Wo die Spritpreise tatsächlich hinführen - mehr Elektroautos (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Mittwoch, 15.04.2026, 09:44 (vor 2 Tagen)
bearbeitet von J-C, Mittwoch, 15.04.2026, 09:49

Als ich mal vor Ostern mit 7 Umstiegen von Groningen nach Tschechien via Düsseldorf und München fuhr, um meine Familie zu besuchen (und ich da auch keinen Anschluss aufgrund einer Verspätung verpasste), kam ich im ICE nach München ins Gespräch mit anderen Fahrgästen. In Stuttgart war der ICE noch 10 Minuten verspätet, doch vermute ich, dass Söder mit seinem starken Arm die Weichen stellte, auf dass der Zug spätestens in Augsburg dann bis München vor Plan ankommt.

Jedenfalls kam man ins Gespräch dort und findet, dass zumindest für Alleinreisende das Auto tatsächlich ziemlich teuer geworden ist gegenüber der Bahn. Zumindest im Vergleich zum Sparpreis. Die Spritpreise gehen derzeit ziemlich durch die Decke, vor allem, weil die Ölkonzerne den Irankrieg als Ausrede nutzen, um jetzt kräftig Gewinne einzufahren.

Doch auch wenn Bahnfahren recht attraktiv ist und auch sonst so seine Vorzüge hat, es wird ja dennoch weiterhin viel Auto gefahren, da hat sich nicht so viel verändert.

Da fragte ich mich, was machen die Leute, immerhin geht der Spritpreis ihnen ja nun stärker ins Budget. Die Antwort ist eigentlich ziemlich logisch und lautet Elektroauto

Denn Elektroautos sind logischerweise nicht direkt von steigenden Spritpreisen betroffen.

Reine Dieselautos machten zuletzt nur noch 22,8% der Neuzulassungen aus, etwa 24% hingegen sind Elektroautos und 40,1% sind Hybridautos. Also werden weiterhin fossile Rohstoffe verbrannt, man macht sich nun aber ein wenig mehr unabhängig. Und klar, 24% klingt nicht nach so viel, aber das kommt ja auch nach einem Anstieg um etwa 2/3 und sollte die Geschichte um den Iran noch weitere Episoden parat haben, kann diese Krise noch weitere Folgen tragen.

Die Bahn könnte etwa hier punkten. Klar, auch hier sind Dieselzüge betroffen, aber die machen ja immer weniger insgesamt aus. Etwaige Preisanstiege werden also verhältnismäßig weniger stark ausfallen. In Schleswig-Holstein etwa hat man ja auch durch Akkuzüge bereits eine Antwort für viele nichtelektrifizierte Strecken gefunden, jenseits der Marschbahn natürlich, die aber perspektivisch ja auch die Strippe erhalten soll.

Und dort wo schon jetzt Elektrobusse, Straßenbahnen und Trolleybusse fahren, haben sich etwaige höhere Anschaffungskosten wohl jetzt ausgezahlt. Etwa auch hier in Groningen, wo gegenüber meiner Studentenwohnung ich jeden Tag auf der Tankstelle die Spritpreise über 2.10€ und mehr bewundere, während ich gegenüber vom
Zimmer vom Fenster aus auf der Busstraße die Elektrobusse von Heuliez und… Yutong sehen kann, letztere für längere Regionalbuslinien. Freilich fahren auch Dieselbusse weiterhin rum. Der Geräuschunterschied ist übrigens eher gering. Kann also auch sein, dass wir vom Regen in die Traufe kommen, sollte jemals unsere wachsende Abhängigkeit von chinesischen Produkten zum Verhängnis werden.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Womit soll die Eisenbahn punkten?

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Mittwoch, 15.04.2026, 14:06 (vor 2 Tagen) @ J-C

Hallo.


Mit der arg euphemistisch beschriebenen Verringerung der Dieselzüge? Das dauert noch Jahrzehnte, bis die verschwunden sind. Auch bei der Elektrifizierung geht es hier nur im Schneckentempo voran.

Immerhin ist man im Bussektor ja dann doch noch aufgewacht, so dass sich da einiges tut.

Ich sehe da eher ein Nachteil für den ÖV, dass die Umstellung hin zum vermeintlich umweltfreundlichen Strom noch lange dauern wird.

Das Chaos auf Gleisen wird ebenfalls noch Jahrzehnte bleiben. Die DB-Führung macht das marketing-strategisch ja ganz clever, indem sie stets betont, dass die Sanierung dauert. Und damit impliziert, das Sanierung zwangsweise mit Chaos einher geht. Dabei habe ich das im Osten, als man nach der Wende sanierte, ganz anders erlebt: trotz regelmäßig gigantischer Baustellen kamen die Fernzüge zur angegebenen Zeit am Bahnsteig an. Da waren die Fahrplaner noch wahre Könner.

OT: Erlebnis im IC Dresden-Ruhrgebiet. Wir fuhren mit dem Einheitsticket eben am Tag der Einheit. Steuerwagen voraus, so dass wir uns mit mehreren Fahrgästen mit dem Lokführer unterhielten. Einige Ruhrpottler nölten über die ständigen Verspätungen der Züge im Pott und schimpften auf den Osten. Ich widersprach; die Verspätungen lägen am Westen. Kurz zuvor standen wir lange zwischen Halle und Magdeburg wegen kilometerlanger Eingleisigkeit. Trotzdem blieben wir im Plan. Vor Braunschweig dann 250 Meter Baustelle, Fahrt ins Gegengleis - dahinter hatten wir dann +10. Die sich dann, Stichwort Zugfolge, noch erhöhte. Ich genoss meinen 'Triumpf' leise ... ;-)


Und was die Abhängigkeit von China betrifft: die ist längst gegeben. Die Zeiten, dass wir hier großspurig die Welt wirtschaftlich beherrschten, neigt sich dem Ende. Da backen wir hier zukünftig ganz kleine Brötchen.

Zumal der Plan, den Umweltschutz und damit unsere Technologie der Welt als Must-have zu verkaufen, ja eher grandios gescheitert ist. Ist halt schwer zu erklären, dass, nachdem wir in Europa seit Jahrhunderten(!) Wald fällen zwecks Wohlstand, die Brasilianer, die das jetzt auch verstanden haben, das plötzlich nicht mehr dürfen sollen. Die Welt fällt nicht drauf rein und interessiert sich für die Umwelt eher weniger.

Und was die Elektromobilität anbetrifft, müssen wir darauf hoffen, dass wir noch eine Weile Kolonialismus betreiben können und fremde Länder, die die Rohstoffe besitzen, mehr oder weniger ausbeuten können. Ansonsten ist nach dem Fahrrad demnächst die Pferdekutsche die nächste Fortentwicklung.

Was die Spritpreise betrifft: da sollte man sich von der Regierung nichts erwarten. Spätestens nach den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und den dortigen AfD-Ergebnissen kennt sie das Ablaufdatum des aktuellen politischen Systems. Im Herbst wird es zwei überragende Siege für die AfD geben. Die aktuell herrschenden Parteien retten jetzt noch die letzten Pfründe.

Mit der AfD ist allerdings erst recht kein Siegeszug der Eisenbahn zu erwarten.

Zumal die Pkw-Dichte in Deutschland steigt und steigt - von einer VerkehrsWENDE sind wir Lichtjahre entfernt.

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/08/PD25_N044_46_85.html

Auch bei jungen Leuten ist das Auto beileibe nicht abgeschrieben. Und Umweltschutz ist auch da nachrangig.

https://www.google.com/amp/s/www1.wdr.de/nachrichten/adac-mobilitaetsstudie-100.amp

Okay, eine ADAC-Studie. Müssen wir also etwas relativieren. Trotzdem läßt sich nicht leugnen, dass die Eisenbahn auch bei jungen Leuten, sobald sie die Wahl haben, nicht zwingend das ersehnte Verkehrsmittel ist.

Allzu große Hoffnungen sollten wir uns also nicht machen in punkto Eisenbahn. Stattdessen gilt es, sich an dem erfreuen, was es aktuell gibt. Züge bis weit nach Mitternacht. Stundentakte around the clock. Etc. Wir diskutieren jetzt ja eher über Streichungen angesichts dessen, was der Eisenbahnbetrieb schlußendlich kostet, unabhängig davon, wo man die Kosten jetzt öffentlich ansiedelt (Trassenpreis, Regionalisierungsmittel, Fahrpreise oder wo immer). Er ist ein gigantisches Zuschußgeschäft. Das man sich leisten kann, wenn das Geld munter sprudelt. Nur sind die Aussichten da eher anders.

Deswegen muss ich immer so lachen, wenn ich diesen Unsinn höre mit Verkehrsprognosen für 2040 oder jetzt bereits 2050. Wo mir wer verrechnet, dass anno 2045 genau 178 Güterzüge zwischen Hamburg und Hannover verkehren und wir deswegen ne Neubaustrecke brauchen. Soviel Planwirtschaft kannte nicht mal der Osten. Und wenn eines sicher ist, dann, dass es nicht so kommt wie prognostiziert.


Schöne Grüße von jörg

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)

Langfristplanung kann man nicht wirklich vermeiden

J-C, In meiner Welt, Mittwoch, 15.04.2026, 17:15 (vor 1 Tag, 23 Stunden, 4 Min.) @ Der Blaschke

Wie soll man sonst planen? Von heute auf morgen? Das kann man in Systemen, die auf Langfristigkeit ausgelegt sind, nicht wirklich verantworten. Ich denke, Entscheidungsträger würden auch lieber kurzfristige Planungen haben, ohne langfristig denken zu müssen. Nur wird man damit nicht weit kommen. Brücken, Tunnel, Strecken, die sind auf Jahrzehnte ausgelegt, weil es eben etwas dauert, bis das aufgebaut ist und weil diese Infrastruktur auch auf Langlebigkeit ausgerichtet ist. Idealerweise zumindest.

Also wird die Inflation dazugerechnet, Risikozuschläge nach Wahrscheinlichkeit des Eintritts raufgeschlagen, nicht um alle möglichen Fälle abzudecken, sondern eben so weit wie sinnvoll machbar Unabwägbarkeiten dann einzupreisen. Das funktioniert grundsätzlich zu einem Grad gar nicht so schlecht. Deswegen gelingt es ja sehr wohl auch heutzutage, dass Projekte sich im Rahmen halten.

Und wenn was dann doch nicht so kommt, wie vorhergesehen, dann ist es nicht wegen der fehlenden Berücksichtigung von Unabhängigkeit, sondern obwohl man so weit wie sinnvoll darstellbar Risiken mitberücksichtigt hat und wenn es sonst ja eh ganz gut so funktioniert, macht man sicher was richtig.

Denn wenn es so laufen würde, worauf deine Argumentation letztlich abzielt, hätten wir es ganz schön chaotisch und es würde insgesamt mehr Geld in kurzfristigen Entscheidungen verloren gehen, als wenn man langfristige Planungshorizonte zugrunde legt, weil im einen Jahr ist das eine en vogue, im nächsten kommt auf einmal irgendwas anderes daher etc. etc. Deswegen ist es oft parteiübergreifend so, dass man grundsätzlich auf eine langfristige Strategie abzielt und eher vorsichtig damit ist, Projekte des Vorgängers einfach mal eben abzublasen (während man sich damit anderswo weniger schwer tut).

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Mehr E-Autos - ich hab da meine Zweifel

Waldbahn, Mittwoch, 15.04.2026, 19:25 (vor 1 Tag, 20 Stunden, 53 Min.) @ J-C
bearbeitet von Waldbahn, Mittwoch, 15.04.2026, 19:28

Hallo

Ein E-Auto liegt in den Einstiegssegmenten bei über 35.000 bis 40.000€ (Der BYD Einsteiger mit 12.000€ wäre eher was als 2. Wagen eine Familienkutsche liegt auch bei ca 38.000€). Das hat man mal eben nicht so liegen und eine Finanzierungsvereinbarung ist auch nicht in 5min abgeschlossen. Außerdem sind die anderen Lebenshaltungskosten ebenso hoch wie Spritkosten. Mieten, Energie (Strom plus Gas [wenn] vorhanden) Kinderbetreuung ist auch nicht zum Nulltarif zu haben. Und dann bei vielleicht schon laufenden Krediten (Haus etc) nun auf den E-Wagen umsteigen - ein heeres Ziel, aber für viele nicht ohne weiteres umzusetzen.

Wer kann wird sich eher die Variante D-Ticket überlegen und sonst zähneknirschend weiter den Benziner fahren und hoffen, dass die Preise sinken.

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Gruß
Waldbahn

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