Womit soll die Eisenbahn punkten? (Allgemeines Forum)

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Mittwoch, 15.04.2026, 14:06 (vor 13 Tagen) @ J-C

Hallo.


Mit der arg euphemistisch beschriebenen Verringerung der Dieselzüge? Das dauert noch Jahrzehnte, bis die verschwunden sind. Auch bei der Elektrifizierung geht es hier nur im Schneckentempo voran.

Immerhin ist man im Bussektor ja dann doch noch aufgewacht, so dass sich da einiges tut.

Ich sehe da eher ein Nachteil für den ÖV, dass die Umstellung hin zum vermeintlich umweltfreundlichen Strom noch lange dauern wird.

Das Chaos auf Gleisen wird ebenfalls noch Jahrzehnte bleiben. Die DB-Führung macht das marketing-strategisch ja ganz clever, indem sie stets betont, dass die Sanierung dauert. Und damit impliziert, das Sanierung zwangsweise mit Chaos einher geht. Dabei habe ich das im Osten, als man nach der Wende sanierte, ganz anders erlebt: trotz regelmäßig gigantischer Baustellen kamen die Fernzüge zur angegebenen Zeit am Bahnsteig an. Da waren die Fahrplaner noch wahre Könner.

OT: Erlebnis im IC Dresden-Ruhrgebiet. Wir fuhren mit dem Einheitsticket eben am Tag der Einheit. Steuerwagen voraus, so dass wir uns mit mehreren Fahrgästen mit dem Lokführer unterhielten. Einige Ruhrpottler nölten über die ständigen Verspätungen der Züge im Pott und schimpften auf den Osten. Ich widersprach; die Verspätungen lägen am Westen. Kurz zuvor standen wir lange zwischen Halle und Magdeburg wegen kilometerlanger Eingleisigkeit. Trotzdem blieben wir im Plan. Vor Braunschweig dann 250 Meter Baustelle, Fahrt ins Gegengleis - dahinter hatten wir dann +10. Die sich dann, Stichwort Zugfolge, noch erhöhte. Ich genoss meinen 'Triumpf' leise ... ;-)


Und was die Abhängigkeit von China betrifft: die ist längst gegeben. Die Zeiten, dass wir hier großspurig die Welt wirtschaftlich beherrschten, neigt sich dem Ende. Da backen wir hier zukünftig ganz kleine Brötchen.

Zumal der Plan, den Umweltschutz und damit unsere Technologie der Welt als Must-have zu verkaufen, ja eher grandios gescheitert ist. Ist halt schwer zu erklären, dass, nachdem wir in Europa seit Jahrhunderten(!) Wald fällen zwecks Wohlstand, die Brasilianer, die das jetzt auch verstanden haben, das plötzlich nicht mehr dürfen sollen. Die Welt fällt nicht drauf rein und interessiert sich für die Umwelt eher weniger.

Und was die Elektromobilität anbetrifft, müssen wir darauf hoffen, dass wir noch eine Weile Kolonialismus betreiben können und fremde Länder, die die Rohstoffe besitzen, mehr oder weniger ausbeuten können. Ansonsten ist nach dem Fahrrad demnächst die Pferdekutsche die nächste Fortentwicklung.

Was die Spritpreise betrifft: da sollte man sich von der Regierung nichts erwarten. Spätestens nach den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und den dortigen AfD-Ergebnissen kennt sie das Ablaufdatum des aktuellen politischen Systems. Im Herbst wird es zwei überragende Siege für die AfD geben. Die aktuell herrschenden Parteien retten jetzt noch die letzten Pfründe.

Mit der AfD ist allerdings erst recht kein Siegeszug der Eisenbahn zu erwarten.

Zumal die Pkw-Dichte in Deutschland steigt und steigt - von einer VerkehrsWENDE sind wir Lichtjahre entfernt.

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/08/PD25_N044_46_85.html

Auch bei jungen Leuten ist das Auto beileibe nicht abgeschrieben. Und Umweltschutz ist auch da nachrangig.

https://www.google.com/amp/s/www1.wdr.de/nachrichten/adac-mobilitaetsstudie-100.amp

Okay, eine ADAC-Studie. Müssen wir also etwas relativieren. Trotzdem läßt sich nicht leugnen, dass die Eisenbahn auch bei jungen Leuten, sobald sie die Wahl haben, nicht zwingend das ersehnte Verkehrsmittel ist.

Allzu große Hoffnungen sollten wir uns also nicht machen in punkto Eisenbahn. Stattdessen gilt es, sich an dem erfreuen, was es aktuell gibt. Züge bis weit nach Mitternacht. Stundentakte around the clock. Etc. Wir diskutieren jetzt ja eher über Streichungen angesichts dessen, was der Eisenbahnbetrieb schlußendlich kostet, unabhängig davon, wo man die Kosten jetzt öffentlich ansiedelt (Trassenpreis, Regionalisierungsmittel, Fahrpreise oder wo immer). Er ist ein gigantisches Zuschußgeschäft. Das man sich leisten kann, wenn das Geld munter sprudelt. Nur sind die Aussichten da eher anders.

Deswegen muss ich immer so lachen, wenn ich diesen Unsinn höre mit Verkehrsprognosen für 2040 oder jetzt bereits 2050. Wo mir wer verrechnet, dass anno 2045 genau 178 Güterzüge zwischen Hamburg und Hannover verkehren und wir deswegen ne Neubaustrecke brauchen. Soviel Planwirtschaft kannte nicht mal der Osten. Und wenn eines sicher ist, dann, dass es nicht so kommt wie prognostiziert.


Schöne Grüße von jörg

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)


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