interessante Entwicklung für die Verbindung Berlin–Szczecin–Dreistadt, die sich schon ein bisschen abgezeichnet hatte: Nach Angaben des polnischen Infrastrukturministeriums sollen ab Dezember 2030 erstmals Fernzüge von Berlin über Szczecin, Koszalin, Słupsk, Gdynia, Gdansk und Olsztyn bis Białystok fahren. Geplant sind zunächst vier Zugpaare täglich, also grob ein Vier-Stunden-Takt. Nach 2035 soll das Angebot perspektivisch auf acht Zugpaare anwachsen, was dann ungefähr einem Zwei-Stunden-Takt entspräche.
Möglich werden soll das durch den seit Jahren überfälligen Ausbau der Strecke Berlin–Szczecin. Auf deutscher und polnischer Seite soll die Verbindung durchgehend elektrifiziert und weitgehend zweigleisig ausgebaut werden, mit Geschwindigkeiten bis 160 km/h. Der Bauverlauf auf deutscher Seite ist ja bestens bekannt, es geht bestenfalls sehr langsam voran. Die deutsche Seite will ihren Abschnitt bis Ende 2027 fertigstellen; auf polnischer Seite sollen die Arbeiten zwischen Grenze und Szczecin Gumieńce nach derzeitigem Stand bis 2029 laufen. Ein Unsicherheitsfaktor bleibt allerdings, dass nicht alle Arbeiten vollständig gesichert finanziert sind. Insbesondere der zweite Gleisabschnitt bis Szczecin Główny ist offenbar nur als Option vorgesehen. Im ungünstigen Fall gäbe es also zwar durchgehenden elektrischen Betrieb, aber noch einen Engpass im Stadtbereich Szczecin.
Zusätzlich plant die Woiwodschaft Westpommern ein deutlich dichteres Regionalangebot Richtung Berlin: insgesamt 18 Zugpaare, davon neun direkte schnelle Verbindungen zwischen Szczecin und Berlin mit Anbindung des BER sowie neun weitere Verbindungen mit Umstieg in Angermünde. Die Fahrzeit Szczecin–Berlin soll dann bei rund 90 Minuten liegen, was die Bahn auf dieser Relation erstmals wirklich konkurrenzfähig machen würde.
Für die Dreistadt ist vor allem spannend, dass die Verbindung nach Berlin künftig offenbar stärker über Szczecin laufen soll. Heute fährt die „Gedania“ bekanntlich über Bydgoszcz und Poznań. Die neue Route würde also die Nordachse stärken. Eine Führung über Kołobrzeg ist dagegen zunächst nicht geplant, weil die dafür nötigen Strecken weiter nicht elektrifiziert sind und eine Modernisierung dort noch in weiter Ferne liegt.
Link zur polnischen Meldung: Klick