Regiojet zieht sich nach nur kurzer Zeit aus Polen zurück (Allgemeines Forum)

Destear, Berlin, Donnerstag, 09.04.2026, 10:56 (vor 8 Tagen)
bearbeitet von Destear, Donnerstag, 09.04.2026, 10:59

Nach nur wenigen Monaten stoppt das tschechische EVU Regiojet seine Expansion im innerpolnischen Verkehr wieder. Anfang Mai fahren die letzten Züge in Polen. Zuletzt war man auf der Strecke zwischen Danzig, Warschau und Krakau sowie zwischen Warschau und Posen unterwegs. Das Konzept glich dem im Heimatmarkt Tschechien: differenzierte Reiseklassen, dabei durch alle Klassen hindurch niedrige Preise, in Polen teils deutlich unter dem Preisniveau von PKP ICCC. Der Start verlief dabei zunächst holprig; da Personal fehlte, mussten viele Verbindungen gestrichen werden. Nachdem der Betrieb nun weitgehend sauber lief, wobei nie alle angedachten Verbindungen angeboten werden konnten, kommt nun das schnelle Ende. Regiojet begründet den Ausstieg mit einer Benachteiligung beim Zugang zur Infrastruktur sowie zum Ticketverkauf. Der Markteintritt sei von vornherein als zeitlich begrenzter Test zu verstehen gewesen, um zu prüfen, ob eine dauerhafte Marktteilnahme lohnen sein könnte. Für die Reisenden in Polen hatte der Markteintritt von Regiojet positive Folgen, denn in der Tat senkte PKP ICCC seine teils sehr hohen Ticketpreise auf den von der Konkurrenz betroffenen Strecken. Gut möglich, dass damit jetzt wieder Schluss ist. Nicht betroffen vom Marktaustritt sind die grenzüberschreitenden Verbindungen von Prag nach Polen.

Link zur polnischen Berichterstattung: Klick

Schade. Das ist Mist. Keine gute Entwicklung.

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Donnerstag, 09.04.2026, 13:07 (vor 8 Tagen) @ Destear
bearbeitet von Der Blaschke, Donnerstag, 09.04.2026, 13:07

Hey.

Für die Reisenden in Polen hatte der Markteintritt von Regiojet positive Folgen, denn in der Tat senkte PKP ICCC seine teils sehr hohen Ticketpreise auf den von der Konkurrenz betroffenen Strecken.

Tja, ist halt so: Wettbewerb und Marktwirtschaft funktionieren überall auf der Welt gleich.

Deswegen ist es ja auch so wichtig, dass die monopolartige Staatsfernverkehrseisenbahn auch in Deutschland endlich ordentlich Mitbewerber bekommt, damit das selbstherrliche Geschäftsgebaren endlich mal ein Ende hat.

Leider geht man in Deutschland aber einen anderen Weg. Die Bahnchefin betonte noch kürzlich im Interview, dass man unbedingt Stastsunternehmen bleiben will. Das ist nämlich für die DB ultrapraktisch: man kann zum einen die Hand aufhalten und pausenlos mehr Geld verlangen und den Laden zu einem Faß ohne Boden zu machen. Gleichzeitig kann man sicher sein, dass der Eigentümer Bund viel zu desinteressiert und ahnungslos ist, um qualifiziert mitreden oder gar mitbestimmen zu können - bei der DB hat man weitgehend Narrenfreiheit. Und geradezu ideal ist es, wenn man der Politik den Deutschlandtakt aufgeschwatzt hat, der im Fernverkehr im ganz wesentlichen aus DB Fern besteht und nur hier und da ne popelige Trasse für Dritte abwirft. Und wenn sich trotzdem tatsächlich wer findet, hat man ja noch die Chaosbude InfraGo, die dann auch Dritten mit Wonne das Leben schwer machen kann! Was sich praktischerweise kaum nachweisen läßt. Das macht's noch angenehmer.

Und so ist das Eisenbahnwesen auch in Deutschland von einer echten Blüte Lichtjahre entfernt und bleibt das auch. Das System krankt nicht an zu viel Wettbewerb, sondern an zu wenig. Total irre dabei, dass dann Bahnfuzzys gerne fordern, die letzte Bahnreform zurückzudrehen und das Ganze wieder zum Staatsladen werden zu lassen. Ganz als on Bundesbahn und Reichsbahn nicht 40 Jahre bewiesen haben, dass sie es nicht können. Weil es nunmal ein Naturgesetz ist, dass der Staat nicht wirtschaften kann. Das muss stets scheitern.

Gut möglich, dass damit jetzt wieder Schluss ist.

Es ist zu befürchten.

Sehr unschön alles.

Hoffen wir, dass die zaghaften Versuche Dritter in Deutschland von mehr Erfolg gekrönt sind!


Schöne Grüße von jörg

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)

Regiojet zieht sich nach nur kurzer Zeit aus Polen zurück

611 040, Erfurt, Donnerstag, 09.04.2026, 18:43 (vor 8 Tagen) @ Destear
bearbeitet von 611 040, Donnerstag, 09.04.2026, 18:44

Wenn es tatsächlich eine Benachteiligung ist, wieso rügt man den polnischen Infrastrukturbetreiber dann nicht bei der Europäischen Kommission oder erhebt Klage vor dem EuGH?
Man dürfte sehr gute Chancen haben...
Denn gerade dieser Wettbewerb auf EINEM einheitlichen Binnenmarkt ist ja Kernelement der EU.
Und ja, es ist aus anderen Bereichen bekannt, dass sich die polnische Regierung nicht sonderlich für EU-Rrcht interessiert, versuchen könnte man es aber, wenn man tatsächlich in den Markt einsteigen will.

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❤ 611, 612, 642, 644, 425, ICE-T, IC1 ❤

Regiojet zieht sich nach nur kurzer Zeit aus Polen zurück

Destear, Berlin, Donnerstag, 09.04.2026, 20:11 (vor 8 Tagen) @ 611 040

Ich denke weil die Situation nicht so einfach ist. Regiojet hatte von Anfang an echte Probleme im innerpolnischen Verkehr. Zuletzt waren die Verbindungen wohl wieder relativ unzuverlässig und auch die Preise schossen in die Höhe. Eine Diskriminierung über der ungerechtfertigte Beeinträchtigung über der Schwelle muss man ja auch nachweisen können und bei den relativ vagen Aussagen von Regiojet bin ich mir da gar nicht so sicher. Sagen wir mal so, Leoexpress beschwert sich nicht. Ich würde vermuten dass PKP ICCC die einfach in einen Preiskampf verwickelt hat, den man nicht durchhalten wollte. Natürlich auch unfair, denn hinter PKP steht natürlich der polnische Staat. Insgesamt schade, denn Blaschke hat recht - Wettbewerb auf der Schiene wird dringend gebraucht, alleine damit Fahrgäste nicht einem Monopol ausgeliefert sind. Die Zeit der Mondpreise auf Krakau - Warschau - Danzig wird jetzt wieder losgehen…

Sehr ausführliche PM von Regiojet hierzu

Destear, Berlin, Freitag, 10.04.2026, 10:25 (vor 7 Tagen) @ Destear

Wer die nachlesen will, hier entlang.

Sehr ausführlich, sehr viel Abrechnung, aber auch konkrete Vorwürfe: Man habe ein gekauftes Betriebswerk nicht übergeben, die Möglichkeit physischen Ticketverkauf anzubieten habe man unterbunden, Benachteiligung bei Trassen, insbesondere aber auch extremer Preiskampf von PKP ICCC mit Preissenkungen bis zu 70 %, wie ich es auch angesprochen habe.

Ganz interessant zu lesen, lässt das Intermezzo im polnischen Markt wie einen Unfall in Zeitlupe aussehen.

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